☕4☕
Jeonghan
War das sein verdammter Ernst?
"Und wie bist du da raus gekommen?", wollte ich wissen. "Nun eines dieser Metallmonster, dass die Grube zwei Straßen vom Krankenhaus entfernt schaufelt, hat das Fass erwischt und zerbrochen. Also konnte ich raus", erklärte er, "dumm nur, dass ich nicht weit gekommen bin, weil 300 Jahre in einem Tintenfass kein Zuckerschlecken sind. Ich bin abgeklappt und als ich wieder aufwachte, lag ich in dieser kalten Metallbox, wo offensichtlich Tote reingesteckt werden. Sie werden doch heute eigentlich immer noch begraben, was sollte das?"
Ich rieb mir die Nasenwurzel. "Du redest von Baggern und der Raum heute war die Pathologie, da kommen Leichen hin, die Untersucht werden sollen", erklärte ich. Sein Gesicht hellte sich auf. "Ah, ich verstehe." Er grinste fröhlich. Nur Joshua brachte es fertig uber die Pathologie zu reden und dabei zu grinsen. "Also, alleine dass du es erwähnt, löst das wissen darüber aus, das ist voll seltsam", meinte er und wirkte noch immer hoch amüsiert. Ich seufzte. "Soll ich dir Wikipedia vorlesen?", fragte ich leicht genervt. Der Schalk schlich sich in Joshuas Augen. "Das würdest du für mich tun?", fragte er gegen. "Nein", antwortete ich nur kühl.
Ich trank einen Schluck von meinen Kaffee. "Und wie bist du in das Tintenfass reingekommen?", wollte ich wissen. Joshua beugte sich nach vorn, stützte die Ellenbogen locker auf seine Knie und betrachte den Kakao, den er ein bisschen vor sich hin schwenkte. Er stützte den Kopf auf die freie Hand und sah mich an. "Da kommen wir an eine Grenze, über die ich nicht drüber komme. Ich kann nicht frei sprechen. Es ist eine Dschinn-Sache."
Eine Dschinn-Sache also? Ich biss mir auf die Lippe und unterdrückte ein weiteres Seufzen. "Seit wann kannst du über irgendwas nicht reden?", fragte ich angesäuert, doch der Frust galt weniger ihm als der Situation. "Du redest ohne Punkt und Komma. Des ganzen Tag. Ich schwöre bei Gott du hast das Redebedürfnis einer Frau!" Joshua stellte die Tasse ab und setzte sich zu mir rüber.
Beruhige dich Körper! Und nicht anfassen!
"Denk nach, Jeonghan, habe ich dir je gesagt, was ich bin?", fragte er und beugte sich zu mir. So wurde das ganz sicher nichts mit dem Nachdenken. "Ich weiß nicht", meinte ich unsicher. "Bestimmt?" Er schüttelte den Kopf. "Ich bekomme den Satz gar nicht über die Lippen", sagte er. "Welchen Satz?" "Na den Satz." "'Ich bin ein Dschinn'?"
Joshua machte sein Honigkuchenpferdchen-Gesicht. Das machte er immer, wenn er zufrieden war. Ich wertete das also mal als ja.
"Ich kann den nicht aussprechen", meinte er und sah mich ernst an. "Aber ..." Ich blinzelte. Ich dachte nach und kramte in meinen Erinnerungen. Konnte eine Weile dauern. War schon ein paar Tage her. "Ich hatte es erraten", erinnerte ich mich schließlich. Ich hatte seinen Geruch in Frage gestellt und er hatte eine halbe Quizshow aus der Sache gemacht. Ich dachte das wäre einfach sein Humor. War es wahrscheinlich auch. Nur war es eben mehr als das.
"Es ist nicht mal so, als würde ich eine Strafe bekommen, wenn ich darüber rede, ich kann es einfach nicht aussprechen. Es kommt nicht raus. Es ist wie ein Schutzreflex. Ich schätze, weil wir Dingenskirchis einfach furchbare Labertaschen sind und wirklich mehr reden, als gut für uns ist. Wahrscheinlich haben ein paar von uns irgendwann mal ausgeplaudert wo der heilige Dingenskirchi-Gral versteckt ist oder solchrn Mist und da hat der Dingenskirchi-Gott gesagt: Jetzt ist Schluss, ihr haltet jetzt alle euer verdammten Fressen!"
Erstaunlich wie viel dieser Mann reden konnte, ohne Luft zu holen. Und was war denn bitte Dingenskirchi für eine Umschreibung für Dschinn? Gut, mir konnte es auch egal sein, solange es funktionierte.
"Okay", meinte ich unsicher und fuhr mir durch das blondierte Haar. "Wie auch immer. Wenn ich das jetzt also richtig verstanden habe kannst du über nichts reden, was Geheimnisse der Dschinn offenbart und ihnen schaden würde", fasste ich zusammen, "und sich selbst als Dschinn offenbaren ist auch nicht möglich. Außer man spielt ligit Tabu und bekommt es mit Händen und Füßen raus."
Joshua beugte sich noch näher zu mir und umrahmte mein Gesicht mit seinen Händen und ich spürte wie meine Wangen wieder warm wurden. Gnarf das ging soch auf keine Kuhhaut. Was war das überhaupt? Ein special Skill?
Hey, ich bin Vampir xy und kann so schnell laufen, ich laufe senkrechte Wände hoch und was kannst du? - Ja, hi, ich bin Jeonghan. Ich kann erröten.
"Ich liebe es, dass du so schlau bist", offenbarte Joshua mit einem Grinsen strahlender als ein weisses T-Shirt unter Schwarzlicht und holte mich damit aus meinen Gedanken.
Für einen Moment war ich perplex, doch dann schob ich seine Hände weg und entfernte mich ein bisschen von ihm, nicht dass er noch auf dumme Gedanken kam. Er liess mich machen, doch, das hieß nicht, dass er mich in Ruhe liess. "Jeonghan", sagte er leise und ließ mich nicht aus den Augen, im Gegenteil, er sah aus, als als würde ich ihm die Erleuchtung des Jahrhunderts bringen. Vielleicht auch der letzten drei.
"Jeonghan, du musst schlau für uns sein."
Bitte, was? Ich blinzelte verwirrt. "Weil dein IQ in den letzten 300 Jahren gelitten hat, oder was?", fragte ich trocken, doch Joshua ließ sich nicht beirren und grinste schief. "Nein, weil meine einzige Chance dir irgendwie zu erklären, was eigentlich der Fall ist, darauf baut, dass du schlau genug bist das Puzzle zusammen zusetzen", meinte er und das Grinsen wurde zu einem nostalgischen Lächeln. "Und was ist, wenn ich gar nicht will?", fragte ich zischend und er betrachtet mich ein paar Sekunden. "Du willst", stellte er fest. "Du willst Antworten. Und du bekommst sie nur so und ich bitte dich... versuch es."
Ich seufzte und legte den Kopf in den Nacken. Mein Verstand rotierte. Was sollte ich ihm glauben? Sollte ich ihm glauben, dass alles irgendwo einen Sinn haben musste und er deswegen verschwunden war? "Na, schön", meinte ich also ergeben, "wo fangen wir an?"
Joshua rutschte wieder ein bisschen näher zu mir. "Bei Dschinns. Ich kann vielleicht nicht alles sagen, aber vielleicht bekommen wir das trotzdem irgendwie sortiert", meinte er und ich konnte mich nicht gegen die Hoffnung wehren, die sein Gesicht zeichnete.
Ich hoffte nur, ich würde ihn nicht enttäuschen, weil ich so eine ahnungslose Banane war.
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen4U.Com