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»»--Chapter Fourteen-««


╔═.✵.════╗
But it's you
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Soobin

Ich beobachtete Yeonjun jetzt schon eine ganze Weile und langsam wurde es mir klar:

Er wollte sich drücken.

Aber nicht mir. Er war dran und ich würde ihn zur Rechenschaft ziehen, wenn es sein musste. Das äußerte sich wahrscheinlich eher darin, dass ich ihn so lange nervte, bis er den Abwasch machte, als dass ich ein Machtwort sprechen würde, aber man konnte ja mal so tun. "Yeonjunieee", begann ich quengelig nach ihm zu rufen. "Hat mein bestester Freund nicht etwas vergessen?" Yeonjun konzentrierte sich ganz auf das Buch auf seinem Schoß. Pfft, Junge, da kann auch ich liegen, wenn du versuchst mich zu ignorieren, ha! "Ich... weiß nicht", äußerte er gedehnt und ich schnaubte. Er hatte es einen Scheiß vergessen. Die Küche war offen. Der Abwasch stand da. Er war nicht zu übersehen.

"Doch ich denke, du weißt genau was ich meine", erwiderte ich locker und schenkte ihm ein Lächeln. "Also?" Ich ging zu ihm rüber und blätterte einfach eine Seite um. Yeonjun sah mich mit einem Blick an, der wohl als Böse durchgehen sollte, doch ich gab mich unbeeindruckt wie immer und formte ein stummes 'Was?', bevor ich ihm ein paar Haare aus der Stirn strich. Ich würde ja nicht so drängeln, wenn ich nicht vorhätte was zu essen zu machen und den ganzen Scheiß, der da noch rumflog brauchte. "Was macht mein kleines Baby jetzt?", fragte ich herausfordernd. "Schlafen", antwortete Yeonjun unbeeindruckt, "das ist, was Babys tun." Er grinste süffisant und ließ sich zurückfallen. "Gute Idee", lobte er sich selbst und ich schnaubte.

"Nichts da", meinte ich und stupste ihn an. "Du hast verloren, der Abwasch ist dein Ding heute, zumal es sowieso Dienstag ist." Und Dienstag war er ohnehin an der Reihe. Yeonjun setzte ein Schmollen auf, doch dann erhob er sich. "Aber", begann er und versuchte sich nun an einem wirklich herzzerbrechenden Welpenblick, "es ist so viel." Jaja, jammer half auch nicht. Ich war steinhart! "Und es ist Montag." Man kann es ja mal versuchen was? "Es~ ist Dienstag~", wiederholte ich mit Nachdruck und hängte mich an ihn ran. "Du bist dran", äußerte ich noch mal Yeonjun lachte leise.

"Es ist Mittwoch", versuchte er die nächste Finte und ich verdrehte gutmütig die Augen. "Und ich hab mir die Hand verdreht, buhuhu", setzte er noch mal nach. Sicher hatte er das. Nicht.

Ich kuschelte mich einen Moment an ihn an. Er war schön warm und roch gut, was sollte ich machen? "Du bist dran, Yeonjuuuuunie", wiederholte ich nur noch mal und er gab sich geschlagen. So halb. "Ja okay, vielleicht", räumte er ein, "aber du hältst mich fest, also kann ich nicht zum Becken hingehen." Er hatte aber auch für alles eine Ausrede. "Ach, das ist doch kein Problem", flötete ich. Ich hatte ihn doch eh schon in den Armen. Ich hob ihn ein Stück an und schleppte ihn unter milden Protest die zwei Meter zum Becken. Dort stellte ich ihn ab und legte meinen Kopf auf seine Schulter. Ich hatte irgendwie noch keine Lust ihn loszulassen und ihn schien es auch nicht zu stören.

"Jetzt leg los", forderte ich, "ich halte dich fest damit du nicht wegläufst." Yeonjun schnaubte amüsiert und wandte den Kopf ein wenig um mich anzusehen. "Okay, okay. Du kannst loslassen. Ich laufe nicht weg", versprach und machte das Wasser an. Ich überlegte, ob er das sagte, weil er mich loswerden wollte, doch irgendwie war er doch sehr einspannt mit mir an sich klebend. "Ich kaaaaaann", jammerte ich, "aber ich will grade gar nicht." Ich zog die Nase kraus. "Du bist mega gemütlich und ich muss doch schauen dass du das ordentlich machst", erklärte ich. Er ließ ein warmes Lachen hören. "Na fein, okay, Soobin", segnete er meine spontane Anhänglichkeit ab, "sieh genau hin."

