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Fly

Our time is like sunshine after the rain~

Jungkook

"Tae?", meine ich halblaut und sehe nicht von unseren Händen auf, die ich ständig miteinander verschränke, wieder löse und mit seinen Fingern spiele. "Hm?", macht er nur brummend. "Ich will immer noch ein Tattoo", gebe ich bekannt. Der Ältere seufzt, worauf ich ihn dann doch anschaue.

Taehyung mustert mich mit geschürzten Lippen und fragt lediglich: "Was willst du denn? Und wo?" Mit einem Lächeln setze ich mich auf und sehe auf ihn hinunter. "Auf der Schulter. Und was es wird, bleibt eine Überraschung", erkläre ich. Er verdreht mit einem Lachen die Augen. "Deine Eltern reissen mir den Kopf ab, wenn ich dir das erlaube. Jemand von uns beiden muss vernünftig bleiben."

Ich grinse frech auf ihn hinunter und setze mich auf ihn. "Zur Hölle mit der Vernunft", verkünde ich laut, was ihn in Lachen ausbrechen lässt. "Du willst also tatsächlich, dass deine Eltern durchdrehen?", fragt er mich. "Es ist mein Leben, mein Körper, mein Aussehen und ich darf damit anstellen, was auch immer ich will", antworte ich trotzig. Tae seufzt abermals und will zu einer Antwort ansetzen, als ich plötzlich etwas Nasses an meinem Nacken spüre.

Verwirrt streiche ich den Tropfen Wasser weg und drehe den Kopf, sodass ich zum Fluss schauen kann. Ich denke wohl kaum, dass dieses Wasser gerade von dem kam. Den nächsten Tropfen spüre ich auf meiner Hand und auch Taehyung scheint es zu bemerken. "Scheisse", lacht er leise, "Es regnet!"

Kaum hat er die Worte ausgesprochen, verschwindet die Sonne hinter grossen, dunklen Wolken und die Tropfen vermehren sich. "Lass uns zum Auto zurück und ein Hotel suchen. Ich will nicht schon wieder nass werden", schlage ich vor, steige von ihm runter und strecke dem Dunkelhaarigen hilfsbereit meine Hand hin, die er auch sofort ergreift und auf die Füsse kommt.

Gemeinsam laufen wir, genau wie einige andere Leute, die Steigung hoch, vom Fluss weg, zurück auf die Strasse. Aber kaum sind wir oben angekommen, wird der Regen stärker und ich höre ein nicht allzu weit entferntes Donnergrollen. "Hört sich schlecht an", kommentiert Taehyung und ich lache zustimmend, während ich spüre, wie meine Kleidung langsam aber sicher von den vielen Tropfen durchnässt wird. "Wie lange brauchen wir, bis zum Auto?"

"Es ist auf der anderen Seite der Stadt", grinst Tae halbwegs. Wir beide wissen, dass wir bis dahin klatschnass sind. "Beeilen wir uns lieber!", lache ich, ergreife seine Hand und ziehe ihn mit. Wir sind nicht einmal zum Ende der Strasse gekommen, als es auf einmal wie aus Eimern zu schütten beginnt, ein weiteres Donnergrollen erklingt und innert Sekunden bin ich patschnass.

"Scheisse", lache ich und sehe an mir hinunter. Das war's dann wohl mit meinem Beschluss 'nicht nochmals nass werden'. Taehyung lässt meine Hand los, platziert sie dafür an meiner Hüfte und zieht mich näher an sich. "Wenn es ohnehin schon hoffnungslos ist", raunt er gegen meine Lippen, "Dann können wir es auch gemütlich angehen." Damit verwickelt er mich in einen stürmischen Kuss, denn ich grinsend erwidere, die Autos und die Tatsache, dass das hier wohl das kitschigste ist, was ich je getan habe, ignorierend.

Meine Finger verfangen sich in seinen nassen Haaren und wenn es nicht laut gedonnert hätte, wären wir wohl noch Stundenlang knutschend im Regen gestanden. "Können wir trotzdem irgendwo unterstehen?", frage ich keuchend, als wir uns voneinander lösen. Der Ältere nickt, wir verschränken unsere Hände wieder und beeilen uns, irgendwo ein Vordach zu finden, unter das wir uns stellen können. Allerdings stellt sich das als schwieriger als gedacht heraus.

