»68«
[Taehyung]
„Nein Taehyung, wehe du sagst sowas nochmal!", meinte Jungkook plötzlich, löste sich ein wenig von mir, damit er mein Gesicht in seine Hände nehmen konnte, um mich anzuschauen. Tränen waren bereits in seinen geröteten Augen, er weinte viel, seine Unterlippe zitterte schwach. „Du hast nicht versagt, nicht als Freund, auch nicht als Verlobter oder als zukünftiger Ehemann. Ganz im Gegenteil muss ich dir danken, weil du das alles überhaupt angesprochen, denn von allein hätte ich es dir nie erzählt, ich habe mich ganz einfach nicht getraut es zu gestehen. Mein Herz brennt, es tut mit jedem Schlag weh, weil ich mich fühle, als hätte ich dich damit betrogen, auch wenn es nicht so war. Es gibt keine Nacht, die ich nicht in Angst bin, weil ich das Gefühl habe, die Stimmen dieser Jungs zu hören, ihre Schritte, die immer näher auf mich zukommen oder ihre Hände, die überall an meinem Körp-", sagte der Jüngere, steigerte sich dabei immer weiter in die Erinnerung dieses traumatischen Erlebnisses rein, dass ich ihn aufhalten musste, indem ich meinen Zeigefinger auf seine Lippen legte.
„Sprich nicht darüber Jungkook, nicht jetzt. Deine Wunden im Herzen sind noch frisch, es wird sie nur noch tiefer schneiden, wenn du jetzt drüber redest und dich bildlich dran erinnerst. Ich weiß, was passiert ist, ich weiß es ganz genau und habe meine Schwierigkeiten damit, noch länger hier so stehen zu bleiben, denn meine Beine wollen bereits den Weg in Richtung zu diesen drei Jungs schlagen, um ihnen die Köpfe abzureißen, aber ich halte mich noch gut im Schacht. Das einzige, was gerade zählt, ist, dass jetzt jemand darüber Bescheid weiß, aber nicht nur irgendjemand, sondern dein Verlobter, der nun nicht mehr von deiner Seite weichen und dich immer beschützen wird, ja? Sei es auch nur vor den Gedanken, den Erinnerungen oder der Dunkelheit, ich werde dich keine Sekunde mehr allein lassen, dir helfen alles zu verarbeiten und auch dafür sorgen, dass sie ihre angemessene Strafe bekommen, sich an meinem Jungen vergriffen zu haben", knurrte ich die letzten Worte fast schon. „Sie müssen bezahlen dafür, wenn es nach mir ginge, auch mit ihrem Leben. Aber das entscheidet der Richter, nicht ich."
Auch wenn Jungkook in einer solch schrecklichen Position war, sah ich nur an seinem Blick schon, dass er das nicht wollte. Ihm wurde so viel Schlimmes getan, aber dennoch weigerte er sich, genau diesen Menschen ebenfalls etwas zu tun, gut aber, dass ich darüber zu entscheiden hatte oder besser gesagt mir das Recht dazu nahm, denn ich wollte keineswegs drei Männer frei draußen rumlaufen lassen, die meinem Verlobten weh getan hatten, ihn körperlich und seelisch verletzt, seine Naivität nutzten, seine Schwäche, mental wie physisch.
„Wie wäre es, wenn wir uns jetzt erst einmal etwas zu Essen machen, dann einen schönen Film schauen und nachher vielleicht noch ein Bad nehmen? Vielleicht würde dir auch eine Massage gut tun, du wirkst gerade sehr verspannt", schlug ich vor und bekam sofort schon ein Nicken als Antwort.
[...]
Es war nun schon sehr spät, vielleicht zwei Uhr in der Nacht, ich wusste es nicht, ich hatte keine Uhr bei mir. Jungkook war bereits am Schlafen, er schien gerade so ruhig und friedlich, ohne all die schrecklichen Gedanken, die er all die Zeit wohl mit sich hat tragen müssen, was mir das Herz nur brach. Mir war sehr wohl bewusst, dass er nur so ruhig und tief schlafen konnte, weil ich an seiner Seite war, aber gerade der Unfall den ich vor kurzem erst gehabt hatte, bewies mir, wie schnell das ganze Leben einfach vorbei sein konnte und das beunruhigte mich wiederum, weil ich regelrecht Angst davor hatte, so etwas könne wieder geschehen und ich ließe Jungkook dadurch allein in dieser gefährlichen Welt, die ihm nur schaden wollte. Zwar hatte ich diesen Gedanken schon von Anfang an, als ich ihn damals kennenlernte und er gerade einmal elf Jahre alt war, dass ich ihn mit meinem Leben zu beschützen hatte, jetzt aber war es nicht nur länger ein Gedanke, ich musste es praktizieren und dafür sorgen, dass er, im Notfall auch ohne mich, ein problemfreies Leben haben konnte.
„Es gibt so viel, um das wir uns tagtäglich Sorgen machen müssen, da fällt es einem wirklich schwer das Leben zu genießen", murmelte ich, um den Jüngeren nicht zu wecken, während ich mit den Fingerspitzen durch sein seidig weiches, braunes Haar ging. Wir hatten viel zusammen erlebt, aber es gab nur wenige Momente, in denen wir wirklich etwas unternommen hatten, um schöne Erinnerungen zu sammeln, jedenfalls seitdem wir zusammengekommen waren.
Aus diesem Grund griff ich vorsichtig nach meinem Handy, da Jungkook in meinen Armen lag und ich ihn keinesfalls wecken wollte, und ging ins Internet. Vielleicht war ich nicht ganz so romantisch wie ich mal dachte, schließlich lag ich mit meinem Verlobten gerade im Bett und musste googeln, was Paare denn so romantisches machten, um schöne und unvergessliche Erinnerungen zu sammeln.
Beinahe die ganze Nacht verbrachte ich also damit, die nächsten Wochen mit vielen, schönen - das hoffte ich jedenfalls - Ausflügen zu planen, um von Großstadtleben, all dem Stress der Arbeit und den dunklen Gedanken hier eine Auszeit zu bekommen, den Kopf frei zu machen und unsere Zweisamkeit genießen zu können.
Außerdem hatte ich vor, auf einem dieser Ausflüge anzusprechen, wann wir denn heiraten würden, denn länger warten konnte und wollte ich auch nicht. Jungkook sollte jetzt schon mein Ehemann werden, ich hoffte auch er würde nicht allzu traditionell sein, um seinen Namen zu behandeln, sondern nähme meinen an, es war ein Wunsch meinerseits.
„Kim Taehyung und Kim Jungkook", flüsterte Ich ganz leise, musste dann breit Grinsen und wurde wahrscheinlich sogar rot, wie ein Teenie-Girl, dass sich gerade Bilder von irgendeiner Boyband anschaute und sich vorstellte, wie sie jeden einzelnen der Sänger heiraten würde.
———
Taehyung kennt uns alle wohl zu gut :p
Ich warne jetzt schonmal vor extremen Fluff in den nächsten Kapiteln, es wird extrem süß, bitte bekommt kein Diabetes davon!
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