Anstrengend
»Anstrengend.«
Ein sehr mildes Wort, um die Sache zu beschreiben. Was wiederum nur eine nette Art war, um »riesenhafte Untertreibung« auszudrücken. Kanan seufzte. Hera war in den letzten siebeneinhalb Monaten, und ganz besonders in letzter Zeit sehr viel mehr als nur »anstrengend«. Sie war unvernünftig, überempfindlich und daher auch extrem leicht reizbar. Es gab die guten Tage, an denen sie einfach auf dem Medi-Station blieb, sich ausruhte, oder zumindest nur an ein paar Besprechungen teilnahm. Und dann gab es da die weniger guten Tage, wie heute, an denen sie von einer Mission zurückkamen und Kanan seine Frau anschließend nach langer Suche unter den kaputten Kontollen eines A-Wings fand.
„Was bei der Macht treibst du da bitte?!"
„Ich repariere.", antwortete sie trocken und todernst.
„Warum du, warum jetzt und-"
„Kanan, sei still, bei diesem Rumgebrülle kann ich mich nicht konzentrieren.", zischte sie gereizt.
»Ich brülle rum? Na das war ja mal wieder klar...«, dachte er seufzend.
„Und jetzt lass mich bitte weiterarbeiten."
„Nein! Hera-"
„Willst du mich schon wieder rumkommandieren?! Ist schon schlimm genug dass du mein Schiff misshandelt und mir jegliche Art von Mission gesperrt hast! Aber nein, jetzt musst du mir auch noch hier rein reden!"
Er stöhnte.
»Und schon sind wir wieder so weit...«
„Hera, in deinem Zustand solltest du nicht an irgendwelchen losen Kabeln rumbasteln! Stell dir vor es geht etwas schief und du verlierst das Kind! Ist es das, was du willst?!"
Sie war inzwischen aufgestanden.
„Kind hier, Kind da! Sag mal spiele ich für dich eigentlich überhaupt noch eine Rolle?!"
„Natürlich! Was glaubst du, warum ich mir deshalb so viele Gedanken mache?!"
„DU MEINST IM SINNE VON MIR ALLES VERBIETEN?! DAS NENNST DU »DIR GEDANKEN MACHEN«?! NA VIELEN DANK AUCH! LASS DAS VERDAMMTE BABY DOCH ENDLICH MAL WIEDER AUßEN VOR!"
„Ach, soll ich das?! Ist es das was du willst?! Gut, dann lassen wir das Kind außen vor und reden mal darüber, WIE ABSOLUT UNERTRÄGLICH DU DICH IN LETZTER ZEIT BENIMMST!"
„ICH BIN UNERTRÄGLICH?!"
„STELL DIR VOR, UND WIE! UND ZWAR IN EINEM AUSMAß, IN DEM ICH ES NICHT MEHR BLOß AUF DAS KIND SCHIEBEN KANN! HAST DU EIGENTLICH EINE AHNUNG, WIE VIEL MÜHE ICH MIR DEINETWEGEN MACHE?! KANAN, HOL MIR DIES, KANAN MACH DAS, KANAN BESORG JENES! UND ALS DANK WERDE ICH JEDES MAL NUR ANGESCHRIEEN! ES REICHT MIR! WENN DU MEINE HILFE NICHT WILLST, KANNST DU DAS AUCH GERNE ALLEIN REGELN!"
„GUT, ICH BRAUCHE DICH SOWIESO NICHT!"
„SCHÖN!"
„SCHÖN!"
Die Tür schloss sich mit einem lauten Zischen. Jetzt stand Hera ganz allein da. Einen Moment noch blieb sie genau so stehen, frustriert und wütend. Dann begann der Ärger abzuklingen, und mit einem Mal dämmerte ihr, was sie da soeben gerade gesagt hatte. Dann sank sie gegen die Wand und fing an zu weinen.
„Ihr habt schon wieder gestritten, nicht?"
Kanan hob seufzend den Kopf.
„Ist das so offensichtlich?"
Ahsoka musste ein wenig lachen.
„Nein, eigentlich nicht, hätte man es nicht durch das halbe Schiff gehört..."
„Ich-ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll! Sie versteht nicht, dass ich mir Sorgen mache, hört nicht auf mich, schreit mich nur noch an und bringt sich und das Kind ständig in Gefahr."
„Versuch sie zu verstehen. Was würdest du davon halten, wenn dir plötzlich jemand sagt, dass du nichts tuen kannst? Dass du nur noch in der Basis bleiben und dich ausruhen kannst? Und das immer und immer wieder?"
„Ich weiß, ich-ich habe nur solche Angst um sie. Diese Visionen die ich hatte, sie treten immer häufiger auf. Ich höre sie schreien, Ahsoka. Ich spüre, wie sie leidet."
