Dance💫
Ich hab keine Ahung von Tanzen oder Tanzunterricht, I'm sorry, wenn es kreuzfalsch ist. Ich hab mein Bestes gegeben xD
Jimin
Aufgeregt fahre ich durch meine orangen Haare und versuche mein viel zu stark klopfendes Herz etwas zu beruhigen.
Es ist doch nichts besonderes, Chim, bloss ein neuer Kurs, mit einem Tanz, dessen Schritte du absolut nicht beherrschst, weil du ihn nie getanzt hast.
Wieso auch Panik schieben?!
Kaum schleichen sich diese Art von beunruhigenden Gedanken in meinen Kopf, schüttle ich auch schon wieder den Kopf, um sie zu vertreiben. Das wird schon, es ist bloss Hip Hop, ich meine... ich habe Contemporary gelernt, so schwer kann es ja nicht sein, Hip Hop zu lernen... oder?
Das allerschlimmste für mich wäre, auf die Fresse zu fliegen. Gott, ich glaube, ich würde sterben vor Scham.
Okay, das reicht. Wenn ich mir weiter solchen Kram vorstelle, werde ich niemals dahin gehen, sondern mich ängstlich unter meiner Bettdecke verkriechen. Toll, ich wollte mich beruhigen und jetzt seht mich an: Ich hyperventiliere bald.
Ein weiteres Mal streiche ich hektisch durch das orange Haar, welches ich gerade erst vor ein paar Tagen gefärbt habe. Die Farbe ist dementsprechend noch immer recht intensiv und mir gefällt es so. Ich zupfe kurz am Saum meines schwarzen Oberteils herum, bevor ich die Tür des Badezimmers öffne und hinausschlüpfe. "Kookie?", rufe ich durch die Wohnung.
Ich höre sein schwaches Brummen aus dem Wohnzimmer und beeile mich, dahin zu gehen. Ich trete in den grössten Raum der Wohnung und sehe den Jüngsten auf der Couch sitzen. Wie immer in letzter Zeit kleben seine Augen am Bildschirm seines IPhones und er hat auch nicht vor, das zu ändern, als ich mich etwas räuspere.
"Kookie, sehe ich gut aus?", erkundige ich mich gleich danach und strecke meine Arme leicht aus. Der Jüngere sieht nicht auf, als er nur ein abwesendes "Klar", von sich gibt. Ich schnaube entrüstet. "Könntest du mich dabei vielleicht auch ansehen und dann ehrlich sein?!", zische ich spitz. Ich verstehe ja, dass es wichtig ist, und er sein Iphone, mit bestimmt fünf Kabellosen Aufladegeräten, genauso wie das für wie Steckdose, immer bei sich tragen will und ich verstehe auch, dass er momentan noch permanent an dem Gerät ist, aber zur Hölle, fünf Sekunden kann er doch für mich aufbringen, oder nicht?
"Hyung, du siehst doch immer toll aus", erwidert er, wieder ohne mich anzusehen. Ich schenke ihm einen Blick zwischen ungläubig, höhnisch und genervt, doch auch den nimmt er nicht wahr. Stattdessen breitet sich ein verträumtes Lächeln auf seinen Lippen aus und er beginnt kurz darauf eifrig zu tippen.
Genervt von seinem Verhalten, mache ich ein paar Schritte auf ihn zu und reisse ihm sein Handy aus den Fingern. "Was- Jimin!", beschwert er sich, doch auf seinen plötzlich quengelnden, genervten Ton gehe ich nicht ein. Stattdessen mustere ich den Braunhaarigen, der nun aufgestanden ist und sein Iphone wiederhaben will. "Nichts da", lasse ich verlauten und halte das Gerät nur zwischen Daumen und Zeigefinger von mir, bereit es jederzeit auf den Parkett fallen zu lassen, was wohl nicht so gut wegsteckt.
"Jimin", beginnt Jungkook wieder, diesmal jedoch warnend. "Ich weiss, ihr liebt euch total doll, aber könntest du deine Beziehung kurz hinten anstellen und dich dafür um meine kümmern?", frage ich ihn spitz. Er hebt fragend die Augenbrauen. "Hyung, welche Beziehung?", will er wissen, "Ihr seid doch noch gar nicht zusammen."
Einen kurzen Moment lang, habe ich grosse Lust, das Handy tatsächlich fallen zu lassen. Aber Jins Standpauke will ich nicht erleben und eigentlich hat Jungkook ja auch Recht. Zusammen sind wir nicht. Noch nicht.
"Ja, aber wenn alles nach Plan läuft, sind wir es sogar sehr bald!", erwidere ich mit einem triumphierenden Lächeln. Jungkook grinst breit und verschränkt die Arme vor der Brust. "Er kennt doch noch nicht mal deinen Namen, Hyung", bemerkt er trocken. Ich kneife die Augen etwas zusammen.
"Kein Wunder ist Tae abgehauen, der wollte deine Kommentare auch nicht mehr hören."
"Hey!", beschwert der Jüngere sich auf der Stelle, "Du weisst ganz genau, dass es ein Angebot war, dass er schlecht ablehnen konnte!"
Seufzend nicke ich und reiche ihm schlussendlich ergeben sein IPhone, dass er natürlich sofort an sich reisst, es entsperrt und die neu angetroffene Nachricht liest. Tae ist nicht einfach so für drei bis vier Monate nach Japan, natürlich nicht, das würde er niemals tun. Und sonst würde er Jungkook auf jeden Fall mitschleppen. Aber die Schauspielschule hat ihm das Angebot unterbreitet, bei einem K-Drama mitzuspielen und wer würde dazu schon nein sagen.
