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Nervös ging in meinem Zimmer auf und ab. Was sollte ich jetzt tun? Jeongguk hasste mich offensichtlich. Wenn es nur das wäre, dann könnte man sagen: Selbst Schuld. Aber es war nun mal nicht alles. Ich mochte mir gar nicht vorstellen, wie verwirrt Jeongguk jetzt war. Er war einer von den Guten. Ein freundlicher, junger Mann. Selbst Hexen gegenüber verhielt er sich angemessen und wenn man sonst nur Leuten wie Minkwan über den Weg lief, dann war das eine Menge wert. Von unkontrollierbaren Hass auf mich überschwemmt zu werden, machte ihm sicher zu schaffen. Wahrscheinlich verstand er die Welt nicht mehr. 

"Davon, dass du im Zimmer auf und ab gehst, wird sich das Problem nicht lösen", meinte Jimin, der auf seinem Besen saß und damit durch mein Zimmer schwebte. Wir hatten nie viel Platz in unseren Zimmern – theoretisch. Doch das hier war ein Altbaugebäude. Die Decken waren zum Teil drei, vier Meter hoch. Also baute die kluge Hexe alles, was auf die Fläche nicht passte, einfach in die Höhe. Jimin durchforstete gerade meine Regale unter der Decke. "Du hast gut reden", murmelte ich und fuhr mir durch die Haare. "Ich-"

Weiter kam ich nicht, denn irgendwer hämmerte vor meine Tür. Ich zuckte zusammen und warf einen ängstlichen Blick auf sie. War es rausgekommen? Oder war das Jeongguk, der mich verprügeln wollte. "Kim Taehyung!! Ich weiß, dass du da drinnen bist!" Ich wechselte einen Blick mit Jimin. Wenn ich mich nicht täuschte, war das Hoseok? Unsicher bewegte ich mich zur Tür und öffnet sie. "Ho-" Wieder kam ich nicht besonders weit, denn kaum hatte ich die Tür geöffnet war der Lupus in meinem Zimmer und packte mich am Kragen. 

Er beförderte mich gegen die nächstbeste Wand und entlockte mir damit einen erschrockenen Laut. "Was hast du mit ihm angestellt?!", knurrte er. "Yah! Egal was du da machst ich bin Zeuge", meldete sich Jimin von seinem hohem Platz aus. Hoseok runzelte die Stirn und warf einen Blick nach oben. Offensichtlich hatte er damit nicht gerechnet. Doch er zuckte nur mit den Schultern und wandte sich mir wieder zu. "Jeongguk. Was hast du getan?! Ich weiß, dass du es warst. Ich hab dich gestern schließlich in der Nähe der Halle erwischt."

Ich presste die Lippen zusammen. Mit seinem Freund war also etwas komisch und natürlich war der erste Gang zu der Hexe, die man gestern gesehen hatte? Nun, in dem Fall mochte es stimmen, aber trotzdem war die Schlussfolgerung schon wieder ein bisschen fragwürdig. Ich nickte eingeschüchtert und Hoseok ließ mich los. Er seufzte. "Erkläre es mir. Ich will wissen, was mit ihm los ist", forderte er mich auf, "und wage es dir mich zu belügen. Ich schleife dich sofort zur Verwaltung und dann kannst du da erklären, warum Jeongguk plötzlich mit Aggressionen zu kämpfen hat." 

Mit bangem Blick musterte ich den hochgewachsenen Lupus und schluckte schwer. "Es tut mir so leid", murmelte ich verzweifelt. "Tja, sag das Jeongguk, huh?", meinte Hoseok spitzfindig. Ich nickte und raufte mir die Haare und tatsächlich ließ Hoseok mich kurz in Ruhe, damit ich mich sammeln konnte, wofür ich ihm sehr dankbar war, auch wenn er sich wohl einen fragenden Blick zu Jimin nach oben nicht verkneifen konnte. Jimin zuckte mit den Schultern, obwohl er genau wusste, was falsch gelaufen war. Er würde immer die Klappe für mich halten. 

Hoseok war inzwischen dazu übergegangen es sich bequem zu machen, weil ich ihm offensichtlich nicht schnell genug aus dem Knick kam. Ich setzte sich auf meinen Schreibtisch und beobachtete mich noch immer unterdrückt wütend. Lupus hatten eine Menge Beschützerinstinkte und mir wurde klar, dass er stärker mit Jeongguk befreundet war, als ich gedacht hätte. Offensichtlich stand der Magier unter seinem Schutz. Bedeutete auch, dass er sehr wahrscheinlich bereit war mich in der Luft zu zerreißen. Ich konnte ihm also nicht mal bösen sein, dass er mich ansah, als würde er mich fressen wollen. 

"Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll", meinte ich und blinzelte die aufkommenden Tränen weg. "Wie wäre es damit mir zu sagen, was mit Jeongguk los ist?", half er mir auf die Sprünge und ich atmete tief durch. "Ich habe ihm einen Liebestrank untergejubelt", gab ich zu. Ich erwartete einen wütenden Sturm, doch irgendwie passierte nichts. Hoseok musterte mich nur. "Sowas kannst du?", wollte er wissen. Ich nickte bekümmert. "Cool." Ich sah Hoseok überrascht an. "Wie viel kostet sowas. Kannst du mir einen machen?" Er deutete lässig nach oben zur Decke unter der noch immer Jimin rum schwebte. "Ich will gerne Jimin einen andrehen", meinte er und ich runzelte die Stirn. 

Als ob ich ihm helfen würde die Gefühlswelt meines besten Freundes auf den Kopf zu stellen. Mich erfasst ein Anflug von Ärger und mir wurde klar, dass er mir den Spiegel vorhielt. Und er bemerkte auch, dass es ankam. "Merk dir das Gefühl", zischte er, "das ist, wie ich mich fühle, bei dem Gedanken, dass irgendein Vollidiot versucht meinen beste Freund gegen seinen Willen in eine Beziehung zu hexen!" Er wurde immer lauter und ich wurde immer kleiner. "Es tut mir leid", beteuerte ich nur wieder und er funkelte mich wütend an. "Es tut dir leid?!", fuhr er mich an. "Wunderbar! Dann hast du sicher nichts dagegen die Scheiße, die du verzapft hast wieder rückgängig zu machen!"

Er stand auf und kam wieder zu mir rüber. Verschreckt wich ich zurück. "Zumal du dabei offensichtlich verkackt hast", regte er sich auf. Er war bei mir angekommen und stieß mir gegen die Schulter. "Und wozu das Ganze?!", fragte er und ich wich noch einen Schritt zurück. "Wolltest du aufsteigen?", fragte er. "Oder dir etwas beweisen?"

Langsam konnte ich die Tränen doch nicht mehr zurückhalten und die Verzweiflung klopfte wieder mental an meine Tür. "Ich sehe sein Leuchten. Seine Distira", wisperte ich und zu meiner Überraschung wurde Hoseoks Gesichtsausdruck weich. Er schwieg einen Moment. "Ich verstehe", meinte er dann und verschränkte die Arme. Er verstand? Ich seufzte und ging wieder im Zimmer auf und ab.

"Ich hab alles kaputt gemacht", murmelte ich verzweifelt, "ich wollte doch nur eine Chance, doch offensichtlich habe ich die einzige Chance die ich hatte versaut." Ich raufte mir die Haare und setzte mich schließlich auf mein Bett. "Was ist schiefgelaufen?", wollte Hoseok wissen und ich sah ihn an. "Gar nichts", meinte ich geschafft, "und doch alles." Ich stand wieder auf und ging umher. Ich konnte nicht mal 30 Sekunden still sitzen, es war furchtbar.

"Weißt du, der Begriff Love Potion oder eben Liebestrank ist irreführend. Das ist nicht das was der Trank wirklich tut, er ist viel mehr ein Umkehrer", erklärte ich leise, "er sorgt dafür, dass Hass oder Gleichgültigkeit, also das was einem Gefühl von Liebe wohl gegenüber steht, in Liebe umschwingt." Hoseok legte den Kopf schief und musterte mich. Er schien zu erahnen, worauf das hinauslief. "Der Trank ist daher auch nicht dafür geeignet deinen besten Freund dazu zu bringen, dich zu lieben. Und wenn der, der den Trank bekommt sogar schon verliebt ist..." Ich ließ den Satz in der Luft hängen und deutete beim Rumtigern mit den Händen eine Umkehrbewegung an.

"Darum hasst die Jeongguk also jetzt?", hakte Hoseok nach. Jimin landete neben ihm und nickte. "Tae wäre besser dran gewesen, er hätte den Trank verkackt", stellte er mit einem Seufzen fest. "Hättest du mich mal gefragt, wenn du dich nicht an ihn rantraust", meinte Hoseok trocken, "ich hätte dir sagen können, dass er einen ganz schönen Crush auf dich hat."

Ich sah Hoseok an und wurde rot. "Woher denn bitte?", entfuhr es mir verwirrt. Es war nicht so, als hätten wir je mehr als nur ein paar Worte gewechselt. Alles, was ich über Jeongguk wusste, hatte ich durch Beobachtungen in Erfahrung gebracht.

Das klang jetzt verwerflicher, als es war. Ich war nicht rumgelaufen und hatte Leute über ihn ausgefragt, stand hinter jeder Ecke in seiner Nähe oder würde ihm nachts im Schlaf beobachten. Es war viel mehr so, er schon durch die Distira immer meine Aufmerksamkeit auf sich zog, sobald sich unsere Wege kreuzten. Er fing meinen Blick ganz automatisch ein und dabei bekam man nicht selten Sachen mit.

