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12. Eintrag

Taehyung war ein sehr stiller Mensch. Er sprach nicht viel, das überliess er immer den anderen und später dann hauptsächlich mir. Er war viel lieber der Zuhörer. "Wenn du bloss still dasitzt und lauschst, erfährst du viel mehr über einen Menschen, als wenn du dich am Gespräch beteiligst und Fragen stellst", hatte er mir einmal erklärt, als ich ihn auf seine Schweigsamkeit angesprochen hatte.

Und er hatte Recht. 

Es gibt nur ein Problem bei dieser Sache.

Je stiller man selbst ist, desto lauter schreien deine Gedanken. Und so ist es Taehyung immer ergangen.

Er war ruhig, doch innerlich schrien seine Dämonen, sie tanzten, lachten. Sie folterten ihn, sie wollten ihn zerstören. Und egal wie laut und böse sie waren, kein Ton verliess seine Lippen, er klagte mir sein Leid nie.

Er schrie nicht, wie andere es getan hätten, er schrieb es auf.

Seine Texte waren seine Gedanken, sein Wesen, seine Seele. Deshalb hasste er es, wenn jemand sein Notizbuch las. Man erfuhr, welch zarte, verletzliche Seele er besass. Welche Wunden sie trug und welche er fürchtete, kämen noch hinzu.

Oft fand ich ihn, abends, auf dem Dach. Er sass einfach da und starrte in die Ferne. Dann dachte er nach, dann schenkte er seinen Dämonen Aufmerksamkeit. Oft kletterte ich zu ihm, setzte mich hinter ihn und schlang meine Arme um seinen Oberkörper, bevor ich ihn fest an mich drückte.

Oftmals begann er daraufhin zu weinen. Er liess raus, was sich über Tage oder sogar Wochen in ihm angestaut hatte. Dann liess er seine verletzten Engel sprechen. Und was tat ich? Ich sang. Ich sang ihm ein Lied vor und hoffte, ihn ablenken zu können. Er war so speziell. Er gab den starken, er beschützte mich vor so vielem. Aber eigentlich war er nicht so stark. Auch er war oft schwach, auch er hatte Angst, auch er war nervös.

Er wollte es nur nie zugeben.

Mir stellt sich immer häufiger die Frage, ob es daran lag, dass du gingst. Hattest du Angst, mir deine Schwäche zu zeigen? Dachtest du, ich verliesse dich dann, weil du nicht so stark bist, wie du immer sein wolltest?

Taehyung, wenn ich schwach war, hast du mich beschützt. Und genauso würde ich dich auch beschützen.

Ich würde dich sogar tragen, wenn du nicht mehr gehen könntest.

Weisst du, dass ich dich gerade dringender brauche, denn je? Ich bin still, mein Kopf laut. 

Meine Dämonen brauchen eine Stimme, die sie verstummen lässt. Deine Stimme, Taehyung.

Und wo bist du?

Du hast mich verlassen.

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