Versprochen
Würde mich jemand fragen, was ich an diesem Tag gegessen hätte: Ich könnte es nicht sagen.
Würde mich jemand fragen, welches Wetter an diesem Tag war: Ich könnte es nicht sagen.
Ich wusste immer dieser Tag würde kommen. Vielleicht dachte - nein - hoffte ich ja, dass er dies nicht tun würde. Wenn ich so zurück denke, so bin ich mir ziemlich sicher, dass ich den Gedanken einfach verdrängen wollte.
Den Gedanken an meinen Sohn als meinen größten Feind. Der grüne Ninja.
Im Gegensatz zu meinem Bruder Wu wusste ich schon immer, dass die Kräfte Vaters einmal die Kräfte meines Sohnes werden würden.
Mein Sohn.
Ich erinnere mich daran ihn meinen Händen gehalten zu haben, als er klein war. Das letzt Mal als ich ihn sah war er noch ein Baby. So unschuldig und zerbrechlich. Und selbst mit dem Gift des großen Schlangenmeisters in meinem Blut, spürte ich meinen Magen sich kläglich zusammenziehen.
"Der Feuertempel." Es war der schwarze Schüler meines Bruders, der als erstes die Sprache wiederfand. Niemand sagte noch etwas. Niemand sollte noch etwas sagen.
Ein wenig Panik hörte ich aus der Stimme der jungen Samurai, als sie uns über Funk berichtete wie instabil der Vulkan sei. Auch wenn ich noch immer der Meinung war wir sollten sie mitnehmen anstatt Kai, musste ich mich konzentrieren.
"Kai."
"Jaja, kein Feuerschwert. Aber nur weil ich nicht will, dass uns irgendwas daran hindert die Reiszahnklinge zu holen."
Bei diesem Typen konnte das schwerer werden als gedacht. Finsteren Blickes kniff ich die Augen ein wenig zusammen, als das gigantische Tor des Feuertempels nur noch wenige Meter von uns entfernt war. "Oder meinen Sohn.", stellte ich klar.
Wir liefen los. Leichtfüßig. Flink. Im Schatten. Alles wie beim Alten - und doch ganz anders. Denn hier ging es um mehr, als nur die Eroberung Ninjago's oder der Zerstörung meines Bruders. Hier ging es um meinen Sohn. Und ich werde ihn um nichts in der Welt verlieren.
Wie ein ungezähmter Löwe sprang mein Herz auf und ab, Schweißperlen liefen mir über die Stirn. "Da vorne ist Lloyd."
Ruhig...
Möglichst ruhig blickte ich in die Richtung, in die Jay deutete und Tatsache: Zum ersten Mal seit Jahren sah ich meinen Sohn. Er war nicht mehr das kleine Bündel Liebe, dessen Hand sich um meinen Finger schloss und mich mit einer ungeahnten Kraft festhielt. So, als wolle er mich nicht verlieren.
Und jetzt stand er in einem engen Käfig, gefangen von monströsen Bestien und ganz alleine. Ich hatte ihm in Stich gelassen. Und jetzt trug ich die Konsequenzen.
Nein, das durfte nicht wahr sein! "Lloyd! Mein Sohn!" Voller Entsetzen wollte ich mich zu ihm stürzen. Wollte ihn in den Arm nehmen und ihm sagen-... was? Was wollte ich ihm sagen? Was wollte ich meinem neunjährigen Sohn sagen, den ich mehr als die Hälfte seines Lebens alleine gelassen habe?
Der Blick meines Bruders ließ mich zur Vernunft kommen. Überall waren Schlangen und mein Sohn mitten unter Ihnen.
"Ha! Geh aus dem Weg, du Narr!" Pythor... während Zane noch hinabkletterte, suchten wir anderen mittlerweile Deckung. "Die dritte Reiszahnklinge gehört uns!" Die Reiszahnklinge...
Für einen Moment spürte ich, wie mein Körper pulsierte. Wie mein Herz schneller zu klopfen anfing.
Wenn ich mir jetzt die Klinge schnappen würde, könnte ich noch fliehen und die Schlangen wären mit den Ninja beschäf-...