Man konnte sehen, ob jemand freundlich zu seinen Mitmenschen war und wie er sich generell benahm und wie die Menschen um ihn herum auf ihn reagierten. Jeongguk war nicht umsonst beliebt. Er hatte immer ein offenes Ohr und ein freundliches Lächeln für andere übrig. Sein sanfter Gesichtsausdruck war sein Markenzeichen.

Den Rest schwärmte einem der hauseigene Fanclub vor, hatte er erst einmal bemerkt, dass auch du Jeongguk toll findest, denn das waren die wahren Stalker. Wollte ich wissen, woher sie wussten, dass er nur Markensocken trug? Wenn du dann eine Lektion darin bekommen hattest, was alles toll an Jeongguk war, kam dann die Warnung, dass man sich ja nicht an ihn ranmachen sollte. Anschmachten war erlaubt, aber mehr nicht! Meine Güte, diese Weiber waren verrückt. 

Ich hatte zum Glück keinen Fanclub. Und ich fiel auch nicht auf. Schon gar nicht durch ein helles Leuchten. Dementsprechend sollte ich eigentlich wohl oder übel auch unsichtbar für Jeongguk sein. Und wenn er mich doch mal gesehen haben sollte, dann wahrscheinlich dabei, wie ich grade vor Leuten wie Minkwan den Kopf einzog. Nicht grade sexy. Also warum sollte er ein Auge auf mich geworfen haben?

"Wann soll er den entwickelt haben?", stellte ich also infrage. "Leute wie er bemerken Leute wie mich in der Regel doch gar nicht. Wir haben vielleicht mal ein, zwei Worte in der Bibliothek gewechselt." Ich gab das Tigern auf und hockte mich einfach hin, nur um geschafft den Kopf auf meine Knie sinken zu lassen. "Ja, eben die Sache in der Bibliothek", hörte ich Hoseok sagen, "du warst süß. Hübsch bist du auch. Also hat er angefangen dich zu beobachten." Holy Shit, was? Er mich? War das Hoseoks Ernst? "Zum Beispiel, wenn du auf dem Hof brauen warst. Er meinte er mag dein konzentriertes Gesicht, das sei sweet. Ich finde ja du siehst irgendwie doof dabei aus, aber ich bin ja auch nicht in dich verknallt, also was weiß ich", redete Hoseok weiter. Er zuckte mit den Schultern. "Wobei ich mir nicht mal sicher bin, ob das wirklich der Anfang war? Aber seitdem ziehe ich ihn damit auf." Er grinste schief.

"Aber weißt du, der Junge ist schüchtern. Ich hab ihm tausendmal gesagt, er soll dich einfach Fragen was du machst und dir die Kacke abkaufen, damit er einen Aufhänger hat, aber er stellt sich an wie der erste Mensch und yandert lieber durch die Gegend." Hoseok verdrehte die Augen. Er zog amüsiert die Nase kraus. "Also ich bin da mit meinem Crush deutlicher", fügte er an und zwinkerte dann Jimin zu, der errötete und einen leisen, empörten Laut von sich gab.

Hoseok ignorierte es und wandte sich mir wieder zu. "Und dann sind da noch die Zeiten, in denen du einfach nicht aufzufinden warst", endete er trocken und ich seufzte. Das waren dann wohl die Zeiten, in denen ich ihn beobachtet hatte. Wollte Hoseok mir jetzt weiß machen, dass er mich noch viel mehr gestalkt hatte, als ich ihn? Hatten wir uns gegenseitig vom Weiten angeschmachtet? Das wäre irgendwie lustig und gleichzeitig furchtbar. Ich wollte einfach nur noch heulen.

Ich hatte mein Glück erzwingen wollen und es dabei kaputt gemacht. Wahrscheinlich hatte ich das verdient. Doch für Selbstmitleid hatte ich keine Zeit, ich musste Jeongguk irgendwie von der Wirkung des Trankes befreien. Hoseok hatte wohl denselben Gedanken, denn er musterte mich scharf. "Wie wird Jeongguk wieder normal?", wollte er wissen. Ich hockte noch immer auf dem Boden, wie das kleine Häufchen Elend, dass ich war. "Ich muss sterben", schluchzte ich leise und Hoseok warf einen irritierten Blick zu Jimin. Offensichtlich war er spontan der Meinung, dass ich nichts taugte. Ich konnte es ihn nicht mal verübeln.

Jimin schüttelte nur den Kopf. "Das ist kein Fluch, verdammt. Ignoriere ihn, er redet Stuss." Danke, Jimin. "Also, was dann?", wollte der Lupus unter uns wissen und Jimin seufzte geschafft. "Na ja, eigentlich ist es ganz einfach", meinte er und ich schnaubte deprimiert. Einfach sagte er. Wahrscheinlich würde ich tatsächlich eher sterben, als dass ich das hinbekommen würde, was für die Umkehr der Magie nötig war.

"Jeongguk muss mich küssen."

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