Part Three It smells like hell ↻
Jin
Ich machte gerade das beste Fünfsterne-Rührei, das die Welt jemals nicht essen würde. Weil es leider nicht echt war. Aber dafür roch es sehr gut und ich würde mich später nicht so niedergeschlagen fühlen, wenn ich meines ohne fancy Extras aus der Pfanne aß. Denn immerhin war ich theoretisch dazu in der Lage, leckeres Rührei mit leckeren Extras zu kochen. Und diverse andere Gerichte, ich kannte die Rezepte aus dem Kochsimulator mittlerweile alle auswendig.
Ich liebte diese Küche, sie war so gar nicht wie meine. Hier hatte ich Platz, Ausstattung und die edelste Edelstahlplatte, die ich je gesehen hatte. Diese Küche, jeder Topf, jedes Messer sogar die Uhr an der Wand, war mein Herzblut. Das war eine Küche, von der ich immer geträumt habe nur gemütlicher. Heimeliger. Aber groß, sauber, aufgeräumt und qualitativ auf dem besten Stand.
Aber was hatte ich? Eine gottverdammte Wohnküche mit einer Arbeitsplatte, schmaler als ich und einem kaputten Ofen. Nicht mal einen Geschirrspüler. Ich werde Joonie ewig dankbar sein, dass ich die hier einrichten durfte. Hier Rührei zu machen war besser. Das hier hatte den Stil, den ich brauchte um mich zu entfalten. Außerdem spiegelte ich mich in sehr vielen Oberflächen, das war schön, ich mochte mein Spiegelbild.
Es fehlten nur ein wenig Salz, Kräuter, Tomaten und vielleicht etwas Käse. Heute fühlte ich mich nach Käse. Ich griff nach dem Glas mit Salz und schraubte es auf, um schwungvoll eine Priese in die Pfanne zu werfen. Beim Zuschrauben fiel mir das grüne Etikett auf, normalerweise hatten die Sachen hier kein Etikett. Hatte Namjoon sich jetzt ernsthaft noch Fakefirmen ausgedacht, um es noch realistischer zu machen? Vor allem ohne mich zu fragen. Ich wusste genau, er hatte keine Ahnung von Lebensmittel und was sie qualitativ hochwertig machte.
Ich musste ihm später unbedingt sagen, dass es diese Firma wirklich gab. Das musste ihm doch auffallen oder hat er wirklich noch nie eine Küche von innen gesehen? Oder einen Supermarkt? Zutrauen würde ich es ihm. Er war manchmal genauso weltfremd wie genial, eine Kombi, die nie langweilig wurde und viel zu einnehmend war. Auch, wenn es damals schlimmer war als heute. Ich bildete mir etwas darauf ein, denn unbeteiligt war ich an dieser Entwicklung sicher nicht gewesen.
Schnell lief ich zu den Kräutern und pflückte mir was ich brauchte. Hier gab es kein Etikett, wie ich erleichtert feststellen durfte. Die hatte ich selber hochgezogen, das ging, wenn man ein bisschen was aus dem Gartensimulator mitgehen ließ und lustigerweise bekamen Gerichte mit meinen Kräutern eine bessere Wertung, also blieb ich dabei. Die Kräuter landeten in der Pfanne, schnell rührte ich noch einmal durch, damit die Eier nicht anbrannten und ging dann ins Lager, um die Tomaten zu holen.
Sie waren direkt unter dem Fach mit dem Öl und sonst sah ich nicht einmal mehr richtig hin. Aber das hier war ja wie ein Autounfall! Völlig geschockt starrte ich auf mein geliebtes Sesamöl. Was war hier bitte los? Wieso war hier alles mit Marken vollgeklatscht? Das konnte doch nicht sein, da musste was schiefgelaufen sein. Namjoon war immer gegen Produktplatzierung. Und Geld brauchte er sicher auch nicht. War er betrunken gewesen? Bitte lass das nur ein Versehen sein, denn wenn nicht musste ich ein paar Hintern versohlen. Verbal.
Namjoon war gründlich, wenn der Kühlschrank jetzt auch so unauffällig angepasst wurde, dann- Ja ich musste das Teil nicht mal aufmachen. Der Kühlschrank selbst hatte schon einen Firmennamen an der Tür. Ich glaub ich werd nicht mehr! Trotzdem riskierte ich einen Blick hinein. Ew ... ist ja wie beim Einkaufen.
Zum ersten Mal überlegte ich diesen Raum in Brand zu stecken. Das war nicht okay. Ich hatte zwar eigentlich nicht mitzureden, da ich nicht zum Unternehmen gehörte, aber ich war von Anfang an dabei gewesen und Namjoon hatte es mir versprochen, einfach, weil wir uns einig waren. Das würde er nicht einfach ohne mich durchziehen. Das hier, was auch immer es sein sollte, machte mir Sorgen. Es fühlte sich einfach nicht mehr wie die Lain Ambar an, die ich kannte.
Der leichte Geruch von verbranntem Essen stieg mir in die Nase. Was war das jetzt? Die Eier! Ich rannte zurück und nahm die Pfanne vom Herd. Zu spät, es war verkohlt. Da konnte man nichts mehr retten. Ich hatte mich so auf den Anblick meines theoretischen Essens gefreut. Diese Werbung hatte mich zu sehr abgelenkt, was mir absolut nicht gefiel. Jetzt reichte es aber, das war nun wirklich nicht mehr feierlich! Ich schmiss die armen Lebensmittel weg und weichte die Pfanne ein. Da schuldete mir ein genialer jemand eine Erklärung und ich wollte sie jetzt! Ich rief meine Freundesliste auf und rief Namjoon an.
