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80🍁

Jungkook

Ich war noch wach, selbst wenn es schon nach Mitternacht war. Ich fand einfach keinen Schlaf und ich konnte mir auch vorstellen, wieso; da war diese unterschwellige Nervosität, die schon seit einigen Stunden von mir Besitz ergriffen hatte und mich nicht mehr losliess.

Und Taehyung, der neben mir lag, schien es ähnlich zu ergehen. Er drehte sich in diesem Moment mit einem gestressten Seufen zur Seite, doch ich reagierte gar nicht mehr darauf, denn das hatte er, seit wir uns hingelegt hatten, oft getan. Stattdessen blickte ich einfach hoch, an meine Zimmerdecke, schwieg und versuchte, mich auf meine Atemzüge zu konzentrieren und mich durch tiefes, regelmässiges Atmen etwas zu entspannen.

Zumindest, bis ich spürte, wie Taehyung noch näher an mich heranrutschte, als er schon war. Er zog sich halb auf meine Brust und legte seinen Kopf mit einem weiteren Seufzen auf meinen Oberkörper, direkt über die Stelle, wo sich mein Herz befand. Seine Arme schlang er um meinen Oberkörper. Ich begann zu lächeln und hob meine eigenen Arme; einen legte ich locker über seine Taille und mit der freien Hand fuhr ich durch seine weichen Haare.

Der Ältere erstarrte für einen Moment in meinen Armen, dann jedoch hob er seinen Kopf ein wenig und sah zu mir hoch. "Du bist noch wach?", murmelte er leise, hörbar überrascht, "Oder habe ich dich gerade geweckt? Das wollte ich nicht."

Ich schenkte ihm ein liebevolles Lächeln und schüttelte vage meinen Kopf. "Alles gut", beschwichtigte ich ihn mit sanfter Stimme, auch wenn sie etwas rau klang. "Ich konnte nur nicht einschlafen..."

Er lächelte sichtlich erschöpft zurück, als er erwiderte: "Ich auch nicht."

"Du brauchst Schlaf, Hyung", wisperte ich seufzend und liess von seinem Haar ab, um mit dem Daumen zart unterhalb seines rechten Auges über den dunklen Ring zu streichen, "Du hast die letzten Tage schon nicht gut geschlafen..."

Tae senkte bloss seinen Blick auf meinen Brustkorb und zog eine Hand unter meinem Rücken hervor, bevor er seine Finger leicht in den Kragen meines Shirts hakte und abermals leise seufzte.

"Ich hab Angst, Jungkook", gestand er mir plötzlich. Seine Worte waren nichts weiter, als ein tonloses Hauchen und ich schluckte leer, als er sie ausgesprochen hatte. Was sollte ich darauf sagen? Ich hatte genauso Angst und es wäre eine riesige Lüge, zu behaupten, dass er keine zu haben brauchte.

Doch der Braunhaarige erwartete wohl auch gar keine Reaktion von mir, denn er sprach schon wieder weiter, nun auch etwas lauter.

"Was, wenn etwas schief geht?", wollte er mit belegter Stimme wissen, "Wenn man uns erwischt? Jungkook, wir wollen unschuldige Menschen ausrauben!"

Als er wieder zu mir aufblickte, stand die pure Verzweiflung, gemischt mit Angst und Schuld in seinen Augen. Ich biss mir auf die Lippe und nickte langsam. Ich verstand ihn, es war ja nicht so, als ob ich mir keine Gedanken darüber gemacht hätte. Was wir vorhatten war kriminell und auf keinen Fall richtig, doch was wollten wir sonst tun?

Letzte Woche war Tae mit geprellten Rippen bei mir aufgetaucht, mit blauen Flecken verteilt auf seinem ganzen Oberkörper und Malen an seinem Hals, die ganz so aussahen, als wären es Finger gewesen, die ihn grob gewürgt hätten.
Auf meine Frage hin, hatte er nur den Kopf gesenkt und der nächste Heulkrampf hatte ihn geschüttelt.

Jede Woche waren seine Verletzungen schlimmer und ich wollte mir die kommenden gar nicht mehr vorstellen. Bevor Taehyung das verlangte Geld auf legale Weise kriegen könnte, würden diese Männer ihn vorher tot geprügelt haben. Ich war froh, dass er den Kerlen diese Woche noch nicht begegnet war und ich wollte nicht, dass auch nur einer von ihnen sich meinem Freund auf hundert Meter näherte. Gerne hätte ich behauptet, dass ich dann selbst zum Mörder werden und diesen beiden das Leben zur Hölle machen würde, doch gegen diese Typen kam ich einfach nicht an.