Der Kompromiss war nur, dass wir, also auch Jungkook, hier bleiben mussten. Ich kann behaupten, weder Tae noch Kookie oft weinen gesehen zu haben, aber als sie sich am Flughafen voneinander verabschiedet haben, dachte ich, ich weine gleich mit. Die Szene war aber auch wirklich herzzerreissend.
Und seitdem kriegt man Jungkook nicht mehr ohne dieses dämliche IPhone zu Gesicht.
"Du siehst gut aus, Hyung", reisst er mich dann aus meinen Gedanken. "Ehrlich?", hake ich nach und fahre zum bestimmt hundersten Mal an diesem Nachmittag durch meine Haare. Er nickt bloss sichtlich amüsiert und lässt sich wieder auf das Sofa fallen, um weiter mit Taehyung zu schreiben.
Ich dagegen straffe die Schultern und atme tief durch, bevor ich Kookie ein unsicheres Lächeln schenke. "Dann werde ich mal gehen", informiere ich ihn. Wieder nickt der Jüngere. "Hab Spass", lautet seine Antwort, aber darauf erwidere ich nichts. Spass werde ich vermutlich haben, allerdings wird der von der immensen Nervosität überdeckt, nichts falsch zu machen - was ohnehin unmöglich ist.
Ich drehe mich um und laufe aus dem Wohnzimmer, in den Eingangsflur, wo ich mir meine Sporttasche schnappe und mir ein paar Turnschuhe anziehe. Als nächstes greife ich nach meinem Schlüssel und trete dann hinaus ins Treppenhaus. Wenn ich den Bus noch erwischen und damit rechtzeitig zum Kurs gelangen will, muss ich mich etwas beeilen.
Zwei Stufen auf einmal nehmend, laufe ich die Treppe hinunter, zur Eingangstür des Wohnblockes in dem wir leben. Kaum trete ich nach draussen, empfängt mich bereits die kühle Herbstluft und mit einem Lächeln auf den Lippen betrachte ich die gepflanzten Bäume an unserer Strassenecke, deren Blätter sich immer mehr verfärben. Den Herbst mochte ich schon immer, er hat etwas faszinierendes, finde ich.
Man sieht, wie die Natur langsam stirbt und dennoch sieht es so wunderschön aus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nichts so schön stirbt, wie der Herbst, wenn die dunkelroten Blätter langsam im Wind zu Boden fallen.
Der einzige Haken daran, dass es gerade Herbst ist, sind wohl nur die Temperaturen des heutigen Tages. Es ist nicht mehr Spätsommer oder so, wo ich ohne darüber nachzudenken in einem Langarmshirt ohne Jacke nach draussen gehen konnte, ohne zu frieren. Jetzt geht das nicht mehr so gut, denn ich spüre, wie sich die Kälte langsam einen Weg durch den schwarzen Stoff des Shirts bahnt und mich einhüllt. Aber um eine Jacke zu holen ist es jetzt sowieso zu spät, dann würde ich nur meinen Kurs verpassen und ich habe mich nicht eingeschrieben und das Geld bezahlt, um dann nicht mal aufzukreuzen. Ich habe nicht so lange darauf gewartet, dass ein Platz in dem neuen Kurs frei wird und ich habe mich nicht solche Mühen für nichts gemacht.
Mit einem Seufzen umfasse ich den Henkel, mit dem ich die Sporttasche geschultert habe und setze mich eilig in Bewegung. Tatsächlich muss ich die letzten Meter zur Bushaltestelle rennen, denn der Bus steht schon da und die letzten Leute steigen ein. Als sich die Türen auch hinter mir schliessen und ich mich glücklicherweise noch auf einen der abgenutzten Sitze fallen lassen kann, spüre ich bereits, wie ich wieder so nervös werde, wie zuvor in der Wohnung.
Unruhig tippe ich mit der Fussspitze immerzu den Boden ab und nestle am Reissverschluss meiner Sporttasche herum. Das Ding ist auch schon ziemlich alt und das sieht man auch. Die Ecken sind ziemlich abgenutzt, manchmal klemmt der Verschluss und man muss kräftig an ihm reissen und die Henkel sehen auch nicht mehr allzu gut aus. Vielleicht sollte ich mir mal eine neue besorgen.
Aber nicht heute. Morgen oder so, wenn alles gut gelaufen ist, so als Belohnung für mich selbst. Vielleicht finde ich ja auch einen niedlichen Anhänger oder so, den ich dranmachen kann.
Obwohl, neue Tanzschuhe bräuchte ich demnächst auch wieder und jetzt sowieso, wo ich eine völlig neue Tanzart ausprobiere.
Hip Hop. Gott, hätte man mich vor einem Monat gefragt, ob ich das lernen will, hätte ich mit einem Lächeln den Kopf geschüttelt. Ich finde den Tanz faszinierend, das gebe ich zu, aber ich hätte behauptet, es ist nichts für mich. Ich habe seit ich zehn bin Contemporary gelernt, Hip Hop ist eine völlig andere Schiene als das. Gereizt etwas neues auszuprobieren, hätte es mich bestimmt, aber wozu sollte ich meine Spitzenposition aufgeben, wenn Contemporary das ist, was ich wirklich gut kann?
Und jetzt? Jetzt bin ich gerade auf dem Weg in einen Hip Hop Tanzkurs, weil Tae mich überzeugt hat. Was man nicht alles tut... Zum Beispiel die Postion als Kursbester abtreten. Und auch fürs erste alle Wettkämpfe in dem Tanz sausen zu lassen.
Ich bin so in Gedanken vertieft, dass ich beinahe vergesse, an meiner Haltestelle auszusteigen. Immerhin sitze ich nahe genug bei den Bustüren, um hastig hinauszuspringen. Das fängt ja schon mal toll an.
