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Taehyung Pov
Ich frage mich, ob andere Menschen mitkriegen wann sie einschlafen. Alles was ich spüre ist die Müdigkeit, die mich überkommt und mich in den Schlaf geleitet, auch wenn ich versuche wach zu bleiben. Ich habe angst davor zu schlafen, Angst vor der Dunkelheit, die mich dann überkommt und den Bildern, die ich dann sehe.
"Wie geht es dir heute, Taehyung?", fragt er und schenkt mir erneut eines dieser Lächeln, die Vertrauen in mir erwecken sollen, aber alles was ich darin sehe ist ein Spiel mit meinem Verstand.
"Wie immer", antworte ich und schaue mich im Raum um, aber es sieht aus wie immer. Dieselbe Couch, auf der ich mich wohl fühlen soll, während mir die selben Fragen gestellt werden, jedes mal zur selben Uhrzeit von demselben Mann.
Es ist alles eintönig, alles langweilig. Es ist mein Leben.
"Wie lange hast du geschlafen?", fragt er erneut und kritzelt seine Notizen auf das Blatt Papier vor ihm.
"Gar nicht."
"Und du warst trotzdem im stande die Waffe zu halten und zu treffen?"
"Ich könnte die Waffe selbst dann halten, wenn ich blind wäre. Sie ist ein Teil von mir."
"Dann war es sicher nicht schwer für dich abzudrücken."
Seine Stimme verändert sich bei diesen Worten, aber als ich aufsehe um herauszufinden was sich plötzlich verändert hat, sitzt er nicht mehr auf der anderen Seite des runden Tisches, sein Platz ist leer und der gesamte Raum fängt an sich zu drehen.
Wir befinden uns nicht länger in seinem Büro, sondern an einem anderen Ort, der mir bekannt vorkommt. Es ist noch dasselbe Gebäude, oder sollte ich besser sagen dasselbe Haus, nur ist dieser Raum viel größer.
Bevor ich überhaupt sehe was sich hier abspielt, tauchen vor mir Gestalten auf. Sie liegen vor mir auf dem Boden, der Geruch des Blutes dringt mir in die Nase und löst erneut einen Würgereiz aus.
Ich kenne diese Menschen. Ich kenne sie, aber wieso liegen sie alle mit einem Loch in ihrer Brust vollkommen regungslos vor mir?
Ich hebe die Hände an meinen Kopf um mir an die Schläfen zu fassen, als mir auffällt, dass ich etwas in meiner linken Hand halte und als ich sehe was es ist, lasse ich die Waffe sofort los, als könnte ich mich daran verbrennen.
Meine Augen füllen sich aus irgendeinem Grund mit Tränen und ich fange an zu schreien.
Mir wird schwindelig, als sich der Raum erneut anfängt zu drehen und die Menschen auf dem Boden verschwinden. Die Wände komme näher auf mich zu, bevor auch sie verschwinden und ich die kalte Luft und die erbarmungslose Kälte des Winters spüre.
Ich befinde mich nicht mehr im Haus, das hier ist eine Gasse und ich stehe auch nicht länger, ich liege mit unerträglichen Schmerzen in meinem ganzen Körper auf dem harten Boden zwischen Müllsäcken.
Stärker als der Schmerz ist allerdings die Trauer. Manche Menschen sagen sterben wäre einfach. Das man nichts weiter tun müsse als die Augen zu schließen und sich gehen zu lassen, aber das stimmt nicht. Sterben ist schwer, denn während du stirbst, fallen dir all die Dinge ein, die du falsch gemacht hast, all die Fehler die du begangen und nicht mehr rückgängig machen kannst.
Dir fällt auf wie alleine du bist, wie alleine du dein gesamtes Leben warst und das du jetzt genauso alleine sterben würdest.
"Taehyung", höre ich eine Stimme leise meinen Namen flüstern und warme Finger meinen Rücken entlang wandern als mir mein Pullover hochgezogen wird.
Es ist komisch, denn obwohl mir kalt sein sollte, wo es doch Winter ist, ist mir warm als jemand mir sanft über den Hinterkopf streicht.
"Du darfst nicht sterben", sagt die Stimme erneut.
Ich kann mich nicht umdrehen um zu sehen, zu wem sie gehört, aber alleine zu wissen das jemand neben mir ist, das ich in einem solch erbärmlichen Moment nicht ganz alleine bin, reicht mir um meine Augen zu schließen und mich zu entspannen.
"Es tut mir leid."
Wenn ich in diesem Moment genug Kraft besessen hätte um zu schreien, dann hätte ich das getan, aber meine Kehle ist vollkommen ausgetrocknet, alles was ich zustande bringe ist ein Wimmern als ich spüre wie mir jemand etwas scharfes oben in die linke Schulter bohrt und meinen gesamten Rücken nach unten Rechts zu meiner Hüfte zieht.
"Verzeih mir", sagt die Stimme erneut, aber der sanfte Klang vermischt sich mit dem verzweifelten Wimmern von mir und lässt die Worte wie einen Witz klingen.
"Ich hoffe du wirst diesen Schmerz irgendwann vergessen."
Plötzlich verschwindet die Wärme und die Stimme, die eben noch mein Begleiter war. Das letzte was ich höre sind die hastigen Schritte als ich die Augen schließe.
Vergessen. Das wäre schön. Aber ich möchte nicht nur diesen Schmerz vergessen, ich möchte mich an nichts mehr erinnern. Nicht an diese Schmerzen, nicht an meine Taten und auch nicht an mein Leben.
Ich möchte mich selber vergessen.
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