" "Ich lasse das nicht zu, hörst du?! Ich lasse das nicht zu!" Ich spürte wie mein Innerstes kochte. "Ach ja? Was willst du tun? Mich der Polizei überliefern? Mich einsperren lassen?!" Zwei Schritte stackste ich nach vorne und hielt sie am Handgelenk fest. "Garmadon!", zischte sie und versuchte sich loszureißen - ohne Erfolg. "Vielleicht werde ich ja genau das tun! Denn ich lasse nicht zu, dass Lloyd mit einem Vater, wie dir aufwächst!" Klatsch. Binnen Sekunden hatte ich mit der anderen Hand ausgeholt, ehe sie direkt auf der Wange meines Gegenübers landete. "Halt die Klappe!", schrie ich sie an. "Halt die Klappe, halt die Klappe, halt die Klappe!" Ich schlug sie nochmal, als ich merkte wie still sie war. Nur Wimmern und Zittern. "Misako..." Ich beugte mich ein wenig nach vorne und wisperte gefährlich nah an ihre Lippen: "Du wirst mir meinen Sohn nicht wegnehmen." Ich erwartete Angst, am Liebsten Unterwerfung. Doch stattdessen kniff meine Frau ihre Augen zusammen und zischte mich an. "Lass. Mich. Los." Ich grinste kurz, dann ließ ich sie los. Ich lief langsam zurück. Einen Schritt. Zwei Schritte. Drei Schritte. Die wunderschönen, braunen Augen meiner Misako waren immer noch zu Schlitzen verengt, als sie im Gleichen Moment mein Vorhaben erkannte. Mit aufgerissenen Augen stolperte sie auf mich zu und schrie, da ließ ich schon die Küchentür ins Schloss fallen und hörte nur noch das Hämmern ihrer Fäuste. Sie schrie. Sie weinte. Sie rief meinen Namen. Oh, wie ich es doch liebte, wenn sie meinen Namen rief.
Ich machte auf den Absatz kehrt und wollte meinen Sohn aufsuchen, als mir klar wurde wie sinnlos dies denn wäre. Denn mein Sohn stand direkt vor mir. In einem hellblauen Nachthemd und seinem 'Bunny' in der Hand, fest an seine Brust gedrückt. "D-Dad?", fragte er mich mit zitternder und bebender Stimme und blickte auf die Küchentür. Die Schreie meiner Gemahlin verstummten für einen Moment. "Ja, Lloyd?" Er deutete auf die Tür und fing an zu schluchzen. "Mama." Ich bückte mich zu ihm runter und nahm ihn hoch. "Psh... alles ist gut." Ich spürte wie er sich zitternd an mich schmieg. Beruhigend strich ich ihm über den Rücken. "Lauf, Lloyd! Lauf weg vor Daddy!" Verfluchtes Miststück.
Der kleine Körper spannte sich an. Er hatte die Worte seiner Mutter verstanden.
Schnell lief ich mit meinem Sohn im Arm an die kalte Nachtluft, ums Haus herum. "Dad? Mama schreit." Ich ignorierte seine Worte. "Dad?! Mama schreit!" Der Kleine fing zu weinen und zu schreien an und zappelte wie verrückt. "Hör auf!", rief ich und er hielt inne, völlig verängstigt. "Hör... auf..." Seufzen. "Tut mir Leid, Kleiner. Dad macht sich nur Sorgen", log ich und lief weiter, als ich schon die Sirenen von Weitem hörte. "Hör zu, Kleiner. Wir holen Mama noch, okay? Aber jetzt musst du ganz ruhig sein, ja?" Lloyd regte sich kurz, er blickte zum Fenster. Ich folgte seinem Blick.
Das Wohnzimmer. Ich hatte das Licht angelassen.
Plötzlich schienen alle Geräusche nebensächlich. Alles was jetzt zählte war unser Wohnzimmer.
Schnell stand ich am Fenster, Lloyd zappelte wieder. Ich drückte ihn fester an meine Brust und erkannte noch die Spielzeuge mit denen er am Vortag gespielt hatte. Sie lagen verstreut auf dem Teppich. Ein Auto, ein Flugzeug... er hatte auch einen Drachen. Welch eine Ironie. "Dad?" Ich blickte nach unten zu Lloyd, dann wieder zum Fenster. An den Wänden hingen Bilder. Bilder von Misako's und meiner Hochzeit. Bilder von Lloyd's Geburt. Bilder von ihm und mir.
Tränen stiegen mir in die Augen und ich spürte wie sich mein Herzschlag verlangsamte. Die Wirkung des Giftes löste sich wieder.