Bus beinahe verpasst, dann die Haltestelle beinahe verpasst, meine Jacke habe ich auch vergessen... wenn das so weitergeht falle ich während der Stunde ganz bestimmt hin. Aufgefühlt streiche ich durch meine Haare, die aber alle wieder an denselben Platz zurückfallen.
den Henkel meiner Tasche halte ich weiterhin fest umklammert, als ich durch die Strassen husche und schliesslich vor dem fünfstöckigen Gebäude stehe. Über dem Eingang erkenne ich in fetten, grossen Buchstaben 'Tanzschule Seoul'.
Oh Gott, worauf habe ich mich eingelassen?!
Ich habe das doch nicht einmal gut durchdacht. Meine Hormone sind mit mir durchgegangen, sodass ich dumm genug war, Taehyungs Idee, mich hier einzuschreiben, als Geniestreich empfand. Dabei ist sie völlig hirnverbrannt und ich sollte keinen Fuss in dieses Gebäude setzen. Ich sollte meiner alten Tanzlehrerin schreiben und ihr sagen, dass ich doch wieder in ihren Kurs will.
Ich kann das nicht, nein, ich werde mich völlig blamieren.
"Würdest du gern Tanzen?" Die plötzliche Stimme neben mir, lässt mich automatisch zusammenfahren und nach links sehen. Vor mir steht ein hochgewachsener Kerl, mit einer grauen Kapuze auf dem Kopf und einem schwarzen Mundschutz auf. Er hält ebenfalls eine Sporttasche in der Hand und obwohl ich die untere Hälfte seines Gesichtes nicht sehen kann, erkenne ich anhand seiner Augen, dass er wohl freundlich lächeln muss.
"I-ich... also... wie kommst du darauf?", lautet meine erste Frage nach meinem unsicheren Gestotter. Er lacht kurz etwas amüsiert. "Na, so wie du die Tanzschule angestarrt hast, dachte ich, du würdest vielleicht Tanzen wollen", zuckt er mit den Schultern. Ich lächle etwas zaghaft. "Ja, heute ist meine erste Hip Hop Stunde hier", erkläre ich.
"Wie niedlich, dann bist du wohl in meinem neuen Kurs", kommentiert er offensichtlich amüsiert und streckt mir seine Hand hin, "Du kannst mich Mark nennen."
"Jimin", stelle ich mich vor und ergreife seine Hand, um sie kurz zu schütteln, bevor ich wieder von ihr ablasse. "Dann mal rein mit dir", lächelt er und zieht den Mundschutz runter zu seinem Kinn. Da Mark als mein Kursleiter offensichtlich älter ist als ich, gehe ich brav hinter ihm her, zum Eingang der Schule. Ich wusste vorher schon, dass der Kurs von zwei Tanzstudenten geführt wird, als eigenes, kleines Projekt, um Geld zu verdienen, allerdings dachte ich, dass der eine etwas älter sein wird und nicht beide nur drei oder vier Jahre älter als ich.
Na ja, eigentlich ist es ja auch egal, solange ich etwas lernen kann.
Mark öffnet mir die Eingangstür und deutet mit einer Handbewegung an, dass ich ins Innere treten soll. Mit einem dankenden Nicken laufe ich in die Tanzschule und werde direkt von der angenehmen Wärme des Hauses umgeben. Etwas verloren drehe ich mich aber wieder zu Mark, der hinter mich getreten ist. "Unser Kurs ist im zweiten Stock, genau wie die Umkleide, ich muss noch kurz was erledigen. Geh einfach ins Tanzstudio, sobald du umgezogen bis", informiert er mich. Ich nicke und verabschiede mich von dem Älteren, um hastig die Treppen hinauf zu gehen und die Umkleide zu betreten.
Wie ich es auch sonst nicht anders kenne, ist die bereits gefüllt mit einigen Jugendlichen, die meisten davon in meinem Alter, manche etwas jünger. Ein paar mustern mich eingehend, während die Anderen sich nicht darum kümmern, dass ich ebenfalls hier bin. Letzteres erleichtert mich. Es wird schon schwer genug werden, im Studio, ich möchte nicht auch von den anderen Schülern angestarrt werden in der Umkleide.
Ich suche mir ein freies Fleckchen, stelle dort die Tasche ab und beginne rasch damit, mir andere Klamotten anzuziehen. Die paar Ringe an meinen Fingern streife ich genauso ab und lasse sie in die Tasche fallen.
Ich bin einer der letzten, die noch in der Umkleide sind und ich schliesse mich der letzten Gruppe Jungs an, die zur Tür hinaus geht und das Tanzstudio ansteuert. Aus der Tür gegenüber unserer Umkleide, kann ich einige Mädchen heraustreten sehen, die sich uns anschliessen. Ich versuche mich auf ihr Geplapper zu konzentrieren und nicht daran zu denken, was für eine dämliche Idee ich gleich umsetzen werde.
Nervös streiche ich das T-Shirt, welches ich trage und mir zwei Nummern zu gross ist, glatt und lasse meinen Blick durch den hellen Raum wandern. Er ist nicht viel anders, als das alte Tanzstudio, indem ich jahrelang getanzt habe. Eine Wand voller Spiegel ist da, der Boden ist Parkett, in der Ecke steht eine Stereoanlage und Boxen sind an den Wänden angebracht worden.
An ebendieser Stereoanlage steht ein schlanker, grosser Mann und steckt gerade sein Handy daran an. Und als er sich umdreht und uns alle mit einem breiten Lächeln anschaut, wird mir beinahe übel.
Ich kenne dieses Lächeln. Ich kenne diese Augen.
Shit.
