▫▪Kapitel 50▪▫
JUNGKOOK
Als ich Taehyung davon überzeugt hatte, dass wir uns zu dem Jungen setzen, standen wir auf. Seine Haare waren pink gefärbt und deshalb stach er aus der Menge heraus, trotzdem saß er alleine und erinnerte mich auf seltsame Weise an mich selbst. Nicht, dass unsere Situation sich in irgendeiner Weise ähnelte, doch ich kannte das Gefühl von Einsamkeit sehr gut, nur hatte ich es immer unterdrückt.
Er schien uns nicht zu bemerken, oder vielleicht beachtete er uns auch einfach nicht. Ab und an schaute er auf, dann durch die Menge und anschließend wieder auf den Teller vor ihm, als würde er sich verloren vorkommen.
Taehyung überließ mir den Vortritt und ich atmete noch einmal durch, ehe ich den Mund aufmachte und ihn mit einem Lächeln begrüßte. Ich lächelte so selten, dass es sich merkwürdig anfühlte das zu tun, mir fehlte einfach immer der Grund dazu, aber man sagte mir, dass man auf Menschen einen besseren Eindruck hinterlässt, wenn man ein Lächeln aufsetzt.
"Oh, hallo", sagte er dann und nickte lächelnd, er schien ein wenig unsicher zu sein, aber das wäre vermutlich jeder, der in so einer Firma von zwei fremden Männern angesprochen wird. "Du sitzt hier so alleine", sagte ich und er begann sich am Hinterkopf zu kratzen.
"Ja, ich bin noch neu hier und kenne so gut wie niemanden, außer den Leiter meiner Abteilung", erklärte er mir und in dem Moment erblickte ich Hoseok im Augenwinkel.
Er kam auf uns zu, aber wie es aussah wollte er nicht wirklich zu uns, sondern nur zu Taehyung. Er nickte uns zwar zu, doch widmete sich kurz darauf seinem Vorgesetzten und ehe ich mich versehen konnte, sagte dieser mir dass er mit Hoseok gehen würde. Ich wusste nicht, worum es ging, aber eigentlich spielte das auch keine Rolle für mich, denn ich war sowieso nicht großartig in seine Geschäfte involviert.
Die beiden verschwanden und ließen mich und den Pinkhaarigen alleine, weshalb ich mir den Stuhl schnappte, mich neben ihn setzte und lässig mit der Schulter zuckte. "Wenn man vom Teufel spricht", lachte er leicht und da ich eins und eins zusammenzählen konnte, wurde mir klar, wer dieser sogenannte Abteilungsleiter war, von dem er sprach.
"Dann hast du es wahrscheinlich noch gut erwischt, wie lange bist du schon hier?", fragte ich ihn weiter und wunderte mich über meine Neugier, denn normalerweise war ich keine besonders kontaktfreudige Person. Aber in letzter Zeit tat ich viele Dinge, die ich mir nicht erklären konnte, also musste ich mir darüber nun auch nicht den Kopf zerbrechen. Vielleicht lag es aber auch einfach nur daran, dass er aussah als wäre er in meinem Alter.
"Seit circa einem Monat, also noch recht neu. Ich glaubs auch, zumindest hat Hoseok auf mich einen sehr netten Eindruck gemacht", erzählte er mir dann und ich nickte langsam. Sein Teller war bereits leer und eigentlich gab es für uns keinen Grund noch länger hier zu sitzen. Aber ich hatte auch keine Lust woanders hinzugehen, weshalb ich das gar nicht erst andeutete.
"Wie lange bist du schon hier?", wollte er dann von mir bisschen und ich legte meinen Kopf leicht in den Nacken. Ich konnte es gar nicht so genau sagen, es sind so viele Dinge geschehen seit ich Taehyung kennengelernt habe, gutes wie auch schlechtes. Ich sollte ihm vermutlich auch nicht erzählen, wie ich überhaupt hier gelandet bin, ansonsten denkt er womöglich noch ich wäre wahnsinnig.
"Auch erst seit ein paar Wochen", lautete dann also meine Antwort, die zwar simpel ausfiel, ihn aber offenbar zufriedenstellte.
"Und du bist direkt beim Firmenleiter gelandet, ich weiß nicht, ob du mir leid tun sollst oder ob ich dich beneiden soll", witzelte er und ich musste ebenso lachen. Taehyung hatte auf andere also tatsächlich das Bild, das er mir anfangs auch zeigte. Der Boss, den jeder respektierte und der mindestens zehn Stufen weiter oben auf der Erfolgsleiter stand.
Zurückblickend konnte ich mich auch nicht wirklich beschweren, auch wenn unsere Persönlichkeiten oft aneinander kratzten und es häufig zu Streitereien kam. "Ich weiß es auch nicht", sagte ich ihm dann und fügte noch hinzu, dass ich es ihm sagen würde, sobald ich mehr Zeit hier verbracht habe.
"Ich bin Jimin, wir haben vollkommen vergessen uns einander vorzustellen." Er reichte mir seine Hand und ich ergriff sie. Ich hatte es nicht wirklich mit Formalitäten, meine sozialen Kompetenzen waren eigentlich auf reif für die Tonne, aber vielleicht änderte sich das ja, wenn ich nun jemanden kenne, den mir nicht konstant ununterbrochen auf der Pelle sitzt.
"Jungkook der Name, freut mich", erwiderte ich und setzte erneut ein Lächeln auf. Anschließend legte er seine Hände auf den Tisch und stützte sich an ihnen auf, nur um sich dann abrupt aufzustellen.
"Also dann, ich denke, ich muss wieder an die Arbeit. Aber ich denke, wir sehen uns bestimmt wieder", sagte er mir dann und ich erhob mich ebenso.
"Davon gehe ich aus", war das letzte, was ich sagte, ehe er sich verabschiedete und davon marschierte, ohne seinen Teller wegzubringen. Ich würde ihn ja an seiner Stelle nach vorne bringen, aber das wäre zu viel des Guten für heute, weshalb ich einfach nur den Blick abwandte und mich ebenso wieder auf den Weg zur Arbeit machte, wo ich wahrscheinlich schon von Taehyung erwartet wurde.
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