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🔥33🔥

Jungkook

"Spatz", meint eine ruhige, raue Stimme, "Steh auf." Ich bewege mich keinen Zentimeter, sondern brumme nur unbestimmt. "Nein", gebe ich schläfrig zur Antwort.

"Jungkook", erklingt es nachdrücklicher und ich spüre, wie jemand mich in die Seite piekst, "Steh auf, es ist schon sieben Uhr und die Sonne geht auf!"

Sieben?! Sieben und ich soll aufstehen?! Stöhnend reibe ich mir erst über die Augen, bevor ich sie ein Stück öffne und zu Jiyong aufsehe, der mit hochgezogenen Augenbrauen zu mir hinunter starrt. Schweigend erwidere ich den Blick, ohne mich weiter zu regen. Was ist falsch bei diesem Typen, dass er Leute um diese Uhrzeit aus dem Bett quälen will?

"Wir trainieren jetzt, Spätzchen", meint er munter und legt dabei den Kopf schief. "Um sieben Uhr morgens?", hake ich leise, mit rauer Stimme nach. Er nickt bestätigend. "Ja, die Sonne geht auf."

Wen interessiert es, ob die Sonne aufgeht oder nicht? Reicht eine Stunde später aufzustehen nicht auch? Das kann er doch nicht ernst meinen! Langsam setzte ich mich auf und fahre mir mit einem müden Seufzen durch die Haare. "Und was machen wir?", will ich leise wissen. Ein Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus und er schüttelt leicht den Kopf. "Hörst du mir nicht zu? Training", erwidert er gut gelaunt.

Das war zwar nicht genau, was ich wissen wollte, aber okay. Ich nicke ergeben, schlage die Decke zurück und meine dabei halblaut: "Okay, okay, ich bin ja schon hier..."

Jiyong klatscht in die Hände und lacht heiser auf. "Ein bisschen mehr Motivation, komm schon!", feuert er mich an und ich schenke ihm einmal mehr einen irritierten Blick.

Kaum stehe ich endlich, strecke ich mich erst ausgiebig und blicke dabei zu dem Blonden auf. "Und was werden wir machen, Hyung?"

"Trainieren. Hab ich doch schon zweimal gesagt", antwortet er nonchalant und winkt mich dann hinter sich her, als er sich umdreht und losläuft.

Ich folge ihm eilig in den Eingangsflur der Wohnung. "Ja, aber was trainieren wir?", hake ich beinahe etwas verzweifelt nach. Jiyong öffnet den Schrank, der im Flur steht und kramt einen Moment lang darin herum, bevor er mir ein paar Klamotten zuwirft, die ich überrascht auffange und dann fest gegen meine Brust drücke. "Zieh dich um, nicht, dass du erfrierst", meint er, ohne meine Frage zu beantworten und nickt dann auf eine Tür etwas hinter mir, "Da ist das Bad, ich warte auf dich."

Mit einem kleinen Nicken wende ich mich ab und betrete den besagten, hellen Raum. Rasch ziehe ich mich um und stelle dabei fest, dass es Thermo-Kleidung ist, die der Ältere mir gegeben hat. Über diese Tatsache bin ich ein wenig irritiert, doch ich streife mir auch das Oberteil über und trete dann wieder hinaus in den Flur, wo Jiyong auf mich wartet. Er hat zwei aufgerollte Matten in den Händen, von denen er mir eine reicht und dann mit einem Kopfnicken zur Tür deutet. "Na los."

"Hyung, was machen wir?!", will ich energischer wissen und folge ihm zur Tür. "Spatz~ Du bist ein Phönix, oder nicht? Also trainieren wir wohl, ein Phönix zu sein", erklärt er und öffnet dann die Wohnungstür und tritt ins Treppenhaus.

Auch diese Worte haben mir meine Frage nicht wirklich beantwortet, doch ich folge ihm trotzdem mit einem kleinen Seufzen und die Matte festhaltend aus der Wohnung raus. Was genau beinhaltet, dieses Training? Kriege ich noch mehr Nahkampf-Unterricht?

