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"Wie in aller Welt bis du an eine seiner Locken gekommen?"

Ich spitzte einen Moment die Lippen ein wenig und stieß mit der Zunge gegen die Innenseite meiner Wange. Mit anderen Worten ich machte ein dummes, überlegendes Gesicht. Ich versuchte für mich selber festzulegen, ob es eine gute Idee war, zuzugeben, dass ich dafür die Außenmauer des Magierturms hatte erklimmen müssen. War zwar nur bis zum ersten Stock gewesen, aber es war trotzdem eine Leistung!

Eine Leistung, die mein bester Freund nicht zu schätzen wissen würde und wahrscheinlich hatte Jimin damit sogar recht. "Tae!" Er klang drängend und ich hob abwehrend die Hände. "Eine kluge Hexe bewahrt ihre Geheimnisse", meinte ich nur und wandte mich wieder meinem Kessel zu. Jimin rieb sich die Nasenwurzel. "Ich glaube, ich will es auch gar nicht wissen", grummelte er und ich deutete eine Fingerpistole an, um ihn in dieser Entscheidung zu unterstützen. 

Dann schob ich mit den Hut zurecht und zog die Ärmel meines Umhangs hoch, damit sie mir nicht in dem blubbernden, braunen Gebräu landeten. "Das was du da tust ist illegal", wies mich Jimin zurecht und ich nickte angestrengt. Das wusste ich selber, aber ich hatte auch nicht wirklich eine Wahl, also ließ ich die Locke in den Kessel fallen. "Ich weiß, Jimin, deswegen steht der Kessel ja auch in meinem Schrank und meine Sachen sind unter dem Bett", erwiderte ich altklug und er schnaubte angestrengt und verwarf die Arme. 

Eigentlich hatte ich ihn gar nicht mit reinziehen wollen, aber dummerweise befand sich der Trank jetzt in einer Phase, in der er fürchterlich Stank und Gerüche konnte man nur schlecht in einem Schrank verstecken. Ich hätte Jimin nicht in mein Zimmer lassen sollen, doch mein Riechzentrum hatte längst gegen den Gestank kapituliert und ich hatte nicht mehr dran gedacht. Nun hatte ich einen Jimin im Raum stehen, der irgendwo zwischen Wut und Sorge schwankte. Er stellte sich zu mir und beäugte mich nicht grade mit Wohlwollen, während ich mit dem Zauberstab gegen den Rand des Kessels tippte und leise die Formel sprach. 

"Ich würde dich ja aufhalten, aber da den nur die besten Hexen der Alchemie hinbekommen löst sich das Problem sowieso von allein", meinte Jimin und fuhr sich durch die roséfarbenen Haare. Die Haarfarbe war kein Fashion-Statement, sondern einfach eine typische Begleiterscheinung des Hexendasein, wir hatten alle Haare in den fröhlichsten Pastellfarben. Aber immerhin hatte er es noch immer besser erwischt, als ich denn meine hatten irgendwie eine komische Fliederfarbe. Rosa war viel niedlicher.  "Außerdem wäre es Sabotage, wenn du meinen Trank im Zimmer verteilst", stellte ich fest, doch das war noch eine andere Geschichte. 

Ich rührte den Stab gemächlich mit meinem Zauberstab durch und Jimin verzog den Mund. "Ist das dein Ernst?", fragte er und ich zuckte mit den Schultern. "Wie soll das bisschen Magie, was Unsereins zur Verfügung hatte denn sonst ordentlich im Kessel landen?", stellte ich infrage und Jimin sah mich, als hätte ich gleichzeitig etwas sehr Dummes und etwas sehr Schlaues gesagt. Dabei war es doch nur logisch. Hexen, wie wir waren nur spärlich mit Magie gesegnet, ein Grund, warum wir in den Augen der Gesellschaft nicht viel wert waren. Wir hatten so wenig magische Energie, dass wir Hilfsmittel brauchten. Die anderen Klassen hatten dafür nur ein mitleidiges Lächeln übrig, dabei war unsere Art Magie zu wirken dadurch eigentlich nicht weniger valide.

