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Taehyung Pov
Ich streiche mir die Haare aus dem Gesicht und fahre mit meiner Zunge über meine trockenen Lippen. Manchmal ist selbst der längste Schlaf nicht erholsam für mich, aber nach einer hektischen wie gestern Abend sind einige wenige Stunden wie der Himmel auf Erden.
Es sei denn du wachst auf und findest die Erde, in die du gestern deine Hände wie ein verrückter vergraben hast, am nächsten Morgen in deinem Bett wieder. Überall auf der weißen Bettwäsche sind die Abdrücke meiner Hände zu sehen und als ich in den Spiegel am Schrank direkt gegenüber davon sehe, bemerke ich das auch mein Gesicht nicht verschont geblieben ist.
Das schlimmste ist aber nicht der ganze Dreck auf meinem Bett, sondern die Tatsache das ich mich an all das erinnere. Wieso kann man nicht entscheiden an welche Ereignisse man sich erinnern möchte und welche man in einer Tonne ganz weit weg entsorgen kann?
Denn leider erinnere ich mich nur zu genau an das was gestern Abend geschehen ist. An das was ich getan und das was ich zu Jungkook gesagt habe, wobei die Wörter wahrscheinlich schlimmer waren als die Taten.
Ich weiß, das er sich den Kopf darüber zerbricht was ich ihm verheimliche, ich weiß, dass er darauf wartet das ich es ihm von mir aus sage, aber er weiß nicht, das ich es ihm nicht sagen werde. Lieber schlafe ich wieder auf der Straße.
Mein Name ist Taehyung. Meinen Nachnamen kenne ich nicht, genauso wenig wie mein Alter, aber ich sehe jedes mal dieselben Bilder, ich höre jedes mal dieselben Stimmen und ich habe das Gefühl, als wäre ich in meinem Leben, an das ich mich nicht erinnere, ein schrecklicher Mensch gewesen.
Ich sehe immer wieder diese fünf Menschen vor mir, alle mit einem Loch in der selben Stelle in der Brust und so viel Blut, das aus der Wunde fließt. Es ist schlimm genug diese Leichen zu sehen, aber noch schlimmer ist zu wissen, dass du Schuld an diesem Zustand bist. Ich habe die Waffe in der Hand.
Jedes Mal fangen die Bilder damit an, dass ich in einem Sessel gegenüber von diesem etwas älteren Mann sitze und der Raum sich dreht, bevor ich mitten im geschehen stehe, die Schusswaffe in der Hand und das Blut an meinen Händen kleben.
Das erste Mal war mich schlecht, so unglaublich schlecht das ich dachte ich würde nie mehr damit aufhören mich zu übergeben. Das zweite Mal war es nicht anders, aber jedes weitere Mal wird es eintöniger, es fühlt sich an wie ein Film, den man zu oft durchgekaut hat und das erschreckt mich.
Es wird immer Normaler für mich.
Ich schwinge die Beine über den Rand des Bettes und schleppe mich trotz des zitterns durch die Tür und in die Küche während ich mich an den Wänden abstütze. Mein Kopf schmerzt wie nach einer Partynacht, fragt sich nur woher ich überhaupt weiß wie sich das anfühlt.
Es ist komisch woran ich mich eigentlich erinnere, an so nutzlose Dinge, Wissen das keiner benötigt, aber an die Sachen, die mich ausmachen und die mich formen, an die erinnere ich mich nicht.
Sofort öffne ich den Kühlschrank und schnappe mir eine der viel zu überteuerten Wasserflaschen. Ich genieße das Gefühl in meinem trockenen Mund und atme erleichtert aus als ich die Flasche wieder absetze und auf dem Küchentresen ablege.
Nur kurz wandert mein Blick durch die offene Küche ins Wohnzimmer, wo ich Jungkook zusammengekauert auf der Couch liegen sehe. Die dünne Decke, in die er sich wie ein Schmetterling in sein Kokon eingewickelt hat spendet ihm wohl kaum den gewünschten Schutz vor der Kälte, die das Wohnzimmer beherrscht.
Trotz der Schmerzen und der Müdigkeit schlürfe ich auf ihn zu und hebe die Decke an. Dann lege ich mich schnell neben ihn, bevor ich uns beide wieder zudecke und die Arme von hinten um ihn schlinge.
"Tae...", sagt er mit schwacher Stimme und legt seine Hand auf meine um sie zu entfernen, aber ich halte sie fest und kuschel mich noch enger an ihn.
"Tae, geh weg bevor ich dich anstecke." Er versucht erneut meinen Griff um seinen Bauch zu lösen, aber ich lehne meine Stirn einfach an seinen Nacken und schließe die Augen während ich einfach nur seine Nähe genieße.
"Ich habe Fieber und ich möchte nicht das du dich ansteckst."
"Ist mir egal."
Ich gehe nicht weiter auf die Sache mit dem Fieber ein, was soll ich auch tun? Klar könnte ich ihn pflegen, aber ich könnte das niemals besser als er, wo er doch Arzt ist und außerdem scheint er, der Medizin auf dem Tisch zu urteilen, bereits dabei zu sein sich selber zu behandeln.
"Bitte lass mich bleiben", hauche ich gegen seinen Nacken und drücke ihm einen kurzen Kuss auf die kochend heiße Haut.
"Möchtest du darüber reden was gestern vorgefallen ist?"
Sofort ist die Anspannung wieder da, mein ganzer Körper verkrampft sich und ich möchte meine Hände gerade lösen um aufzustehen, als er mich festhält.
Er dreht sich um und vergräbt sein Gesicht mit geschlossenen Augen an meiner Brust, die Hände schlingt er um meine Taille und die Beine um meine eigenen.
"Du brauchst nichts sagen, bleib einfach bei mir. Geh nicht weg."
Seine Stimme ist Rau und leise, was seinen Worten noch mehr Ausdruck verleiht. Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht wie Jungkook sich wohl fühlt, weil er für mich immer einen sehr sicheren Eindruck gemacht hat, aber gerade kommt mir zum ersten Mal ein anderer Gedanke.
Er ist vielleicht Arzt, aber auch die können krank werden, auch sie können leiden, denn letztendlich sind sie auch nur Menschen.
Seine Worte gerade waren nicht nur auf die jetzige Situation bezogen, das ist dank der Trauer in seiner Stimme offensichtlich. Obwohl es mir schwer fällt es zu glauben, vermute ich das Jungkook und ich uns gar nicht so sehr voneinander unterscheiden.
Denn das gerade hat mir gezeigt, dass er genau so viel Angst davor hat alleine zu sein wie ich.
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