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Taehyung Pov
Nachdem der Laptop hochgefahren ist und er den USB-Stick in den USB Port gesteckt hat, dreht er den Bildschirm in meine Richtung.
Den Mauspfeil auf der Play-Taste des Videos platziert überlässt er es mir es zu starten. Ich weiß, dass er es wahrscheinlich nett gemeint hat, aber meine Hände zittern so sehr, dass ich mit dem Finger wahrscheinlich überall rauf klicken würde, außer auf die Play-Taste.
Er beugt sich rüber und erlöst mich mit einem Lächeln als er die Taste selber drückt und das Video startet.
Man braucht nicht lange um zu erkennen, dass sich die gesamte Handlung in einem Fahrstuhl abspielt. Nicht nur die Qualität lässt einiges zu wünschen übrig, auch das schwache Licht tut in den Augen weh, aber man kann wenigstens erkennen was da geschieht.
Gleich zu Anfang sehe ich jemanden in den Fahrstuhl taumeln. Er fällt direkt gegen die Wand und sinkt daran entlang auf den Boden, bis er seine Kapuze absetzt und auf dem Boden liegen bleibt.
Er hat die gleiche Haarfarbe wie auf dem Bild, das mir der Anwalt vorhin gezeigt hat. Ein helles Braun, was seine dunklen Augen in den Vordergrund stellt, selbst auf so einem Video. An der Art wie er in den Fahrstuhl gekommen ist lässt sich nicht schwer erahnen, dass etwas Alkohol im Spiel gewesen sein muss. Ein bisschen viel.
Und dieser er, das bin ich.
Ich sehe ein Video von mir, in dem ich mich auf den Boden eines Fahrstuhles lehe, wahrscheinlich hatte ich mehr Alkohol als Blut in meinem Körper und egal wie weit ich vorspule, das spannendste was passiert ist das ich mich nach vier Stunden auf die andere Seite drehe.
"Wieso zeigen Sie mir das?", frage ich und sehe von dem vollkommen uninteressanten und nutzlosen Video auf.
"Ganz einfach. Das Video und der Mord haben zum selben Zeitpunkt stattgefunden. Sie können gar nicht der Mörder sein."
Ich starre wieder auf den Bildschirm und bemerke erst jetzt das Datum, das oben links in der Ecke steht, zusammen mit der Uhrzeit.
Dieses Video zeigt mich, wie ich wahrscheinlich betrunken auf dem Boden eines Fahrstuhls liege, ganze 13 Stunden lang. Alles was ich über den Mord weiß ist, dass er zwischen 15 und 17 Uhr begangen wurde, aber ich bin erst wieder um 19 Uhr aufgestanden.
Trotzdem gibt es einige Fragen die das ganze aufwirft. Wenn ich wirklich Unschuldig bin und dieses Video es beweisen soll, dann gibt es einige Sachen die ich wissen sollte.
"Sie wissen, dass ich meine Erinnerungen verloren habe, nicht wahr?"
"Das ist mir Bewusst."
"Aber ich sehe Bilder. Immer wieder sehe ich diese Bilder von mir mit der Waffe in der Hand und... und diesen L-Leichen auf dem Boden." Ich bohre meine Fingernägel in meine Beine um durch den Schmerz wieder die Gesichter der Opfer zu verdrängen. "Ich war definitiv dort."
Langsam klappt er den Laptop zu und zieht den USB-Stick da raus bevor er ihn sorgfältig in seiner Tasche verstaut.
"Sie hatten an diesem Tag keinen Termin, aber Ihre Eltern haben Sie zu ihm geschickt, nachdem Sie in dem Zustand nach Hause kamen. Sie waren dort, weil Sie jemanden zum sprechen brauchten."
"Aber warum? Ging es mir so schlecht?"
Er lächelt und ich merke ein weiteres mal, wie sehr er mich an einen Stolzen Vater erinnert wenn er das tut. Manchmal glaube ich, dass nicht der dürre, schwach aussehende Mann auf dem Bild mein Vater ist, sondern dieser Fremde gegenüber von mir, der aussieht als würde er alles tun um mich hier heraus zu Boxen.
"Ich wünschte das könnte ich Ihnen sagen, aber das weiß ich nicht."