Doch das Leben war nicht fair und die Gesellschaft schon gar nicht.

"Das wird nie etwas", stellte Jimin zufrieden fest. Das war der Moment in dem der Trank anfing übermäßig zu blubbern und Funken zu sprühen, von denen mich auch ein paar erfassten. Aua! Das würde sicher ein paar kleine Brandflecken geben, so, wie wenn man ein bisschen spitzendes Öl aus einer heißen Pfanne abbekam. Doch ich hatte keine Zeit mich mit den Funken zu beschäftigen, denn ich musste diesen verdammten Trank rühren. Fast dachte ich, Jimin könnte recht behalten, da wurde das brackig Braun mit jedem Rühren mehr und mehr zu einem glitzernden Pink und als mir dann der Duft von Rosen in die Nase stieg wusste ich, ich hatte es geschafft. 

Ich blinzelte mindestens so verwirrt, wie Jimin. Ich war wirklich gut in Alchemie, aber trotzdem hatte ich nicht damit gerechnet, dass es mir gleich beim ersten Mal gelingen würde. "Du bist ein Genie", entfuhr es meinem besten Freund. "Ich bin ein Genie!", jubelte ich. "Ein dummes Genie!", regte Jimin sich auf und versuchte damit meine Begeisterung zu bremsen. "Das da", rief er aus und deutete auf den Trank, "definitiv sehr beeindruckend." Er entfernte sich von dem Trank und stemmte die Hände an seine schmalen Hüften. "Der Plan? Absolut hirnrissig!" 

Mit einem Seufzen füllt ich den Trank in eine Phiole ab, worauf hin der Rest der Flüssigkeit mit einem Zischen aus dem Kessel verdampfte und sich als Glitzerwolke an meinem Zimmerdecke verteilte. Wenn man bedachte, dass meine Zimmerdecke in vier Metern Höhe war, dann sollte das schon was heißten. Ich bezweifelte, dass meine Zimmerdecke je aufhören würde zu glitzern. Irgendwie fancy. Hoffentlich gammelte das nicht irgendwann. 

Ich warf einen angespannten Blick auf die Phiole in meiner Hand. Ich hatte nur diesen einen Versuch. Als ich zurück zu Jimin sah, rang ich mich zu einem Lächeln durch. Zweifel waren so kurz vor dem Ziel nicht angebracht. "Hey, ich war mit dem hier erfolgreich", meinte ich motiviert und wedelte mit der Phiole, "dann wird der Rest doch ein Klacks! Highfive?" Ermutigend hielt ich Jimin die Hand hin, worauf es aber nur zu einem Facepalm kam. Durch Jimins Hand. Doch, nicht auf Jimins Stirn, sondern auf meiner. Empört rieb ich mir das Gesicht. 

"Du kannst froh sein, dass wir einen Brüderlichen Eid geleistet haben! Sonst würde ich diese Phiole aus dem Fenster werfen!", herrschte Jimin mich an. Da war sie wieder. Die Sache mit der Sabotage. Ich schluckte leer.  Ich glaubte ihm das aufs Wort, doch er konnte es nicht tun. Wahrscheinlich war der Eid wirklich das einzige, was ihn grade aufhielt, denn er in seinen Augen schaufelte ich mir durch die Love Potion in meiner Hand mein eigenes Grab. "Das wäre auch Sabotage", bemerkte ich. "Ich weiß!", regte Jimin sich auf. 

Der Brüderliche Eid verbot es den zu sabotieren, dem man den Eid geschworen hatte. Es war eine Art gegenseitige Zusicherung immer auf derselben Seite zu stehen. Ein Versprechen der Loyalität, Unterstützung und Treue. Hexen waren das Haifischfutter der Gesellschaft, wollte man dennoch in den oberen Rängen mitspielen, musste man irgendwie herausragen. Die Plätze auf der Sonnenseite waren begrenzt und die Konkurrenz dementsprechend groß. Es wurde mit harten Bandagen gekämpft. Man sagte uns Hexen nach, dass wir allesamt listige Biester waren. Nun, dass mochte wohl auch Stimmen, doch wir hatten keine Wahl, wollten wir irgendwie mit dem Hintern an die Wand kommen. Einem Klassengenossen zu schwören, dass man ihm nie im Weg stehen würde, war also eine große Sache. 

