Pt. Thirty Three: One. Two.
Wir gingen weiter und verfielen in ein lockeres Gespräch. Es war nicht mehr weit bis zu dem Haus, indem ich wohnte und ich wollte am liebsten langsamer laufen, denn ich genoss die Zeit mit Hoseok wirklich sehr. Nebeneinander herlaufend, bogen wir in meine Straße ein und mein Magen wurde flau, denn ich hatte wirklich noch keine Lust auf Konfrontation. Hier mit ihm herumzulaufen war alles, was ich im Moment brauchte.
"Wir sind bald da", meinte ich und schlenderte ein bisschen langsamer. "Ich weiß", murmelte er und ich erinnerte mich daran, wie er mir Suppe gebracht hatte, als ich krank gewesen war. Ich lachte leise. "Was?", fragte er und ich winkte ab. "Ach nichts, ich musste nur gerade dran denken, wie du casually zu meiner Oma geworden bist."
Hoseok zischte leise und schubste mich leicht. "Undankbare Kackbratze", schimpfte er und ich kicherte. "Jetzt wieder kichern wie ein kleines Mädchen", zog er mich auf, "das sind die Richtigen!" Damit blieb ich stehen und warf ihm nur einen herausfordernden Blick zu. "Ach komm schon, du stehst doch drauf", behauptete ich und er schnaubte abfällig. "Kleine Mädchen?", hakte er nach, "Nein, Jimin, tut mir leid." Ich grinste leicht. "Worauf denn dann? Woran muss ich mich denn jetzt wieder anpassen?", fragte ich spielerisch. Wir jokten nur rum, das war keine große Sache.
"Du flirtest auch, ohne es zu merken", bemerkte mein großes Idol spitzfindig und ich sah ihn an. Dann wurden meine Augen größer. "Was nein, ich habe nur Spaß gemacht. Ich meine.... Ich...", begann ich zu stammeln und er lachte. Er lachte mich aus.
"Ist das so?", fragte er amüsiert, "Das waren zwei in einer Reihe."
Ich versuchte zu rekapitulieren, was ich überhaupt gesagt hatte. Tja und irgendwie waren das schon Anmachen gewesen und irgendwie habe ich es wirklich nicht gemerkt. Ich biss mir auf die Unterlippe und sah zu ihm auf. "Das ... war ... "
Ja was? Ich begann in meinem Hirn nach einer Erklärung zu screenen, aber der Ladebalken war lang und erst bei zwei Prozent.
"Daran merkt man, dass du null Erfahrung hast", meinte er nebenbei und ich schnappte nach Luft. Das konnte er doch nicht so einfach sagen. Es stimmte zwar, aber ich hatte auch ein Gesicht zu verlieren. Ich blieb vor unserem Haus stehen und setzte ein Schmollen auf. Wie sollte ich mich verteidigen?
"Das ist nicht wahr. Ich bin voll erfahren!", behauptete ich und er bedachte mich mit einem skeptischen Blick aus seinen dunklen, amüsiert funkelnden Augen. Wenigstens war der blue Mode von vorhin anscheinend fürs Erste Geschichte. Ich mochte nicht, wen er sich auf der Blue Side rumdrückte, sei es, weil er ein Battle verloren hatte, oder weil er sich selbst mental auf die Verliererseite manövrierte. Ich wusste, dass es nicht meine Sache war das zu bestimmen und auch er nicht schuld daran war, wenn er sich schlecht fühlte. Dennoch sah ich ihn natürlich lieber glücklich.
"In der Tat", fuhr ich also fort und trat an ihn ran, "bin ich so erfahren, dass du mir den kleinen, unerfahrenen Jungen, den ich dir die ganze Zeit präsentiere, voll abkaufst." Was für eine wilde Behauptung. Darüber musste ich fast selbst lachen. "Du bist so leicht zu blenden", sagte ich übertrieben geschauspielert. "In Wahrheit liegt die Frauenwelt mir zu Füßen, Amigo", behauptete ich und verschränkte theatralisch die Arme. "Ich habe eine Freundin, weißt du und nicht nur das, ich habe auch eine Zweite. Frag mich nicht nach ihren Namen, die sind unwichtig, weil austauschbar, denn ich, als Gigolo, kann schnippen..." Ich wollte passen dazu schnippen, doch meine Hände waren zu trocken, also verkackte ich. Egal. Cool tun. Nicht lachen. "... und schon ist die Nächste da."
Hoseok schwieg einen Augenblick. Sein Mundwinkel zuckte verdächtig.
"Beeindruckend", meinte er und zog eine Augenbraue hoch, ehe er schief grinste. Er fesselte mich mit seinem Blick und ich schmolz und ich fragte mich, wer hier mit wem flirtete. Vielleicht war ich aber auch nur ein kleiner, unerfahrener Junge, der leicht zu beeindrucken und in Verlegenheit zu bringen war.
"Dann bist du sicher auch ein hervorragender Küsser, du als Gigolo", stellte er eine Vermutung auf und ich presste die Lippen zusammen. Ich räusperte mich umständlich.
"Selbstverständlich", stimmte ich zu und gönnte mir ebenfalls ein schiefes Grinsen, auch wenn es sicherlich nicht halb so cool war, wie seins. Wieder zucke einer seiner Mundwinkel. Dann befeuchtete er sich seine Lippen ein bisschen, wobei seine Zunge hervorblitzte, konnte er sowas nicht lassen Mann? Ich war doch scheiße noch eins ein leichtes Opfer. In seinem Kopf schien was vorzugehen und ich rechnete mit dem nächsten lockeren Spruch. Aber nicht mit dem, was er dann wirklich sagte.
"Beweise es."
Ich blinzelte.
