▪21▪
Jungkook Pov
Jimin hat tatsächlich dicht gehalten, das verrät mir sein mürrischer Blick als er sich im Pausenraum sein Brot schmiert und dabei das Buttermesser ganz komisch in der Hand hält.
Ich würde gerne wieder behaupten er überreagiert und macht aus einer Mücke einen Elefanten, weil er nun mal so tickt und seine Gefühle ihn häufig übermannen, aber dieses mal hat er allen Grund dazu wütend auf mich zu sein, wenn nicht sogar enttäuscht.
Die ganze Sache mit Taehyung betrifft nun nicht mehr nur ihn und mich, sondern jetzt auch Jimin und vielleicht sogar Yoongi, der noch nichts davon weiß, aber sowie ich Jimin kenne wird es nicht lange dauern bis der Damm der bricht und er es ihm erzählt, trotz seines versprechens mir gegenüber keiner Menschenseele davon zu berichten.
Wir sind beste Freunde, aber Jimin und Yoongi sind in einer Beziehung, Vertrauen ist da ein Grundbaustein. Wenn Yoongi irgendwann erfahren sollte, dass Jimin etwas zu dem Fall, den er behandelt wusste und ihm nichts erzählt hat, dann würde ihm das sicher zusetzen.
Ich möchte zwar nicht Schuld daran sein, wenn die beiden sich streiten, aber die Sache ist kompliziert und obwohl ich nichts gegen Yoongi habe, weiß ich nicht ob er in einem Fall wie diesem den Mund halten wird, vor allem, weil er ja selber auf der Suche nach Taehyung ist.
Alles was ich tun kann ist hoffen, dass Jimin das ganze auch so durchdenkt und zu dem Schluss kommt, dass es das beste ist zu warten und darauf zu vertrauen, das ich das richtige tue, auch wenn ich das selber nicht kann.
"Hey, eisiger Jeon."
Ein wenig genervt, aber hauptsächlich erleichtert das jemand die angespannte Atmosphäre hier zerreißt, drehe ich mich zu Jin um, der gerade mit einem Becher instant Nudeln in der Hand durch die Tür geschländert kommt.
"Das ist nicht mein Name."
Normalerweise würde ich das ganze ignorieren, denn wenn man den Leuten zeigt, dass das was sie tun um dich zu provozieren funktioniert, dann tun sie es weiterhin, aber ich vergesse das für einen Moment und sehe ihn genervt an.
"Das weiß ich. Aber deine Eltern hätten dich ruhig so nennen können."
Er stellt den Becher auf dem Tresen ab und holt aus der Schublade seine pinken Essstäbchen raus.
"Glaubst du er ist mit diesem Gesicht zur Welt gekommen?", mischt Jimin sich jetzt auch ein und legt die Füße auf den Tisch während er sein Brot zu genießen scheint.
Jin seufzt bei diesem Anblick, lässt die Essstäbchen im Becher schwimmen und geht zu Jimin an den Tisch. Dort angekommen zieht er den Stuhl des jüngeren ein Stück nach hinten, sodass dieser mit seinen Beinen nicht länger an den Tisch ran kommt.
"Mensch, Jin, ich dachte wir schießen gegen Jungkook", sagt dieser beleidigt und stützt sein Gesicht in den Händen ab.
Habe ich diesen Kerl wirklich besten Freund genannt? Ich sehe ihn an und forme mit den Lippen die Worte "Verlogenes Schwein", woraufhin ich nur eine ausgestreckte Zunge seinerseits Ernte.
"Ich schieße gegen Jungkook. Du tust dich am besten darin dein Brot zu essen und die Klappe zu halten wenn die Erwachsenen sich unterhalten."
"Ich bin älter als er!", sagt er empört und deutet mit dem Finger auf mich, aber Jin schlägt sie weg.
"Dann benimm dich auch so." Er starrt Jimin noch eine Weile an, bis dieser sich mit einem schnauben umdreht und still schweigend sein Brot weiter isst, genau wie Jin es ihm gesagt hat.
