▫▪Kapitel 55▪▫
JUNGKOOK
,,Bitte was?", entwich es bloß perplex meinen Lippen. Ich hätte nie gedacht, dass ich diese kleine, einfache Anreihung von Worten jemals aus einem Mundwerk, wie dem von Taehyung, zu hören bekommen würde. Weder konnte ich Sarkasmus Provokation, noch etwas anderes heraushören, das darauf hindeuten könnte, dass dies wieder nur eine seiner Maschen war.
,,Lass es mich nicht wiederholen", entgegnete er und das hingegen klang schon wieder viel mehr nach dem Taehyung, mit dem ich mich Tag für Tag rumärgern musste.
,,Schon gut, spar dir das zweite Mal", gab ich zurück und verdrehte dabei leicht meine Augen, symbolisierte ihm damit aber dass es keiner zweiten Entschuldigung bedarf.
Es grenzte schon an einem Wunder, dass ich sowas überhaupt mal aus seinem Mund zu hören bekam. Dennoch ließ es mich für einen Moment zufrieden grinsen, wenn auch nur innerlich, denn es schien fast, als hätte ich diese Auseinandersetzung gewonnen. So langsam verstand ich, wie dieser Mann tickte und dememtsprechend konnte ich auch reagieren.
Da wir aber sonst nicht viel zu besprechen hatten, verlief der restliche Tag auf der Arbeit wie gewohnt. Ich erledigte die nervtötende Sekretärenarbeit und Taehyung tat, was er eben tun musste. Ich hatte keinen Schimmer von dem, was er da den ganzen Tag über machte, aber scheinbar brachte es ihm genug Geld ein, um darin fast schon schwimmen zu können.
Die Zeit verstrich und die Sonne war bereits am Untergehen. Der Himmel schien in einem zarten Abendrot über uns und wir waren nur wenige Minuten von der Dämmerung, die bald anbrechen würde, entfernt. Taehyung und ich verließen das Gebäude und eine Brise Wind strich mein Gesicht. Langsam wurde es kühl draußen.
Es folgte der übliche Weg nach Hause, im Auto lief das Radio in angenehmer Lautstärke und mein Blick war meistens nach draußen gerichtet. Es gab Momente, in denen ich die Ruhe zwischen uns sehr genoss, allerdings musste ich zugeben, dass es manchmal merkwürdig war, wenn wir nichts miteinander sprachen.
Ich war nie wirklich begabt in zwischenmenschlichen Dingen, doch eines wusste ich; er war definitiv auch kein Mann vieler Worte. Meistens sprach er nur, wenn es um etwas geschäftliches ging oder er etwas zu sagen hatte, aber ich begann zu glauben, dass sein Sozialleben in etwa so wenig vorhanden wie meines war.
Als Taehyung gerade das Auto parken wollte, bemerkte ich etwas im Augenwinkel und mein Blick verfinsterte sich sofort. Fast schon wie von selbst löste ich den Gurt und öffnete die Türe, noch während er am Fahren war.
,,Bist du wahnsinnig geworden?", giftete er mich an, doch ich symbolisierte ihm lediglich mit meiner Hand, dass gerade keine Zeit war zu diskutieren.
Ich konnte mich irren, doch ich glaubte die Silhouetten zwei Männer gesehen zu haben, die gerade im Inbegriff waren wieder zu verschwinden. Natürlich konnte es sich hierbei um einfache Fußgänger halten, doch ich kannte die Gesetze der Straße besser als jeder andere und eines davon besagte, dass man ganz schnell das Weite suchte, sobald sich ein Auto nähert. Vor allem dann, wenn man etwas tut, das man nicht tun sollte.
Zu meinem Glück konnte ich aufholen und erblickte beide mit einigen Metern noch vor mir.
,,Sofort stehen bleiben", rief ich und die beiden drehten sich zu mir um, was mir erlaubte, den Abstand zwischen uns so zu verkleinern, dass ich ihnen nun ziemlich nahe gegenüber stand.
Da war aber alle drei zunächst einmal Luft schnappen mussten, blieben die ersten Momente noch wortlos. Ich begutachtete die beiden und sah, dass beide von ihnen maskiert und komplett schwarz angezogen waren. Der typische Look eines Einbrechers, der seine Taten nachts erledigte.
,,Hast du uns also tatsächlich bemerkt", kam es von dem rechten und ich musterte beide intensiv. Ich hatte keine Ahnung, wer diese Typen waren oder was sie wollten, aber mir war klar, dass es nichts gutes verheißen konnte.
,,Ihr habt euch nicht sonderlich geschickt angestellt", entgegnete ich und verschränkte meine Arme vor meinem Oberkörper.
,,Im Gegensatz zu dir hat auch keiner von uns sein Leben auf der Straße verbracht." Meine Augen begannen wütend zu funkeln und mir wurde klar, dass es hier nicht bloß um Taehyung ging, sondern mich die Sache genauso betraf.
Ich seufzte genervt und biss mir leicht auf die Unterlippe, denn ich genauso involviert in diese Sache war, musste ich auf der Hut sein.
,,Dann komm her und ich zeig dir, wie das Leben dort so aussieht", knurrte ich und ballte meine Hände zu Fäusten. Mein Körper war amgespannt und sowohl jede Faser als auch jeder Muskel war bereit sich in den Kampf zu stürzen, falls es sein musste.
,,Immer mit der Ruhe", meldete sich nun der andere zu Wort. Seine Stimme war überraschend sanft, obwohl sie einen leicht rauchigen Unterton hatte.
,,Jungkook, hast du eine Vorstellung, mit was für einem Mann du gerade deine Zeit verbringst?", fragte mich derselbe Typ nun und ich zögerte.
Nein, eigentlich nicht, diese Situation war weder geplant noch gewollt, aber ich glaubte langsam verstehen zu können, was Taehyung zu dem Menschen machte, der er war.
Dennoch antwortete ich nicht.
,,Du hast wohl keine Ahnung, auf was du dich da eingelassen hast", sprach er weiter, ohne eine Antwort von mir abzuwarten und ich runzte skeptisch meine Augenbraue.
,,Wenn du glaubst, du könntest mir etwas vorschreiben, dann steck dir das gleich in den Arsch", blaffte ich verärgert. Ich wusste nicht, ob mich der Fakt störte, dass er Taehyung schlecht redete oder dass er versuchte mich hier für dumm zu verkaufen.
,,Niemand will dir etwas vorschreiben, sieh es lediglich als eine Warnung", antwortete er mit weiterhin ruhiger Stimme, seine Miene hingegen begann sich langsam zu verfinstern.
,,Denn Kim Taehyung ist ein Mörder."
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