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▫▪Kapitel 7▪▫

TAEHYUNG

Mit einem schweren Seufzen erhob ich mich von meinem Platz, auf dem ich heute schon viel zu viel Zeit verbracht hatte. Es war bereits spät, von dem schönen Blauton unseres Firmaments war nichts mehr zu erkennen; stattdessen zeigten sich die ersten Lichtschimmer an unserem dunklen Himmel, während der Mond in all seiner Pracht an diesem stand.

Es erinnerte mich an all die schlaflosen Nächte, die ich gezwungenermaßen durchmachen musste und der alleinige Gedanke daran, ließ mich ziemlich unwohl fühlen und deshalb verwarf ich diesen Gedanken wieder - konzentrierte mich stattdessen auf die Tatsache, dass ich nun endlich in meinen wohlverdienten Feierabend spazieren konnte.

Erneut hatte ich zuviele Kaffeetassen ausgetrunken, um etwas gegen die anstauende Müdigkeit zu unternehmen und es war höhste Zeit, dass ich endlich in mein bequemes Bett kam. Ich war niemand, der seine Arbeit wegen solchen Symptomen pausieren würde, eine Pause verdiente man sich nur durch Arbeit und solange ich diese nicht verrichtete, würde ich mir auch keine Auszeit gönnen, denn wie hieß es so schön? Zeit ist Geld.

Ich räumte den Papierkram auf meinem Schreibtisch einigermaßen zusammen und verstaute ihn in der obersten Schublade, morgen musste ich mich noch um ein paar Bestellungen kümmern, aber damit konnte ich mir noch Zeit lassen. Trotzdem war es ein Tick von mir, Ordnung zu schaffen, wann auch immer ich einen von mir geführten Ort verlasse. Ich hasste Unordnung, das hatte ich wohl von jemand anderem übernommen.

Seufzend betrachtete ich meinen Arbeitsplatz und beschloss dann endlich den Weg nach Hause anzutreten. Normalerweise war ich immer mit dem Auto da, doch heute war es etwas anderes, denn ich wollte die Atmosphäre draußen genießen und hatte mich dazu entschlossen, den Weg zu Fuß zu gehen.
Bei der Gelegenheit konnte ich auch gleich einen nächtlichen Spaziergang machen, um mich von den Gedanken des Tages zu befreien und sorgenfrei schlafen zu können.

Ich schaltete das Licht aus und bemerkte, dass ich mal wieder der Letzte war, der das riesige Gebäude verließ, weshalb ich die Lichter ausmachte und draußen angekommen dann dafür sorgte, dass kein Unbefugter sich Eintritt verschaffen konnte. Sie sollten es versuchen, gut enden würde es für sie aber nicht, dafür würde ich sorgen.

Ich streckte meinen Hals für einen Moment und erblickte die Lichter von all den Gebäuden, die um mich herum standen. Sie hielten diese Stadt auch bei Nacht am Leben, hier war zu jeder Uhrzeit etwas los, denn diese Nacht schlief nicht.

Kopfschüttelnd machte ich mich auf den Weg nach Hause und ließ meine Gedanken einfach schweifen. Und trotz der Tatsache, dass mein Kopf eigentlich voll mit der Arbeit sein müsste und welche Geschäfte ich eingehen sollte, verlief jeder Gedankengang zum selben Ende. Und dieses Ende war leider Jungkook, denn dieser Junge ging mir nicht mehr aus dem Kopf, diese trotzige Art machte das Ganze nur noch interessanter.

Je mehr er sich sträuben würde, desto mehr würde ich ihm das Meer der Verzweiflung zeigen - er hatte mein Interesse geweckt und das war der Moment, indem er diesen Kampf verloren hatte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er wieder bei mir auftauchen würde und sich diese Abscheu in den Drang nach meiner Aufmerksamkeit verwandeln würde. Es war ein Spiel, welches ich nicht verlieren konnte, in dem sich der zweite Spieler nicht mal bewusst war, dass mit ihm gerade gespielt wird.

Es war doch immer so, man wehrte sich am meisten gegen die Dinge, die man innerlich am meisten begehrte, aber der Stolz schlicht und ergreifend im Weg stand.

Mir kamen verschiedene Leute entgegen und das wunderte mich um diese Uhrzeit nicht wirklich, sie waren hier zu solch einer Normalität geworden, dass man sie noch nicht einmal wirklich wahrnehmen konnte. Sie waren da, doch sie kümmerten einen Menschen wie mich einfach nicht, denn ich interessierte mich nicht für Leute, die für mich keinen Wert hatten.