"Lloyd?" Ich blickte meinem Sohn tief in die Augen. "Ich schlage jetzt das Fenster ein und setze dich auf die Fensterbank. Du bleibst da sitzen, okay? Rühr dich nicht vom Fleck. Ich komme wieder, das verspreche ich dir. Und wenn ich wiederkomme, dann sind du und Mama und ich wieder zusammen. Wir werden Spaß haben und wir werden Drachen spielen. Ich kaufe die ganz viel Eis und das darfst du dann alles auf dem Fußboden verteilen, wenn du willst. Aber versprich mir eines: Vergiss mich nicht, ja? Denk immer an deinen Vater und daran, dass du mich liebst und so sein willst wie ich, ja?! Verspreche es mir, Lloyd! Bitte!" Ich sah meinen Sohn an, der einige Sekunden lang versuchte die Worte zu verstehen. Was tat ich hier? Er wird mich nicht verstehen!
Mit einem lauten Krachen schlug ich das Fenster auf und die Scherben lagen überall verteilt. Mit meiner nackten Hand schob ich einige der Scherben auf der Fensterbank zur Seite und setzte Lloyd hin. "Ich liebe dich, Sohn." Ich gab ihm einen Kuss auf die Stirn und lief in Richtung Wald. "Dad!", schrie der Kleine und fing an zu weinen. Beim Rennen drehte ich mich kurz um, um ein letztes Mal nach ihm zu sehen: Er saß auf der Fensterbank. Er weinte und kreischte, schrie meinen Namen. Doch er blieb Sitzen. Wie versprochen."
Die Schlangen hatten uns entdeckt. Sie hatten uns entdeckt und waren am Gewinnen. "Wir müssen sofort weg von hier!", erklärte Jay panisch und ließ seinen Blick durch den Krater schweifen, der jede Minute in die Luft flog. "Aber nicht ohne meinen Sohn!" Nicht dieses Mal.
"Dad!"
Und zum ersten Mal seit Jahren hörte ich die Stimme meines Sohnes.
Mit einem Satz war ich oben angelangt und kämpfte mich vor. Meine Schwerter übernahmen das Denken für mich, während sie ein Mistvieh nach dem anderen in den Tod schickten. "Argh! Lasst den Jungen hier!" Sie warfen meinen Sohn runter. "Dad!"
Nein...
"Lloyd!" Für einen Moment blieb mein Herz stehen, nur um danach doppelt so schnell zu klopfen. Er lebte. Lloyd lebte! Die Schlangen waren nun unwichtig, ich musste zu meinem Sohn gelangen.
Ich nahm den Stab des Käfigs und zog meinen Sohn hinauf. Innerhalb Sekunden klammerte sich mein Sohn an mich fest.
"Mein Sohn..." Ich hielt in fest. Ich hielt ihn in den Händen. War das zu glauben?! Ich hatte meinen Sohn wieder! Ich hatte meinen-... "Die Reiszahnklinge gehört mir!" Kai!
Erst im Nachhinein fiel mir auf, dass ich für einen kurzen Moment besorgt war.
Erst im Nachhinein fiel mir auf, dass das an Lloyd liegen musste.
Erst im nachhinein fiel mir auf, dass das nicht noch einmal passieren durfte.
Es ist mir ungewiss wer sich mehr an den anderen klammerte: Lloyd an mir... oder ich an ihn. Wenige Sekunden später hob ich ihn hoch und brachte uns zu den anderen Ninja. Ich wollte hier weg. Es war Kai's eigene Schuld, dass er hinterher gerannt war. Sollte er doch hier bleiben. Ich hatte meinen Sohn!
"Aber was ist mit Kai?" Lloyd... machte sich Sorgen. "Kai!" Er rief dem Feuerninja zu.
Und dann geschah es. Mein Sohn wurde mir abermals weggenommen. Die Erde vor meinen Füßen brach in zwei und ich fühlte mich wie gelähmt. Ich konnte nur dabei zusehen wie mein Sohn hinabstürzte. "Lloyd!" Mein Herz zog sich zusammen, das durfte nicht wahr sein! "Lloyd!" Er landete zusammen mit der Erdplatte in dem Magma. "Dad!" Die Scholle trieb weiter über die Lava. "Dad! Ich versinke!" Und weg war all' meine Kraft.
"Wir müssen von hier verschwinden, sonst kommt keiner hier lebend raus!" Das konnte doch Wu nicht ernst meinen?! Mein Sohn war da drinnen! Er würde sterben!
