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Player: Jungkook
Ich beuge mich nach vorne und höre auf an dem Kabel meines Headsets herum zu kauen, als der schwarze Bildschirm meines Desktops sich nach zwei Stunden des Downloads erhellt. Meine Finger finden ihren Platz auf der Tastatur automatisch und meine Augen brauchen nur eine kurze Weile um sich an das Licht nach der Dunkelheit zu gewöhnen.
Bevor ich anfange meinen Charakter zu bewegen, schaue ich mir meine Umgebung an und versuche vielleicht daraus Schlüsse zu ziehen, was die Handlung angeht, aber es dauert keine fünf Sekunden um mich noch mehr zu verwirren als vorher. Wo zuvor nur Ratlosigkeit aufgrund der fehlenden Story und des Zieles im Spiel geherrscht hat, ist jetzt Ratlosig- und Fassungslosigkeit aufgrund eben dieser.
Meine Figur, mein Charakter, wie auch immer man es nennen will, befindet sich innerhalb eines Zimmers, das eher bescheiden eingerichtet ist. Es steht ein Bett direkt neben der Tür, sodass diese gegen den Rand des Bettes knallt wenn man sie zu weit auf macht. Am Fußende steht ein kleiner Schrank, die meisten Klamotten liegen im Zimmer verteilt herum und auf der anderen Seite, links von der Tür, steht ein Schreibtisch auf dem sich ein Computer und ein Desktop befindet. Dort sitzt auch meine Figur auf einem Stuhl und starrt den Bildschirm an.
Unten auf diesem befinden sich die Details zu meiner Figur. Es gibt eine Lebensleiste, die hier Rot dargestellt wird und darunter eine Blaue, die mit "Geist" beschriftet ist. Ich weiß nicht inwiefern die zusammen hängen, aber das ist im Moment auch gar nicht von Interesse. Das, was mich neben der Umgebung verwirrt, die mir mehr als nur bekannt vor kommt, ist das Bild des Charakters direkt neben dem Leben und dem Geist.
Ich bewege den Mauszeiger mit zitternden Fingern darauf zu und klicke darauf um es zu vergrößern. Jetzt taucht mein Charakter in ganzer größe auf dem Bildschirm auf, daneben einige Informationen über ihn, die mich sofort dazu bringen die Finger weg zu ziehen, als könnte ich mich daran verbrennen.
Der Charakter hat braune Haare, die durchzogen sind von einigen blass Rosa Strähnen, die Augen sind Braun, die Haut extrem blass und man erkennt sogar die kleine Narbe auf der Wange. Es ist eine verdammt gute Qualität, so gut, dass man sogar die Gesichtszüge und Unreinheiten erkennen kann. Daneben stehen die wichtigsten Informationen, der Name des Charakters, seine größe, sein Name, seine stärken, schwächen, Alter, Geburtsdatum und wenn mich nicht bereits die Umgebung und das aussehen schockiert haben, dann tut es das.
Bei dem Zimmer, in der der Charakter sich befindet, handelt es sich um mein Zimmer. Es sieht genau so aus, wie es das gerade tut, sogar das Buch über den Buckingham Palace, den ich vor Ewigkeiten von der Schule ausgeliehen und nie abgegeben habe, liegt halb unter dem Bett. Jede Bewegung, die ich mache, wird von meinem Charakter mit dem selben Namen, dem selben Alter, der selben Größe und allem anderen in Echtzeit kopiert.
Das bin ich in diesem verdammten Spiel.
Ich beuge mich nach vorne und kontrolliere die Webcam, die ich seit einer Ewigkeit bereits nicht mehr genutzt habe. Sie ist aus, wahrscheinlich sogar kaputt, es kann also gar nicht sein das sie das Bild davon haben. Es kann nicht sein, dass sie mich sehen, wie also ist es möglich, dass ich in diesem Spiel sitze und am Computer eben dieses spiele.
Ungläubig schüttle ich den Kopf, nehme wieder meine Maus in die Hand und bewege den Zeiger auf das × oben rechts in der Ecke um das Fenster mit dem Spiel zu schließen, aber bevor ich das tue, schreckt mein Charakter im Spiel plötzlich zusammen und dreht sich in Richtung Tür. Mitten auf dem Bildschirm taucht ein Kasten auf, in dem auch Wörter auftauchen.
Obwohl sich nach wie vor kalter Schweiß auf meiner Stirn bildet und ich vor lauter Angst am liebsten das ganze System neu starten würde, nehme ich den Finger von der linken Taste und lese mir das durch, was dort geschrieben steht.