Was dann aber meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war ein wütendes Brüllen und das klirrende Geräusch von zerschepperten Platten. Mein Blick glitt in die Richtung der Lärmquelle, doch ich konnte nichts dazu passendes erblicken, weshalb ich aus einem mir fremden Grund beschloss, dem kleinen Funken meiner Neugier nachzugehen und mich auf die Suche nach dem Ursprung des Lärms zu machen.
Dieser Weg führte mich in eine Seitengasse, in der das Licht aber genauso ausgeprägt wie draußen war.

Jedoch blieb mir nicht viel Zeit, um die Gegend mit meinem inspizierenden Blick abzusuchen, denn direkt kam mir ein Junge entgegen gerannt und schien mich noch nicht einmal zu bemerken, denn er hatte seinen Blick über die Schulter geworfen und schien sich wohl nach einem Verfolger unzuschauen. Erst als wir kurz vor einem Zusammenknall standen, bemerkte er meine Anwesenheit und bremste sogut es ihm möglich war ab, doch trotzdem ließ sich ein gewisser Körperkontakt nicht vermeiden.

Und direkt spielte sich auch ein Grinsen auf meine Lippen, denn es war beinahe so, als hätten die Götter meine Wünsche erhört. "Na sieh mal einer an", entwich es höhnend meinen Lippen und ich blickte auf den zaudernden Mann vor mir, der langsam auf Abstand ging und etwas wie eine Entschuldigung vor sich hin murmelte. Doch als er erkannte, mit wem er da gerade zusammengestoßen war, entwich jegliche Form der Unsicherheit aus seinen Augen und der mir gut bekannte Hass nahm ihren Platz ein.

Er schien mich wirklich zu verabscheuen, aber genau das machte die Sache so interessant für mich.

Es blieb für den nächsten Moment still zwischen uns und er wollte offenbar schon wieder das Weite suchen. "Aus dem Weg!", blaffte er und wollte an mir vorbeigehen, doch ich packte sein Handgelenk und sorgte dafür, dass er nirgends hingehen würde. "Lass mich los, du elendiges Arschloch! Ich rufe die Polizei!", rief er mir entgegen und versuchte mit aller Gewalt, sich aus meinem Griff zu befreien. Neugierig zog ich meine Augenbraue nach oben, "Du möchtest die Polizei rufen?"
Das sollte doch wohl ein schlechter Scherz sein.

Aber bevor er darauf erneut eine bissige Bemerkung ablassen konnte, wurde unsere Zweisamkeit durch einen weiteren Mann unterbrochen. Dieser schien ziemlich erzürnt zu sein und stürmte fast schon auf Jungkook zu, wollte diesen angekommen am Kragen packen, doch ich schlug seine Griffel von dem Jungen weg und blickte ihm ernst in die Augen.

"Was soll das?", fragte ich ihn mit finsterer Stimmlage, die selbst mich hin und wieder überraschte. "Dieser Junge hat soeben aus meinem Laden geklaut!", beschuldigte er Jungkook und ich blickte dann zu ihm. Sein Blick war gesenkt und ein Seufzen entwich meinen Lippen. "Das tut mir leid, ich werde selbstverständlich für den Schaden aufkommen", erklärte ich dem wütenden Ladenbesitzer.

"Wer sind Sie überhaupt?", wollte er dann von mir wissen und seine Stirn faltete sich aufgrund seiner Skepsis in Falten.
"Kim Taehyung mein Name", stellte ich mich vor und setzte ein Lächeln auf, das unechter nicht hätte sein können, jedoch nur Mittel zum Zweck war.
"Und warum sollten Sie den Schaden für diesen Penner ersetzen wollen?", erwiderte er bissig und hatte da eine Bemerkung fallen lassen, die mir ganz und gar nicht gefiel.
"Passen Sie auf, wie Sie diesen Jungen hier nennen", drohte ich ihm und blickte ihm wütend in die Augen. Ich konnte die Schweißperle auf seiner Stirn entdecken; er war verunsichert, doch versuchte den Stärkeren zu spielen.

"In welcher Verbindung stehen Sie zu dem Jungen, damit Sie das bezahlen wollen?", hakte er dann unbeirrt weiter nach und nachdem ich einmal tief durchgeatmet hatte, schlich sich ein Grinsen auf meine Lippen und meine mir erdachte Antwort wartete schon regelrecht darauf, ausgesprochen zu werden.

"Er ist mein Freund."

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