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Jungkook Pov
Die kalte Luft in dem sonst so warmen Zimmer reißt mich aus meinem Traumlosen Schlaf und lässt mich müde die Augen öffnen.
Es ist noch dunkel und ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es erst zwei in der früh ist und damit noch viel zu früh für mich um wach zu sein, aber es scheint als würde Tae das ganze anders sehen.
Der Platz neben mir auf dem Bett ist leer, das Kissen ist aber nicht mehr da. Hat er etwa keine Lust mehr neben mir zu schlafen und hat sich wieder ins Wohnzimmer zurückgezogen?
Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und tapse in der Dunkelheit mit den Armen voraus bis zur bereits offen stehenden Zimmertür. Vielleicht ist er sich auch nur ein Glas Wasser holen gegangen, aber wer weiß, vielleicht ist ihm was zugestoßen.
Als Arzt erlebt man nun mal so manche Sachen, da verletzen sich einige Patienten zum Beispiel bei dem Versuch das Bett zu verlassen um auf die Toilette zu gehen. Ich halte Taehyung nicht für einen meiner Patienten, aber in letzter Zeit benimmt er sich komisch.
Ich dachte eigentlich, nachdem ich ihm versichert habe, dass er mit mir über alles sprechen kann, würde er sich entspannen und sich tatsächlich mehr öffnen, aber das Gegenteil war der Fall.
Eine Zeit lang ging es ihm besser, er lächelte wieder häufiger und war in meiner Gegenwart entspannter, aber die Besserung hielt nur kurz an. Sein Zustand verschlechterte sich langsam wieder, sein Lächeln wurde immer seltener und auch wenn es zwischendurch ein paar Augenblicke gab in denen er glücklich wirkte, ging immer noch etwas bedrückendes davon aus.
Ich kann nicht anders als mir Sorgen machen, vor allem nach dem was mir Jimin erzählt hat, denn trotz der Konfrontation mit Taehyung, hat dieser mir immer noch nichts gesagt. Er weiß etwas, aber er spricht es nicht aus und schweigt lieber.
Fast renne ich wieder ins warme Zimmer zurück, als die kalte Luft mir beim verlassen entgegen schlägt und mir selbst die letzte Müdigkeit austreibt.
Es dauert nicht lange bis ich den Grund dafür entdecke. Die Haustür steht weit offen, auf dem Parkettboden hat sich eine Pfütze gebildet, die der Wind mit dem Regen hier herein geweht hat.
Verdammt. Was ist hier los? Ich brauche mich nicht fragen, wer die Tür aufgemacht und sie offen gelassen hat, immerhin kommen dafür nur zwei Personen in Frage und eine davon bin ich.
Aber warum ist sie offen und wo ist Taehyung hin nachdem er sie geöffnet hat?
Ich schnappe mir irgendeine Jacke aus der Garderobe und schlüpfe in die Hausschuhe, die seit Monaten unbenutzt im Schuhschrank stehen, bevor ich mir den Schlüssel auf der Kommode schnappe und vor die Tür trete, aber als ich nach dem Griff greife um sie hinter mir zu schließen, springt mir eine Gestalt ins Auge die da ohne sich zu rühren zwischen den Büschen hockt.
"Gottverdammte Scheiße!", rutscht es mir laut heraus und ich fasse mir an die Brust als mein Herz fast stehen bleibt.
Es ist nach wie vor Dunkel und außer seinen Umrissen erkenne ich kaum etwas, aber jeder würde sich erschrecken wenn er da jemanden so offensichtlich versteckt sehen würde.
"Taehyung!", rufe ich ihn, aber er hat mir den Rücken zugewandt und scheint mich entweder nicht zu hören oder gekonnt zu ignorieren.
"Tae?", versuche ich es erneut, dieses mal leiser und mache ein paar Schritte auf ihn zu. Er ist vollkommen Still, nicht mal die Kälte scheint ihm was auszumachen während er da vollkommen regungslos hockt.
Alles was mir verrät, dass es sich bei ihm nicht um eine Schaufensterpuppe, sondern tatsächlich um einen echten Menschen handelt ist sein Haar, das sich im Wind bewegt.
Ich lege ihm eine Hand auf die Schulter, ziehe sie aber sofort erschrocken zurück, als er herum fährt und auf seinem Hintern landet. Er dreht den Kopf zur Seite, hält die Arme schützend vor sein Gesicht und kneift die Augen zusammen.
"Bitte nicht", fleht er mich mit zitternder Stimme an. "Es reicht, bitte hör auf damit."
Mit gerunzelter Stirn starre ich ihn an, Verwirrung und Sorge beherrschen meine Gefühlswelt. "Tae, wovon redest du? Ich tue dir nichts."
"Ich war es nicht. Ich war es nicht. Ich war es nicht."
"Tae", versuche ich ihn erneut sanft mit seinem Namen aus dem Zustand zu holen indem er sich befindet, aber er schüttelt nur wie wild mit dem Kopf und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht.
"Ich war es wirklich nicht", sagt er noch lauter und verzweifelter. "Hör bitte auf damit."
"Tae!"
Dieses mal lasse ich mich nicht von seiner Angst verunsichern. Ich packe ihn an seinen Schultern und obwohl er zappelt wie ein Fisch im Netz, bleibt mein Griff fest während mein Blick seinen sucht.
Jetzt weiß ich was Jimin damals meinte als er sagte Taehyung sei nicht im Krankenhaus gewesen obwohl er es ganz offensichtlich war. Er meinte, dass Tae rein physisch da war, aber die Gedanken waren wo anders. Genau wie jetzt.
Er sieht mich nicht, er ist in irgendeiner Erinnerung gefangen und er glaubt sich dort zu befinden, nicht vor meiner Haustür zwischen den Büschen und mit Erde auf seinen Händen das er ansieht wie Blut.
"Beruhige dich", sage ich dieses mal leiser und wage es einen Griff zu lösen und ihm die Hand auf die Wange zu legen. "Weißt du wo du bist?"
"Es ist kalt." Auch seine Stimme ist jetzt leiser, ruhiger, man könnte fast meinen emotionslos. "Es ist so kalt."
"Dann lass uns rein gehen."
Ich halte ihm eine Hand zur Hilfe beim aufstehen hin, aber er sieht sie nur eine Weile an ohne etwas zu sagen. Es ist still, während der Regen uns durchnässt und der Wind sich auf unserer Haut anfühlt wie Peitschen.
Er öffnet den Mund und der helle Mond an diesem Abend glitzert in seinen Augen als er spricht.
"Du wirst mich umbringen."
Seine Worte verwirren mich, aber was ich mir noch viel weniger erklären kann ist, dass er trotzdem auf mich reagiert statt vor mir davon zu laufen.
Ich weiß nicht was er denkt, ich weiß nicht was er gerade gesehen hat, aber würde nicht jeder andere Mensch die Hand weg schlagen, wenn sie jemandem gehört, der einem das Leben nehmen will?
Trotz allem legt er seine Hand in meine und klammert sich daran fest, als fürchte er ich könnte sie ihm gleich weg reissen.
Warum klammert er sich trotz seiner Angst an die Hand, von der er denkt das sie seinen Tod bedeuten könnte?
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