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Jungkook
Perplex starre ich den jungen Mann in dem Sportwagen an, ehe mein Blick wieder zu Jimin gleitet, der seine Position nicht verändert hat und noch immer von Schmerzen gequält zu werden scheint.
"A-aber Jimin!", erwidere ich auf seine Worte. Der Weisshaarige verdreht seine Augen und richtet seine Bernsteinfarben Augen für den Bruchteil einer Sekunde auf mich, ehe er sie wieder auf Jimin wendet. "Hast du Blei in den Beinen oder bist du einfach taub?! Schwing deinen Arsch in diesen wunderschönen Sportwagen, hab ich gesagt!", fordert er mich diesmal energischer auf.
"Wir können Jimin doch nicht einfach so lassen!", beharre ich fast verzweifelt und deute auf den leidenden Schwarzhaarigen, dessen Schmerzen nicht weniger geworden sind, wie es scheint. "Doch können wir, denn sonst bringt er uns um", antwortet der Typ genervt, "Solange er sich vor Schmerzen auf dem Boden wälzt, kann er dir kein Messer in den Kopf rammen, das solltest sogar du verstehen." Dazu legt er den Kopf etwas schief und mustert weiterhin Jimin, dessen Schmerzen mit einem Mal noch anzusteigen scheinen, denn einmal mehr gibt er einen gequälten Schrei von sich.
"Lass das Messer da schön liegen", murmelt der Weisshaarige dazu kühl, denn mein Hyung hat wohl unter all seinen Schmerzen doch noch versucht ein am Boden liegendes Messer anzuheben.
Verzweifelt sehe ich den Schwarzhaarigen auf dem Boden an und fühle mich zum zweiten Mal an diesem Tag hin und her gerissen. Der Fremde hat Recht. Aber ich kann doch nicht auch noch Jimin sich selbst überlassen!
"A-aber er hat Schmerzen!", versuche ich auf den Weisshaarigen einzureden, während ich mich immer hilfloser fühle. Wir müssen ihm doch wenigstens etwas helfen, bevor wir ihn einfach hier lassen, oder nicht?!
Er stösst einen Seufzer aus. "Ich weiss, dass er Schmerzen hat - ich bin der Grund dafür. Und jetzt steig ein."
Entsetzt starre ich ihn an, dann sehe ich wieder Jimin an, der inzwischen auf dem Boden liegt und sich klein macht, dabei seine Hände gegen seinen Kopf presst. Der Anblick tut mir im Herzen weh. "Hör auf damit!", verlange ich und bewege mich wie automatisch in die Richtung des Autos.
"Sobald du im Wagen sitzt, Armleuchter. Jetzt steig endlich ein, ich werde dir helfen."
Ich beschliesse seiner Aufforderung nachzugehen, setze mich auf den Beifahrersitz und ziehe die Tür zu. "Wer bist du?", will ich wissen, doch eine Antwort erhalte ich noch nicht. Ich höre nur das Quietschen der Autoreifen, als der Fremde den Motor aufheulen lässt und dann rückwärts aus dem Supermarkt wieder hinaus fährt.
Erst als er sich mit viel zu hoher Geschwindigkeit vom Supermarkt entfernt, lacht er leicht und antwortet auf meine Frage: "Lass uns sagen, ich bin du und du bist ich - und man rettet sich selbst doch gerne den Arsch oder nicht?"
Seine Worte lösen bloss Verwirrung in mir aus. Ich verstehe nicht, was er mir damit sagen will und ich sehe ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen von der Seite an, mustere die paar Tattoos auf seiner blassen Haut und die Platinblonden Haare unter der Baseball Cap. "Was redest du da?", hake ich deshalb nach, "Und was hast du gemacht?"
Wie hat er es geschafft, Jimin in die Knie zu zwingen und ihm Schmerzen zuzufügen, ohne ihm überhaupt nahe zu kommen? Das ist völlig unmöglich.
Ein schweres Seufzen entkommt den Lippen des Blonden, ehe er leise meint: "Du bist wirklich langsam, kleiner Phönix..." Dazu fügt er murmelnd, eher zu sich selbst, hinzu: "Ist die zweite Version nicht eigentlich dafür gedacht, besser als die erste zu sein? Die Trottel waren auch schon mal besser..."
Verwirrt starre ich ihn weiter an, als er mit den Schultern zuckt. "Aber naja..." seufzt er dazu, "Sag mal, steht der Kaffeeautomat in der zweiten noch?"
Als die Frage über seine Lippen kommt, weite ich überrascht die Augen. So langsam habe ich eine Ahnung, wer diese Person vor mir ist. "Ist das daneben dein Zimmer?", frage ich ihn also leise, woraufhin ein kleines, amüsiertes Lachen von ihm kommt.
"Du warst in meinem Zimmer? Jetzt fühle ich mich aber in meiner Privatsphäre verletzt. Was kommt als nächstes? Dass du mein Tagebuch gelesen hast?"