Manchmal fällt es mir schwer zu glauben, dass das hier wirklich ein Krankenhaus ist und das die Männern in den weißen Kitteln, die sich meine Kollegen nennen tatsächlich als Ärzte auf Menschen losgelassen werden.
Das hier gleicht viel mehr einem Kindergarten, als einem Ort an dem man verletzten und Kranken das Leben rettet.
"Jetzt zu dem, was ich dir eigentlich sagen wollte." Er pustet gegen die dampfenden Nudeln im Becher und stopft sich die erste, für meine Verhältnisse ziemlich große Ladung in den Mund und fängt dann, ohne zuerst zu schlucken, an zu sprechen.
"Da wartet eine Patientin für dich im Eingangsbereich."
Sofort dreht sich Jimin auf seinem Stuhl wieder interessiert zu uns und lehnt sich mit einem Lächeln im Gesicht zurück. Ich ignoriere ihn und sehe Jin verständnislos, mit gerunzelter Stirn an.
"Ich habe Pause."
Seufzend und mit den Armen vor der Brust, wie ein trotziges Kind verschränkt lasse ich mich auf das einzige Sofa in diesem Raum sinken und schließe die Augen, ganz so als würde ich schlafen wollen.
"Dann ist dir deine Pause also wichtiger als deine Patienten, eisiger Jeon?", höre ich Jimin fragen.
Beinahe wäre ich aufgesprungen und hätte ihm die Ohren dafür lang gezogen das er jetzt auch noch damit anfängt mich so zu nennen, aber ich bewahre meine gespielte Ruhe und zucke nur mit den Schultern.
"Ich habe dir gesagt du sollst die Klappe halten, Jimin."
Fast hätte ich laut los gelacht, als Jin wieder auf den armen kleinen losgeht. Die beiden verstehen sich eigentlich gut, aber ich merke das Jin ihn gerne aufzieht, weil Jimin so schön schmollt wenn ihm etwas nicht passt.
"Ich habe dir bereits das letzte mal gesagt, dass sich die Patienten ihre Ärzte nicht aussuchen dürfen."
Ich spüre wie das Sofa sich senkt als Jin sich neben mich setzt. "Das weiß ich, ich bin selber Arzt in diesem Krankenhaus."
"Ach ja?", frage ich und öffne die Augen um ihn anzusehen. "Wie wäre es, wenn du ihnen dann genau das sagen würdest?"
"Sie sagte sie kennt dich und müsste unbedingt ein Wort mit dir wechseln."
Ein grummeln entkommt meiner Kehle und ich reibe mir erschöpft von dem ganzen die Augen. Dieses Mädchen macht mich noch verrückt.
"Sie gibt einfach keine Ruhe."
"Von wem sprichst du?", fragt Jin und trinkt das Wasser, in dem die Nudeln gebadet haben aus.
"Von Go Seulgi, dem Mädchen, das auch letztens schon nach mir verlangt hat."
Was kann es dieses mal sein? Ein gebrochenes Bein? Vielleicht schlimmer. Wenn das Mädchen so weiter macht und meinen Rat nicht beherzigt, wird sie irgendwann nicht im Krankenhausbett liegen, sondern auf einem der metallenen im Leichenschauhaus.
"Das ist nicht das blonde Mädchen vom letzten Mal." Jin schlürft entspannt die letzten Nudeln in seinem Becher während sowohl Jimin, als auch ich ihn verwirrt und mit großen Augen anstarren. "Dieses Mädchen, oder wohl eher diese Frau ist älter, vielleicht so alt wie ich und ich glaube sie sagte ihr Name sei Go Jiyu."
Jin zuckt mit den Schultern, steht auf und geht zum Mülleimer. Er merkt nicht, was dieser Name bei mir und Jimin anrichtet, denn er ist kein unbekannter für uns und eigentlich dachte ich ihn nie wieder irgendwo zu hören.
"Verdammter Mist", murmelt Jimin und ich kann nur nicken, denn das ist genau das, was ich auch gedacht habe.
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