Pt. Five: Circled.
Acht Wochen.
Acht Wochen vergingen und es passierte genau gar nichts, außer dass ich immer besser wurde, was jedoch nicht hieß, dass ich auf die Red Side kam. Das bedeutete harte Arbeit, denn es gab nur einen Weg rauf auf die Red Side. Man musste unten im Pit genug auffallen, dass man Blicke auf sich zog und sich schließlich ein Kreis um einen bildete. Ich als Autodidakt versuchte so gut klar zu kommen wie es ging.
Jin unterstützte mich ungemein. Er suchte die theoretischen Sache für mich raus und er war viel besser als ich darin, Videos zu finden, in denen idiotensicher erklärt wurde, wie jeder und welcher Schritt funktionierte und er lernte ein bisschen mit mir mit, wenn auch nicht ganz so ambitioniert wie ich. Doch er wurde niemals müde mich anzufeuern. Nur in den Club wollte er nicht mitkommen, schon gar nicht mitten in der Woche.
Ich war ein böser Junge geworden. Zuerst Hausaufgaben, dann lernen, dann Training für mich in meinem Zimmer... und abends schlich ich mich dann raus und suchte den Club auf.
Man konnte schon nach kurzer Zeit einige Gegebenheiten bemerken. Neben der Tatsache, dass Hoseok und Tae sowas wie kleine Könige waren, wurde mir klar, dass sie nicht die einzigen waren mit diesem Status. Da war noch ein Kerl, der hieß Zelo. Er holte die Leute, die in einem Circle getanzt hatten hoch auf die Red Side und er tanzte wie ein junger Gott. Dann war da Namjoon. Ich hatte ihn nie tanzen sehen, aber er rannte trotzdem auf der Red Side herum, wohl einfach, weil die Leute ihn mochten. Er war einer von denen, die die Battles aufriefen.
Nicht jeden Tag ging ich mit dem Ziel hin, es auf die Red Side zu schaffen. Manchmal schaute ich einfach nur zu, prägte mir Sachen ein, oder ich ähm... ich fanboyte weiter Hoseok, denn noch immer war er mein Liebling von dem ganzen Haufen. Er war beeindruckend. Er war umwerfend. Wenn er tanzte, schien er ein anderer Mensch zu sein und sein sonst so verkniffener Gesichtsausdruck wich einem leidenschaftlichen. Er fühlte seine Choreo und diese war manchmal voll von Liebe, manchmal sanftmütig, manchmal kraftvoll und manchmal einfach nur heiß wie die Wüste der Sahara.
Nach wie vor war ich der Meinung, dass er nicht böse sein konnte. Viel mehr war das nur eine seiner Facetten. Leider war es die, die er mir zeigte, wenn ich doch mal wieder seinen Blick auffing, weil ich zu intensiv gestarrt hatte.
Ich saß im Club im Schneidersitz direkt auf der Musicbox.
Das erste Mal, als ich hier hoch geklettert war, weil ich sonst nämlich gar nichts sah, war noch jemand gekommen und hatte mir zugerufen, dass ich da nicht rauf konnte, doch ich hatte den getrost ignoriert und so ausgetan, als würde ich ihn nicht verstehen. Nach zwanzig Minuten einseitigem Diskutieren, hatten sie einfach aufgegeben, denn die Leute hier unten waren entspannt. Anstatt die Security mich raus schmeißen zu lassen, hakten sie das ab unter 'Dann soll der Idiot eben da oben sitzen' und ließen es gut sein.
Es war laut auf der Box. Natürlich hatte ich Ohrschützer drin, ich war ja kein Idiot. Ich spürte den Bass in den Knochen und schaute den anderen beim Tanzen zu. Mein Blick flog über die Menge und ich erhaschte einen kurzen Blick auf Hoseok, der sich heute unten im Pit befand. Warum war er nicht oben auf der Red Side? Ich legte die Hände in meinen Schoß und neigte den Kopf. Dann sah ich zur Bühne.
Mir wurde klar, warum er heute nicht mitmachte, als ich sah, dass zum ersten Battle vier Leute auf die Bühne kamen, statt nur zwei. Es gab also sowas wie einen Partnerabend? Aber warum machte er das dann nicht mit Taehyung? Zusammen waren sie sicher unschlagbar. Meine Erste Vermutung war, dass er vielleicht nicht da war, doch ein weiterer Kontrollblick Richtung Hoseok und ein strahlendes Sonnenscheinlächeln, was sich in diesem Moment zufällig auf seinem Gesicht bildete verrieten mir, dass er da sein musste und tatsächlich arbeitete Taehyung sich gerade zu Hoseok durch.
Sie umarmten sich herzlich, als der zweite Tänzer ankam und ich lächelte leicht. Einen Moment lang wünschte ich mir, ich könnte dazu gehören. Ich wollte auch mit ihnen befreundet sein, aber das war wohl eher ein Wunschtraum. Ich schaute ihnen ein bisschen dabei zu, wie sie ein paar Schritte zusammen tanzten und tagträumte ein bisschen vor mich her, zumindest so lange, bis mich wieder ein dunkler Blick streifte, dem ich sehr schnell auswich.
