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~46~

Jungkook

Taehyung parkt vor dem kleinen Wohnblock und wir steigen aus. Ich kann die laute Musik aus den offenen Fenstern dröhnen hören, auf dem Balkon stehen tanzende Leute und dem Anschein nach, hat Hoseok wohl die ganze Stadt eingeladen.

"Yoongi ist schon da", meint Taehyung, der gerade von seinem Handy aufsieht, bevor er es wegsteckt und seine Hand nach meiner ausstreckt. "Auf geht's - jetzt erlebst du, was feiern nach Jung Hoseoks Art ist." Sein Gesicht ziert ein breites Grinsen und ich runzle besorgt die Stirn. Ob mir diese Art gefallen wird?

Wir betreten das Treppenhaus, das ebenfalls bereits vollgestopft mit jungen Leuten ist, die allesamt irgendein Getränk in der Hand halten, lachen, wild durcheinander reden und auch tanzen. Die Luft ist stickig und heiss und ich drücke Taehyungs Hand fester, der mich sicher durch die Menschen zieht. 

Je näher wir Hoseoks Wohnung kommen, desto dichter wir die Menschenmenge im Block und umso lauter wird die energiegeladene Musik, mit einem Bass, der bald den Boden zum Vibrieren bringen könnte, wenn das so weiter geht. Manchmal rufen Leute Tae etwas zu, er nickt darauf hin nur und zieht mich schnell weiter. "Wer sind all diese Menschen?!", frage ich laut, um die Musik irgendwie zu übertönen. Er sieht mich erst verwirrt an, bis er die Worte zu verstehen scheint, sich zu mir hinabbeugt und in mein Ohr sagt: "Verschieden, Hoseoks Freunde, Studenten, wieder Freunde von Freunden..."

Wir drängen uns weiter an den Leuten vorbei, bis ich Yoongi an der provisorisch aufgebauten Bar erkennen kann. Diesmal bin ich derjenige, der Taehyung mitzieht, welcher alsbald mein Ziel entdeckt und mir damit freiwillig folgt.

"Hyung!", rufe ich laut gegen die Musik an, die ich inzwischen in meinem ganzen Körper spüren kann, so laut wie sie ist. Der Schwarzhaarige dreht sich zu uns um und lächelt leicht, als er uns erkennt. "Hi!", schreit er und hebt seinen roten Plastikbecher zum Gruss.

Taehyung nickt ihm lächelnd zu und stellt sich mit mir an die Bar. "Wie ist es bis jetzt so?", fragt er den Ältesten laut, der nur breit grinst. "Ist echt eine der besten Partys, die ich bis jetzt besucht habe", erwidert er, "Dein Freund weiss, wie man feiert!"

"Er weiss auch, wie er sich ins Koma sauft!", gibt Tae zurück und beide brechen in Lachen aus, bevor Yoongi sich mit einem weiteren Becher-heben verabschiedet und in der tanzenden, lauten Menge verschwindet. Taehyung dagegen wendet sich gänzlich den Flaschen an der Bar zu und nimmt zwei neue Becher, bevor er mich fragend anschaut: "Was willst du?", fragt er laut und ich mustere die vielen Getränke, bevor ich etwas unsicher frage: "Geht auch eine einfache Cola?"

Er lächelt breit und nickt, bevor er sich eine offene Flasche raussucht und sie in die Hände nimmt, um den Deckel abzuschrauben und einen der Becher damit zu füllen. "Da seid ihr!", ertönt plötzlich Hoseoks laute, aufgedrehte Stimme hinter mir und ich spüre seine Hand auf meiner Schulter, bevor er sich neben mich stellt und breit grinsend seinen Becher zum Mund führt.

Ich will gar nicht wissen, was da drinnen ist, aber es hat sicherlich einige Prozent Alkohol...

"Und? Wie findet ihr es bis jetzt?!", fragt er. "Du bist ein toller Gastgeber!", lacht Taehyung und will schon die Cola in meinen Becher füllen, als Hoseok die Flasche sieht und schneller reagiert, als ich es für möglich gehalten hätte. In Sekundenschnelle ist die Cola in seinem Besitz und genauso auch mein Becher. "Keine Chance!", schreit er über die Musik hinweg, "Heute wird nicht gekniffen!"