Jiyong läuft zu den Treppen, aber anstatt diese runter zu gehen, läuft er nach oben. Etwas verwirrt folge ich ihm die Stufen hinauf, bis wir schliesslich ganz oben angelangt sind und damit vor der Türe stehen, die vermutlich aufs Dach führt. Der Ältere öffnet sie und tritt hinaus in die kühle Luft des Winters. Eine dünne Schneeschicht bedeckt das Dach, welche dank der Sonnenstrahlen, die auf die weisse Decke scheinen, wild funkelt und der Blonde rollt seine Matte unmittelbar vor der Tür aus, bevor er sich im Schneidersitz darauf setzt, sich kurz etwas streckt und dann tief ein- und ausatmen.

Irritiert sehe ich ihm einen Moment lang dabei zu, wie er regungslos dort hockt und nichts tut oder sagt. Was zur Hölle soll das?

"Uhm... Hyung?", frage ich unsicher nach und lege verwirrt den Kopf schief, "Was machst du da?"

"Willst du dich nicht setzen?", kommt es bloss zurück. Ich rolle die Matte ebenfalls aus, die ich in meinen Händen halte und setzte mich dann neben Jiyong, bevor ich ihn von der Seite anstarre. Er hat die Augen geschlossen und wirkt völlig entspannt und ich verstehe nicht, was das nun soll. "Ich dachte, wir machen Training? Wieso müssen wir uns da setzen?", hake ich leise nach, doch Jiyong hat für meine Fragen nur ein müde wirkendes Lächeln übrig. Ohne seine Augen zu öffnen, erwidert er halblaut und voller Ruhe in der rauen Stimme: "Was glaubst du denn, wie ein Phönix seine Fähigkeiten unter Kontrolle hat, hm?"

"Er sitzt doch bestimmt nicht nur am Boden rum", murmle ich trocken. Nun öffnet der Blonde ein Auge und sieht mich so mit hochgezogener Augenbraue an. "Was erwartest du, Jungkook?", fragt er geradeheraus und ich zucke unsicher mit den Schultern. Zumindest habe ich nicht erwartet, nur in der Kälte rumzusitzen. Immerhin verstehe ich jetzt, wieso wir die Thermokleidung anhaben, selbst wenn die nur mässig gegen die Temperaturen hilft.

"Kampftraining?", schlage ich vor und wieder verziehen sich die Lippen des Älteren zu einem diesmal breiteren Grinsen. "Du hast mich beobachtet, als ich meine Fähigkeit eingesetzt habe, nicht?", vergewissert er sich. Ich ziehe auf diese Frage hin die Augenbrauen zusammen und nicke langsam. "Und? Was hab ich getan?", hakt er nach und lehnt sich ein wenig zu mir hin. Ich ziehe die Schultern hoch und schürze die Lippen, während ich an den gestrigen Abend zurückdenke.

"Du... warst ganz ruhig", nuschle ich schliesslich. Er scheint zufrieden und nickt dementsprechend, bevor er überraschend eine Hand hebt und mir damit vor die Stirn schnippst. Ich zucke zurück und sehe ihn perplex an. "Au! Was soll das?!"

"Zuhören, Spatz", weist Jiyong mich an und übergeht meine Frage galant, "Als Phönix sind zwei Sachen unfassbar wichtig: Konzentration und Atmung. Hast du schon mal meditiert, Kleiner?"

"Nein - ist das denn wichtig?", antworte ich ehrlich und sehe ihn weiter an. Er lacht leise. "Für einen Phönix? Oh ja."

Ich nicke seine Worte ab und beisse mir nachdenklich auf der Unterlippe herum, bevor ich die nächste Frage stelle: "Wieso ausgerechnet Atmung?" Jiyong seufzt leise und ich kann mit ansehen, wie sein Atem eine kleine, weisse Wolke in der klirrend kalten Luft bildet. "Die Atmung gehört zur Konzentration - sie hilft dir, die Kontrolle zu behalten. Sobald du in Panik verfällst, hast du die Arschkarte. Gerätst du in Panik, entgleitet dir die nötige Konzentration, um deine Fähigkeiten zu beherrschen. Sie geraten ausser Kontrolle und sie machen, was auch immer sie gerade wollen.."

"Und Atmung hilft", wiederhole ich feststellend, woraufhin er wohlwollend nickt und mich angrinst. "Du hast es verstanden", meint er heiter. "Und um das zu lernen, meditiere ich jetzt?"