Auf der Stelle fällt mir der Tag ein, an dem Taehyung mir die Eisblumen am Fenster gezeigt hat - und an dem wir danach eine Seite ebendieses Tagebuchs gelesen haben. Schuldbewusst sehe ich also weg, auf meine in meinem Schoss liegenden Hände und murmle hastig: "Nein."
Diesmal ist es ein lautes Auflachen, dass den Wagen fühlt. "Du bist ein phänomenal schlechter Lügner", bemerkt er offensichtlich amüsiert, "Is' nicht schlimm, da steht ohnehin nur Scheisse drin."
Es scheint ihn tatsächlich nicht zu kümmern, dass ich in seinem Eigentum herumgeschnüffelt habe. Doch wenn es ihn nicht stört, will ich mich auch nicht weiter damit befassen, sondern spreche die Frage aus, die mich interessiert: "Dann bist du also Dragon?"
"Nein. Ich bin Dragons Hund", erwidert der Blonde trocken, ohne den Blick von der bloss spärlich erleuchteten Strasse vor sich zu wenden. Ich schürze unzufrieden die Lippen und weiss nicht genau, was ich von diesem Kerl halten soll. Er ist irgendwie komisch, aber dass er mir hilft, spricht doch auch für einen guten Menschen.
Ich verstehe ihn auf jeden Fall nicht wirklich.
"Aber wo warst du die ganze Zeit?", will ich wissen, "Was kannst du alles, wieso durften wir dich nicht kennen lernen und was machst du hier?"
Er zuckt mit den Schultern und schaltet, ehe er noch etwas beschleunigt, was ich mit einem Blick auf das Tacho erkennen kann. "Keine Ahnung, warum sie einen Telekinisten auf die Gruppe los lassen, aber der Phönix in der Schublade versteckt wird." Er schnaubt abfällig. "Ich kann keinem das Herz aus der Brust reissen, indem ich kurz darüber nachdenke, weil es letztendlich auch nicht mehr als ein Gegenstand ist, den man von A nach B bewegen kann, aber heeeey, ich bin nur ein dämliches Experiment, was weiss ich schon, hmm?"
Wir biegen auf die Autobahn und er beschleunigt den Wagen noch einmal, selbst wenn wir schon viel zu schnell sind. Anscheinend scheint ihn die Tatsache, dass er versteckt gehalten wurde, im Gegensatz zu Jimin, wütend zu machen. "Apropos", fügt er dann noch an, "Hör auf, so zerknirscht zu gucken, der wird schon wieder. Das Bisschen Kopfweh... wahrscheinlich hat er sich bereits wieder erholt und verfolgt uns."
Der Gedanke, dass es Jimin schon wieder besser geht, lässt mich tatsächlich erleichtert seufzen, aber diese kurze, kleine Erleichterung wird durch die nächsten Worte des Fremden bereits wieder zerstört: "Das kann man von dem Schneeflöckchen, das du bearbeitet hast, nicht behaupten. Wolltest du den umbringen, Mann? Du musst die Schneeflocke ja echt hassen."
Unter Schneeflocke, gemeinsam mit den Ereignissen über die wir gerade reden, kann ich mir nur eine einzige Person vorstellen, aber ich verstehe nicht, was er mir damit sagen will.
"Wovon redest du?", frage ich beinahe harsch, "Ich verstehe doch selbst nicht, was mit ihm los war, aber das war auf keinen Fall ich! Ich bin ein Phönix, ich beherrsche Feuer!"
Zum ersten Mal, seit er losgefahren ist, sieht der Blonde von der Strasse und in mein Gesicht. Pure Fassungslosigkeit spiegelt sich in seiner Miene ab, doch dann wendet er den Kopf auch schon wieder und murmelt dazu perplex: "Ich fall' vom Glauben ab - dabei hab ich nicht mal einen..."
"Wie kommst du darauf?", hake ich noch verwirrter als zuvor nach. Er soll mir endlich erklären, was hier vor sich geht.
"Junge, du bist doch kein Phönix", stellt er nüchtern fest, "Mehr so... ein Spatz... Also, Spätzchen, wie wäre es, wenn du meine Frage beantworten würdest?"
Verwirrt starre ich ihn wieder an. Welche Frage? "Ich verstehe nicht...?", erwidere ich leise. Er seufzt ein weiteres Mal. "Ich habe dir eine Frage gestellt", meint er ruhig. Ich fahre mir durch die Haare. "Ich hab dir doch schon gesagt, dass ich nichts mit ihm angestellt habe!"
Wieso will er das nicht begreifen?! Ich würde Taehyung niemals etwas tun!
Ich kann erkennen, wie er die Augen verdreht. "Steht der Kaffeeautomat noch?!", wiederholt er sichtlich genervt. Irritiert von dieser Frage halte ich einen Moment inne. "Wa- Ja, das alte Schrottding steht noch, wieso ist das so wichtig?"
Der Blonde zuckt gelassen mit den Schultern. "Ist es nicht", meint er locker dazu, "Aber ich hab danach gefragt, also ist es wichtig."
Das soll einer verstehen.
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