▫▪Kapitel 53▪▫
JUNGKOOK
Nachdem wir das Gebäude verlassen hatten und die kurze Autofahrt nach Hause begann, hatte ich wieder Zeit mich meinen eigenen Gedanken zu widmen. Ich war mir ziemlich sicher, dass Taehyung kein Wort mit mir sprechen würde. Aber beklagen konnte ich mich nicht, es tat auch mal gut ein wenig Ruhe vor dem Kerl zu haben und nicht dauernd nur herumkommandiert zu werden.
Es war aber erschreckend zu sehen, über welche Dinge ich mir im Vergleich zu damals Gedanken machte. Irgendwelche ominösen Emails in einem Spam-Ordner, die mir eigentlich am Allerwertesten vorbeigehen sollten. Ich wurde in meinem Leben noch nie mit Emails konfrontiert, mein Alltag drehte sich um komplett andere Dinge. Als wären Taehyung und ich in zwei verschiedenen Welten großgeworden.
Ein leichtes Seufzen verließ meine Lippen und ich beobachtete die an uns vorbeiziehenden Straßenlaternen, die mit ihrem Licht die Straßen erhellten. Im Radio lief Musik, die ich noch nie gehört hatte. Aber ich war sowieso noch nie wirklich begeistert von Musik, mir fehlte einfach der Bezug zu ihr.
Noch ehe ich die Chance hatte wirklich tief in meinen Gedanken zu verschwinden, parkte Taehyung das Auto und räusperte sich einmal. Vorsichtig spähte ich zu him rüber und beobachtete, wie er noch schnell die Handbremse anzog und sich abschnallte, ehe er den Schlüssel zu sich nahm und die Tür öffnete. Ich tat es ihm gleich und stieg aus dem Auto aus.
Die kühle Luft und ein kurzer Blick in den Himmel sagte mir, dass es wohl doch schon später war als gedacht und deshalb war ich eigentlich ganz froh, nicht mehr seinen Lakaien spielen zu müssen.
Ich folgte ihm nach Innen und zog meine Jacke und die Schuhe aus.
"Hast du Hunger?", hörte ich dann Taehyung fragen. Es klang noch nicht einmal nach einer Frage, er machte sich keinerlei Mühe zu verstecken, dass er wütend war und ich - als einzig anwesende Person - bekam es voll und ganz zu spüren. Gott, wie mich dieser Typ aufregte.
"Nein", erwiderte ich augenrollend, wohlwissend, dass er das nicht sehen konnte, da wir uns nicht mal im selben Raum befanden. Ich wusste nicht, ob er mich gehört hatte oder nicht, aber es war mir auch egal.
Ich begab mich ins Badezimmer und warf dort einen prüfenden Blick in den Spiegel, nur um darin zu erkennen, dass ich äußerlich genauso fertig aussah wie ich mich innerlich fühlte. Da fragte ich mich, wie tot ich mich früher wohl gefühlt haben musste, immerhin sah ich jeden Tag aus wie ein zersauster Löwe, der gerade den Kampf seines Lebens gekämpft hatte. Na ja, vielleicht nicht ganz so übertrieben, aber man hatte mir meine Verhältnisse definitiv angesehen.
Da ich weder Hunger hatte noch glaubte, dass Taehyung etwas mit mir zu bereden hatte, begab ich mich einfach in das Schlafzimmer und warf mich auf das Bett. Es mochte zwar sein, dass er mich auf das Sofa verbannte, aber ich wollte es einfach mal drauf anlegen. Immerhin glaubte ich mittlerweile, dass Taehyung selbst nicht mehr weiß, was er will. Unser Verhältnis zueinander war nicht mit einem Wort zu beschreiben, auch nicht mit einem Satz. Es war einfach undefinierbar.
Als ich langsam die Augen schloss und eigentlich bereit war, mich endlich meiner Müdigkeit hinzugeben, hörte ich auf einmal wie die Tür sich öffnete. Genervt öffnete ich meine Augen und das erste, was ich zu sehen bekam, war ein oberkörperfreier Taehyung mit einem Tshirt in der Hand.
"Kannst du dich nicht woanders umziehen", giftete ich ihn an und ein Grinsen machte sich auf seinen Lippen breit. Er verschränkte seine Arme und musterte mich einmal ausgiebig, weshalb ich mich schnell aufsetzte.
"Wieso? Ich dachte, dir würde der Anblick gefallen", erwiderte er selbstverliebt und ich stöhnte lediglich genervt. "Sieh zu, dass du verschwindest", blaffte ich zurück und verdrehte die Augen. Ich hatte nicht den Nerv, um mich wieder mit ihm herumzuschlagen.
Doch anstatt mich in Frieden zu lassen kam er sogar noch einen Schritt näher und stand jetzt fast schon vor meiner Nase.
"Wenn du wieder damit rumprahlen willst, dass wir es in deinem Büro getrieben haben, stecks dir in deinen Arsch", sagte ich dann und blickte auf in sein Gesicht. Er lachte.
"Es ist schon zu lange her, als dass ich damit noch rumprahlen könnte. Vielleicht müsste ich mir eine neue Errungenschaft besorgen, um dich damit wieder aufziehen zu können", kam es dann aus seinen Lippen und sein prüfender Blick lag anschließend auf mir. Nun war ich derjenige, der lachen musste.
Was dachte er eigentlich, wer er war? Dachte er allen ernstes, dass er so unwiderstehlich war und ihm jeder zu Füßen lag, wenn er nur mit den Fingern schnippste?
"Vergiss es." Mehr konnte ich dazu nicht sagen und ich beobachtete, wie er mit den Schultern zuckte und sich anschließend das Shirt über den Kopf zog.
"Irgendwann wirst auch du deinen Stolz ablegen", flüsterte er, als er sich neben mich ins Bett lag und ich wie aus Reflex Abstand von ihm nahm.
"Vielleicht in dem Traum, den du gleich haben wirst", gab ich leise zurück und machte die Augen zu. Er erwiderte nichts mehr, ich hörte nur noch seinen Atem neben mir und ein paar vereinzelte Geräusche von draußen. Es war ruhig genug, um guten Gewissens schlafen gehen zu können.
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Liege grad im Sterben, da ich mich gestern hab impfen lassen und nun sämtliche Nebenwirkungen durchlebe
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