"Aber mein Sohn!" Und plötzlich brach ein Teil der Decke entzwei und versperrte den Weg.
"Lloyd!" Ich werde sie alle töten, wenn sie mich jetzt nicht sofort loslassen!
"Lloooyd!" Ich werde mich die nächste Klippe hinunterstürzen!
"Lloyd!" Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr! Lasst mich los!
Ich war auf dem Deck. Ich stand an der Reling. Lloyd, wo bist du?! "Kai..." Wen interessiert schon Kai? Lloyd ist jetzt... tot. "Mein Sohn..."
Der Vulkan brach aus. Genau so wie alles andere auf dieser Welt. Ich war am Ende. Das konnte nicht wahr sein! Mach, dass das aufhört! Sofort! Bitte!
Plötzlich bemerkten wir etwas: Eine Kugel, die direkt auf uns zu flog. "Es ist Kai! Er hat sein wahres Potenzial entdeckt!" Oh Gott... bitte sag, dass...
"Hmpf!" Mit einem Poltern landete erst Lloyd, dann Kai auf dem Boden. Mein Sohn...
"Dad?" Mein Sohn zitterte immer noch, seine Stimme bebte. Doch er lebte. "Bist du es wirklich?" Mein Herz setzte für einen Moment aus. "Ja, ich bin's." "Dad?" Er blickte an mir hinab. "Warum hast du denn vier Arme?" Alle im Raum lachten und freuten sich, dass es ihm gut ging. Sie hatten sich auch Sorgen gemacht. Sie hatten ihn bei sich aufgenommen...
Lloyd drehte sich zu den Ninja und auch ich blickte nun zum Feuerninja. "Ich danke dir, Kai." Nicken.
Und dann kam das, wovor ich mich fürchtete seit ich lebte: "Ich wusste es, als ich eine Entscheidung treffen musste: Ich wollte die Reiszahnklinge unbedingt haben. Um zu beweisen, dass ich gut genug bin, um der grüne Ninja zu werden."
Nein...
"Aber dann erkannte ich, dass mein vieles Training um der beste Ninja zu werden gar nicht der Vorbereitung diente der grüne Ninja zu werden... sondern nur, um ihn zu beschützen."
Ich schaute zu meinem Sohn. So wie alle anderen im Raum. Anders als ich, waren sie erstaunt. Ich jedoch... ich war entsetzt.
"Äh, was denn? Warum guckt ihr mich auf einmal denn alle so an?"
In diesem Augenblick merkte ich, das ich nie etwas beeinflussen konnte. Ich hätte nichts ändern können. Misako hätte nichts ändern können.
Nya meldete sich zu Wort. "Das bedeutet..." Sie lächelte. Ich war schon längst zur Seite getreten.
Die Ninja nahmen ihre Waffen und brachten sie zu Lloyd.
Sie reagierten.
Sie reagierten verflucht nochmal!
"Lloyd ist der grüne Ninja!"
Wir haben's gemerkt, Wu! "Ich hatte immer gedacht es sei einer von euch, aber es war die ganze Zeit über er."
Lloyd's Blick. Voller Verwirrung. Doch als Wu bei ihm ankamen und die Waffen zu leuchten aufhörten, da... da lächelte er. Wusste er nicht, was das bedeutet?! Hatte niemand ihm etwas erzählt?! Doch. Das wusste ich.
"Das bedeutet..." Ich wollte mir sicher sein.
"Die Fronten haben sich verhärtet, Bruder. Trauriger weise ist unsere Familie nun noch gespaltener." Und schon wieder stand Wu an meinem Platz. Wir teilten die gleiche Liebste und nun... meinen Sohn würde ich nicht mit ihm teilen. Ganz bestimmt ni-... Lloyd!
Er kam auf mich zu, mit einem Blick, der mir das Herz zerriss.
"Bruder gegen Bruder."
Ich merkte, wie Lloyd den Kopf schüttelte. Leicht. Und betrübt. War das Unglaube?
"Und jetzt: Sohn gegen Vater."
"Aber versprich mir eines: Vergiss mich nicht, ja? Denk immer an deinen Vater und daran, dass du mich liebst und so sein willst wie ich, ja?! Verspreche es mir, Lloyd! Bitte!"
Ich habe den Teufel herausgefordert...
"Ich liebe dich, mein Sohn."
Und ich habe mich ihm verschrieben...
(2.316 Wörter)
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen4U.Com