❄27❄
Taehyung
3 Jahre später
Mit einem verräterischen Grinsen auf den Lippen schiebe ich den Springer drei Felder vorwärts und sehe dann zu Jungkook auf.
Der Jüngere schürzt die Lippen und verschränkt die Arme vor der Brust und scheint nachzudenken, was er nun tun soll.
Ich beginne bei seinem Anblick eine Spur breiter zu lächeln und lasse meinen Blick langsam über sein makelloses Gesicht wandern.
Beinahe fasziniert betrachte ich sein ebenmässiges Gesicht und die blasse Haut, die im Kontrast mit rosigen Wangen und Lippen steht, genauso wie auch mit den dichten, dunklen Haarsträhnen und seinen funkelnden Augen.
In diesem Moment befeuchtet er mit der Zungenspitze seine Unterlippe und stösst einen tiefen Seufzer aus. Ich reisse mich von seinem Anblick los, lache dafür leise und lege den Kopf etwas schief. "Verzweifelt?", necke ich ihn etwas, woraufhin er aufsieht und mich beinahe beleidigt ansieht, durch seine grossen Rehaugen.
"Bin ich gar nicht", antwortet Jungkook so würdevoll wie möglich, bevor er mit Daumen und Zeigefinger einen der verbliebenen weissen Bauern vorrücken lässt. Ich erkenne das Lächeln auf seinen Lippen und lasse meinen Blick über das Schachbrett wandern, ehe ich mit der Zunge schnalze.
"Ich hätte dir nicht so viel beibringen dürfen", stelle ich mit neutraler Stimme fest. Er lacht amüsiert und wie von selbst bildet sich ein Lächeln auch auf meinen Lippen. Ich liebe den Klang seines Lachens. Es zeugt von Freude und Glück, er sieht mit einem Lächeln noch viel schöner aus, als er es ohnehin schon ist, wenn er keines im Gesicht trägt. "Ich hatte viel Zeit, zum Lernen", erklärt er. Ich schnaube. "Halt die Klappe, Vogel."
Er lacht einmal mehr.
Nach reiflicher Überlegung, konfrontiere ich meinen Turm mit dem Bauern und halte das aufkommende Grinsen zurück, als Jungkook die Chance auch wie erwartet ergreift und sich meiner Spielfigur bemächtigt.
Zufrieden stellt er die schwarze Figur neben das Brett, wo sich bereits einige meiner Figuren sammeln, doch seinen geht es nicht viel besser.
Mit einem kleinen Seufzen stelle ich den Springer einige Felder vor und sehe dann wieder auf in sein Gesicht. "Schach", teile ich ihm ruhig mit. Jungkook plustert sich sichtlich empört auf, was mir ein Lachen entlockt, als mir genauso auch sein böser Blick zuteil wird.
Grinsend sehe ich in seine dunklen Augen und frage mich dabei einmal mehr, ob er sich bewusst ist, was er eigentlich alles anstellt. Er lässt meine Welt Kopf stehen und ich weiss nicht einmal, wie er es überhaupt anstellt.
Er tut es einfach. Verzaubert mich mit seinem strahlenden Lächeln, den glänzenden, braunen Augen und merkt es wohl nicht einmal.
Der Jüngere sieht sich gezwungen, den Springer mithilfe seiner Dame zu beseitigen und ich kann nicht anders, als loszugrinsen. "Du wirst es niemals lernen, hm?", bemerke ich amüsiert, ziehe mit meiner Dame vor und stosse den weissen König um, "Schachmatt."
Jungkook seufzt tief und schürzt unzufrieden die Lippen, ehe er zu mir aufsieht, beinahe mit einem weinerlichen Blick. "Das ist unfair", meint er dazu jammernd. Ich lache leicht, strecke die Hand aus und wuschle ihm damit durch das dichte, schwarze Haar, während ich dazu antworte: "Ist es gar nicht."
Energisch schlägt er meine Hand weg und kippt dann das Schachbrett, sodass alle verbliebenen Figuren vom Feld kullern, auf den weinroten Teppich des Aufenthaltsraumes, auf dem wir es uns nun sicherlich schon seit Stunden gemütlich gemacht haben.
"Nochmal", verlangt er ruhig. Ich grinse breiter. "Noch einmal?", hake ich nach, "Du hast bereits drei mal verloren."
Er schenkt mir einen weiteren vernichtenden Blick. "Ich lerne noch", erklärt er mir und reckt vorlaut den Kopf etwas, wobei seine Lippen noch immer zu einem kleinen Schmollmund verzogen sind. Ich mustere den Anblick, den er mir bietet und unterdrücke das aufkommende verlangen, mich zu ihm zu lehnen und auf seine roten Lippen einen kurzen, sanften Kuss zu pressen. Nicht viel, nur ganz wenig, ganz kurz.