Ich tat so, als hätte ich die ganze Zeit wo anders hin geschaut und war damit unheimlich erfolgreich. Bestimmt. Noch immer machten die beiden keine Anstalten zur Bühne zu gehen. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Machten sie das nicht zusammen, weil sie sonst eh gewinnen würden? Es war mir ein Rätsel.
Der Bass unter mir schüttelte mich durch und ich beschloss, dass es Zeit wurde ein wenig tanzen zu gehen. Also sprang ich von der Box runter, verstauchte mir dabei fast den Knöchel, hopste ein bisschen aus, damit ich mich nicht aufs Maul packte und stürzte mich dann ins Getümmel. Ich wünschte mir insgeheim, dass Jin da wäre um mich wieder anzufeuern, oder wenigstens Jeongguk. Der war zwar nicht so sehr der Cheering Typ aber er sah immerhin gut aus und zog Blicke auf sich, er konnte mein Wing Man sein, wenn es darum ging in einen Kreis zu geraten.
Erst würden sie alle ihn anstarren, weil er so eine hübsche Gestalt war, dann mich und mein un.glaub.lichen. Tanz.
Voll der gute Plan.
Doch daraus wurde heute leider nichts, dann weeeell, er war nicht da. Immer wenn man Jeongguk brauchte war der nicht! Da! Okay okay, vielleicht lag es einfach nur daran, dass es blöder Donnerstag war und wir am nächsten Tag eine Prüfung vor uns hatten. Ich würde also auch nicht so lange bleiben können, denn ich hatte noch eine halbe Nacht lernen vor mir.
Ich stürtzte mich ins Getümmel und lauschte auf den Beat. Gerade da fing ein neues Lied an und uhhh, ich liebte diesen Song! Es war einer der Titel, auf denen ich eine Choreografie lernte und wenn ich einmal da war, dann konnte ich auch gleich üben. Ich stellte mich also auf, führ mir leise den Takt mitzählend durch die Haare und setzte dann im Refrain ein.
Von selbst breitete sich ein Lächeln auf meinem Gesicht aus und ich tanzte die Schritte, die ich inzwischen fast im Schlaf konnte. Ich erinnerte mich zurück an die Zeit vor ein paar Wochen, wo ich über meine eigenen Füße stolperte, beim Versuch nachzumachen, was ich sah. Doch Übung zahlte dich aus, genau, wie dass ich nicht aufgegeben hatte, egal wie sehr mich angekotzt hatte, nicht zu kapieren, was ich eigentlich gerade gesehen hatte.
Ich drehte eine Pirouette, aber diese war doch noch etwas unsauber. Das nächste, was ich üben würde. Mein Blick floh neben mich, denn ich wollte, zwischen den Leuten durchsliden, doch irgendwie war da keiner.
Warum war da keiner?
Ohne, dass ich es gemerkt hatte, hatte sich ein Kries gebildet, er war noch nicht wirklich da, aber ich hatte deutlich mehr Platz als sonst und ich war so verwirrt, dass ich einen Moment geschockt stehen bliebt. Mein Herz nahm fahrt auf und mit einem Mal wurde ich verlegen und zweifelte. Wollte ich wirklich da hoch, wenn mich eine Hand voll starrende Menschen hier unten schon so verunsicherte?
Meine Zähne machten harschen Kontakt mit meiner Unterlippe, doch dann fing ich ein paar Blick auf und die Leute hier unten hatten eine wirklich gute Zeit und es war nicht so, als würde sie mich anstarren, als sei ich ein Affe in einem Käfig, also zuckte ich mit den Schultern, mein Grinsen wurde wieder breiter und ich machte einfach da weiter, wo ich aufgehört hatte.
Ich hatte keinen Plan, ob das als wirklicher Circle galt, denn ich hatte nicht durchgetanzt und Leute rannten durch den ihn durch, aber ich hatte immerhin blicke auf mir, also vielleicht morgen? Ohne weiter nachzudenken, holte ich mir eine der Umstehenden mit in den Kreis, die besonders freundlich aussah und sowieso die ganze Zeit tanzte und wie sich herausstellte, war sie gut darin, Bewegungen aufzufangen und wieder zurück zu geben, sodass wir lachend immer abwechselnd ein paar Moves zeigten.
Das machte höllischen Spaß, also deutete ich das nächste Mal nicht auf sie, sondern auf einen anderen der da rumstand und die Einladung annahm und zu und in den undeutlichen Kreis glitt und mitmachte. Das war dämlich, denn so löste ich meinen eigenen Circle irgendwie auf, aber hey, für den Anfang war das gut gewesen. Also war ich mehr als zufrieden.
Ich hatte keine Eile, schon gar nicht, wenn ich jetzt wusste, dass ich auf jeden Fall, bestimmt, wohlmöglich, ach scheiß drauf! Auf. Jeden. Fall!! gecirclet werden würde. Früher oder später. Watch me.
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen4U.Com