~39~
Jungkook
Gelangweilt starre ich Löcher in die Luft, während die letzten Strahlen der Sonne noch durch mein Fenster scheinen. Die Musik, die aus meinen Kopfhörern dröhnt ist mir mittlerweile eine Spur zu laut, doch ich stelle sie nicht leiser, sondern lasse sie einfach weiterlaufen.
Seufzend lege ich mir den Arm über die Augen und atme tief durch. Ich weiss nicht, wieso ich heute so unmotiviert bin, aber mir fehlt zu einfach allem die Lust. Ich bin so antriebslos, dabei weiss ich nicht einmal wieso.
Vielleicht macht sich wieder einmal der Schlafmangel bemerkbar? Das könnte es durchaus sein... Es ist schliesslich nicht sehr gesund, als Teenager bis vier Uhr Morgens wach zu bleiben, um sechs für die Schule aufzustehen und dann Nachmittags von den fehlenden Schlafstunden nur etwa drei nachzuholen.
Und obwohl ich nun die Zeit dazu hätte, kann ich auch nicht einschlafen. Das ist zum verrückt werden!
Eine Weile liege ich so da und höre Seventeen, bis mir auf einmal einer der Stöpsel aus dem Ohr gezogen wird. "Hey!", beschwere ich mich augenblicklich und nehme meinen Arm von meinem Gesicht, um die Person anzumeckern, die mich in meiner Langweile gestört hat. Als ich jedoch die Augen aufschlage, blickt ein frech grinsender Taehyung auf mich herab, der den Ohrstöpsel in seinen Fingern hält. "Was hörst du denn schönes?", fragt er neugierig.
Ich lächle automatisch, bei seinem Anblick und zucke seufzend mit den Schultern. Daraufhin verdreht er die Augen und fährt mir durch die Haare. "So wortkarg heute", schmunzelt er und steckt sich den Ohrstöpsel selbst ins Ohr, bevor seine Augen zu leuchten beginnen. "Ich mag das Lied!"
"Du kennst tatsächlich Seventeen?", frage ich hörbar verwundert woraufhin er schnaubt. "Ich bin ein Naturtalent darin, Musik zu mögen, die nicht jeder kennt", lächelt er breit. Ich lache leicht und setze mich auf, während Taehyung es sich gegenüber von mir auf dem Bett bequem macht.
"Was machst du hier?", frage ich neugierig. Er grinst noch ein wenig breiter. "Brauche ich einen Grund, um dich zu sehen?", stellt er die Gegenfrage. Ich neige den Kopf. "Ja", beschliesse ich kurzerhand und entlocke ihm ein kleines Lächeln. Er lehnt sich vor und drückt mir einen Kuss auf die Wange. "Schön: Ich habe dich vermisst. Reicht dir das?", lässt er halblaut vernehmen und ich nicke hastig, bevor ich meinen Kopf senke und damit meine vor Verlegenheit roten Wangen verstecke.
Der Ältere lacht leise. "Wieso bist du nur so süss?", fragt er und ich schnaube. "Ich bin nicht süss!", maule ich, woraufhin er nur wieder lacht und sarkastisch nickt.
"Möchtest du irgendwas bestimmtes machen?", frage ich ihn und fahre mir durch die Haare. Ein verschmitztes Grinsen tritt auf sein Gesicht und er nickt langsam. "Ich habe da an etwas gedacht", bestätigt er und lehnt sich über das Bett. Verwirrt sehe ich nach unten und erkenne die Tasche, die er zuvor abgestellt haben muss, bevor er mich aus meinen Gedanken gerissen hat.
Er nimmt die Tasche, stellt sie auf das Bett und packt einen Laptop, Snacks und Filme aus. "Wie schön, dass du bereits alles organisiert hast", schmunzle ich belustigt, woraufhin er mit den Schultern zuckt. "Ein Filmabend geht immer, sei ruhig", weist er mich an, was mich zum lachen bringt.
Während der Rothaarige den Laptop anschaltet, nehme ich die DVDs auf meinem Bettlaken genauer unter die Lupe und komme nicht umhin, ein wenig zu kichern. "Da scheint jemand Disney sehr zu mögen", grinse ich leise. "Also heute scheinst du es wirklich darauf abgesehen zu haben, mich aufzuziehen, wo du nur kannst!", lacht Taehyung und fährt mir durch die Haare. Ich zucke mit den Schultern und picke einen mir bekannten Film aus der Ansammlung, die er mitgeschleppt hat.
"Können wir den sehen?"
Der Ältere sieht von der Packung Salzstangen auf, die er gerade dabei war, aufzumachen und wirft der DVD einen Blick zu. Beinahe augenblicklich erscheint sein Box-ähnliches Lächeln und er nickt. "Klar! Bärenbrüder ist toll!"
Zufrieden lege ich den Film beiseite und sehe mir die Sammlung weiter an, bis Taehyung sich mit einem tiefen Seufzen wieder bemerkbar macht. Der Ältere richtet sich in der Ecke der Wand ein schönes, bequemes Plätzchen her und lässt sich dann in die, von ihm dort hingelegten, Kissen sinken. "Und ich muss die Wand nehmen?", empöre ich mich.