⚌ ⚌ ⚌ ⚌ ⚌ ⚌ ⚌ ⚌ ⚌ ⚌ ⚌ ⚌
⇝Jungkook hört Geräusche aus dem Wohnzimmer. Soll er nachsehen gehen?⇜
Ja
oder
Nein
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Jungkook hört Geräusche aus dem Wohnzimmer? Das einzige, was ich höre, ist die Musik dieses Spieles, das die komische Atmosphäre untermalt. Ich sollte dieses Spiel einfach schließen und es löschen, sowie ich es von Anfang an vorgesehen habe, sollte es mir nicht gefallen, aber die Neugier eines Menschen ist meist größer als seine Vernunft, so auch in diesem Fall.
Ich wähle "Ja" und nehme sofort wieder meine Hand von der Maus. Ich weiß nicht warum, aber ich habe das Gefühl mich soeben in etwas geritten zu haben, aus dem ich nicht so einfach wieder heraus komme. Für den Moment beobachte ich aber einfach nur wie mein Charakter sich das Headset vom Kopf reißt, es auf den Schreibtisch schmeißt und aus der Tür heraus rennt.
Es wird kurz Schwarz, dann sieht man wie der Charakter in ein anderes Zimmer stolpert, das mir nicht weniger bekannt vor kommt wie das davor. Das Sofa, das wir bereits haben seit ich neun bin, steht an der Wand gegenüber vom Fernseher, der gefühlt 24 Stunden am Tag läuft, in der Mitte der Couchtisch auf dem die ganzen leeren Flaschen stehen, von Limonaden hin zu Bier und Whiskey.
Das, was der Charakter aber gehört hat, kommt weder vom Fernseher noch von irgendetwas anderen in diesem Wohnzimmer, sondern von zwei Leuten, die rechts von ihm stehen und zu denen er sich dreht. Der Mann scheint ihn nicht zu bemerken und wenn er es doch tut, so beschließt er ihn einfach zu ignorieren, während die Frau ihm einen kurzen Blick rüber wirft, bevor sie wieder ihre Hände vor das Gesicht bringt um es vor seinen Schlägen zu schonen.
Er schreit auf sie ein, ich höre seine mir bekannte Stimme, die sie beleidigt, weil sie mit dem knappen Geld, das wir haben, dem Streuner, der immer vor unserer Wohnungstür sitzt, etwas zu Essen gekauft hat. Er droht ihr, sie ebenfalls aus einem Napf essen zu lassen wenn sie es nicht lässt, er schlägt auf sie ein weil ihre Antworten zu leise sind, ihr Schluchzen zu laut und erst nach Minuten, in denen ich den Bildschirm nur anstarren kann, spüre ich die Tränen, die auf meinen Händen in meinem Schoß landen.
Dieser Charakter stellt mich dar, das weiß ich, auch wenn ich den Grund dafür nicht kenne und obwohl ich bis eben nur Angst um mich selber hatte, spüre ich jetzt eine andere Art der Hilflosigkeit, die mich in dieser Situation immer ereilt.
Es ist nicht das erste mal, dass er sie so behandelt, es vergehen manchmal Tage ohne das sie miteinander reden, aber jede Kleinigkeit bringt ihn dazu auszuticken. Er ist wie eine Bombe, wie eine Miene, die mit jedem falschen Schritt hochgehen könnte und jeden Tag müssen wir wegen ihm um unser Leben fürchten, aber vor allem sie leidet da drunter.
Ich war sechs als ich zum ersten mal sah wie mein Vater meine Mutter schlug, weil er das Geräusch von klirrendem Geschirr beim abwaschen nicht ertragen hat. Es ist ein Zustand, den ich bereits seit vierzehn Jahren ertragen muss, sie vielleicht sogar schon länger und es ist auch der Grund, warum ich mich so sehr in die Welt der Spiele zurück ziehe.
Erneut öffnet sich ein Fenster in der Mitte des Bildschirmes und ich sehe geschockt zu meiner Hand, die bis jetzt eine Faust gebildet hatte ohne das ich es wirklich bemerkt habe. Meine Fingernägel haben sich dabei so tief in meine Haut gebohrt, das die Innenfläche angefangen hat an diesen Stellen zu bluten, aber ich schenke dem keine große Beachtung, sondern hebe den Blick und lese mir das durch, was da jetzt steht.
Es ist wie vorhin, als mein Charakter in seinem Zimmer saß und die Geräusche gehört hat. Erneut habe ich die Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten, die mir gegeben werden und obwohl ich vor einigen Minuten noch das Spiel beenden wollte, nehme ich wieder die Maus in die Hand und bewege den Zeiger auf die Antworten zu.
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⇝Jungkooks Vater steht mit seinem Rücken zu ihm. Was möchtest du tun?⇜
Vater angreifen
oder
Mutter verteidigen
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× × × × ×
Es ist eure Entscheidung, wählt bedacht, denn jede Entscheidung hat unterschiedlich Konsequenzen.
Wahl endet am 14. Januar um 17:30 (verlängert because wattpad war mal wieder ganz lustig und hat die Story runter genommen)
Entscheidung:
➮Mutter verteidigen (12 Stimmen)
Vater angreifen (2 Stimmen)
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