Sandsturm
Kanan fluchte leise.
„Siehst du, und deswegen bin ich lieber auf Coruscant als auf Ryloth. Ein Sandsturm kann euer komplettes Stromnetz lahmlegen."
„Entschuldige, dass ich Sayas Geburtstag gerne mit meinen Eltern feiern möchte.", gab Hera zurück. „Sie bekommen die Kleine so selten zu Gesicht."
„Tja, da es hier so stockdunkel ist, bekommen sie sie hier wohl auch nicht zu Gesicht.", murmelte Kanan leise und versuchte, sich in der stockdunklen Wohnung zurechtzufinden. Von irgendwo her hörte er seine Tochter kichern. „Zumal wir bei dem Sturm aus dem Haus überhaupt nicht rauskommen."
„Lass uns hoffen, dass er sich beizeiten legt.", meldete sich die Stimme seiner Frau erneut, diesmal aus einer anderen Ecke als zuvor. Er hörte irgendwelche Geräusche, die er allerdings nichts konkretem zuordnen konnte. Draußen war finsterste Nacht, die Fenster waren wegen des Sandsturms alle geschlossen, und er sah nicht einmal die eigene Hand vor Augen. Er fluchte nochmal, als er über einen der Stühle stolperte - oder zumindest vermutete er, dass es sich um einen Stuhl handelte.
«Es gab Zeiten, da habe ich noch wesentlich weniger gesehen als jetzt. Ich habe mich einfach wieder viel zu sehr ans sehen gewöhnt. Wenn ich mich mehr auf die Macht verlassen würde, würde ich hier auch das finden, wonach ich suche.», dachte er seufzend und blieb mitten in der Wohnung auf der Stelle stehen. Mit geschlossenen Augen konzentrierte er sich auf die Struktur der Objekte um ihn herum, um den Raum wahrnehmen zu können, damit er das fand, wonach er suchte. Im selben Moment meldete sich Heras Stimme.
„Süßer, ich habe die Kerzen gefunden, alles wird gut."
Als er die Augen wieder öffnete, war der Raum vom sanften Flackern einer kleinen Flamme erhellt. Hera lächelte. Ihr Mann seufzte ein wenig. Eigentlich sollte es ihn nicht überraschen. Die Pilotin war immerhin hier aufgewachsen, und hatte solche Tage als Kind sicherlich oft erlebt. Kein Wunder, dass sie sich da blind im Haus auskannte und auf so eine Situation bestens vorbereitet war.
Vorsichtig stellte er den Stuhl wieder auf, den er umgeworfen hatte, und ließ sich dann neben seine Frau auf die Couch sinken. Hera hatte die Kerze auf dem kleinen Beistelltisch abgestellt und schaute in die Flamme. Sayas erster Reflex war es gewesen, nachdem das Licht ausgegangen war unter dem Tisch zu verschwinden, da sie sich umgeben von Stühlen nicht ganz so angreifbar fühlte. Sie hatte die Dunkelheit noch nie sonderlich gemocht.
Jetzt streckte sie ihren Kopf unter dem Tisch hervor und lief dann so schnell sie konnte zu ihren Eltern und der Kerze hinüber, als habe sie Angst, etwas könnte sie in der Dunkelheit anspringen. Als sie in den Schoß ihrer Mutter kletterte, zitterten ihre Lekku. Hera strich liebevoll darüber während Kanan nach der Hand seiner Tochter griff.
