🔥63🔥
Jungkook
Wir sind immer noch am Leben und tatsächlich unversehrt.
Ich bin selbst etwas überrascht von der Tatsache, dass uns noch nichts geschehen ist und wir nicht aufgehalten wurden, auf dem Weg in die Station rein - gut, jemand hat uns zwar gesehen, aber Jiyong hat ihm wohl genug Schmerzen verpasst, sodass er nicht daran gedacht hat, uns zu folgen. Und nun stehe ich wieder hier, in den weissen, makellos geputzten Fluren, die vor wenigen Monaten noch jahrelang mein vertrautes Zuhause gewesen sind. Nie habe ich etwas anderes kennengelernt als diesen Ort, die weissen Wände und die ebenso weissen Fliessen, die das Licht an der Decke immer leicht reflektiert haben.
Es hat nicht lange gedauert und viele Menschen sind durch den Alarm aus dem Gebäude gestürmt, doch tatsächlich haben wir unter all den Leuten Taehyung nicht entdeckt. Einerseits erleichtert es mich, denn so müssen wir ihn nicht aus den Fängen von mehr als hundert Menschen befreien, gegen die wir zu dritt nicht eine Chance hätten, doch andererseits besorgt mich das nicht nur, es macht mich auch unfassbar wütend auf diese Leute.
Entweder Taehyung ist tot oder sie sind tatsächlich kalt und herzlos genug, um ihn da drinnen zu lassen, als wäre er nichts weiteres als etwas, das man leicht wieder ersetzen kann, wenn es kaputt geht. Soll er doch darin sterben, wenn es drauf ankommt, Hauptsache sie sind sicher. Und wenn Tae wirklich stirbt, dann machen sie eben einfach einen neuen Jack Frost, es kümmert sie nicht. Wir sind wirklich all die Zeit nur ihre Bauern auf dem Schachbrett gewesen, nichts mehr, als ersetzbare Figuren in ihrer Kriegseinheit aus willenlosen Monstern, die sie sich heranzüchten wollen.
Die Wissenschaftlicher haben sich rasch von der Station entfernt, sind in den Wald geflüchtet und haben die Lichtung somit ganz verlassen, dass ihnen nichts zustösst, sollte etwas mit der Station passieren. So war es ein leichtes für Jimin, Jiyong und mich, rein zu kommen und nun durch die verlassenen, leeren Flure zu streifen, auf der Suche nach Tae. Es fühlt sich seltsam an, wieder hier zu stehen, wo ich die Station damals so fluchtartig verlassen habe, weil man mich umbringen wollte. Ich habe das Gefühl, als würde hinter jeder Ecke jemand auf mich warten, nur um mich dann zu töten, so kurz vor dem Ziel.
Die letzten Monate, die ich in der Angst verbracht habe, von meinen Hyungs getötet zu werden, haben definitiv an meiner Psyche genagt.
Wir beeilen uns, so schnell es geht zu Taehyung zu gelangen. Es ist vollkommen still hier drinnen bis auf unsere Schritte, denn Namjoon hat den Alarm inzwischen wieder ausgeschaltet, während das Gas jedoch weiterhin in die Luft strömt, selbst wenn wir es nicht riechen können. Wir haben noch zehn Minuten, bis wir wieder von der Station weg sein müssen, doch von dem Blonden, den wir alle suchen, scheint immer noch keine Spur.
"Meint ihr, er ist durch irgendeinen Hinterausgang verschwunden, von dem wir nichts wissen?", fragt Jimin dann auf einmal in die Stille hinein, doch Ji Hyung schnaubt nur und schüttelt bereits mit dem Kopf, kaum ist die Frage ausgesprochen. "Es gibt keine Hinterausgänge. Ich habe sechzehn Jahre meines Lebens hier drinnen verbracht und weiss Gott lange genug nach einem Fluchtweg gesucht, aber die einzige Tür zur Aussenwelt ist die, durch die man auch hier reinkommt", erwidert er düster.
