-17-
Zusammengekauert hocke ich in der Ecke neben dem Bett und starre den Boden an.
Meine Beine sind an meine Brust gezogen und meine Beine um diese geschlungen. Jeder Atemzug fällt mir schwer, als hätte es hier nicht genug Luft. Das kann aber schlecht sein, immerhin steht das Fenster offen.
Jeder Herzschlag tut weh, die Stille, die hier herrscht dröhnt in meinen Ohren, wie laute Musik auf einer Party.
Eine Party.
Die Party von damals.
Kaum steigen die Erinnerungen in meinen Kopf, schnappe ich hektisch nach Luft und wimmere unterdrückt.
Es tut weh. Gott, es tut so weh.
Es fühlt sich an, als würde ich ersticken - an bodenlosem Schmerz, an meinen salzigen Tränen, an meinen Erinnerungen.
Ich hebe die Hände und kralle sie in meine Haare, zerre an diesen und unterdrücke einen lauten, qualvollen Schrei. Es fühlt sich an, als stünde ich in Flammen.
Doch es sind nicht die schönen, leidenschaftlichen Flammen, die Flammen, die ich immer spüren konnte, wenn Taehyung mich berührt hat.
Viel mehr die Art von Flammen, die dich bei lebendigem Leibe verbrennen, wobei man noch Brennsprit über dich leert.
Ich kriege nicht mehr genug Luft, alles dreht sich, mir wird schummrig. Jin hat Recht; ich werde nicht damit klar kommen. Das werde ich niemals.
Ich werde elendiglich daran zugrunde gehen.
Wimmernd keuche ich weiter mit einer zugeschnürten Kehle und merke, wie die Sicht dank meiner nicht endenden Tränen zu verschwimmen beginnt. Unterdrückt stöhnend kippe ich vornüber und stütze mich mit einer Hand auf dem Parkettboden ab, während die andere an meiner Kehle liegt, versuchend das, was mir die Luft abschneidet zu vertreiben.
Ich japse immer wieder nach Luft, erhalte nur viel zu wenig, schliesslich gibt mein Arm nach und ich krache ungehindert zu Boden. Tonlos schluchzend schliesse ich die Augen und spüre, wie die Tränen über mein Gesicht rinnen. Erinnerungen spielen sich vor meinem inneren Auge ab, ich höre Lachen, Sätze, Schluchzer und all das ist meine eigene, persönliche Folter.
Es tut so grauenhaft weh und ich weiss nicht, wie ich diesen Schmerz endlich loswerde. Wie ich mit ihm umgehen soll.
Ein Psychologe wird mir hierbei nicht helfen können. Ich will keine Hilfe.
Ich will doch einfach nur Taehyung zurück.
Es ist so, als hätte es ihn niemals gegeben, als wäre er lediglich das Produkt meiner Fantasie und nie eine reale Figur. Wer weiss, vielleicht drehe ich ja tatsächlich durch und habe mir das alles hier nur eingebildet.
Ihn zu lieben ist mein Verderben. Dennoch ist es mir nicht möglich, damit aufzuhören. Nicht einmal jetzt, wo er mich zerstört.
Wie konnte das hier nur passieren? Wie konnte ich nur so an ihm hängen? Er ist wie eine Droge. Eine Droge, der ich viel zu stark verfallen bin, deren Entzug mich nicht umbringt, aber mich wünschen lässt, Tod zu sein.
Ich hasse mich dafür, nicht mutig genug zu sein und eine handvoll Tabletten zu schlucken.
Ich japse nach Luft und hoffe inständig, die schrecklichen Bilder verschwinden endlich, doch das tun sie nicht.
Sein Lachen erfüllt meine Ohren, seine tiefe Stimme überzieht meinen Körper mit einer Gänsehaut.
"Jungkook, ich liebe dich. Ich liebe dich so verdammt sehr!"
Heuchler.
"Ohne dich kann ich nicht leben."
Lügner.
"Lass mich nicht alleine, ich könnte es nicht ertragen, wenn du mich verlässt..."
Verräter.
Ich rolle mich zu einer kleinen Kugel zusammen und wünschte, all diese Momente würden einfach verschwinden, denn noch viel mehr als diese Leere, schmerzen die glücklichen Erinnerungen, die mir noch klarer machen, was ich verloren habe und was nie mehr zu mir zurückkehren wird.
Was habe ich falsch gemacht? Das ist die einzige Frage, die mich seit ganzen zwölf Monaten beschäftigt. Was habe ich verbockt, was konnte ich nicht, dass er sich gezwungen sah, mich alleine zu lassen?
Es sah immer so aus, als käme er nicht ohne mich klar, als sei ich seine Luft zum Atmen - es war das komplette Gegenteil.
Ich bin schwach, ich komme nicht ohne ihn klar, er ist meine Luft zum Atmen. Ich habe es einfach nie bemerkt. Ich habe niemals mitgekriegt, wie sehr ich ihn brauche.
Das Schlimmste ist, dass alle mir sagen, ich darf und soll mir nicht die Schuld geben. Aber genau das tue ich. Das schlechte Gewissen, die Schuld, all das zerfrisst mich.
Was zur Hölle, habe ich vor punktgenau einem Jahr falsch gemacht?
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