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Taehyung Pov
Mit zitternden Händen drehe ich den Schlüssel, welchen mir Jimin gegeben hat nachdem ich meinen hier gelassen habe, im Schloss um und öffne die Tür langsam.
Ich habe extra gewartet bis es 18 Uhr wurde, immerhin wusste ich das Jiyu um diese Uhrzeit ihre Schicht als Kellnerin hat und das letzte, was ich möchte wenn ich hierher zurück komme, ist sie zu sehen.
Wenn Jungkook im Krankenhaus war, hat sie immer versucht ein Gespräch aufzubauen, aber ich wollte nicht. Zu wissen, dass sie Jungkooks Ex ist, das sie in einem Bett mit ihm geschlafen, ihn geküsst und ihn berührt hat, hat mich verrückt gemacht.
Ich konnte nicht lange mit ihr alleine bleiben.
"Taehyung!"
Ich zucke zusammen als ich seine Stimme höre und er mit einem von der Sorge deutlich gezeichnetem Gesicht um die Ecke biegt und in den Flur gerannt kommt.
Seine Haare sind nicht nach hinten gekämmt, wie sonst immer wenn er zur Arbeit geht. Sie hängen ihm ungestylt ins Gesicht und obwohl ich diesen Look immer geliebt habe, wende ich den Blick ab und schließe die Tür hinter mir bevor ich den Schlüssel in die Schale auf der Kommode schmeiße.
"Wo warst du?", fragt er und stellt sich direkt vor mich. Sofort steigt mir der Geruch seines Shampoos und seines angenehm riechenden Parfüms in die Nase.
Fast ist es wie immer. Ich komme nach einem Treffen mit Hoseok oder Jimin nach Hause, Jungkook begrüßt mich wenn er da ist und lässt mich in seinen Armen versinken während ich diesen Duft einatme, der mich alles andere vergessen lässt.
"Nirgends", sage ich ungerührt und hänge die Lederjacke, die er mir mal geschenkt hat an den Haken.
Unzufrieden mit meiner Antwort hebt er die Augenbrauen und verschränkt die Arme vor seiner Brust. "Und was hast du Nirgends gemacht?"
Eigentlich war ich bei Jimin in seiner Wohnung, immerhin war das hier der Ort an den ich am wenigsten zurück wollte.
"Nichts."
"Lass das", sagt er und läuft mir hinterher als ich in sein Zimmer laufe.
"Was? Ich bin dir keine Erklärung schuldig."
Ich ziehe alles aus, was ihm gehört, was er mir aus seinem Kleiderschrank gegeben hat und hole die Krankenhausbekleidung hervor, die wir in einen Karton unter das Bett geschoben haben.
"Wenn du hier lebst schon." Erneut verschränkt er die Arme vor der Brust als hätte er die Diskussion bereits gewonnen, aber ich stehe auf um mir die kurze Hose aus dem Krankenhaus anzuziehen.
"Das trifft sich gut", beginne ich und führe meine Arme durch die Ärmel des karierten Hemdes. Zumindest denke ich, das es eines sein soll. "Ich bin sowieso gerade dabei zu verschwinden."
Ich hole noch die dicke und mir viel zu große Jacke aus dem Schrank, die ich getragen habe als er mich auf der Straße gefunden hat und öffne den Reißverschluss.
"Wie meinst du das?", fragt er ungläubig, als würde es ihm schwer fallen das du verstehen, was ich gesagt habe.
"Genau sowie ich es gesagt habe."
"Du hast doch gar keinen Ort an den du kannst", sagt er und läuft wie wild durch den Raum herum damit ich ihn ansehe, aber ich tue es nicht.
Diese Entscheidung habe ich in der einen Woche getroffen, die ich bei Jimin mit ausgiebigen Gesprächen verbracht habe. Ich habe lange darüber nachgedacht und um ehrlich zu sein bringt es mich um das zu tun.
Ich möchte nicht gehen, ich möchte nicht ohne ihn, aber ich kann auch nicht bei ihm bleiben. Es würde mich umbringen.
"Ich würde lieber wieder auf der Straße oder unter einer Brücke schlafen als hier bei dir zu bleiben."
Ein kurzer Blick in den Spiegel verrät mir, wie sehr meine Worte ihn treffen. Ich bin schwach, wenn es um ihn geht.