Er seufzte, doch es klang nicht angestrengt, sondern ziemlich zufrieden. Ich konnte das nachfühlen. Mir ging es ähnlich. Seitdem er bei mir war, fühlte ich mich zwanzigfach besser. Also hätte ich etwas gefunden, wonach ich jahrelang gesucht hatte. Vielleicht war es auch genau das. "Jaaaa, ich spitze meine Augen", scherzte ich und grinste. Ich blieb einfach da stehen und sah ihm zu, wie er die Sachen abwusch und genoss die Nähe zu ihm. Eine Weile verfielen wir einfach nur in angenehmes Schweigen. "Wie lange willst du an mir dran hängen?", fragte Yeonjun irgendwann, doch noch immer klang es nicht danach, dass er mich loswerden wollte. "Für immer", antwortete ich leise ohne nachzudenken. Meine Wangen wurden warm, als mir aufging, was ich da grade gesagte hatte.

"Du bist so schön warm", verteidigte ich mich, "und ich mag es, dass ich mich an dir anlehnen kann, ohne das du dich beschwerst oder mich abschüttelst." Das war wohl eher ein Grund. Yeonjun lachte wieder leise. "Warum sollte ich mich auch beschweren oder dich abschütteln, du würdest das auch nie tun", behauptete er und ich musste feststellen, dass er recht hatte. "Nein würde ich nicht", bestätigte ich. Ich schloss ich noch ein bisschen fester in meine Arme. "Aber du eigentlich schon", stellte ich eine Vermutung an, "du hast dich am Anfang ganz schön gewehrt, aber es hat sich gelohnt, sich an dich ranzuhängen."

Yeonjun schien einen Moment nachzudenken. "Ich weiß nicht", gab er an und war dabei kaum zu hören, so leise wie er sprach. Scheinbar nicht das beste Thema. Also wartete ich einfach ab, ob er weiter sprechen wollte. Meine Geduld wurde belohnt. "Ich war ein super soziales Kind", begann er. War? Ich war mir sicher, dass er es immer noch war. Ganz offensichtlich sogar, denn nicht umsonst ging er so respektvoll mit meinen Flügeln um. "Verstehe", sagte ich, "dann haben sie immerhin das nicht kaputt bekommen, denn es ist noch irgendwo da drin." Ich tätschelte freundlich sein Brustbein. Es war fast ein Wunder, dass er noch so ein Herzchen war, wo er so viel Scheiße durch hatte und seine Eltern waren in meinen Augen jetzt auch nicht von der sozialsten Partie. Offensichtlich hatte er sich das selbst beigebracht.

"Na ja, ich hab ja auch erst mit 14 die Hörner bekommen, weißt du?", meinte er, als hatte er meine Gedanken gehört und als würde nach einer Verteidigung suchen. "Bis dahin waren wir eine ganz normale Familie, so wie jede andere", erklärte er, "also gab es nicht viel Zeit, um alles kaputtzumachen, schätze ich mal." Wovon redete er? Mit 14 war man noch ein Kind. Da musste man erst mal ertragen können, was Yeonjun durchgemacht hatte. "Sechs Jahre sind eine lange Zeit", meinte ich mit einem Seufzen und schluckte leer. "Ich glaube ich wäre an deiner Stelle einfach zerbrochen..."

Yeonjun schüttelte nur den Kopf, während er die letzten Teile abwusch. "Wärst du nicht", widersprach er mit sanft, "denn du bist auch an deiner Last nicht zerbrochen." Das mochte sein. Doch unsere Lasten war verschieden. Ich weiß, ich war der, der gesagt hatte, dass es hinten raus dasselbe war, und das dachte ich immer noch. Aber eben ... hintenrum. Konkret betrachtet war beides belastet, aber auf unterschiedliche Art und Weisen und ich wusste für mich, dass ich zu weich für seine Seite gewesen wäre. Denn das war ich nun mal. Weich.

"Ich musste aber nicht mit Feindseligkeit umgehen", sagte ich also, "ich kann das nicht gut ... angefeindet zu werden, das nehme ich mir viel zu sehr zu Herzen." Ich schüttelte den Kopf. "Ich denken das hätte ich deutlich schlechter weggesteckt, als die Flügel", meinte ich ehrlich und lehnte mich mit der Stirn gegen seine Schulter. "Ich beschütze dich ab jetzt davor", versprach er und ich spürte wie er mit durch die Haare wuschelte. Ich hob den Kopf wieder und sah ihn an. "Wenigstens das kann ich tun, um dir was wiederzugeben." Dazu schenkte er mir ein sanftes Lächeln, dass mein Herz einen dummen, kleinen Hüpfer machen ließ. Er hatte ja keine Ahnung.