Tae muss also irgendwie hier drinnen sein oder bereits schon lange tot. Letzterer Gedanke sorgt dafür, dass meine Kehle sich wie von selbst zuschnürt und ich leer schlucke. Er kann nicht tot sein. Nicht jetzt, wo wir hier sind, um ihn zu retten.
Wir gehen weiter, eilen durch die Gänge, auf dem Weg zu seinem Trakt, doch nach wie vor ist keine Spur von Taehyung. Es ist totenstill, es gibt kein einziges Lebenszeichen von ihm und mit jedem Schritt den ich gehe, wird mein Herz schwerer und schwerer. Ein mulmiges Gefühl macht sich in meiner Magengrube breit und langsam aber sicher rennt uns die Zeit davon. Es dauert nicht mehr lange, bis Namjoon Hyung den Gasherd anmachen wird und das ganze Gebäude in die Luft fliegt.
"Was wenn er nicht in seinem Trakt ist?", will ich wissen, während wir mit grossen Schritten zu dem entsprechenden langen Flur hetzen. "Dann schätze ich, werden wir scheitern", murmelt Ji Hyung leise und mein Herz setzt bei den Worten einen Schlag aus. "W-was?!", hake ich beinahe eine Spur hysterisch nach, doch der Blonde an meiner Seite seufzt nur tief. "Jungkook, wir haben nicht die Zeit, das ganze Gebäude abzusuchen, du weisst das."
"D-dann geht jemand von uns eben einfach noch einmal zurück zum Wagen und sagt Namjoon, dass er warten soll!", erwidere ich mit verzweifeltem Unterton und merke, wie der Gedanke, Taehyung einfach im Stich zu lassen, bloss weil wir ihn nicht finden können, dank des Zeitmangels, Tränen in meine Augen steigen lässt. "Irgendwann kommt das Laborteam zurück, wenn es bemerkt, dass nichts geschieht", erklärt er bloss gehetzt und ich beisse mir auf die Lippe und unterdrücke ein verzweifeltes Aufschluchzen. Er hat Recht, ich verstehe, was er mir sagen will, aber der Gedanke, die Person, die ich am allermeisten auf dieser Welt liebe, im Stich zu lassen, besonders nach allem, was er für mich getan hat, tut so unfassbar weh in meiner Brust, als würde er mein Herz einfach in zwei Teile reissen.
Doch es stimmt wohl; das hier ist unsere einzige Chance und ich hoffe inständig, dass Taehyung in seinem Trakt ist, damit wir ihn finden und hier rausschaffen können. Nachdem wir alle irgendwie retten konnten, will ich nicht mit dem Gedanken leben müssen, bei ihm versagt zu haben, ihn gar im Stich gelassen zu haben.
Als wir schliesslich in seinem Trakt ankommen, schlägt mir mein Herz bis zum Hals. Entweder, wir finden ihn nun, oder wir müssen ohne ihn zurückgehen. Ich warte also gar nicht mehr lange, sondern laufe weiter den Flur entlang und rufe dabei ein fragendes: "Tae?"
Auch Jimin steigt ein und ruft seinen Namen, in der Hoffnung, er möge uns hören und irgendwie reagieren und tatsächlich höre ich nur ein paar Sekunden später ein Klopfen an eine der Türen und gedämpft die tiefe, warme Stimme des Blonden, den ich so sehr vermisse. Kaum erklingt sie, drehe ich augenblicklich den Kopf in die Richtung, aus der sie gekommen ist und merke, wie meine Beine vor Erleichterung einen Moment lang so butterweich werden, dass ich beinahe Angst habe, sie geben gleich unter mir nach. Mit einem weiteren, lauten "Taehyung!", stürze ich auf die linke Seite des Flures und nachdem ich wieder seine gedämpfte Stimme meine Namen sagen höre, kann ich auch ausmachen, hinter welcher der drei Türen er steckt. Dementsprechend beeile ich mich, zu dieser zu gelangen, genau wie meine beiden Hyung und drücke dann die Klinke hinunter, um sie zu öffnen, doch sie geht nicht auf.
Abgeschlossen.
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen4U.Com