▫▪Kapitel 27▪▫
JUNGKOOK
Es dauerte eine Weile, bis ich das Passierte von eben verdaut hatte und wirklich realisierte, was gerade geschehen war. Ich hatte meine Sorgen hinten an gestellt und musste merken, dass man niemals unvorsichtig sein durfte. Taehyung hatte mich vor diesen Typen beschützt und seitdem hatte ich gemischte Gefühle, auf der einen Seite hatte ich Angst, dass sie zurückkommen und sich rächen wollen, aber auf der anderen Seite sah ich Taehyung in einem anderen Licht.
Nicht mehr wie einen Häuchler; viel mehr als jemand, der wirklich auch einhält, was er verspricht. Aber ich konnte nicht wissen, ob er das für mich oder aus bloßem Eigennutz tat.
Ich blinzelte und legte meine Hände ineinander gefaltet auf meinem Schoß ab, während mein Kopf zur Seite geneigt lag und mein Blick die Straße vor uns erblickte. Wir waren noch Essen, doch so lecker sich das Mahl auf meiner Zunge anfühlte, hielten meine Gedanken mich davon ab, das Essen richtig zu genießen.
Und nun befanden wir uns auf dem erneuten Weg nach Hause, denn es gab keinen weiteren Grund, weitere Zeit in der Stadt zu verbringen und um ehrlich zu sein erleichterte mich das auch. Ich wusste nun, dass ich bei Taehyung sicher war, doch nur weil er mich einmal gerettet hat, wollte ich mich nicht in Sicherheit wiegen. Diese Typen waren unberechenbar und alleine weil ich wusste, zu was sie alles fähig waren, konnte ich mir nicht sicher sein, ob das nun das Ende war.
Taehyung hatte seitdem kaum mit mir gesprochen und es war das erste Mal, dass es mich ein wenig störte, seine Stimme nicht zu hören. In der Regel nervte er mich immer bis auf den Tod, doch dies Mal hatte ich das Gefühl, dass sich etwas verändert hatte. Ich wollte nicht weich klingen und ich hatte auch keine Intention mich mit ihm anzufreunden, doch ich musste wohl oder übel zugeben, dass ich ihn falsch eingeschätzt hatte. Ein Seufzen verließ meine Lippen, denn genau diese Erkenntnis kratzte an meinem Ego.
Wir kamen wieder bei ihm Zuhause an und ich schnallte mich elegant ab, ehe ich nach draußen trat und darauf wartete, dass auch Taehyung das tat, ehe ich um das Auto spazierte und hinter ihm zu seiner Haustür lief. Ein stutziges Gefühl beschlich mich, doch ich beschloss das in den Hintergrund zu drängen.
Als ich mich drinnen bereits von der Jacke befreit und meine Schuhe ausgezogen hatte, war ich drauf und dran, irgendwohin zu flüchten, um einem Gespräch mit Taehyung flink ausweichen zu können. Aber offenbar durchschaute er mein Vorhaben, noch bevor ich überhaupt die Chance hatte, es auszuführen.
"Ich will mit dir reden", sagte er mit kühler, monotoner Stimme und es hätte mich überrascht, wenn es anders gewesen wäre. Augenrollend drehte ich mich um und wollte erst einen Protest aussprechen, allerdings war mir bewusst, dass ich ihm eine Erklärung schuldig war, ob ich wollte oder nicht. Es ging mir zwar auf die Nerven, dass dieser Kerl dann einiges mehr über mich wusste, als ich über ihn, doch das war nur ein temporärer Zustand.
"Dachte ich mir schon", erwiderte ich mit leiser Stimme und bemerkte seine Handgeste, die mir deutete ihm zu folgen und genau das tat ich daraufhin dann auch. Er gesellte sich mit mir in sein angenehmes Wohnzimmer, ließ sich auf einem Sessel fallen, während es mir frei zur Wahl stand, wo ich Platz nehmen wollte. Letzten Endes entschied ich mich dann für das Sofa, da ich mit diesem am vertrautesten war.
"Wer waren diese Leute, Jungkook?", kam er direkt zur Sache und es wunderte mich noch nicht einmal. Ich biss mir auf die Unterlippe und ballte meine Hand zur Faust, denn eigentlich hasste ich es, meine Gedanken an diese Typen zu verschwenden und noch weniger konnte ich es leiden, über sie reden zu müssen.
"Menschen, die mir nicht gut gesinnt sind", versuchte ich es so allgemein wie möglich zu halten, jedoch hatte ich wenig Hoffnung, dass er es dabei belassen würde.
"Und warum sind sie das nicht?", hakte er weiter nach und tat damit genau das, was ich eigentlich vermeiden wollte. Ich schnaufte, meine Lippen schürzten sich und ich legte meinen Kopf in den Nacken. "Ich habe Schulden bei ihnen und du kannst dir sicherlich vorstellen, wie hart es ist, Geld aufzutreiben, wenn man jeden Tag damit beschäftigt ist, um sein Überleben zu kämpfen", erklärte ich ihm. "Schulden? Hast du dir Geld von ihnen geliehen?", wollte er dann von mir wissen und ich schnaubte ironisch, blickte ihm anschließend in die Augen. "Ich habe ihnen Geld gestohlen."
"Das erklärt, warum sie dir so feindlich gesinnt sind", erwiderte er darauf und seufzte, seine Finger verschränkten sich ineinander und er schien für einen Moment zu überlegen. "Hast du sonst noch Feinde?", fragte er mich dann, doch ich schüttelte meinen Kopf. Ich war immer ein einsamer Wolf, seit ich auf der Straße gelandet war. Die einzigen Menschen, mit denen ich je wirklich zu tun hatte, waren Jiyong und seine Truppe, alle anderen waren bloß flüchtige Bekanntschaften. Keine Freundschaften, aber auch keine Feindschaften.
"Eigentlich sollte ich sagen, dass du selbst schauen sollst, wie du da wieder raus kommst, aber ich habe versprochen auf dich aufzupassen und das werde ich auch tun", fuhr er dann fort und ich erwiderte irritiert seinen inspizierenden Blick. Aber warum tat er das? Welchen Nutzen sah er in mir, dass er sich urplötzlich um mich kümmern wollte, als sei ich sein Sohn? Auch ich hatte meinen Stolz, doch ich musste zugeben, dass man sich in manchen Situationen alleine nicht zu helfen wusste. Ich konnte Taehyung nicht leiden, aber war auf seine Hilfe angewiesen.
"Was hast du vor?", wollte ich von ihm wissen und zog meine Augenbraue nach oben, denn wenn solche Worte die Lippen Taehyungs verließen, konnte ich mir nicht vorstellen, dass er zu ihnen gehen würde um ihnen das Geld zu geben. Das passte nicht zu ihm, so viel konnte ich nach meiner Zeit hier schon mal sagen.
"Lass das mal meine Sache sein. Aber sei unbesorgt, das wird das letzte Mal sein, dass sie dir zu nahe treten."
Ich ahnte bereits etwas, doch um ehrlich zu sein war es mir egal, was mit diesen Typen geschah. Aber da war etwas anderes, das mich besorgte und das war ich. Oder wohl eher meine Gedanken.
Denn ich konnte mir das sich gerade auf meine Lippen schleichende Grinsen überhaupt nicht erklären.
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Wir wollten uns herzlich für die 10k bedanken ❤ wir freuen uns riesig über die viele Unterstützung, die ihr dieser Story schenkt <33
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