"Du machst mehr als das. Du siehst gar nicht, wie viel du mir gibt", ließ ich ihn wissen. Offensichtlich hatte der Fluff Yeonjun wieder verlassen und er hatte sich daran erinnert, dass er ja nicht niedlich ist, denn er verdreht die Augen. "Sei nicht immer so cheesy." Die zarte Röte auf seinen Wangen strafte ihn lügen. Er zog den Stöpsel aus dem Becken. "Ich bin nicht cheesy ich meine es ernst", meinte ich mit einem Lächeln, während ich noch immer an ihm dran hing. "Von mir aus kannst du einfach für immer hier bleiben." Ehrlich. Was sollte ich machen, wenn er wieder ging? Ich wollte es mir nicht vorstellen. Zumindest nicht im Moment.

"Ernst oder nicht, das hier ist cheesy", tadelte er, doch ich konnte an seinem warmen Lächeln sehen, dass er es nicht böse meinte. Er sah mich ein paar Sekunden an und sein Gesichtsausdruck wurde nur noch weicher. "Ich weiß nicht, Soobin." Pes.si.mist. Ich schnaubte gekonnt. "Hör auf dich zu beschweren", forderte ich und schnaubte leise. "Warum nicht?" Ich brauchte selber einen paar Sekunden, um zu bemerken, dass ich mich etwas in sein Shirt krallte und zwang mich es wieder loszulassen. Das war dann doch albern, er konnte gehen, wenn er wollte, doch ich wünschte mir, dass er blieb und das nicht nur, weil er grade nicht wusste wohin.

"Ich hab den Platz und es läuft gut und... ich mag dich", murmelte ich an seiner Schulter. Yeonjun lachte wieder und drehte sich zu mir um. "Was, wenn du mich irgendwann leid bist? Ich schließe das nicht aus", meinte er, "oder wenn andere Gründe dafür sorgen, dass du gehst?" Er zuckte mit den Schultern und setzte eine unschlüssige Miene auf. "Dass wir für immer zusammen bleiben", er dachte einen Moment nach, "ist wahrscheinlich ein naiver Gedanke." Immer diese Realisten. Vielleicht war ich doch ein bisschen cheesy und er war es eben nicht. Ich stützte mich neben ihm auf an der Platte ab und sah ihn an. So ganz konnte ich ein Schmollen nicht unterdrücken. "Ich denke nicht, dass der Tag so schnell kommen wird", erwiderte ich, "sei nicht immer so pessimistisch."

Mit einem kleinen Grinsen beugte ich mich zu ihm. "Du könntest trotzdem erstmal offiziell bei mir einziehen, denn die Vorstellung du könntest schon morgen mit einem Haufen Zeitungen kommen und verkünden, dass du in irgendeinen Gartenschuppen ziehst, macht mich nervös", gab ich an und setzte mein bestes Babycatface auf. "Bleib einfach bei mir." Yeonjun zog eine Augenbraue hoch und sah unverwandt zurück. "Zeitungen? Wieso Zeitungen? Wer sucht sich denn einen Gartenschuppen in einer Zeitung?", fragte er und lachte wieder leise. Scheinbar gedankenverloren zupfte er meinen Pony zurecht.

"Ich werde nicht morgen mit Zeitungen kommen."

Ein Lächeln, dass tief aus meinem inneren zu kommen schien, breitete sich ganz automatisch auf meinem Gesicht auf. Ich versuchte nicht allzu zufrieden auszusehen, aber ich war es. "Ich weiß ja nicht wie viele Mobile Daten du hast, aber iiiiich hab nicht viele, also Zeitung", widersprach ich einfach. "Kannst du auch einmal nicht widersprechen?", fragte Yeonjun gespielt genervt. "Kommt darauf an, ob ich es lassen muss, weil du sonst ausziehst", erwiderte ich locker und Yeonjun schnaubte. "Tu ich nicht", versprach er. Ich grinste. "Gut", sagte ich sacht. Yeonjun stieß die Luft aus seiner Nase aus. Er nickte bestätigend.

"Gut."

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