"Nicht jetzt schon", winkt er ab, "Meditation ist noch zu schwer. Wir machen Yoga~"

Was zur Hölle? "Yoga", ist das einzige, was ich sage, doch wirklich überzeugt klingt es nicht. "Wenn du Yoga kannst, bringt dich nichts mehr ausser Atem, vertrau mir", versucht er mich zu beschwichtigen, doch so ganz kaufe ich ihm das nicht ab. Es ist einfach nur Yoga. Mehr nicht. Yoga ist doch kaum hilfreich?! "Yoga", wiederhole ich einmal mehr und starre ihn an. 

Jiyong lacht auf und nickt abermals. "Ich weiß das ist schwer begreiflich, ich hab es auch erst nicht kapiert. Aber spätestens dann, wenn du die, die du liebst beschützen willst und du hast eine Kugel in der Schulter und du atmest den Schmerz weg und kannst weiter machen, dann..... dann wirst du dir denken Yoga ist der Shit", erklärt er und lächelt triumphierend. Ich richte mich bei seinen Worten automatisch ein wenig auf und neige den Kopf. Den Schmerz wegatmen? Vielleicht ist die Sache gar nicht so uninteressant und bescheuert, wie ich vor ein paar Sekunden noch gedacht habe. 

"Wie trainiert man das?"

Jiyong grinst schief und zuckt mit den Schultern. "Ich hab einfach angefangen", meint er locker, "Also fängst du auch einfach damit an. Wichtig ist, dass du verstehst, wie ein Phönix funktioniert und wie du damit arbeiten kannst. Der Phönix; wie ich dir schon mehrfach versucht habe, zu verklickern, dreht sich bei dem Experiment alles um Schmerz. Er ist unsere Stärke und unsere Schwäche zugleich.

Schmerz den wir anderen zufügen macht uns stärker, während Schmerz, der uns zugefügt wird schwächt. Ein Beispiel: Als ich Jimin geroastet habe, habe ich seine Fähigkeiten blockiert, also war ich Herr über die Situation, er hatte keine Chance, verstehst du? Und je mehr Schmerzen er hat, desto mehr verliert er die Kontrolle, seine Gegenwehr bricht und du kannst ihn noch mehr weh tun. Wenn man das macht, dann fängt der Gegner im schlimmsten Fall an zu krampfen, bis er kollabiert und er stirbt." Er wirft mir einen bedeutsamen Blick zu und ich schlucke leer, als ich daran zurückdenke, wie Taehyung sich vor Schmerzen krümmend vor mir auf die Knie gefallen ist. Das war meine Schuld.

"Gegenteiling", fährt er dann allerdings schon wieder fort, "Nehmen wir mal an, Jimin wäre nicht alleine gewesen, sondern hätte zum Beispiel den Schatten dabei gehabt und der hätte mir eine Axt ins Bein gehauen, dann wäre der Telekinist frei gewesen, weil ich Schmerzen bekommen hätte, denn ich kann keinen Schmerz senden, wenn ich selber Schmerzen habe das geht nicht, okay? In dem Moment, wo ein Phönix Schmerz verspürt stellt sich seine Fähigkeiten ein und er ist schutzlos dem ausgeliefert, was auch immer seine Feinde mit ihm vorhaben. So weit alles verstanden Spatz?" Ich nicke langsam und versuche die mir gerade gegebenen Informationen zu verarbeiten. "Und unseren Schmerz können wir ignorieren, indem wir ihn wegatmen?", hake ich leise nach, woraufhin er nickt. "Das heisst für dich, solltest du mal wieder in Panik geraten und damit die Kontrolle über deine Fähigkeiten verlieren und jemanden verletzen, ohne es zu wollen - dann tu dir selbst weh und du stoppst dich."

"Okay", murmle ich leise und nicke, ehe ich die Schultern straffe, "Schmerz und Panik, davor musss ich mich schützen und sonst ist alles in Ordnung", fasse ich zusammen. "Gut, dann machen wir jetzt Yoga."

"Etwa in der Kälte hier draussen?"

"Bist du ein Phönix oder eine Memme? Krieg dich ein, du überlebst das."

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