Und damit wäre der Grund, wieso ich diesen Zirkus hier überhaupt mache oder angezettelt habe, auch da. Dieser Mann da vorn. Bestimmt seit zwei Jahren himmle ich den Typen da vorne nun schon an, aber leider nimmt er keine Notiz von mir. Na ja, also ich habe ihn immer wieder scheu gegrüsst, wenn ich ihn auf den Gängen der Schule gesehen hab und ich arbeite nicht umsonst in seinem Lieblingscafe als Bedienung, aber eigentlich hat er nie mehr für mich übrig, als seine Bestellung, eine Begrüssung, ein Lächeln oder eine Verabschiedung. Und Taehyung hat schliesslich mitgekriegt, dass er einen Tanzkurs leitet, um sein Studium zu finanzieren - die perfekte Chance für näheren Kontakt.
"Ich bin Hoseok!"
Weiss ich doch - leider.
Aufgeregt mustere ich den Älteren von Kopf bis Fuss. Er trägt eine schwarze Jogginghose und ein Tank Top, dazu hat er ein Stirnband an, um seine pechschwarzen Haare in Schach zu halten. Er muss sie wohl auch vor ein paar Tagen gefärbt hatten, als er letzte Woche im Café aufgetaucht ist, hatte er noch ein dunkles, schönes Violett.
Aber verdammt, hätte ich gewusst, dass schwarz so gut an ihm aussieht, hätte ich viel mehr darauf gehofft, er färbt sie endlich so. Weiss der Kerl eigentlich, was er mir antut?!
Neben ihn stellt sich auch Mark, verrät ebenfalls dem Rest seinen Namen und dann beginnen sie glücklicherweise mit Einwärmen. Zwar ist das hier ein Einsteigerkurs und der Rest ist vermutlich nicht viel begabter als ich, dennoch macht es mich nervös und ich bin froh, dass etwas sich nie ändert: Vor dem Tanzen wird eingewärmt.
Während ich meine Schultern zur Lockerung kreisen lasse, liegt mein Blick weiterhin vorne auf Mark und Hoseok, die allen die Anweisung geben, was sie dehnen müssen und es auch schön vormachen, wie sie es als Lehrer auch tun sollten.
Während sich die meisten wohl kennen müssen, weil sie in der Nähe der Tanzschule zusammen aufgewachsen oder in die Schule gegangen sind und dementsprechend sich auch angeregt unterhalten, bleibe ich vielmehr still und für mich. Freundschaften zu schliessen war nie meine Stärke. Taehyung ist gut in sowas, er klinkt sich einfach in ein Gespräch ein, sobald er etwas dazu beitragen kann und sich für ihn interessant anhört oder er geht auf Menschen zu und spricht sie an, dazu ein kurzes Kompliment zum Namen oder der Frisur und schon hat er vor allem alle Mädchen um den Finger gewickelt.
Zwar ist es etwas, was Jungkook nicht sonderlich gefällt, aber ich bewundere ihn dafür, denn ich schaffe das nicht.
"Das reicht für den Anfang", meint Mark dann und klatscht in die Hände. Ich stelle mich rasch wieder aufrecht hin und sehe, wie Hoseok etwas vortritt. "Wenn wir die letzte Stunde des Kurses haben", erklärt er mit einem verschmitzten Grinsen, "Solltet ihr alle denselben Tanz beherrschen. Ich werde ihn euch kurz vorzeigen."
Er lehnt sich etwas zu seinem Handy an der Anlage und tippt kurz darauf herum, ehe er die Musik aufdreht und im nächsten Moment mit einem konzentrierten Gesicht zu tanzen beginnt.
Lord, have mercy on my soul. Mein Herz macht das langsam aber sicher nicht mehr mit.
Ich weiss, dass ich ein Talent fürs Tanzen habe, aber das kann selbst ich nicht übertreffen. Hoseok bewegt sich mit einer Leidenschaft, die ich noch nie gesehen habe und man spürt die Freude förmlich, die es ihm bereitet. Seine Schritte haben trotz der Tanzart etwas elegantes und ich würde ihm wohl auch noch Stunden so zusehen, wenn er nicht viel zu früh wieder aufhören würde und breit lächelt.
"Es sieht vielleicht schwer aus, aber ist nur halb so schlimm", verkündet er und ich schlucke leer. Er hat gut reden. Er will niemanden beeindrucken und hat diesen Tanz sicher seit Klein auf gelernt.
Wow, wieso tue ich das? Am liebsten würde ich mich umdrehen und aus dem Raum stürmen, so aufgeregt bin ich. Nachdem, was ich gesehen habe, will ich erst Recht keinen Fehler machen.
Hoseok ist auch derjenige, welcher beginnt, uns die ersten Schritte zu erklären. Es sind sehr einfache, was ich ziemlich begrüsse, dennoch muss ich mich konzentrieren. In Contemporary sind viele fliessende, elegante Bewegungen gefordert, Hip Hop ist viel rauer in dem Sinne. Eleganz ist nicht unbedingt das, was man mitbringen sollte. Aber als ich die ersten drei Schritte hinkriege, bin ich schon ziemlich erleichtert. Das klappt besser als erwartet!
Jetzt muss ich bloss irgendwie Hoseoks Aufmerksamkeit auf mich ziehen, denn deswegen bin ich ja in erster Linie hier.
Etwa zur Hälfte der Unterrichtsstunde, wechseln die beiden Studenten und anstelle von Hobi ist es nun Mark, der die Anweisungen gibt. Auch diesen Folge ich so gut ich kann, selbst wenn die Schritte nun bereits ein wenig komplexer werden.
