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-23-

Langsam lasse ich das Stück Papier in meinen Händen in den Schoss sinken.

Jetzt bereue ich es, den Brief gelesen zu haben. Er hat mir rein gar nichts irgendwie beantwortet. Es ist nicht meine Schuld?

Wessen soll es denn sonst sein?

Erneut spüre ich die Tränen in mir aufsteigen und kämpfe mit zitternden Atemzügen gegen sie an.
Wütend zerknülle ich das Blatt und trete heftig gegen das kleine Tischchen, welches daraufhin krachend umfällt. Ich hieve mich auf die Füsse und trete wieder und wieder gegen den Tisch, solange, bis eines der Beine splittert. Doch meine Verzweiflung ist immer noch da, so gross, dass sie im gesamten Raum zu spüren und beinahe greifbar ist.

Ich schnappe mir ein Bild, dass auf der Kommode steht und  bertrachte kurz das Foto darin.

"Jetzt komm her!", quengelte ich ich zupfte an seinem Ärmel. Taehyung verdrehte stöhnend die Augen. "Ich hasse Fotos, das weisst du!", maulte er und schenkte mir einen kurzen Blick aus den Augenwinkeln, bevor er sich mit verschränkten Armen weiter auf die Aussicht konzentrierte, die niemals langweilig wurde, egal, wie oft wir sie sahen.

"Tae, bitte~", jammerte ich schmollend und zog erneut an seinem Ärmel. "Gott, Jungkook!", beschwerte der Ältere sich, "Du bist so nervig!"
Ich verdrehte die Augen und äffte ihn stumm nach. "Bitte, Tae", wiederholte ich, "Nur ein Foto! Danach lasse ich dich in Ruhe!"

Er seufzte tief und noch bevor er einwilligte, wusste ich, dass er weich geworden war. Mit einem siegreichen Lächeln auf den Lippen hielt ich die Kamera in beiden Händen und sah ihn freudestrahlend an. Er drehte den Kopf zu mir und schnalzte mit der Zunge. "Ich hasse dich", schmunzelte er und ich grinste nur noch breiter als zuvor schon.

Der Blonde schlang einen Arm um meine Hüfte und zog mich an sich. Mit einem zufriedenen Lächeln, hielt ich die alte Polaroidkamera von Tae vor uns und drückte ab, als mein Freund den Kopf drehte und mir einen Kuss auf die Wange gab. Ich lachte auf, liess die Kamera sinken und wandte mich Taehyung zu, der mich breit angrinste. "Ist ein Foto", neckte er mich und ich schüttelte ungläubig den Kopf. "Ja, das ist es", stimmte ich ihm kichernd zu und der Ältere nahm mir seine Kamera aus der Hand und begutachtete das Polaroidbild in seinen Fingern. "So hübsch", murmelte er Gedankenverloren, "Ich frage mich immer noch, wie du ausgerechnet mich lieben kannst..."

Ich verdrehte wieder meine Augen, nahm ihm Bild und Kamera ab und stellte beides auf den Tisch. "Weil du es wert bist, Tae", lächelte ich, "Weil du ein grosses Herz hast, weil du mir das Gefühl gibst, Zuhause zu sein, egal wo wir sind."

Taehyung platziere auch die zweite Hand an meiner Hüfte und zog mich näher an sich. "Was es auch ist", raunte er, "Ich hoffe, es währt ewig." Damit drückte er einen stürmischen Kuss auf meine Lippen.

Ich schnappte kichernd nach Luft, als er sich von mir löste und begann, mein ganzes Gesicht mit Küssen zu bedecken. "Tae!", lachte ich, als er grinsend vorwärts taumelte, mich immer noch festhaltend und ich meine Beine um seine Hüften schlang, weil ich sonst noch hingefallen wäre, auf den grossen Steinen.

Der Blonde steuerte den Zugwaggon an, während wir uns küssten, als gäbe es keinen Morgen mehr. Als wir eintraten, zog ich hinter Taehyung die Tür zu, doch er verlor irgendwie sein Gleichgewicht und wir stürzten zu Boden.

Lauthals lachend lagen wir auf dem Parkett, er stützte sich über mir ab, ich hatte meine Arme um seinen Nacken gelegt.
"Sieht wohl nach Sex auf dem Boden aus", grinste er keuchend und ich lachte auf, während er den Kopf senkte und begann, meinen Hals zu verwöhnen.

Es war einfach perfekt so...

Ich befördere das Bild mit einem wütenden Aufschrei zu Boden, wo das Glas in tausend Scherben zersplittert.
"Lügner!", fauche ich und trete auf den Rahmen, die Scherben und das Foto.
"Verräter!" Noch ein Tritt.
"Ich hasse dich!" Und ein weiterer Tritt, während das Glas unter meinen Schuhsolen knirscht.

Langsam sinke ich auf die Knie und nehme mit zitternden Fingern das Bild aus den Scherben heraus.
"Ich hasse dich", flüstere ich mit erstickter Stimme, wissend, dass es eine Lüge ist.

Aber wer weiss, vielleicht schaffe ich, es mir lange genug einzureden, sodass ich ihn endlich vergessen kann.

Immerhin konnte ich mir ja auch einreden, dass er mich liebt...

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