≈ 19 ≈
Jimin Pov
Mein Kopf platzt jeden Augenblick, zumindest habe ich das Gefühl, dass es gleich soweit kommen wird, da ich meine eigenen Gedanken einfach nicht mehr ertragen kann. Ich hätte echt niemals gedacht, je an diesen Punkt zu gelangen, aber es ist tatsächlich so. Gibt es nicht irgendeinen Schalter, den man betätigen kann, wenn die eigenen Gedanken einem zuviel werden? Das wäre echt zu schön. Würde es einen geben, hätte ich ihn längst betätigt, dann hätte ich nicht die ganze Nacht damit verbracht, über die Worte meines Onkels nachzudenken. Oder über das Wochenende mit Yoongi und an das Gefühl seiner Lippen auf meinen, sowie die Tatsache, dass ich, obwohl alles so gekommen ist, ihn trotzdem schon wieder vermisse.
Dann hätte ich vermutlich auch schlafen können.
Seufzend platziere ich meine Ellbogen auf dem Tisch, ehe ich meine Hände frustriert in meinen Haaren vergrabe und die Augen schließe. Ich will das alles nicht. Ich will nicht mehr an diesen Kuss denken und an die Hoffnung, die sich in mir aufgebäumt hat, als seine Hand meine Wange berührt hat. Das alles kann ich mir einfach nicht erklären, ich möchte es mir nicht erklären, denn es ist etwas, das ich nicht akzeptieren kann. Immer wieder versuche ich dieses Gefühl, das ich bei ihm empfinde, irgendwo einzuordnen, aber ich kann es einfach nicht. Er ist ein Freund, es ist normal, dass ich seine Nähe so unfassbar genieße - das sage ich mir immer wieder. Aber wieso empfinde ich dann nicht dasselbe bei Tae? Oder bei dem Rest meiner Freunde?
„Ich drehe noch durch", murmle ich bedrückt und schüttle sogleich den Kopf, als mir die Worte von Onkel Byun wieder in den Ohren liegen. Nein, ich bin nicht homosexuell, das weiß ich. Ganz egal, was er sagt, oder was sonst wer sagt, immerhin bin ich es selbst, der es am besten wissen muss. Niemand weiß, was in meinem inneren vor sich geht und wonach ich mich sehne. Ich habe mich schon mit unzähligen Frauen getroffen und einige von ihnen waren auch bis zu einem bestimmten Grad interessant für mich. Der einzige Grund dafür, dass ich kein Sex mit diesen Frauen hatte, ist einzig und allein dieser, dass es einfach nicht zu einhundert Prozent gepasst hat und ich mich deshalb nicht darauf einlassen wollte. Sex ist - so kitschig es auch klingen mag - einfach etwas Besonderes und ich möchte nicht mit jeder zweiten schlafen, die mir über den Weg läuft.
Also hat es rein gar nichts mit meinem Verlangen zu tun. Fantasien darüber, mit einer Frau zu schlafen, hatte ich ja auch schon, was ich von einem Mann nicht unbedingt behaupten kann - in diese Richtung sind meine Gedanken bisher noch nie gegangen.
Ich nicke sicher bei meinem Gedankengang, überzeugt von diesem und auch darüber, nicht homosexuell zu sein. Die anderen Schüler müssen mich für total komisch halten, wie ich hier mit mir selbst rede und gestikuliere, als würde ich verrückt sein, aber stören tut es mich nicht unbedingt. Irgendwie stehe ich ja eh kurz davor, wirklich durchzudrehen.
Deshalb habe ich mich heute auch woanders hingesetzt und meide Taehyung und die anderen bereits den ganzen Morgen schon, einfach, weil ich mir etwas anmerken lassen würde und nur Fragen aufkommen würden, die ich definitiv nicht beantworten möchte... und kann. Um es nämlich zu können, muss ich erst einmal selbst das Durcheinander in meinem Kopf in Ordnung bringen.