Es dauerte und das allein war schon ungewöhnlich. Er ließ mich nur warten, wenn etwas dringend war und selbst dann schrieb er wenigstens. Ich wüsste wirklich gern, wozu das hier führen würde, also ließ ich den Anruf laufen und wusch die Pfanne ab. Etwas stimmte hier nicht. Ganz und gar nicht. Das hier fühlte sich verdächtig falsch an.
Nach geschlagenen fünf Minuten, erklang ein kurzer Ton, den ich noch nie in dieser Leitung gehört hatte. Niemals. Unter keinen Umständen. Ich brauchte ein paar Sekunden um zu realisieren, was gerade passiert war. Dass es passiert war. Und ich fragte mich, wieso es passiert war. Aber darauf gab es nur eine einzige logische Erklärung. Denn das, was gerade passiert war, konnte er einfach nicht gewesen sein. DAS war nicht Namjoon gewesen. Das war unmöglich. Joonie würde mich nicht wegdrücken.
In den ganzen zwölf Jahren, die wir Kontakt hatten, hatte er mich nie abgewiesen. Das hier tat weh, auch wenn ich wusste, dass es nicht Namjoon war. Ich versuchte ihn anzuschreiben, doch auch hier bekam ich keine Antwort. Da musste etwas passiert sein, Joonie ghostete nicht. Weder mich noch sonst irgendwen. Er war ein so wundervoller Mensch. Ich würde einfach Yoongi fragen, doch er war auch nicht online. Etwas musste passiert sein. Es konnte nicht anders sein, das würde mir das Herz brechen. Es brach mir schon jetzt vor Sorge.
Diese Erkenntnis schockierte mich mehr als erwartet, denn sie bedeutete, dass irgendjemand unbefugt im System war. Ich wünschte mir wirklich wirklich wirklich, dass ich mich irrte. Doch mit Sicherheit tat ich das nicht. Schnell durchsuchte ich meine Freundesliste nach irgendeinem Mitarbeiter, der wissen könnte was los ist, loggte mich dann aber einfach aus und schrieb Namjoon übers Handy an. Er wusste immer am besten Bescheid, was in der Lain Ambar passierte. Mein Gefühl sagte mir, wir steckten knietief in Schwierigkeiten.
Auch hier bekam ich keine Antwort. Auch nicht, nachdem ich ihn lowkey übertrieben besorgt zugespamt hatte. Er war einfach nicht da. Vielleicht hatte er sein Handy irgendwo liegen lassen? Aber eigentlich war er immer erreichbar. Irgendwie. Ich schrieb Yoongi, ahnte aber, dass es vergebens war. Er ignorierte mich ja so schon manchmal. Was war nur los? Gab es einen Unfall? Waren sie okay? Versuchte man ihn zu erpressen? Gab es deshalb die Werbung? Aber womit wollte man ihn schon erpressen? Sein Leben gab nicht wirklich etwas her, zumindest nichts Skandalöses. So oder so hätte mir doch irgendjemand was gesagt! Das hier war nicht normal und je länger ich ahnungslos blieb, umso mehr drehte ich durch. Namjoon kam mir dann immer mit Logik, aber er war ja nicht erreichbar.
Unruhig setzte ich mich auf mein Sofa und wählte seine Nummer. Ich wollte wenigstens irgendein Lebenszeichen. Er konnte mich nicht einfach grundlos anfangen zu ignorieren. Schon gar nicht, wenn Werbung auftauchte. Das war ein riesen Problem! Stopp nein was machte ich hier? Das konnte doch alles nicht wahr sein... Schnell legte ich wieder auf. Er dachte, ich wäre eine Frau. Ich verfluchte mich selbst gerade, dass ich ihn nie über mein Geschlecht aufgeklärt hatte. So sollte er es jedenfalls nicht herausfinden. Wenn dann machte ich das persönlich und nicht wenn Land unter war.
Ich kippte einfach zur Seite und googlete ihn. Das alles war nicht gut. Ich wusste nicht was ich davon halten sollte. Etwas passierte mit der Lain Ambar und Namjoon war irgendwie weg. Ich konnte nichts Aktuelles finden, also ging es ihm wahrscheinlich gut. Wenn ich wenigstens wüsste, was los war, dann könnte ich etwas tun. Aber so blieb mir nur zu warten und die Füße stillzuhalten. Und nicht vor Sorge zu sterben. Denn genau das passierte gerade. Ich konnte zwar irgendwie halbwegs ruhig bleiben, aber innerlich drehte ich total am Rad. Das hier war ernster als alles, was bisher passiert war.
Vielleicht sollte ich Jennie schreiben, die wusste immer was er gerade trieb. Joonie musste man ein bisschen im Auge behalten und sie machte da einen ziemlich guten Job. Auch wenn sie sicher beschäftigt war, ich musste wissen, was los war. Wenn sich jemand Namjoons Account schnappt und mich ignoriert, wurde das auf einer völlig neuen Ebene persönlich. Mal abgesehen davon, dass ich Werbung in meiner Küche auch persönlich nahm. Ich war besorgt, empört und bereit alles stehen und liegenzulassen, aber erst brauchte ich eine Antwort. Vielleicht war ja auch alles gut. Hoffentlich.
Unwahrscheinlich...
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