„Ich weiß, die Dunkelheit ist unheimlich. Immerhin musste ich jahrelang ohne Licht auskommen.", erklärte er. „Aber eigentlich habe ich in der Zeit gelernt, dass Schwärze und Schatten keine Dinge sind, vor denen man Angst haben muss, wenn man jemanden hat, der für einen da ist. Tatsächlich sind die Dinge, die man sieht, manchmal viel unheimlicher, als die Dinge, die man nicht sieht." Es lag ein gewisserer bitterer Ernst in seiner Stimme. Es gab viele Dinge, von denen er froh war, sie nie mit eigenen Augen gesehen haben zu müssen, und einige Dinge, bei denen er sich wünschte, sie nie gesehen zu haben, weil die Bilder sich in sein Gedächtnis eingebrannt hatten, und er sie nie wieder würde vergessen können. Er drückte Sayas Hand noch ein wenig fester und legte den freien Arm um Heras Schulter. Das, was er sich für seine Tochter am allermeisten wünschte, war, dass sie nie selbst einen Krieg würde miterleben müssen. «Wir haben zwei Generationen an zwei verschiedene Krieg verloren. Das muss endlich aufhören.» Manche Narben, die der Krieg hinterlassen hatte, würden nie wieder verheilen. Es waren weniger die körperlichen Verletzungen, die ihm dabei Sorgen machten, als die seelischen. All diejenigen, die Personen verloren hatten, die sie geliebt hatten, würden sich vielleicht nie von dem erholen, was sie durchgemacht hatten. «Letzten Endes kann man im Leben nur Dinge verlieren und weitermachen.»
Er wünschte sich so sehr, dass alle es irgendwann schaffen würden, das, was geschehen war, zu überwinden. Und er wünschte sich, seine Tochter davor schützen zu können, dass sie jemals so etwas durchmachen musste.
„Alles gut, Daddy. Du brauchst auch keine Angst zu haben.", erklärte Saya und tätschelte mit ihrer freien Hand seinen Arm. Er schaute sie ein wenig überrascht an. „Du zerdrückst meine Hand.", erklärte sie.
„Oh, ich... entschuldige."
„Ist schon gut, Dad. Du musst nicht so tuen, als wärst du tough, damit ich mich besser fühle."
Hera musste sich ein Lachen verkneifen. Sie strich ihrer Tochter liebevoll über die Lekku.
„Unser großes Mädchen." Saya grinste und kuschelte sich zwischen ihre Eltern. „Eigentlich ist es ganz schön, mal wieder einen Tag so zu verbringen. Das letzte Mal, als ich einen derartigen Sandsturm hier miterlebt habe, ist ewig her." Die Geräuschkulisse, der Wind draußen, hatte schon fast etwas beruhigendes, und so konnte ein Sandsturm tatsächlich fast etwas schönes sein, dass die Familie näher zusammen brachte... zumindest wenn man drinnen und in Sicherheit war. „Ein mal haben meine Eltern totale Panik gekriegt, weil sie mich nicht finden konnten, und letzten Endes war ich nur irgendwo in einer dunklen Ecke eingeschlafen."
Saya kicherte.
„Hattest du keine Angst, Mamie?"
Hera schüttelte den Kopf.
„Die Dunkelheit hatte für mich immer irgendwie etwas wunderschönes." Der Blick der Twi'lek wirkte fast sehnsüchtig. „Ich habe oft davon geträumt, im all zu leben, in den Tiefen des Weltraums, wo es die meiste Zeit dunkel ist. Der Himmel mit seiner unendlichen Zahl an Systemen und Sternen hatte für mich immer etwas mythisches. Deshalb hat die Dunkelheit mich oft mehr beruhigt als sie mir Angst gemacht hat."
„Also hast du gar keine Angst?"
Das Mädchen schaute ihre mutter mit großen Augen an. Hera zog Saya in eine Umarmung.
„Doch, ich habe schon Angst. Furchtbar viel sogar." Einen Moment lang glaubte sie, eine Träne in den Augen ihrer Mutter aufblitzen zu sehen. „Nur vor ganz anderen Dingen."
A/N: Da Protector151 sich einen kleinen Oneshot zu Saya gewünscht hatte und ich gerade tierisch in Schreibelaune bin, hier ein bisschen Kanera/Saya.
Hoffe, es gefällt euch.
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen4U.Com