Nur, um einmal herauszufinden, wie seine Lippen sich wohl anfühlen...
"Hyung, diesmal will ich schwarz sein", meint er und schiebt einige, weisse Figuren in meine Richtung. "Aber natürlich, Jungkook, was auch immer du dir wünschst", willige ich mit einem kleinen Seufzen ein und lächle den Jüngeren an, der kurz glücklich hochschaut, ehe er weiter seine Figuren aufstellt.
Ich tue es ihm gleich und beginne nur kurz darauf schon den ersten Zug, der Bauer ganz rechts. Jungkook tut es mir gleich, nimmt den ganz rechts und ich sehe ihn einen Moment lang nachdenklich an, ehe ich einen weiteren, wahllos ausgesuchten Bauern nach vorn bewege. Auch diesen imitiert der Jüngere schweigend, ohne zu zögern und ich kneife die Augen zusammen. "Was soll das werden?", frage ich ihn direkt, doch er zuckt nur unschuldig mit den Schultern.
Einige weitere Züge, die ich mache, wiederholt Jungkook genauso, bis die Tür zum Aufenthaltsraum sich öffnet und Namjoon hinein tritt. "Hyung!", begrüsst Jungkook ihn fröhlich und winkt mit einem Lächeln der hochgewachsenen Gestalt zu, die mit einem "Hallo, ihr zwei", auf uns zuhält. "Was gibt's?", frage ich ihn neugierig und sehe ebenfalls zu ihm hoch, als er neben uns stehen bleibt, die Hände in seiner Jackentasche vergraben.
Er lächelt schief. "Nichts besonderes", winkt er ab, "Ich soll nur Jungkook holen."
Nur Jungkook holen? Das nennt er nichts besonderes? Ich sehe ihn fragend an, spüre das Misstrauen in mir hochkriechen. Wieso sollte er das tun?
Dieselbe Frage stellt mein Gegenüber ihm dann auch und er zuckt teilnahmslos mit den Schultern. "Ich weiss nicht. Sie haben mich geschickt, um dir zu sagen, dass du nochmal durch die Tests musst. Nichts weiter."
"Jetzt gleich?", hake ich nach und ziehe eine Augenbraue hoch, als er daraufhin nickt. "Aber ich habe meine Tests doch schon vor zwei Tagen absolviert", murmelt Jungkook verwirrt und sieht mit grossen, fragenden Augen zu dem Blonden auf, der noch einmal mit den Schultern zuckt und beruhigend auf ihn herablächelt. "Vielleicht haben sie sie verloren oder so. Aber so schlimm kann es nicht sein, es sind immerhin dieselben Tests, wie vor zwei Tagen schon."
Jungkook nickt langsam und sieht dann wieder zu Namjoon. "Dann gehe ich mal."
Er steht bereits auf, als ich mich vorlehne und sein Handgelenk umfasse. Dadurch bleibt er stehen und sieht mich voller Verwunderung an. "Was ist, Tae?", will er wissen und legt den Kopf schief. "Pass auf dich auf", verlange ich ruhig und sehe ihn ernst an.
Namjoon kann sagen was er will, aber das glaube ich ihm nicht. Sie haben ihre Daten nie verloren, wieso sollte das plötzlich passieren? Es passt nicht. Es passt nicht, dass sie Jungkook ein zweites Mal dieselben Tests durchlaufen lassen wollen.
Der Schwarzhaarige zieht die Augenbrauen zusammen und lacht leise. "Hyung, es sind nur die Tests, was soll mir da schon passieren?", fragt er mich beinahe mit einem amüsierten Ton in der Stimme, doch ich lasse mich nicht beschwichtigen. Ich will, dass es ihm gut geht und mehr nicht.
"Versprich es mir", fordere ich deshalb fast schon harsch, "Ich will, dass du, auf dich aufpasst."
Er seufzt und fährt sich durch die Haare. "In Ordnung, Hyung, ich passe auf mich auf", lächelt er dann leicht und ich lasse langsam sein Handgelenk los, um ihn widerwillig gehen zu lassen. Davon abhalten kann ich ihn ohnehin nicht. Befehl ist Befehl, sie wollen ihn ein weiteres Mal durch die Tests gehen lassen, dann wird er das auch tun müssen.
"Bis dann", verabschiedet er sich von uns und geht mit grossen Schritten durch den Raum, ehe er ihn verlässt und die Tür hinter ihm ins Schloss fällt.
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen4U.Com