Während meine Aufmerksamkeit erst ungeteilt auf Mark liegt, bemerke ich dann aus dem Augenwinkel, wie Hoseok sich zwischen den vorderen Schülern hindurchschlängelt und bei einem stehenbleibt. Er erklärt ihm etwas mit leiser Stimme und zeigt ihm dann einen der vorherigen Schritte ein weiteres Mal. Neugierig beobachte ich den Schwarzhaarigen, der danach weiter durch die Reihen geht, hier und da ein "Gut" oder "Genau so!" von sich gibt und dabei die meiste Zeit lächelt.
Ich fasse den Entschluss, mir ein Kompliment von ihm einzuholen. So schwer kann das nicht sein, oder? Ich muss mich nur ein wenig mehr anstrengen und dann sollte ich es hinkriegen. Konzentriert blicke ich wieder zu Mark, mustere die Bewegung, die er wiederholt und versuche sie so genau zu machen, wie ich kann. Es gelingt mir auch fast, ich verlagere nur das Gewicht etwas falsch und muss mich mit einem Schritt vor dem Fallen bewahren.
Ich fahre durch meine Haare und beisse die Zähne zusammen. Dann nochmals. Diesmal klappt es tatsächlich und doch ziemlich stolz auf diese Tatsache, schaue ich triumphierend von meinen Füssen auf - und kann gerade noch erkennen, wie Hoseok ohne auch nur einen Blick direkt an mir vorbei läuft.
Er hat nichts gesagt, nicht eine Sekunde lang hat er innegehalten, um mich zu mustern, nein, er hat mich einfach ignoriert.
Das kann ja wohl nicht wahr sein. Irgendwie entferne ich mich immer weiter von meinem Ziel, kann das sein?
Seufzend fahre ich mir einmal mehr durch meine orangen Strähnen und richte meinen Blick von Hoseok zu Mark. Ich versuche auch nicht, allzu beleidigt auszusehen, stattdessen konzentriere ich mich mehr auf das, was Mark uns beibringen will und hoffe einfach, nur für einen Augenblick Hoseoks Blick auf mir wissen zu dürfen. Und dass ich in diesem Moment alles perfekt mache.
Aber auch zehn Minuten vor Ende der Stunde habe ich weder einen Blick, noch gar ein gutes Wort erhalten oder vielleicht auch nur eine Anweisung, wie ich es anders machen soll. Der Student ist bestimmt drei oder viermal an mir vorbeigelaufen und hat sich sogar um die neben mir gekümmert, während er mich links liegen lässt.
Macht er das extra? Niemals oder, er will doch seine Tanzschüler nicht ignorieren und Gefahr laufen, dass sie nicht mehr kommen und er damit Geld verliert - Scheiss drauf, natürlich macht er das extra! Das ist ja wohl mehr als offensichtlich, dass er es extra macht.
Vermutlich könnte ich laut "Hoseok, kannst du mir helfen?!", brüllen, es wäre Mark, der sich schlussendlich zu mir stellt. Aber wieso? Mag er mich etwa nicht? Der Gedanke macht mich nicht nur extrem traurig, er frustriert mich auch.
Vielleicht sollte ich es doch einfach aufgeben. Das war doch alles eine blöde Idee. Heute Abend noch, werde ich meiner alten Tanzlehrerin schreiben, dass ich wieder einsteigen will. Sie wird sicher nichts dagegen haben.
Zähneknirschend sehe ich zu, wie Mark den letzten Schritt erklärt und ihn dann lässig mit den vorherig gelernten kombiniert. So wie alle anderen, mache ich es ihm nach, aber diesmal nur halbherzig.
Die Folge ist, dass ich über meine eigene Füsse stolpere, ungeschickt den Fuss verdrehe und mit einem lauten "Au!", zu Boden gehe.
Zischend halte ich meinen pochenden Knöchel und bin kurz davor, aus Frustration einfach loszuheulen. Es wäre mir wohl nicht einmal mehr allzu peinlich, immerhin bin ich ja schon hingefallen und alle sehen mich überrascht an. Der Tag ist doch für die Tonne, die ganze Idee ist für die Tonne.
Wenn ich Zuhause bin, werde ich Taehyung anrufen und ihm erstmal die Ohren volllabern, von wegen wie dämlich das wieder war.
"Hey, alles in Ordnung? Hast du Schmerzen?"
Wie auf Knopfdruck hebe ich den Kopf und sehe vor mir kein anderer als Hoseok. Wow, wenn ich gewusst hätte, dass ich erst schön auf die Fresse fliegen muss, hätte ich mich schon viel eher hingelegt.
Der Student mustert mich mit einem besorgten Blick und ich muss kurz darüber nachdenken, was er mich noch einmal gefragt hat, als ich schliesslich auch reagieren kann. "M-mein Knöchel tut etwas weh", erwidere ich, "Aber keine Sorge, es geht schon."
Meine Worte scheinen ihn nicht wirklich zu überzeugen und er richtet sich auf, aber nur um mir dann seine Hand hinzustrecken. Zaghaft ergreife ich sie und lasse mich dann bereitwillig hochziehen, vermeide es aber, mit dem Fuss aufzutreten. "Kannst du darauf stehen?", erkundigt Hoseok sich halblaut, während Mark sich wieder um die letzten Unterrichtsminuten kümmern muss.
Probehalber setze ich meinen Fuss auf dem Boden ab, lasse Hoseoks Hand aber nie los und gebe etwas Gewicht darauf.
Und schon hebe ich ihn zischend wieder an. "Eher nicht", erwidere ich auf seine Frage, aber das hat er wohl auch selbst bemerkt. "Komm, mir kühlen das. Ich kenne sowas, mit etwas Eis geht's dir bald wieder besser." Bevor ich protestieren könnte, hat er meinen Arm um seine Schulter gelegt und den seinen um meine Hüfte geschlungen, um mich zu stützen, so gut es geht.