„Kanan, du...du musst das verstehen. Sie wird da durch müssen, und natürlich ist das kein schönes Gefühl. Sie wird schreien, sie wird Schmerzen haben. Aber es wird vorbei gehen. Vertrau mir. Rede mit ihr darüber."
Der jüngere Jedi nickte.
„Danke für den Rat."
Als er sich auf den Rückweg machte, trafen sich die Beiden wortwörtlich auf halbem Weg. Er wollte etwas zu ihr sagen, aber bevor er auch nur ein Wort herausbekam, begann sie zu sprechen.
„Es tut mir so leid, ich-ich wollte das alles nie."
„Nein, mir tut es leid. Ich weiß, dass du gestresst bist. Ich hätte nicht mit dir streiten sollen."
Sie vergrub ihren Kopf in seiner Brust. Er legte seine Arme um sie, und erst jetzt bemerkte er, wie stark sie zitterte.
„Ich hab solche Angst...", flüsterte sie und schluchzte.
„Was, wenn ich komplette versage? Wenn wir das alles nicht schaffen? Wenn das Kind irgendwie verletzt wird-wenn wir es an das Imperium verlieren? Die hätten keine Gnade... Dieses ganze Herumgestreite, der Trotz-das ist für mich alles nur Ablenkung, verstehst du?!"
In ihren Augen funkelte schiere Verzweiflung. Sie rechnete fest damit, dass er sie jetzt anschrie-das, oder sie in den Arm nahm und sagte, dass alles gut werden würde. Dass er sie anlog. Aber nichts davon passierte. Stattdessen ließ er sie los, schaute ihr tief in die Augen und ergriff ihre Hände.
„Aber ich habe doch auch Angst."
Sie schaute ihn etwas überrascht an.
„Ist es wegen deiner Visionen?"
Kanan schüttelte den Kopf.
„Zum Teil habe ich immer noch Angst dich zu verlieren, natürlich. Aber ich habe genauso große Angst vor dem Kind zu versagen sie du. Glaubst du ich bin bereit dafür?"
„Du-du meinst du bist nicht-aber du hast dich so gefreut und-ich dachte-", stammelte Hera vor sich hin.
Kanan schüttelte den Kopf.
„Nur, weil ich Angst habe, heißt das nicht, dass ich mich nicht auch unglaublich darauf freue. Und jetzt bitte ich dich, Hera, mir ehrlich zu antworten. Glaubst du, seit dem Anfang der Zeit, war je ein Paar wirklich bereit dazu, zum ersten Mal Eltern zu werden?"
Die Twi'lek zögerte kurz, dann schüttelte sie den Kopf.
„Nein, ich-ich schätze nicht."
Kanan lächelte.
„Eben. Viele wollen sogar Kinder, und selbst die sind eigentlich beim ersten Mal nicht wirklich bereit. Man hat vor solchen Veränderungen nunmal Angst, vor allem wenn sie dann passieren, wenn man am wenigsten damit rechnet. Das ist ganz natürlich. Aber ist es nicht trotzdem etwas wunderschönes?"
Er legte seine Arme um ihren Bauch. Sie Beide wussten, dass es kaum noch ein paar Wochen waren.
„Wir haben die Kleine doch Beide gesehen. Ich spüre sie, ihr kleines Herz, genau an deinem."
Hera lächelte ein wenig.
„Ich liebe dich.", flüsterte sie.
Er gab ihr einen Kuss.
„Ich dich auch. Und ich weiß, dass wir sie genauso lieben werden. Und sie uns."
Hera hatte Tränen in den Augen.
„Du wirst ein toller Vater werden."
„Und du bist jetzt schon eine fantastische Mutter. Wir haben in den letzten Jahren einen launischen Droiden, einen frechen Jungen, eine schnippische Mandalorianerin und einen kindischen Lasat erzogen. So viel schwerer kann es doch gar nicht mehr werden, oder?"
Die Twi'lek lachte.
„Habe ich dir eigentlich je gesagt, dass du das Beste bist, was mir je passiert ist?", fragte sie lächelnd, dann verzog sie das Gesicht.
Kanan musste fast ein wenig lachen, als er seine Tochter treten spürte.
„Ich glaube da will mir jemand Konkurrenz machen."
Und jetzt musste auch Hera lächeln.
A/N: Mal wieder ein kleiner Kanera-Oneshot zur ZdS-Reihe damit ihr mir nicht den Kopf abreißt weil ich so selten Update...
Lieblingsstelle?
Was haltet ihr von der Situation?
Ansonsten hoffe ich, das Kapitel hat euch soweit gefallen, würde mich über Votes und Kommentare freuen!
LG, Snips
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