🔥15🔥
Jungkook
Ich kann das Wimmern einfach nicht unterdrücken, dass mir über die Lippen kommt, als der hochgewachsene, schlanke Schwarzhaarige vor mir, die Salbe auf der Wunde aufträgt. Am liebsten hätte ich mein Bein weggezogen und dafür gesorgt, dass es keiner mehr anfasst, aber mir ist klar, dass es mir helfen wird, wenn der junge Mann die Verletzungen behandelt.
Unsicher sehe ich von dem schwarzen Haarschopf vor mir auf, zur Tür des Wohnzimmers in dem ich mich befinde und starre etwas hilflos den Blondschopf an, welcher das Geschehen mit verschränkten Armen beobachtet. "Keine Sorge", meint Kris ruhig auf meinen Blick hin, "Tao weiss, was er zutun hat."
"Natürlich", erwidert der Schwarzhaarige direkt vor mir mit leiser Stimme und nimmt einen Verband in die Finger, bevor er anfängt diesen vorsichtig um mein Bein zu wickeln. "Aber es würde mich interessieren, wer dir diese Verletzung zugefügt hat..."
"E-ein Hund", flüstere ich leise und schlucke schwer, um den grossen Kloss in meinem Hals zu vertreiben, der bei der Erinnerung an Sevens letzte Momente aufkommt. Dieser Hund war neben meinen Hyungs mein engster Freund - und selbst wenn er das nicht mit Absicht getan hat, hat er mich verraten.
Ich weiss nicht, was mehr schmerzte: Als Seven seine Zähne in mein Fleisch gegraben hat und dieser höllische Schmerz in meinem Bein explodiert ist, während mein Blut den Schnee um mich rot gefärbt hat, oder aber der Anblick, dass es eben ein wild gewordener Seven war, der mich angegriffen hat.
"Ein Hund", wiederholt Tao genauso leise und nachdenklich wie zuvor, während er den Verband weiter um mein Bein wickelt, "Das sah ziemlich schlimm aus", bemerkt er dann und nickt meinem Bein zu, wo sich die Verletzung befindet. Ich schlucke leer. Ich weiss, dass sie schlimm aussah, ich habe sie gesehen, mit dem ganzen getrockneten Blut überall sah es erst noch grauenhafter aus. "Hast du noch Schmerzen?", möchte der Schwarzhaarige leise wissen und sieht diesmal zu mir hoch, durch seine schwarzen Strähnen.
Er hat ein hübsches Gesicht, feine Züge und ein schmale Lippen, die zu einem kleinen, freundlichen Lächeln verzogen sind. Wenn man ihn sieht, würde man ihn nicht mit Kris in Verbindung bringen, denn dieser hat einen ganz anderen Blick, seine Miene ist beinahe emotionslos und kantiger. Vom Aussehen her, würde ich behaupten, sie sind auch charakterlich ganz verschieden, dabei sind sie beide unglaublich hilfsbereit.
Ich nicke auf seine Frage hin. "Noch ein klein wenig." Er lächelt zufrieden und erhebt sich. "Sehr gut. Mit diesem Schmerz wirst du leben müssen, Kleiner, denn ich möchte nicht, dass du gar keinen mehr spürst." Ich nicke abermals, als er gesprochen hat und sehe die beiden Studenten an.
"Tao, kann ich kurz mit dir sprechen?", schaltet sich Kris ein und der Schwarzhaarige vor mir nickt, bevor er mit seinem Mitbewohner das Wohnzimmer verlässt. Erst will ich einfach sitzen bleiben, denn die beiden stören will ich nicht, doch schliesslich nehme ich die kleine, aber anscheinend hitzige Diskussion auch von hier mit.
"Tao, wie kannst du nur so locker bleiben?!"
"Hast du ihn dir mal angesehen? Er tut doch keiner Fliege etwas zuleide!"
"Ich habe ihn mir angesehen - er ist von oben bis unten voller Blut. Beunruhigt dich das nicht das kleinste Bisschen?"
Ich schlucke leer und stehe auf, darauf bedacht das nun verbundene Bein nicht allzu sehr zu belasten, während ich zur Tür humple und, selbst wenn es mehr als unhöflich ist, weiterlausche.
"Kris, der Junge hat Angst", sehe ich Tao auf den Blondschopf einreden. Letzterer steht mit dem Rücken zu mir, weswegen ich seine Miene nicht erkennen kann, doch Tao hat eine mitleidige aufgesetzt. "Hätte ich auch, wenn ich so viel Blut an meiner Kleidung tragen würde", zischt Kris und gestikuliert mit seinen Armen, "Denkst du wirklich, dass mit seinem Bein war ein Hund?"
Der Schwarzhaarige nickt. "Die Verletzung kommt der eines Hundebisses gleich, würde ich zu behaupten wagen. Ich weiss zwar nicht, woher das ganze andere Blut kommt, denn so viel kann er nicht verloren haben, wenn er jetzt noch auf den Beinen steht, aber ich denke nicht, dass Gefahr von ihm ausgeht."
"Was lässt dich das denken?", murmelt Kris seufzend. Tao zuckt mit den Schultern und will bereits etwas erwidern, als unsere Blicke sich kreuzen. Ich zucke zusammen, als hätte man mich geschlagen und klammere mich an den Türrahmen, während Tao in meine Richtung nickt, um Kris zu verstehen zu geben, dass ich gelauscht habe.
Der Blonde dreht sich um und mustert mich mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck, woraufhin ich die Schultern hochziehe und den Blick peinlich berührt senke. "T-tut mir leid", flüstere ich, "Ich will euch keine Umstände bereit o-oder euch zur Last fallen. Ich werde gehen, wenn ihr das wünscht."
Vorsichtig schaue ich auf, als ich gesprochen habe und kann sehen, wie Tao Kris sanft in die Seite stösst. "Sieht sowas für dich gefährlich aus?", fragt er ihn dabei und Kris seufzt tief. "Dein Name ist Jungkook, sagtest du?", hakt er nach und ich nicke schüchtern.
"Also gut; du kannst nicht für immer hierbleiben, aber ich denke ein paar Tage kannst du sicherlich auf der Couch schlafen", bietet er an, "Wenn es deinem Bein besser geht, sehen wir weiter, okay?"
"D-danke", murmle ich überrascht von diesem Angebot. Ich verbeuge mich tief, um meinen Dank noch zu unterstreichen, denn mit so viel hätte ich nicht gerechnet. Es war schon unglaublich nett von Tao und Kris, mich überhaupt zu verarzten und mir frische Kleidung zu geben, wo meine doch voller Blut und Dreck ist.
"Wie ist dein Nachname? Hast du Verwandte, die du kontaktieren kannst oder so?", erkundigt sich Tao nun, doch ich schüttle lediglich den Kopf. "I-ich... ich habe keinen Nachnamen oder jemanden, den ich anrufen könnte", gebe ich leise zu und spiele mit dem Saum des grossen Pullovers, den ich trage.
"Niemanden?", hakt Kris nach und hebt eine Augenbraue.
Ich schlucke leer und schüttle wieder den Kopf. "Niemanden", flüstere ich und muss mich bemühen, meine Stimme am Ende des Wortes nicht brechen zu lassen, denn im Grunde gäbe es jemanden, den ich anrufen könnte - zumindest sagte er, dass er mich beschützt und für mich da sein wird.
Nun kann ich das nicht mehr.
Ich hätte Seokjin Hyung angerufen, ich hätte um seine Hilfe gebeten - aber das alles hätte ich getan, bevor er mich verraten hat.
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen4U.Com