Vielleicht war ich ein naiver Mensch, bevor ich meine Erinnerungen verloren habe, jemand der viel zu schnell verziehen hat, denn wenn ich das glänzen in seinen Augen sehe und das beben seiner Unterlippe, möchte ich nichts lieber tun als ihn in den Arm zu nehmen und an mich zu drücken.
Aber das kann ich nicht. Wenn ich ihn tröste, wenn ich ihm seinen Schmerz nehme, wird er ihn nur mir zufügen.
"Tae-"
"Lass es, ist echt nicht nötig", sage ich und sehe ihn zum ersten Mal direkt an während ich den Reißverschluss der Jacke zu ziehe. Die Hände in ihren Taschen vergraben laufe ich an ihm vorbei auf die offene Tür zu, aber bevor ich auch nur in ihrem Rahmen ankomme hat er mich am Handgelenk gepackt.
Es ist nicht einmal ein fester Griff, aber es tut trotzdem weh. Selbst seine Hände an meiner Schulter, als er mich gegen die Wand drückt fühlen sich an wie zwei Messer, die man mir ins Herz rammt.
"Rede mit mir", sagt er verzweifelt.
Obwohl mir gar nicht nach Lachen zumute ist, tue ich es mit Verachtung und sehe ihm mit meiner ganzen Wut und all dem Hass der sich in mir breit macht an.
"Da hätte ich eher Lust mich mit Syphilis anstecken."
Autsch. Dieser Spruch hat bei ihm deutlich gesessen. Der Druck, den er auf meine Schultern ausübt damit ich mich nicht aus der Situation befreie wird schwächer. Wenn ich wollte könnte ich jetzt weggehen, aber seine Worte kommen meinen Taten zuvor.
"Ist es wegen Jiyu?", fragt er und sieht mich an, als hätte er mich durchschaut. "Du weißt, dass sie hier ist weil es ihr nicht so gut geht und ich mich um sie kümmere."
Für einen Moment ist es vollkommen Still. Ich kann nichts anderes tun als ihn anstarren und mich fragen, ob er mich verarschen möchte.
Erneut breche ich in Gelächter aus, aber dieses mal ist es noch schlimmer als vorher. Es ist nicht nur Verachtung und Unglaube, es ist auch Hysterie.
"Ich wusste gar nicht, das Ärzte auch darin geschult werden mit ihren Patienten zu schlafen, wenn es ihnen nicht so gut geht", sage ich vollkommen trocken.
Seine Augen werden größer und er öffnet den Mund um etwas zu erwidern, klappt ihn aber wieder zu und sieht mich weiterhin verwirrt an.
Ich genieße es wirklich diesen Schock in seinen Augen zu sehen. Für ihn bricht wahrscheinlich eine kleine Welt zusammen, denn ich weiß, dass er es mir niemals selbe verraten hätte. Dafür braucht er mich viel zu sehr. Er braucht meine Erinnerungen.
"Woher-"
"Erspar mir das, Jungkook."
Ich schlage seinen Arm nach unten und versuche wieder an ihm vorbei zu kommen, aber er schlingt seine Arme von hinten um meinen Bauch und zieht mich mit meinem Rücken an seine Brust.
"Hör mir zu", bittet er mich und klammert sich verzweifelt an meine Jacke.
"Ich habe keine Lust auf dein Gelaber."
Ich möchte von ihm los kommen, aber es lässt sich nicht leugnen, dass Jungkook kräftiger ist als ich. Egal wie sehr ich versuche mich zu befreien, seine Nägel sind in meine Jacke gekrallt, als wäre ich sein einziger Halt.
"Sie ist nicht mal meine Patientin."
Das war's. Ich kann nicht genau erklären warum, aber dieser Satz macht mich wütender als alle davor. Ich spüre wie ich rot anlaufen als das ganze Blut in meinen Kopf gepumpt wird und mich der ganze Hass, den ich den beiden gegenüber empfinde übermannt.
"Ach wirklich? Dann lass dir von ihr doch auch noch deinen Schwanz lutschen."
Mit aller Kraft die ich aufbringen kann reiße ich mich von ihm los und eile zur Haustür bevor er mich wieder fest halten kann.
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