Ich konnte mir das nicht länger mit ansehen und ich wollte auch gar nicht. Mir war klar, dass dieser Weg nicht der Beste war, denn wir würden ein Verbrechen an unschuldigen Leuten begehen. Aber wir machten das doch auch nicht zum Spass. Wir würden Unschuldigen Geld stehen, doch wir taten das doch bloss, weil wir jemand anderen, unschuldigen beschützen wollten.

Wenn es hiess, ein Verbrechen zu begehen, um die Person zu beschützen, die ich liebte, dann würde ich dieses Verbrechen begehen.

"Ich weiss", erwiderte ich leise auf seine Worte hin, "Ich wünsche mir auch, wir müssten das nicht tun, Tae, aber wir haben nicht mehr die Zeit, das Geld anders anzuschaffen." Ich legte meine Hand an seine Wange und merkte, wie er sich an sie schmiegte und seine Augen schloss. "Ich hoffe, dass alles gut geht", murmelte er mit zerbrechlich klingender Stimme.

Ich nickte zustimmend und setzte mich dann langsam auf. Taehyung ging von mir runter, tat es mir jedoch gleich. In der Dunkelheit, die die Nacht mit sich brachte, musterte ich seine schemenhaften Züge, die ich gerade noch erkennen konnte und streckte meine Hände aus, legte sie an seinen Hüften ab, bevor ich ihn leicht an mich heranzog. Taehyung verstand den Wink und kletterte etwas unbeholfen auf mich, sodass er rittlings auf meinem Schoss hockte.

Ich lehnte mich zu ihm und platzierte einen sanften Kuss auf seinen Lippen. "Selbst wenn nicht", wisperte ich gegen diese und merkte, wie er erschauderte, "Denk immer daran, was wir mit Namjoon Hyung abgesprochen haben: Sollte es einen von uns treffen, verraten wir die anderen nicht. Dann nehmen die beiden das Geld und dann gibst du es sobald du kannst diesen Typen, ja?"

Tae holte tief Luft und nickte dann langsam, bevor er den Abstand zwischen unseren Mündern überbrückte und einen zweiten Kuss startete. Aufseufzend erwiderte ich auf den sanften Druck seiner Lippen und hielt ihn ein wenig fester. Ich neigte meinen Kuss, wurde leidenschaftlicher und registrierte zufrieden, wie der Ältere darauf einging, seine Hände in meine Haare fahren liess und sich so festhielt, während ich ihn näher zog, als er mir schon war. Als ich mich wieder etwas von ihm löste, spürte ich seinen hektischen, heissen Atem auf meinem Gesicht, da ich mich nur wenige Millimeter von seinen Lippen entfernt hatte.

Ich begann seinen Kiefer und seinen Hals mit Küssen zu versehen, konnte kaum genug davon kriegen und vergrub meine Nase an seiner Haut, bevor ich sanft hinein biss und ihm ein leises Aufkeuchen, gefolgt von einem rauen, leisen Seufzen entlockte. Der Griff in meine Haare wurde fester, er zog etwas an ihnen und schmiegte sich dichter an mich heran und ich lächelte glücklich, während ich mich hinab zu seinen Schlüsselbeinen küsste, die verführerisch durch den weit geschnittenen Kragen seines Sweatshirts hindurch blitzten.

"Ich liebe dich", wisperte ich gegen seine Sonnengeküsste Haut und spürte gleich darauf, wie er seine Hände aus meinen Haaren löste, dafür eine an meine Wange legte und die andere gänzlich durch die Strähnen fahren liess. Mit einem geniesserischen Seufzen schloss ich meine Augen, lächelte sanft und nahm die zarte, liebevolle Berührung war, genoss sie vollkommen und bemerkte, wie er meinen Kopf sanft hochdrückte, damit ich ihn wohl ansah.

Ich kam dieser stillen Aufforderung halbwegs nach, öffnete meine Augen einen Spalt weit und beobachtete meinen Freund, der seine Hand weiterhin durch meine dunklen Haare wandern liess und mit dem Daumen der anderen sachte über meinen Wangenknochen strich.

"Ich liebe dich", wiederholte er meine Worte mit einem kleinen Lächeln und lehnte sich vor, um unsere Lippen zu einem weiteren, gefühlvollen Kuss zu vereinen, den ich glücklich erwiderte.

Ich war mir dessen noch micht bewusst, doch es war das letzte Mal für eine lange, lange Zeit, dass ich diese Worte aus seinem Mund hörte...

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