Das einzige, was ich schliesslich sehe, ist ein kleines Café. "Lass uns da rein!", bitte ich, während der strömende Regen weiter auf uns niederprasselt. Gesagt, getan, hastig stolpern wir auf den Laden zu, öffnen die Tür und treten hinein, erleichtert darüber, endlich dem Unwetter draussen zu entkommen. 

Kritisch drehe mich mich um und blicke durch die Glastür wieder nach draussen, als ein Blitz den Himmel für einen Sekundenbruchteil erhellt. "Sieht übel aus", murmle ich und höre Taes zustimmendes Brummen. 

"Oh, wir haben schon geschlossen!", erklingt in diesem Moment eine weibliche Stimme. Ich drehe mich zur Theke um und erblicke eine Frau mittleren Alters, die uns kritisch mustert. "Bitte, Miss, können wir nicht etwas hierbleiben?", frage ich flehend. Die Vorstellung zurück in den strömenden Regen zu müssen gefällt mir ehrlich gesagt nicht wirklich.

"Nur, bis das Unwetter etwas nachgelassen hat", fügt Taehyung an meine Worte hinzu und ich nicke zustimmend. Sie seufzt und sieht uns an, bis sie schliesslich nickt. "Na gut, bis der Regen aufgehört hat", geht sie auf unsere Bitte ein. "Haben Sie vielen Dank!", lächle ich und verbeuge mich vor ihr.

"Ihr seid völlig durchnässt", meint sie mit einem Hauch von Sorge in der Stimme, "Ihr zwei erkältet euch noch. Kommt mit, mein Sohn kann euch trockene Klamotten von ihm geben, sie sollten euch etwa passen." Sie winkt uns mit, woraufhin wir beide erleichtert hinter die Theke gehen und ihr in einen Nebenraum folgen, die Treppen hinauf in eine hübsche Wohnung. 

"Yugyeom!", ruft sie durch das Apartment. Im nächsten Moment höre ich jemanden die Stufen aus dem zweiten Stock des Apartments hinunterpoltern. Es ist ein schlanker, hochgewachsener Kerl, mit schwarzen Haaren, die allerdings einen bläulichen Schimmer haben. Er bleibt auf der Treppe stehen und lehnt sich über das Geländer zu uns hin. "Wer ist das?", fragt er seine Mutter, die uns danach ebenfalls fragend anschaut. 

"Ich bin Taehyung und das ist Jungkook", stellt Tae uns hastig vor. "Kannst du den beiden nicht ein paar trockene Klamotten von dir geben?", fragt sie ihn. Er zuckt mit den Schultern. "Klar, wieso nicht", willigt er ein und sieht uns auffordernd an. Gemeinsam laufen wir hinter Yugyeom die Stufen hoch in den zweiten Stock.

Der Teenager betritt ein Zimmer am Ende des Flurs und macht sich auf der Stelle am Kleiderschrank zu schaffen. "Yugyeom, bist du wieder da?", hört man plötzlich eine blecherne Stimme. Verwirrt drehe ich mich in die Richtung und erkenne einen Laptop, sowie ein Typ, der gerade in seinem Essen herumstochert. "Gleich, Jackson", antwortet der Schwarzhaarige abwesend und reicht uns Klamotten. "Das Bad ist eine Tür weiter", informiert er uns, ich bedanke mich bei ihm und Yugyeom läuft anschliessend zurück zum Laptop, wo er dann wohl seine Skype-Unterhaltung weiterführt.

Tae und ich verziehen uns ins Bad, wo wir uns endlich aus den nassen Kleidern schälen und uns die trockenen Sahen anziehen. "Meinst du es regnet noch lange so weiter?", frage ich, mit dem Rücken zu ihm, während ich mir den grossen, grauen Pullover anziehe. "Es hat nicht so ausgesehen, als würde es bald aufhören", erwidert Tae lediglich. Als ich fertig angezogen bin, drehe mich zu zu ihm um und stelle fest, dass er bereits dabei ist, seine Haare wieder etwas zu richten.

"Aber das ist egal", fügt er an und lächelt mich durch den Spiegel an, "Ich meine, die Zeit mit dir ist wie ständiger Sonnenschein, egal wie heftig es da draussen tobt."

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