Das Problem ist nämlich noch lange nicht gelöst. Denn ich weiß absolut nicht, wie das nach diesem Wochenende mit Yoongi und mir weitergehen soll, ich weiß nicht, ob ich ihn überhaupt noch treffen möchte. Seine Gesellschaft verwirrt mich, ich kann nicht mehr einschätzen, was das zwischen uns ist und allein das stört mich schon wieder. Hoffentlich versteht er das Ganze nicht falsch, der erste Kuss ging zwar von mir aus, aber das hatte einfach nichts zu bedeuten. Es muss einzig und allein an meiner Begeisterung für ihn gelegen haben. Weil seine unglaubliche Reife und lässige Ausstrahlung bereits von Anfang an Faszination in mir auslösten. Oder aber ich war in dem Moment einfach nicht bei klarem Verstand, wohin ich auch ehrlich gesagt tendiere.
Vielleicht sollten wir uns nicht mehr so oft sehen. Vielleicht sollten wir aber auch einfach darüber sprechen und Klarheit schaffen, dann würde alles wieder so werden, wie vorher, oder? Wäre das zu schön, um wahr zu sein?
Seufzend und auch total müde, nicht nur vom vielen Kopf zerbrechen, sondern auch, weil ich die Nacht kein Auge zugekriegt habe, hebe ich meinen Blick, als die Schulkingel ertönt und lasse diesen einmal quer durch die Kantine gleiten. Eigentlich verläuft die erste Pause, die ja jetzt vorbei ist, ganz anders für mich. Meistens hängen wir alle gemeinsam draußen ab und kommen erst in der Zweiten hierher, um etwas zu essen. Aber wie bereits erwähnt, gehe ich meinen Freunden aus dem Weg, deshalb bin ich heute hierher gekommen.
Wer allerdings auch hergekommen ist, ist die eine Person, die laut meinen Freunden ja ein Auge auf mich geworfen haben soll. Unsere Blicke treffen sich für einen Moment, da sie beim Aufstehen ganz offensichtlich in meine Richtung schaut und da fällt mir auch schon etwas ein.
Kurz betrachte ich sie, da sie ohnehin den Blick schnell abwendet, und stelle fest, dass sie im Grunde genommen gar nicht so schlecht aussieht. Ihre Haare reichen etwas bis über die Brust, ihre Kleidung ist ganz gut gewählt und angesichts unseres letzten Aufeinandertreffens scheint sie auch ganz in Ordnung zu sein. Auf jeden Fall schüchtern, aber schüchtern ist doch eigentlich ganz süß, nicht?
Anfangs wollte ich ja überhaupt nichts von ihr, aber ich denke, dass ich es versuchen und ihr eine Chance geben sollte. Zurzeit scheint ohnehin alles etwas aus dem Ruder zu laufen und zu verlieren habe ich ja auch nichts. Letztendlich möchte ich mich noch einmal vergewissern. Zudem muss ich, um die Richtige zu finden, auch ein wenig suchen.
Also packe ich meinen Rucksack und schultere diesen, ehe ich ebenso aus der Kantine gehe und über den Flur eile, um schließlich vor meinem Spind haltzumachen und diesen zu öffnen. Ich krame etwas, schiebe die Bücher, die einfach reingeschmissen sind, hin und her. „Irgendwo muss sie doch sein. Ich bin mir sicher, dass ich sie hier reingelegt habe", denke ich laut und nachdem ich schließlich in die Ecke unter mein Mathebuch greife, spüre ich auch schon die kleine Notiz an meinem Zeigefinger, weshalb ich sie auch sogleich zwischen diesem und Daumen nehme. Ich klappe also das stück Papier auf und schaue noch einmal auf die Nummer, nicke einmal innerlich, ehe ich mein Handy raushole und sie in meine Kontakte einspeichere. Da ich ihren Namen nicht kenne, speichere ich sie auch einfach unter Mein Date ein.
Denn ich bin mir schon fast sicher, dass sie mir nicht absagen wird, wenn ich ihr heute nach der Schule schreibe und sie nach einem Treffen frage.
***
Partnerstory written by @riawinchesterx & @elijeon
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen4U.Com