▫▪Kapitel 21▪▫
JUNGKOOK
Noch immer entnervt aufgrund dieses Abends lag ich nun also tatsächlich auf dem Sofa von Taehyung und schaffte es nicht einzuschlafen.
Dass er mir letzte Nacht das Bett überlassen hatte, lag also tatsächlich nur daran, dass ich meine Wunden als Argument gewählt hatte und da er der Meinung war, dass dies nicht mehr nötig war, scheuchte er mich auf das Sofa und ging selbst in sein beherzigtes Bett.
Natürlich war ein Sofa noch besser als alles, was die kalten Gassen einer Stadt zu bieten hatten, doch wenn man einmal in einem Bett wie dem von Taehyung geschlafen hat, will man das für keinen anderen Schlafplatz dieser Welt eintauschen. Mist, ich sollte mir dieses luxuriöse Leben auf keinen Fall angewöhnen, denn diese temporäre Situation ist nicht die Art, wie ich den Rest meines Lebens verbringen möchte.
Ich war heilfroh, als ich endlich aus diesem unbequemen Anzug war, denn wann auch immer ich mich selbst im Spiegel betrachtete, kam mir beinahe das Kotzen. Nicht, weil ich mich selbst hässlich fand - ich hatte ohnehin nie die Zeit oder Lust mich damit zu befassen, ob ich nun hässlich oder hübsch bin - es lag wohl viel eher an diesem beknackten Anzug, der mich aussehen ließ wie ein verwöhntes Balg. Und wenn ich eines nicht war, dann war es verwöhnt.
Zugegeben war es einer der wenigen Male, in denen ich nicht aussah wie von der Straße gekratzt und in dem sich jemand darum gekümmert hat, dass ich gut aussehe, doch ich konnte mich einfach nicht damit anfreunden. Ich trage meine Haare nicht gerne so gestylt wie Taehyung und ich präferiere bequeme Kleidung. Vielleicht ändert sich das, wenn ich je in meinem Leben wie Taehyung hausen sollte, doch das würde ohnehin nie geschehen und deshalb kann ich guten Gewissens meine Löwenmähne auf dem Kopf behalten und tragen, was ich in die Finger bekomme.
Und während all diese seltsamen Gedanken in meinem Kopf herumkreisten, schaffte ich es nach wie vor nicht einzuschlafen, wobei ich doch eigentlich müde sein sollte. Manchmal verstand ich meinen Körper einfach nicht, wenn ich die Gelegenheit zum Schlafen hatte, sagt er nein und wenn ich sie nicht habe, zwingt er mich schon beinahe zu schlafen.
Ich zwang meine Augen auf und ließ meinen Blick umhergleiten, Licht drang durch das große Fenster in den Raum und sorgte somit dafür, dass ich die Umgebung trotzdem noch gut erkennen konnte. Deshalb setzte ich mich langsam auf und warf die Decke von meinem Körper, da ich sowieso nicht schlafen konnte, brachte es auch nichts weiter sinnfrei herumzuliegen.
Also entschied ich mich dazu, mich zu erheben und erst mal richtig zu strecken, als sei ich gerade erwacht. Fast wie automatisch trugen mich meine Beine an das Fenster, das den Raum erhellte und ich warf einen neugierigen Blick nach draußen. Der Himmel war von keiner einzigen Wolke bedeckt und schnell erkannte ich die Sterne und den Mond, unter denen ich bis vor kurzem noch meine Nächte verbracht hatte. Es waren immer noch dieselben Sterne und derselbe Mond, es war immer noch dasselbe Land und dieselbe Luft. Wir alle hatten so viele Gemeinsamkeiten, die unausgesprochen blieben und trotzdem gab es so viele Unterschiede, was die Lebensarten eines Menschen anging.
Ein Seufzen verließ meine Lippen und ich machte mir Gedanken über das, was meine Zukunft für mich bereit halten wird. Und natürlich fragte ich mich auch, ob es wirklich nur ein Zufall war, dass ich nun hier stand oder ob es womöglich so gewollt war. Warum sollte jemand, den ich versucht habe zu beklauen, mich zu seinem Chef bringen, der mich dann bei sich wohnen lässt und mir eine Arbeit anbietet? Das wollte einfach nicht in meinen Kopf.
"Und wegen sowas verbringe ich also die halbe Nacht wach?", fragte ich murmelnd an mich selbst gerichtet und war drauf und dran, meine Hand gegen meine Stirn zu klatschen. Doch ich fürchtete, das jede Art von Schmerz dafür sorgen wird, dass ich noch wacher werde als ich es ohnehin schon war und deshalb beließ ich es bei dem Seufzer und spazierte stattdessen in dem Zimmer rum. Nicht, dass das nicht denselben Effekt hätte, aber einfach nur sitzen half mir auch nicht weiter.
Ich musste zugeben, dass es zwar recht simpel gehalten war, die Einrichtung aber echt gemütlich aussah. Doch ich verstand nun auch, was er meinte, wenn er sagte, dass sein Zuhause nicht für Besuch ausgelegt war und ich fragte mich, ohne es zu wollen, ob Taehyung einer dieser Workaholics war oder doch auch Zeit mit Freunden oder Familie verbringt, falls das denn vorhanden war.
Was meine Aufmerksamkeit dann aber viel mehr auf sich zog war die Kommode, die unter einem an der Wand hängenden Spiegel stand. Langsam spazierte ich auf sie zu und legte meine Handfläche auf das Holz des Möbelstückes und fuhr langsam mit ihr darüber. Es wirkte, als hätte er vor nicht allzu langer Zeit hier sauber gemacht, was den Eindruck, dass Taehyung ein ordnungsgehaltener Mensch war, nur noch mal unterstrich.
Nur interessierte mich nicht die Kommode, sondern das, was auf ihr stand. Denn dort erblickte ich einen Bilderrahmen, mit entsprechend einem Bild darin und als ich dieses dann in die Hand nahm, wurde ich doch stutzig. Denn darauf abgebildet war ein deutlich jüngerer Taehyung mit einem breiten Grinsen auf den Lippen, während seine Hand das Peace-Zeichen zeigte. Neben ihm standen dann wohl offenbar seine Mutter und sein Vater, die beide ebenso glücklich wirkten.
Für einen Moment musste ich auch an meine Eltern denken und ich fragte mich, warum Taehyung als Erwachsener noch kein einziges Mal wirklich gelächelt hat. Das auf dem Bild wirkte so echt auf mich und ich fragte mich, was wohl vorgefallen war, dass er sein Strahlen verloren hat. Und ich wüsste nur zu gerne, was es mit seinen Eltern auf sich hat. Seltsam, dass mich sowas interessierte, aber es war gut möglich, dass wir uns doch nicht in jedem Aspekt unterschieden. Wobei das einer der tragischsten Aspekte war, in denen man sich nicht einmal jemanden wünscht, der dich verstehen konnte.
Ich biss mir ziemlich unsanft auf die Unterlippe und stellte das Bild wieder auf die Kommode.
"Leg dich wieder hin", flüsterte ich mir selbst zu und legte mich dann wieder auf das Sofa, um einen erneuten Einschlafversuch zu starten.
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Vielen Dank für die 5k, es freut uns wirklich riesig dass euch die Geschichte gefällt ❤❤
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