Ich sehe besorgt zu Taehyung, der die Augen verdreht und schon mit Hobi diskutieren will, ehe ich ihm die Hand auf den Unterarm lege und ihn so stoppe. Ein bisschen Alkohol schadet ja nicht, oder?

Hoseok achtet gar nicht mehr auf uns, während er verschiedenste  Flaschen nimmt und ein bisschen der Flüssigkeiten darin in meinen Becher schüttet. Er greift bereits zur nächsten, als Taehyung sich doch noch vorlehnt und sein Handgelenk packt. "Lass den Wodka da schön raus!", verlangt er, "Du musst nicht übertreiben!"

"Er verträgt das schon!", winkt Hoseok ab, doch dem Anschein nach festigt Taehyung seinen Griff und sein Blick wird härter. "Nein", sagt er laut genug, damit Hobi es gerade noch hören kann. Kurz sieht der mich an, bevor er den Wodka wieder wegstellt und mir dafür den Becher reicht. "Spezialrezept. Na los, trink schon!"

Unsicher umklammere ich den Plastikbecher und linse zu Taehyung, der nur tief seufzt und mir einen Blick schenkt, der mir zu verstehen gibt, dass Hoseok nicht locker lässt, bis ich wenigstens probiert habe. Zaghaft führe ich den Becher zum Mund und nehme probehalber einen Schluck. Überraschenderweise schmeckt das Getränk sogar verdammt gut und in nur wenigen Sekunden habe ich bereits die Hälfte getrunken, bevor ich Hoseok breit anlächle.

Der schenkt Taehyung einen triumphierenden Blick und klopft mir auf die Schulter. "Siehst du? Ist doch gar nicht so schlimm!", lacht er, "Ich lasse euch dann mal allein, man sieht sich!" Und schon ist der Dunkelhaarige wieder verschwunden.

Ich dagegen nehme wieder einige Schlücke von meinem Getränk und frage mich, was er dazugemischt hat, dass es mir sogar schmeckt. Taehyung scheint mein nachdenkliches Gesicht zu bemerken, denn wieder einmal lehnt er sich zu mir und sagt laut und deutlich: "Cola. Hast du das nicht mitgekriegt? Es braucht nicht einmal viel davon, aber es schmeckt dir."

Verdutzt starre ich die dunkle Flüssigkeit an, dann wieder Taehyung, bevor ich die letzten Schlücke in einem Zug leere und durstig zur Bar sehe.

"Taehyung!" Beide drehen wir uns um, als wir die kleine Gestalt auf den Rothaarigen zuhasten sehen. Er sieht nicht aus, als wäre es ihm bereits gestattet zu trinken, genau wie mir, und auch seine Grösse, lässt auf einen Jugendlichen schliessen. Er ist nur ein kleines bisschen grösser als ich.

"Jimin!", ruft Taehyung und lächelt breit. Die beiden umarmen sich kurz, bevor ich dem Silberhaarigen jungen Mann vorgestellt werde und sie sich unterhalten. Ich unterdessen lasse mir von einem weiteren Besucher der Party dasselbe einfüllen, wie er sich holen wollte, obwohl ich nicht danach gefragt habe. Er hat mir bloss einen neuen Becher grinsend in die Hand gedrückt, nachdem er ihn aufgefüllt hat und ist dann mit seinem wieder verschwunden.

Also trinke ich bereits das zweite alkoholische Getränk, welches ganz anders schmeckt, als das von Hoseok. Meine Kehle brennt, kaum nehme ich einen Schluck und irgendwie ist es bitter. "Ich hoffe, das ist Cola!", meint Taehyung und lehnt sich zu mir. Ich sehe erst überrascht zu ihm hoch, bevor ich breit grinse und mit den Schultern zucke, wissend, dass das da unmöglich Cola sein kann.

"Ich bin alt genug, um im Mass trinken zu können", erwidere ich frech auf seine Aussage und er hebt spöttisch eine Augenbraue, bevor auch er sich ein weiteres Mal den Becher füllt.

Es dauert nicht lange und ich fühle mich bereits ziemlich toll. Wie ich mich anfangs hier nicht wohlfühlen konnte, ist mir inzwischen schleierhaft. Ich amüsiere mich grossartig, bin allerdings noch nüchtern genug, um zu wissen, dass nach drei mir unbekannten Getränken mit Alkohol, die allesamt anders geschmeckt haben und zwei Shots, langsam Schluss mit dem Trinken sein sollte. 