Ich nicke enttäuscht, denn irgendwie hatte ich ja bereits damit gerechnet. Woher soll er es auch wissen? Er ist der Anwalt meiner Familie, nicht der beste Freund meines Psychiaters von dem ich anscheinend sechs Jahre lang betreut wurde.
"Die Wunde auf Ihrem Rücken", fängt er an, zögert aber kurz bevor er weiter redet. "Es ist die gleiche Wunde, die auch alle anderen haben."
Alleine wenn er sie erwähnt, spüre ich die mittlerweile vernarbte Stelle brennen. Ich werde sie nie wieder los, selbst wenn ich erneut das Glück bekomme alles was mir zugestoßen ist zu vergessen, wird mich die hässliche Narbe, die sich quer über meinen Rücken zieht daran erinnern.
"Alle anderen?", frage ich verwirrt.
Es gibt so vieles, woran ich mich nicht erinnere, aber ich habe es gespürt. Ich spüre es immer noch. Den Schmerz, als ich bereits verletzt in der Gasse lag und jemand dieses Messer angesetzt hat.
Das leise 'Es tut mir leid. Ich hoffe du wirst in der Lage sein auch das hier zu vergessen.' und der tiefe Schnitt in mein Fleisch. Niemals könnte ich das vergessen.
"Sie sind nicht der einzige. Dr. Song und seine Familie, sie alle trugen die Wunde an ihrem Rücken." Er packt seine Sachen zusammen, bevor er seinen Stuhl nach hinten schiebt und aufsteht. "Das Video, die Wunde und die Dokumente von Dr. Song, sie werden ausreichen um dich hier heraus zu bringen, Taehyung."
Es ist das erste mal, dass er die 'Du-Form' benutzt. Es klingt so viel persönlicher als vorher und obwohl es mich aus irgendeinem Grund freut, bleibt meine Konzentration an einer anderen Stelle hängen.
"Die Dokumente von Dr. Song?", frage ich und richte mich ebenfalls auf.
"Ich habe keinen Zugriff auf alles bekommen, deswegen kann ich dir nicht sagen warum du überhaupt sein Patient warst, aber unter seinen Sachen befand sich ein privates Notizbuch, eines das nicht zu der Patientenakte gehörte und darin hatte er was über dich aufgeschrieben."
In den letzten Monaten gab es viele Momente, in denen mir fast der Kopf geplatzt ist und in denen ich dachte, dass ein Schuss darein wahrscheinlich angenehmer wäre, aber das Gespräch mit Mr. Park übertrifft das alles.
So viele Fakten, so viele neue Informationen von denen ich nicht weiß, wie ich sie verarbeiten soll. Aber auch so viele Antworten auf einige Fragen.
"Was hat er über mich geschrieben?"
Trotz der Angst in meiner Stimme sieht Mr. Park mich an. " Kim Taehyung: Entwicklung einer Angst vor dem Abdrücken. Zittern der Hände bei Kontakt mit Waffe. Ziel um vier Meter verfehlt."
Nur langsam realisiere ich was diese Worte für mich und für diesen ganzen Fall bedeuten müssen, warum er sagte er könnte meine Unschuld beweisen und warum er sich so sicher ist, dass er mich hier heraus holen wird.
"Du warst nicht imstande einen Schuss abzufeuern und erst recht keine fünf Schüsse mitten ins Herz." Er streckt mir seine Hand entgegen. "Gib mir etwas Zeit und ich hole dich hier raus."
Ich schüttle seine Hand und schenke ihm zum Abschied ein kleines zucken meiner Mundwinkel, zu mehr bin ich nicht in der Lage. Es passiert alles wie in irgendeinem Traum, so nebenbei und unbewusst.
Er ist bereits fast aus dem Raum getreten, als er sich umdreht und mir noch einmal kurz zu zwinkert.
"Ach ja, ich bin zwar der Anwalt deiner Eltern, aber die Beweise hat jemand anderes für dich geholt."
Er zeigt mit dem Zeigefinger auf sein Handgelenk und dann auf mich. Ich brauche nicht nach gucken um sofort zu wissen was und wen er meint. Da gibt es nur eine Sache, die er meinen könnte.
Die Armbanduhr, die ich abgeben musste als man mich hierher brachte.
Die Armbanduhr, die ich von Jungkook bekommen habe.
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Falls einige das nicht verstanden haben: Das hier spielt vor dem Zeitsprung, von dem viele so schockiert waren 😂😂😂
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