Holy shit, vielleicht war das ganze hier doch keine solche Schnapsidee, immerhin war ich ihm noch nie so nahe. Ich gebe also auch den Versuch, zu protestieren auf, denn ehrlich: Wer möchte schon etwas dagegen einwenden, von seinem zwei-Jahre-Crush Hilfe zu erhalten?
Ich ganz sicher nicht.
Gemeinsam laufen wir aus dem Studio, wobei ich vielmehr humple, und Hoseok öffnet eine nahe liegende Tür, die in eine Art Küche führt. Kurz lässt er meine Hand los, die auf seiner Schulter liegt, aber nur, um einen der vier Stühle von dem kleinen Tisch wegzuschieben und so zu stellen, dass ich mich erleichtert darauf fallen lassen kann. Ich atme erleichtert aus und ziehe meine Jogginghose etwas hoch, um einen besseren Blick auf meinen Knöchel werfen zu können.
Er schwillt nicht an und wird auch nicht blau, bis jetzt. Das ist doch schon mal ein gutes Zeichen. "Vermutlich bin ich bloss dumm aufgestanden und jetzt schmerzt er für die nächsten Stunden. Morgen ist bestimmt wieder alles gut", murmle ich.
"Etwas Eis kann trotzdem nicht schaden", lächelt Hoseok und schlägt die Tür der Tiefkühltruhe zu. In der Hand hält er nun eine Kühlkompresse, mit der er sich vor mich kniet und sie sachte gegen meinen Knöchel drückt. "Jimin, richtig?", fragt er und sieht durch seine dunklen Wimpern zu mir nach oben. "Ja", lächle ich, erfreut darüber, dass er meinen Namen immerhin kennt. "Du arbeitest in meinem Lieblingscafé, wusstest du das?", grinst er amüsiert und fügt gleich darauf hinzu: "Gut festhalten, verstanden?"
Ich nicke und nehme ihm die Kühlkompresse ab, wobei ich die Beine übereinander schlage, um besser an meinen Knöchel zu kommen und das kühlende Pad dagegen zu halten, während er wieder zu der Küchenanrichte geht.
"Echt?", hake ich auf seine Frage nach, obwohl ich das ganz genau weiss. Nur deshalb habe ich mich um den Job dort bemüht. Obwohl das Café wirklich schön ist und mir die Arbeit auch Spass macht, wenn er eine ganze Woche nicht dort aufkreuzt.
Hoseok nickt und zieht von hinten an der Anrichte eine Dose an sich heran, deren Deckel er abnimmt und dann mit der Dose wieder zu mir kommt und sie mir hinstreckt. "Nimm dir einen", grinst er verschmitzt und mit einem leisen, glücklichen "Danke" schnappe ich mir einen der Kekse daraus, in den ich direkt reinbeisse.
"Das ist nicht das erste Mal, dass du tanzt, nicht wahr?", erkundigt er sich auf einmal. Überrascht sehe ich ihn an. "Nein, wieso?"
"Dafür bist du viel zu gut. Ich weiss, aber deine Tanzschritte haben etwas elegantes und irgendwie wirkte alles an dir erfahren, als ob du bereits wüsstest, was du tun musst, selbst wenn du die Schritte nicht immer beherrscht hast. Du hast das echt gut gemacht."
Seine Worte sorgen dafür, dass ich beschämt wegsehe und mich etwas räuspere. Ich kann spüren, wie mir das Blut in die Wangen schiesst und diese ganz sicher extrem rot werden, vor Verlegenheit. "Danke", nuschle ich und ernte sein amüsiertes Lachen, "Ich habe Contemporary gelernt, um genau zu sein", erkläre ich ihm und sehe wieder unsicher in sein Gesicht.
Hoseoks Blick ist ziemlich interessiert. "Echt? Ich hab mit zwölft Hip Hop ausgesucht und seither hatte ich nie grosse Lust, etwas anderes zu tanzen. Wieso der Umschwung?"
Weil ich deine Aufmerksamkeit wollte - Nein, das kann ich nicht sagen. Stattdessen zucke ich mit den Schultern und sehe auf die Kühlkompresse, die ich weiterhin gegen meinen Knöchel gedrückt halte und langsam wegnehme und auf den Tisch hinter mir lege. Erneut versuche ich, etwas abzustehen und muss feststellen, dass ich recht hatte: Es wird noch etwas wehtun, heute Abend, aber bis morgen wird es wieder weg sein. Sogar jetzt ist es sogar schon besser. Ich kann den Fuss zwar noch nicht zu sehr belasten, aber immerhin schon ein wenig.
"Die Stunde ist sowieso schon rum, du kannst dich also umziehen", bemerkt Hoseok, was mich innerlich enttäuscht seufzen lässt. Viel weiter bin ich eigentlich nicht gekommen...
"Wenn du willst, kann ich dich nach Hause begleiten. Ich würde dich ungern mit dem Fuss alleine gehen lassen."
Vergesst, was ich sagte.
Lächelnd nicke ich und stehe vorsichtig auf, um nicht wieder auf dem linken Fuss einzuknicken. Hoseok hält mir die Tür auf und weist mich an, unten beim Eingang auf ihn zu warten, sollte ich vor ihm fertig werden. Ich nicke brav und beeile mich dann, zur Umkleide zu gehen. Als ich diesmal eintrete, werde ich schon mehr angestarrt, doch ich mache mir nichts daraus oder konzentriere mich auf diese Tatsache, dafür bin ich viel zu aufgewühlt.