Mittlerweile sitzen Taehyung und ich auf der hergerichteten Couch, ich auf seinem Schoss und am anderen Ende ein wild rummachendes Pärchen. Sie sind zumindest nicht die Einzigen, überall findet man Leute, die praktisch übereinander herfallen und wie das in Schlafzimmern oder hinter anderen geschlossenen Türen aussieht, möchte ich gar nicht wissen. Allerdings sitzt auch Tae nicht einfach untätig herum, sondern verteilt kleine, zarte Küsse auf meiner Schulter. 

Die Atmosphäre ist völlig befreit, keiner hat irgendwelche Hemmungen und auch die Musik ist toll. Als das Lied ein weiteres mal wechselt, springe ich auf die Füsse und drehe mich lachend zu Taehyung um, der verwirrt zu mir aufschaut.

"Ich will tanzen!", rufe ich laut und ergreife seine Hände, als Aufforderung, dass er mitmachen soll. Doch er schüttelt nur grinsend den Kopf. "Ich tanze nicht", erwidert er laut genug, dass ich es verstehen und einen Schmollmund machen kann. Er lacht nur leicht. "Geh du, ich sehe dir zu!", schlägt er vor, womit ich einverstanden bin und damit etwas weiter weg zu der tanzenden Menge hüpfe. 

Wenn ich noch vollkommen klaren Verstand gehabt hätte, wäre es mir sicherlich peinlich gewesen und ich hätte nicht auch nur eine Bewegung gemacht, doch dank des Alkohols in meinem Blut, finde ich nichts schlimm an der Tatsache, etwas zu tanzen und beginne deshalb auch relativ rasch, meine Hüften im Takt kreisen zu lassen.

Während ich ausgelassen mitfeiere, fällt mein Blick immer öfter auf Taehyung, der mich keine Sekunde aus den Augen lässt und gespannt meine Bewegungen mitverfolgt. Mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen lasse ich meine Schritte und Gesten absichtlich lasziver werden, verlangsame die Bewegungen und wende mich dem Rothaarigen zu, der nun meinen Blick sucht. Kaum findet er ihn und sieht das Lächeln auf meinen Lippen, fährt er sich durch die Haare, ehe er aufsteht und sich einen Weg zu mir bahnt.

Lachend fahre ich in meinem Tun fort, gehe ein wenig in die Knie, bis der Ältere vor mir steht und seine Hände an meinen Hüften platziert. Er zieht mich nahe an seinen Körper, beugt sich herab und raunt gerade so verständlich in mein Ohr: "Was soll das werden?"

Ich kichere nur, antworte ihm nicht und will weitertanzen, als er seinen Griff festigt und weiter spricht: "Ich bin nicht der Einzige, der das sieht, also lass das!"

"Du kannst ihnen ja zeigen, wem ich gehöre", grinse ich zu ihm hinauf und schon im nächsten Moment werde ich in einen innigen Kuss gezogen. Meine Hände lasse ich auf seinen Schultern ruhen, während seine hinab zu meinem Hintern wandern, wo er leicht hineinkneift und mir damit ein überraschtes Keuchen entlockt. Er übt mehr Druck auf meine Lippen aus, legt seinen Kopf schräg und löst sich erst dann, als ich ihn aufgrund von Luftmangel von mir drücke. 

Es dauert jedoch nicht lange, bis er mich wieder leidenschaftlicher als zuvor küsst und mir damit praktisch schon in der ersten Sekunde den Atem raubt. Ich weiss, er ist ein unglaublich guter Küsser, aber dieser Kuss toppt jeden vorherigen ohne Probleme. Hungrig erwidere ich und öffne bereitwillig meinen Mund ein wenig, als er meine Unterlippe sanft zwischen seine Zähne nimmt und leicht daran zieht. Das wir hier gerade inmitten von Fremden, ohne Hemmungen rummachen ist mir egal, ich nehme weder die Leute, noch die Musik wahr.

Jetzt gerade zählt nur noch Taehyung und ich koste jede Sekunde von dem hier aus. Der Rothaarige zieht mich noch ein Stück näher an sich und ich japse nach Luft, als ich die Beule in seiner Hose spüre, die gegen meinen eigenen Unterleib drückt.

Seine nächsten Worte bestätige ich mit einem beinahe willenlosen Nicken: "Wir sollten uns langsam zurückziehen..."

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