Ich steckte mir die Phiole in die Gesäßtasche. Mit einem Seufzen streifte ich mir den Umhang ab. "Was soll ich sonst tun?", fragte ich gequält und nahm auch den dummen Hut von meinem Kopf. "Du könntest ihn um ein Date bitten, so wie normale Menschen das tun", schlug Jimin vor. Ich seufzte und schüttelte den Kopf. "Jimin, er sieht mich doch nicht mal. Ich bin nur eine kleine, dumme Hexe", äußerte ich geschlagen, "ich muss diesen albernen Hut tragen, in dem Runen eingestickt sind, damit ich das bisschen Magie, dass in mir steckt irgendwie nutzen kann." Ich war den Hut beiseite und rieb mir die Nasenwurzel. 

Das mit den Runen war so eine Sache. Wir konnten unsere Magie mit ihnen bündeln und nutzen, doch die Klamotten, in denen Runen erlaubt waren, sahen immer irgendwie lächerlich aus, zumindest für meinen Geschmack. Wahrscheinlich auch nur wieder eine Aktion, die dazu diente, Hexen kleinzuhalten und zu verunglimpfen. Warum sonst war es und nicht gestattet, die Basisrunen einfach auf unseren normalen Klamotten zu tragen, damit uns nicht tagtäglich unter die Nase gerieben wurde, dass wir ohne diese nicht funktionierten? 

Um wenigstens ein bisschen Freiheit zu haben, ließen sich die meisten Hexen die Runen irgendwo auf den Körper tätowieren. Natürlich war auch das illegal, also ließ man sich besser nicht mit einem Tattoo erwischen. Ich hatte meins auf der rechten Seite, genau wie Jimin. Blieb zu hoffen, dass wir nie damit erwischt werden würden. 

"Was glaubst du sieht er, wenn er mich anschaut? Sicher kein Dating Material." 

Jimin seufzte und verschränkte die Arme. "Wenn es so wäre, dann müsstest du damit leben, wie jeder andere Mensch auch, denn das ist nun mal, wie das Ganze läuft", meinte Jimin und ich musterte ihn einen Augenblick. Das sagte er so einfach. 

Er war nicht der, der Jeongguks Distira sah. 

Mit resolutem Schritt kam Jimin auf mich zu und legte mir die Hände auf die Schultern. "Wenn du das machst, dann mag es vielleicht sein, dass er dich liebt, aber es wird nicht echt sein, hörst du? Willst das wirklich? ", meinte er eindringlich. "Willst du eine Beziehung, die eine Lüge ist?" 

Mit einem Seufzen streifte ich seine Hände ab. "Das ist, wie ich dem Glück am nächsten komme, fürchte ich", erwiderte ich seufzend. Zudem wollte ich das ja nicht für immer durchziehen. Ich wollte nur einen Start? Eine Chance? Vielleicht regelte sich der Rest dann ja von allein, wenn ich ihm erst einmal gezeigt hatte, was ich konnte? Ich warf meinen Umhang über meinen Stuhl und griff dann nach meiner Jacke. 

"Du wirst das bitter bereuen", prophezeite mir Jimin. Ich musterte ihn einen Augenblick. "Ist das eine deiner Wahrsagungen oder sagst du das nur so?", wollte ich wissen und Jimin schnaubte. "Ich bin mir nicht sicher", gab er an und wahrscheinlich sagte er das wirklich nur, um mich zu verunsichern. "Ich erwarte nicht, dass du mich unterstützt in der Sache", meinte ich und versuchte mich dabei möglichst resolut zu geben, "aber denk an unseren Schwur."

Damit warf ich mir die Jacke über und ging nach draußen. 

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Pfff, jaaaa, keine Ahnung XD
Willkommen? 
Weihnachten ist vorbei, aber wir sehen mal großzügig darüber hinweg.
At least wird es nicht so schlimm wie Metanoia! Versprochen ♥

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