Für die meisten ist es wohl nicht viel, nach Hause begleitet zu werden, aber für mich ist es mehr, als ich mir erhofft habe, nach der ersten Tanzstunde und umso glücklicher macht es mich. Zwar habe ich die Umkleide als Letzter betreten, aber ich bin einer der ersten, der sie auch wieder verlässt und nachdem ich die Stufen vorsichtig hinunter gelaufen bin, warte ich nun ungeduldig auf Hoseok, der bald darauf schon auftaucht.
"Hast du keine Jacke dabei?", frage ich laut, als ich das beige T-Shirt sehe, aber nirgends eine Jacke oder einen Pullover, zum anziehen bei ihm sehen kann. Er schüttelt den Kopf. "So kalt ist es doch noch gar nicht", lächelt er und hält mir wie zuvor die Tür auf, kaum steht er neben mir. Dankend trete ich hinaus und ziehe bereits fröstelnd die Schulter hoch. "Gar nicht", erwidere ich ironisch, was ihn lachen lässt.
"Musst du mit dem Bus fahren oder wohnst du in der Nähe?", möchte er wissen und sieht mich von der Seite an. Beinahe schüchtern nenne ich ihm die Buslinie, mit der ich fahren muss und bin verwirrt, als er breit lächelt. "Mit der fahre ich auch!", erklärt er zufrieden und zieht mich mit zur Bushaltestelle. Da ich noch immer nicht sonderlich gut laufen kann, dauert es etwas länger als üblich, aber schliesslich kommen wir doch noch an.
Wir warten einige Minuten schweigend, bis der Bus bei uns hält und Hoseok mir mit einem Lächeln den Vortritt lässt. Ich lasse mich auf einen Platz fallen und besetze den neben mir für Hoseok, der sich auch dort niederlässt. "Wie alt bist du?", fragt er neugierig, kaum fährt der Bus weiter. "Neunzehn", antworte ich, "Du?"
"Zweiundzwanzig", erwidert er lediglich und lächelt dann breit. "Denkst du, du kannst mir mal etwas von deinem Contemporary-Stil vortanzen?" Ich werde rot und schaue mich räuspernd weg. "Wenn du unbedingt willst", zucke ich unsicher mit den Schultern und wieder erklingt sein heiteres Lachen.
"Du bist niedlich."
Ich glaub, mein Herz bleibt echt gleich stehen.
Die restliche Zeit ist es ruhig zwischen uns und als ich ihm schliesslich mitteile, dass ich aus dem Bus raus muss, begleitet er mich weiterhin. Auch der Weg zu meiner Wohnung ist mit Stille gefüllt, erst als wir ins Treppenhaus gelangen, räuspert er sich.
"Weisst du Jimin, du hast es vielleicht gemerkt, aber ich habe dich heute die ganze Stunde über ignoriert."
Ich wusste es! "Wieso?", frage ich dennoch so verwirrt wie möglich nach und versuche meinen Ärger nicht allzu deutlich zu zeigen. Ein Grinsen erscheint auf Hoseoks Lippen als er mit mir gemeinsam die Stufen zur Wohnung hochgeht. "Ich wollte wissen, was du dagegen unternimmst. Na ja, aber als du hingefallen bist, konnte ich ja kaum mehr so fies sein"
Meine Augen weitern sich. "W-wie, was ich dagegen unternehme?", frage ich unsicher nach. Inzwischen sind wir oben bei der Wohnungstür angekommen und ich höre ein weiteres Mal Hoseoks Lachen, doch dieses Mal klingt es anders, es ist tiefer, männlicher und als er mich wieder ansieht, wirkt er anders als zuvor.
"Denkst du, ich habe es nicht bemerkt?", fragt er leise und tritt nahe an mich heran. Ich würde ja eigentlich sofort zurückweichen, allerdings schlingt er dafür zu schnell einen Arm um meine Taille und hält mich so an Ort und Stelle. "Du hast mich auf den Schulfluren immer gegrüsst, allein das hat dich für mich schon unheimlich süss gemacht. Und dann hast du in dem Café zu arbeiten begonnen und jedes Mal warst du derjenige, der mich bedient hat. Und mit jedem Lächeln, dass ich dir geschenkt habe, warst du unglaublich verlegen, irgendwann habe ich es begriffen. Von da an habe ich begonnen, auszutesten, wie weit zu gehen würdest, um meine Aufmerksamkeit zu kriegen."
Ich schnappe nach Luft, als er mir so nahe kommt, dass ich seinen Atem auf meinem Gesicht spüren kann und lege automatisch meine Hände gegen seine muskulöse Brust, um ihn dann mit grossen Augen anzustarren. Ich spüre die Hitze in meinen Wagen, die mir sagt, dass sie definitiv rot sein müssen, doch ich kann mir nicht darum Gedanken machen oder über irgendetwas anderes, denn im nächsten Moment spüre ich Hoseoks freie Hand an meiner Wange, die sanft über diese streicht.
Hilfe. Wenn er so weiter macht, kann er mich bald ins Krankenhaus begleiten, nicht mehr nach Hause.
"Aber ich glaube, das kann ich nicht mehr. Ich habe lange genug gewartet, Jiminie", grinst er verspielt und löst seinen Blick keine Sekunde lang von mir. Ich weiss nicht, was ich erwidern soll, deshalb bleibe ich die ersten Sekunden lang so stumm wie ein Fisch. Dann allerdings kriege ich doch noch ein "Was willst du jetzt tun?", über meine Lippen. Mein Herz rast jetzt schon, als wolle es aus meiner Brust springen, aber spätestens als seine Lippen hauchzart die meinen streifen, setzt es einfach kurz aus, damit es nachher noch schneller, noch schmerzhafter gegen meinen Brustkorb hämmern kann.