"Was?"
Er trat an mich ran und sah mit einem Grinsen zu mir runter.
"Ich sagte: Beweise es. Du Gigolo. Küss mich, ich sag dir dann wie gut du bist."
Beruhige dich, er macht nur Spaß. Zumindest sagte ich mir das. Mein Herz nahm Fahrt auf. Das konnte er nun wirklich nicht mit mir machen. Ich war doch schwach. Verdutzt öffnete ich den Mund, um was zu sagen, aber ich fand keine Wörter. In meinem Kopf war nur blanc space. Selbstsicher lehnte er sich etwas näher. "Ich zähle jetzt bis drei. Solange hast du Zeit es dir zu überlegen. Danach ist die einmalige Chance dich zu beweisen vorbei und ich gehe automatisch davon aus, dass du ein Hochstapler bist", erklärte er. Überfahren sah ich ihn an, nicht wirklich im Klaren, wie ich das interpretieren sollte, denn er wusste doch, dass ich ein Hochstapler war.
"Eins...", begann er und meine Wangen wurden heiß. Was, wenn das wirklich eine einmalige Chance war? Er dachte, ich machte das nicht, deswegen tat er das. Er verarscht mich doch nur. "Hoseok... das...." Er lachte leise und dunkel. "Kneifst du, Jimin? Zwei..." Was sollte ich tun? Ich musste mich schnell entscheiden, denn so scheiß wie zweieinhalb würde Hoseok nicht machen. Fuck it? Selbst Schuld, Amigo.
Bevor ich mich dagegen entscheiden oder er bis drei zählen konnte, legte ich ihm die Hände auf die Schultern, stellte mich auf die Zehenspitzen und drückte ihm einen kleinen Kuss auf den Mund. Kurz, sanft, vermutlich unbedeutend, nur eine flüchtige Berührung. Genug für mich jedoch, damit ich wohl nicht mehr schlafen können würde. Ich entfernte mich wieder von ihm, doch zu meinem Erstaunen kam ich nicht sonderlich weit, denn er schlang einen Arm um mich.
"Das war ja süß", urteilte er und ich wurde wenn möglich noch roter im Gesicht. Er hob die freie Hand und strich mit dem Daumen sanft über meine Lippe. Er elektrisierte mich damit, das war nicht mehr lustig. Zumindest nicht für mich. Für ihn offenbar schon, denn erneut lachte er leise.
"Ich zeige dir mal, wie das geht, wenn du nichts dagegen hast", meinte er und senkte seine Lippen auf meine. Meine Augen fielen zu und ich streckte mich ihm automatisch entgegen. Er legte seine Hand an meiner Wange ab und neigte seinen Kopf etwas mehr, ehe er seine Lippen gegen meine bewegte. Mein Herz flatterte und mich ein wenig von ihm anleiten lassend, erwiderte ich den Kuss. Ich war überrascht, denn es war so anders, als ich es mir gewagt hätte vorzustellen. Irgendwie auch so viel besser. Schon nach einigen Sekunden wurde ich etwas mutiger und ließ eine meiner Hände in seine weichen Haare wandern.
Ich fühlte, wie er an meinen Lippen lächelte und allein das schon ließ eine Flut an Glücksgefühlen los. Ich konnte gar nicht glauben, dass das wirklich passierte. Hoffentlich stellte ich mich nicht allzu blöd an, auch wenn es sich für mich ziemlich natürlich anfühlte. Ich ließ mich einfach treiben und genoss die sanfte Zuwendung. Vielleicht lag es auch an ihm und daran, dass er aufpasste, mich nicht gleich zu überfordern.
Wir lösten uns nach einer Weile, wenn auch nur ein paar Zentimeter. "Gute Nacht", wisperte er und ich lächelte leicht. "Nacht", brachte ich außer Atem hervor und er drückte mir noch mal einen kleinen, flüchtigen Kuss auf, ehe er sich von mir löste und einfach ging. Ich sah ihm ein paar Sekunden nach, doch er drehte sich nicht noch mal um. Er tsunderte also wieder. Ich lächelte verlegen und ging zur Haustür, kramte meinen Schlüssel hervor und schlich mich rein.
Das Licht ging an und mein Dad stand im Flur und sah mich streng an.
Ich deutete hinter mich.
"Hast du das gesehen?!", fragte ich und er zog irritiert eine Augenbraue hoch.
"Du meinst den Kerl, mit dem du da rumgeknutscht hast?", fragte er aufgebracht und ich nickte. "Jaaah? Unglaublich, oder?" Ich kicherte. "Er mag mich auch."
Mein Vater blinzelte.
"Jimin, ich versuche hier mit dir zu schimpfen. Hast du mal auf die Uhr geschaut?!"
Ich hielt die Hände hoch, als wollte ich zeigen, dass ich nicht bewaffnet bin.
"Dad, nicht jetzt. Ich hab viel zu viel Serotonin und Endorphine und so, das wird jetzt nichts, ich kann mich einfach nicht schlecht fühlen! Schimpf einfach ... morgen mit mir, ja?", meinte ich glücklich und seine Augenbraue wanderte noch höher. Auch sein Mundwinkel zuckte. Ich hatte Glück, denn Mom würde mich einfach trotzdem zusammenstauchen. Doch mein Dad hatte da sowieso keinen Bock drauf.
"Na schön", meinte er unbeeindruckt, "war das dein Freund?" Ich wedelte mit den Armen. "Ich... ähm... Keine Ahnung, Dad", rief ich fröhlich und begann die Treppe hochzulaufen, "Ich weiß nur wir sollten schlafen, gute Naaaahaaacht. Lieb dich!" Damit blieb er zurück, mit einem leisen: "Lieb dich auch?"
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