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Jungkook Pov
Ich werfe einen kurzen Blick auf Taehyung, der seine Stirn an die Fensterscheibe des Beifahrersitzes gelehnt hat und mit leerem Blick in den Himmel starrt. Ich weiß, dass man beide Hände am Steuer haben soll, jede Ablenkung könnte für einen Unfall sorgen und doch ist die Versuchung eine von ihnen nach ihm auszustrecken und ihn zu berühren groß. Wenn das, was vorhin gewesen ist nicht passiert wäre, hätte ich diesem Verlangen auch höchst wahrscheinlich nachgegeben, aber der Schmerz über seine Ablehnung sitzt nach wie vor tief.
Er hat meine Hand weg geschlagen als wäre sie ihm lästig, als wären meine Berührungen etwas, was ihm zuwider ist und auch, wenn ich das zum Teil wahrscheinlich selber zu verantworten habe, hätte ich niemals damit gerechnet. Ihn anzusehen und berühren zu wollen ist für mich mittlerweile zur Normalität geworden und vielleicht habe ich das zu selbstverständlich gesehen. Taehyung war mir gegenüber von Anfang an nicht gut gestimmt, er hat mir nie etwas anderes als misstrauen gegenüber gebracht, warum sollte sich das jetzt nur wegen einem kleinen Treffen und einpaar ausgetauschten Worten geändert haben? In seinen Augen bin ich wahrscheinlich nach wie vor der verdächtigste Kandidat für den Posten des Mörders.
Es war meine Idee ihn für eine Weile bei mir leben zu lassen, zumindest bis das ganze geregelt ist, bis ich diesen Irren gefunden habe, der durch die Stadt zieht und Menschen im Namen eines Rätsels tötet. Solange wollte ich ihn in Sicherheit wissen, aber ich habe ihm gestern bereits gesagt, dass das nicht alles ist. Ich bin nicht selbstlos, hinter allem was ich tue steckt ein weiteres Motiv, genauso bei dieser Sache. Ich weiß nicht, wann es passiert ist, aber ich habe irgendwann angefangen einen Beschützerinstinkt Taehyung gegenüber zu verspüren und es scheint ganz so, als wäre daraus sogar mehr geworden.
"Fürchtest du dich?", frage ich nach einer Weile der Stille und atme erleichtert auf als er sich bewegt und zu mir dreht.
"Wovor?" Er sieht mich scheinbar verwirrt über diese plötzlich in den Raum geworfene Frage an und für einen kurzen Augenblick überlege ich auch tatsächlich einfach den Kopf zu schütteln und so zu tun, als wäre es mir einfach nur ausgerutscht, aber ich tue es nicht.
"Der Tod. Fürchtest du dich vor ihm?"
Es ist keine Frage, die ich sonst jemandem so kurz nach dem kennen lernen stelle und sogar Jimin habe ich nie danach gefragt, aber ich habe mich eben an das Gespräch gestern Abend erinnert. Ich weiß nicht, wieso es sich anfühlt als würde ich Taehyung bereits Jahre kennen, aber alles, was ich gestern gesagt habe, war die Wahrheit. Bei allem was gerade passiert, ist alles was für mich zählt seine Sicherheit. Wenn ich bei dem ganzen sterben sollte, wäre es mir egal, solange es bedeutet das er an meiner Stelle weiter leben kann und sollte er sich vor dem Tod fürchten, der ihm so versteckt angedroht wird, dann werde ich versuchen ihm auch diese Angst zu nehmen.
"Ich fürchte ihn nicht. Um das Leben zu genießen muss man den Tod akzeptieren." Ich drehe mich zu ihm als wir an einer Ampel halt machen und lasse mich für eine kurze Zeit wieder von seinen Augen fesseln. "Die, die vor dem Tod davon laufen, haben nie wirklich gelebt."
Der Tod, für uns wohl eben so unumgänglich wie für jedes andere Lebewesen. Sogar die Erde selbst muss irgendwann ihren Untergang fürchten, nichts kann Ewig existieren, sogar die Sonne wird irgendwann wie jeder andere Stern in einer Supernova ihr Ende finden und spätestens dann ist es mit uns allen vorbei. Man kann sagen wir leben nur um zu sterben.
"Wenn es soweit ist, sterben wir alle." Ich trete wieder auf das Gas und fahre los. Es fällt mir schwer den Blick auf die Straße gerichtet zu lassen während Taehyungs spürbar an mir klebt, aber ich versuche Sicher zu wirken während ich spreche. "Ich glaube aber nicht, dass deine Zeit jetzt gekommen ist, nicht bevor wir überhaupt welche zusammen hatten."
"Was möchtest du damit sagen?", fragt Taehyung und dreht sich jetzt mit dem ganzen Oberkörper in meine Richtung. Im Gegensatz zu vorhin im Dark Room ist seine Stimme nun deutlich ruhiger und beherrschter, es scheint als wäre die Panikattacke tatsächlich eine Reaktion auf die Hilflosigkeit gewesen, die er in diesem Moment verspürt haben muss, aber ich kann ihn verstehen.
Diese Hinweise waren scheinbar wieder nur eine Sackgasse, aber ich habe es Taehyung bereits gesagt und ich sage es mir gerne selber noch einmal: Dieses Spiel ist dazu da gewonnen zu werden und ich denke gar nicht daran es zu verlieren.
"Was ich damit sagen möchte ist, dass der Tod mir den Arsch küssen kann."
× × × × ×
Kapitel 5/5 und damit das letzte Kapitel für diese Lesenacht 😊
Die nächste findet Mittwoch statt, für meine Story "Begin". Weitere Termine stehen auch auf meiner Pinnwand ^.^
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