Ich stosse die Luft aus, die ich angehalten habe, als er sich wieder von mir entfernt und versuche meinen Stand etwas auszubessern, denn meine Beine fühlen sich an wie purer Gummi.
"Ich weiss nicht", flüstert er zurück, "Wie wäre es damit, dein Freund zu sein?"
Hat er das gerade wirklich gesagt? Hat er?
Allerdings schaffe ich es auch nicht, darüber genauer nachzudenken oder zu antworten, denn im gleichen Atemzug spüre ich seine Lippen wieder gegen meine, diesmal aber richtig. Und Gott, es fühlt sich himmlisch an.
Sie sind weich und sein Geruch hüllt mich ein. Während ich in seinen Armen praktisch schmelze, wie Kerzenwachs, festigt Hoseok den Griff um meine Taille noch etwas und zieht mich näher an sich heran. Der Druck auf meine Lippen wird genauso ein wenig fester und ich erwidere zaghaft. Um ehrlich zu sein, hatte ich gerade mal einen Kuss und der war eine Hundert Won Wette, der Mädchens.
Ich kann definitiv nicht als guter Küsser durchgehen, aber Hoseok schafft es, mir jegliche Bedenken zu nehmen, indem er mich mit seinen talentierten Lippen so gut ablenkt, dass ich alles andere einfach vergesse. Die dumpfen Schmerzen in meinem Knöchel, dass wir uns noch immer in einem Treppenhaus befinden, all das nehme ich nicht mehr wahr, als ich meine Hände langsam von seiner Brust zu seinem Nacken unter Hinterkopf fahren lasse. Eine Hand kralle ich in seine schwarzen Locken, die andere lasse ich an seinem Nacken verweilen, mit der ich ihn etwas dichter an mich ziehe, falls das überhaupt noch möglich ist.
Der Kuss dauert so lange, bis ich mich nach Luft schnappend von ihm löse. Mein Herz schlägt inzwischen nicht mehr, sondern ist mehr darauf übergangen, den Flügelschlag eines Kolibri zu imitieren, denn genauso pumpt es gerade das Blut durch meinen Körper. Mir ist unfassbar heiss und selbst wenn ich gerade eben zum ersten Mal Hoseoks Lippen geschmeckt habe, sehne ich mich schon wieder nach ihnen.
Als ich meine Augen langsam aufschlage und in Hoseoks Gesicht sehe, ziert ein breiter, zufriedenes Lächeln seine Lippen. "Was hältst du davon?", fragt er und legt den Kopf etwas schief.
Ich versuche darauf zu kommen, was er meint, doch egal wie sehr ich mein Hirn anstrenge, es gibt nichts anderes von sich, als die tausend Empfindungen, die ich gerade erlebt habe und das Gefühl von diesen traumhaften Lippen, auf meinen.
"Wovon?", frage ich deshalb ratlos und zeichne mit dem Zeigefinger kleine Kreise auf seinen Nacken. Das Grinsen des Studenten wird noch breiter und er zieht mich mit einem Ruck, der mir einen überraschten Laut entlockt, wieder nah an sich heran. Seine freie Hand streicht durch meine Haare und ich geniesse die schöne Berührung vermutlich mehr, als ich eigentlich sollte.
"Was hältst du davon, mein Freund zu sein?", wiederholt er leise und bedenkt mich mit einem intensiven Blick, der dafür sorgt, dass mein Griff fester wird, denn verdammt, meine Beine geben bald wirklich nach und dann wird nicht der Schmerz in meinem Knöchel der Grund dafür sein.
Ich kann das Lächeln, welches sich auf meine Lippen bahnt, nicht verhindern und ich nicke eifrig auf seine Frage hin. Anstatt, dass wir beide noch etwas sagen, recke ich lieber den Kopf und ziehe leicht an seinen schwarzen Haaren. Hoseok scheint zu verstehen, was ich möchte und beugt sich immer noch lächelnd zu mir hinunter, bevor er seine Lippen ein weiteres Mal mit meinen vereint. Glücklich erwidere ich, werde von ihm näher gezogen und kann spüren, wie er seine zweite Hand an meiner Wange platziert.
Der Kuss währt vielleicht nicht genauso lange wie der Erste, ist aber nicht minder intensiv oder schön. "Ich muss los", lächelt der Student halblaut und als ich meine Unterlippe beleidigt etwas vorschiebe, lacht er wieder amüsiert. "Jiminie, es tut mir leid, aber mein Bus wird nicht auf mich warten und ich würde gerne nach Hause gelangen", fügt er hinzu.
Mit einem Seufzen löse ich auch meine Hände von seinem Körper und trete etwas zurück. "Hast du morgen Zeit?", frage ich ihn unsicher und knete nervös meine Hände. Sein Lachen erklingt. "Natürlich, soll ich dich um eins abholen? Dann können wir den Tag zusammen verbringen", schlägt er vor und ich nicke wieder eifrig. "Das klingt gut."
"Dann morgen um eins", wiederholt der Ältere und drückt mir noch einen kurzen Kuss auf meine Stirn und die Lippen, bevor er sich umdreht und mit einem "Bis dann, Jiminie, schlaf gut!", die Stufen hinunter eilt.
Selbst wenn er es nicht mehr sieht, hebe ich breit lächelnd die Hand, seufze erst verträumt und winke ihm nach. "Du auch, bis morgen!"
Als ich unten die Eingangstür ins Schloss fallen höre, bleibe ich trotzdem noch einige Momente so stehen und denke an die vorherigen Minuten zurück. Wenn ich gewusst hätte, dass ich nur hinfallen muss, um so weit zu kommen, wäre ich definitiv schon früher hingefallen.
Zur Hölle, allein für diese zwei Küsse, waren mir die beiden Jahre Warterei schon mehr als wert.
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