Taehyung grinst nur breit. "Du kannst auch zu mir kommen", schlägt er vor und klopft auffordernd auf den freien Platz, zwischen seinen Beinen. Ich beschliesse diesen Platz der Wand vorzuziehen und krabble über das Bett zu dem Älteren hin, bevor ich mich vor ihm niederlasse und meinen Oberkörper zögerlich gegen seinen lehne. Kaum berühre ich seine Brust, spüre ich, wie er die Arme um meinen Bauch schlingt und mich ein wenig näher zieht. Ich seufze leise, voller Zufriedenheit und nehme den Laptop auf den Schoss.
Taehyung legt die DVD ein und kurz darauf startet der Film.
~~~
Gebannt hängen meine Augen am Bildschirm, bis schliesslich die Namen der Mitwirkenden eingeblendet werden. Erst dann seufze ich leise und lehne meinen Kopf zurück, bevor ich mir über die Augen wische und damit die Müdigkeit ein wenig vertreibe. Mittlerweile ist es nach elf und draussen bereits dunkel. "Tae?", brumme ich heiser, erhalte jedoch keine Antwort, weswegen ich mich etwas umständlich zum Rothaarigen umdrehe, nachdem ich den Laptop zugeklappt und zur Seite gelegt habe.
Als ich ihn mustere, kann ich nicht anders, als zu lächeln. Er scheint beim letzten Film weggepennt zu sein. Immerhin schläft er nun friedlich hinter mir, mit leicht offenem Mund und seinen Armen, immer noch um mich gelegt. Schmunzelnd lasse ich mich wieder gegen ihn sinken und schliesse die Augen, während ich tief durchatme.
Ich geniesse seine Nähe, sie beruhigt mich jedes Mal. Meinetwegen könnten wir Stunden so liegen, ich hätte keinerlei Probleme damit.
"Du hast Angst."
Ich beisse mir auf die Lippe und denke über Kais Worte nach. Die Vorstellung, dass Tae mein Freund wäre, macht mir in gewisser Weise Angst, ja. Ich habe Angst, ihm dann nicht gut genug zu sein. Vielleicht bin ich zu anhänglich und er ist genervt von mir? Vielleicht wacht er eines Morgens auf und denkt, dass das nicht funktioniert? Ich weiss nicht, ob ich damit einfach klar käme. Alleine die Vorstellung davon, ist mir unangenehm. Und ich will auch nicht, dass unser Kontakt danach irgendwie in die Brüche ginge.
Als er sich plötzlich bewegt, schrecke ich hoch und sehe, wie der Ältere im Schlaf sein Kinn im Schlaf auf seiner Brust ablegt. Eigentlich sieht das Bild einfach nur zuckersüss auch, doch er wird damit eine verdammt schmerzhafte Nackenstarre kriegen, weswegen ich beschliesse, dass er so nicht weiter schlafen kann.
Da ich Taehyung allerdings auch nicht aus seinem anscheinend so friedlichen Schlaf holen will, setze ich mich auf seine Beine und platziere meine Hände sanft an seinen Wangen, bevor ich seinen Kopf langsam hochdrücke. Allerdings scheint er wohl auf Berührungen empfindlich zu reagieren, denn er schreckt augenblicklich aus dem Schlaf und seine Hände schnellen zu meiner Taille.
"Verdammt, Kookie!", stöhnt Taehyung auf, kaum erkennt er, wer vor ihm sitzt. Ich kann das leise Kichern nicht unterdrücken. "Tut mir leid", wispere ich, "Aber ich wollte nur verhindern, dass du eine Nackenstarre hast. Ich wollte dich nicht wecken."
Er lächelt verschlafen. "Schon gut", brummt er mit einer hörbaren Morgenstimme. Dann blinzelt er mehrmals und sein Lächeln wird breiter. Er sieht gerade zu süss aus. "Wie spät ist es?", fragt er nach. "Nicht spät genug für dich, um zu gehen", grinse ich und sorge dafür, dass er leise lacht.
"Seit wann bestimmst du, wann es für mich Zeit ist, zu gehen?", raunt er leise und löst eine seiner Hände von meiner Taille, um mir ein paar meiner Haarsträhnen aus dem Gesicht zu streichen. Ich schlage die Augen nieder und zucke mit den Schultern. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich meine Hände noch immer an seinen Wangen platziert habe. Langsam lasse ich sie seinen Hals hinabwandern und lasse sie schlussendlich auf seinen Schultern ruhen.
"Tae?", murmle ich leise und höre, wie er fragend brummt. Als ich nach oben linse, erkenne ich, dass er die Augen bereits wieder geschlossen hat, bereit zurück in seinen Traum zu sinken.
"Mir hat jemand gesagt, dass ich Angst habe", beginne ich leise, woraufhin er seine Augen beinahe sofort wieder aufschlägt. Ich sehe Verwunderung in seinem Blick und lehne mich langsam vor. "Er hatte Recht", murmle ich, "Aber ich bin bereit, sie zu überwinden. Darf ich?"
"Das fragst du mich?", schnaubt der Ältere, "Ich werde dir sogar dabei helfen, sie zu überwinden, egal welche Ängste das sein mögen."
Ein sanftes Lächeln erscheint auf meinem Gesicht. "Mehr wollte ich nicht hören", flüstere ich und lehne mich weiter vor, bevor ich meine Lippen sanft gegen seine drücke.
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