Forever
We'll never find a love like this again~
Jungkook
"Sieht hübsch aus", bemerkt Taehyung zum bestimmt hundertsten Mal, als wir das Studio endlich verlassen. "Danke", antworte ich lächelnd und recke den Kopf etwas, um auf meine Schulter sehen zu können, auf der sich von nun an ein Vogelkäfig mit einem einzigen Vogel darin befindet und über dem eine Folie gespannt ist.
Ich bin ziemlich glücklich über die Tatsache, endlich mein Tattoo zu haben und ich kann auch nicht zufriedener mit meiner Motivwahl sein. Ich mag das Bild, selbst wenn es nur in schwarz gestochen wurde.
Wir beide begeben uns zum Range Rover, steigen ein und ich mache das Radio an. "Was haben wir morgen vor?", will ich neugierig wissen, während Tae vom Parkplatz fährt. "Morgen?", wiederholt er und lächelt irgendwie traurig.
Ich runzle die Stirn und mustere ihn eingehend. "Ja", bestätige ich misstrauisch. "Morgen sind wir auf dem Weg nach Hause."
Er spricht die Worte gelassen aus, aber irgendwie auch unglaublich kalt und obwohl sie mich nicht so treffen sollten, fühlt es sich an, als hätte er mir gerade eine Ohrfeige verpasst. Perplex starre ich ihn an. "N-nach Hause?", wiederhole ich leise, ungläubig, als könnte ich das nicht wahrhaben - was wohl auch der Fall ist.
"Ja", seufzt er nun und stellt das Radio leiser, "Wir können nicht für immer davon rennen, Jungkook." Das ist mir auch bewusst. Aber ich hätte nicht erwartet, dass wir schon vier Wochen unterwegs sind. Es hat sich einfach nicht so angefühlt, ich habe in den letzten Tagen kein einziges Mal daran gedacht, dass wir wieder zurück müssen. Es war alles absolut perfekt so und ich wollte nichts ändern. Ich habe nicht daran gedacht, was passieren wird, wenn wir nach Hause kommen.
Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren und auch jegliche Hemmungen fallen gelassen, ich konnte sein, wer ich immer sein wollte, das tun, wonach mir der Sinn stand und ich war wunschlos glücklich, obwohl wir nichts anderes getan haben, als durch das Land zu reisen.
Dass das nun schon vorbei sein soll, tut mir irgendwie weh. Ich hätte mir ein wenig mehr Zeit gewünscht, um ehrlich zu sein. Ein Monat klingt nach so viel, doch eigentlich ist es nur ein Sandkorn, im Vergleich zu einem ganzen Leben. Ich hätte mehr gebraucht, als nur diese vier Wochen. Viel mehr.
Ich will nicht zurück. Ich will nicht zu meinen Eltern, zurück in dieses stille, erdrückende, trostlose Haus, zurück in meinen Käfig, zurück in mein hässliches Zimmer, zurück in diese Stadt, in der ich nie glücklich war. Natürlich sind da meine Freunde, natürlich vermisse ich Hoseok, doch das ist wohl das Einzige. Hoseok könnte man immer wieder besuchen, man könnte ihn einladen, er würde ganz bestimmt kommen.
Doch zu meinen Eltern? Auf keinen Fall, das will ich nicht. Allerdings habe ich keine andere Wahl, mir bleibt nichts anderes übrig, als mich dem zu fügen.
Selbst wenn es mich umbringen wird.
Ich wende den Blick von der Frontscheibe ab, starre dafür aus dem Seitenfenster und mustere mich im Rückspiegel. Daraufhin muss ich allerdings verdutzt feststellen, dass ich zu weinen begonnen habe. Hastig fährt meine Hand zu meinem Gesicht und ich fahre mir sachte über die Augen, um die Beweise zu beseitigen.
Taehyung ist diese schnelle Bewegung allerdings aufgefallen, als er an der Ampel hält, und sieht deshalb zu mir hinüber. "Scheisse, Kookie, wieso weinst du?", höre ich ihn besorgt fragen. "I-ich weine nicht", erwidere ich sofort, allerdings versagt meine Stimme und ich ende mit einem Aufschluchzen, was meine Worte Lügen straft.
"Ich sehe doch, dass du weinst", murmelt er sanft und lehnt sich zu mir herüber, "Sag mir, was ist los?" Ich kann seine Hand an meinen Nacken spüren, bevor er mit den Fingern über die Haut dort streicht. "Erzähl es mir."
"Ich will nicht zurück", flüstere ich schniefend, "Sie werden mir wieder alles verbieten. Sie werden das zwischen uns verbieten, ich werde das nicht aushalten." Er seufzt leise, anschliessend nimmt er mein Kinn zwischen Zeigefinger und Daumen und dreht meinen Kopf, sodass ich ihn ansehen muss. "Nichts auf dieser Welt, wird es schaffen, uns zu trennen", lächelt er leicht, "Und wenn wir jede Nacht zusammen rausschleichen müssen, dann werde ich das mit Freuden tun. Ich gehe nicht zurück nach Amerika, ich kann dich zur Schule begleiten und von da wieder abholen, dagegen werden sie nichts unternehmen können. Du musst nur noch knapp zwei Jahre warten, dann bist du völlig von deinen Eltern befreit."
Ich lache freudlos auf. "Das sind zwei verdammte Jahre, Taehyung", erwidere ich schnippisch. Ein Lächeln umspielt seine Lippen. "Ich verspreche dir etwas", meint er leise, "Etwas, wofür du diese zwei Jahre gemeinsam mit mir durchhalten wirst, insofern du mich in zwei Jahren noch immer bei dir haben willst." Seine Worte entlocken mir ein Schnauben. Wie könnte ich ihn nicht bei mir haben wollen? Er ist alles was ich mir je gewünscht habe, mehr als ich gebraucht habe und das, was ich will.
"Und das wäre?", frage ich unsicher. Tae streicht mir sanft durch die Haare. "Sobald du Volljährig bist", fängt er an, "Und von mir aus, kann es auch direkt an deinem Geburtstag sein, dann werden du und ich wieder verschwinden. Länger als diesmal. Und von mir aus, können wir auch aus Korea verschwinden. Es ist mir egal wohin und egal wie lange, wenn du dabei bist."
Seine Worten sorgen dafür, dass ich breit lächeln muss. "Versprochen?", hake ich aufgeregt nach und der Gedanke an Morgen fühlt sich mit einem Mal nicht mehr ganz so schrecklich an. Er nickt mit einem sanften Lachen. "Versprochen."
Anschliessend lehnt er sich mehr zu mir hinüber und zieht mich in einen sanften Kuss, bis das Auto hinter uns hupt. Erschrocken löst der Ältere sich von mir, nur um festzustellen, dass die Ampel schon wieder auf Grün gesprungen ist.
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