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Jungkook Pov
Das erste was ich bemerke, nachdem ich die Tür auf schließe und meine Wohnung betrete, ist der Geruch nach frisch gekochtem essen. Er schlägt mir direkt entgegen und lockt mich sofort in die Küche.
Allerdings verschwindet das Lächeln, welches mir die Vorfreude auf das Gesicht gezaubert hat sofort, als ich sehe wer de am Herd steht und mit dem Kochlöffel im Topf, von dem ich nicht mal wusste das ich ihn besitze, herum rührt.
Sie dreht sich um, als sie hört wie ich meine Sachen auf den Boden schmeiße, allerdings wirkt ihr Lächeln noch falscher als ihre Wimpern, was vielleicht an den ganzen Wunden liegt, denn das passt nicht zusammen.
Wie kann ein Mensch, der gestern noch so niedergeschlagen war jetzt so Lächeln? Es ist als wäre nie etwas passiert. Das einzige, was mir beweist das etwas nicht stimmt, ist der Anblick ihres Gesichtes.
Jiyu ist eine hübsche Frau, ganz ohne Zweifel, aber als sie gestern hier ankam, habe ich sie fast nicht wieder erkannt. Wer auch immer ihr das angetan hat muss voller Hass gegen sie gewesen sein.
"Ich wusste nicht, dass du heute so früh kommen würdest", sagt sie und zieht die Schürze aus, von der ich ebenfalls nicht wusste das ich sie besitze.
Langsam frage ich mich, ob das hier wirklich meine Wohnung ist, oder ob die Sachen, die sich hier drin befinden überhaupt meine sind.
"Wo ist Taehyung?", frage ich und möchte gerade aufstehen, als sie zu mir eilt und mich an den Schultern wieder herunter drückt.
"Er ist kurz einkaufen. Du hast kein Salz mehr und das ist das wichtigste Gewürz für jede Mahlzeit. Ruh dich ruhig aus, das Essen ist gleich fertig."
Mit gerunzelter Stirn starre ich ihr hinterher, als sie wieder in die offene Küche rennt und die Temperatur unter dem Herd, auf dem der Topf steht herunter dreht.
"Woher kennt ihr beiden euch eigentlich?", fragt sie während sie weiter rührt.
Nachdem sie gestern so aufgewühlt vor meiner Haustür aufgetaucht ist, hatte ich keine andere Wahl als sie hinein zu lassen. Taehyung hat sich zum Glück angezogen, bevor er zu uns gestoßen ist und Jiyu hat keine Fragen gestellt, bis jetzt.
"Er ist mein Mitbewohner."
Ich kann nichts anderes tun, als hoffen sie hat ihm nicht dieselbe Frage gestellt während ich weg war, denn wenn wir beide zwei unterschiedliche Antworten geben, könnte das ganze ziemlich kompliziert werden.
"Ich verstehe. Er ist ziemlich ruhig."
Ich bemerke den forschenden Blick, den sie mir zu wirft, ignoriere ihn aber und starre den schwarzen Bildschirm des Fernsehers an, als wäre er interessanter.
"Er kann nicht gut mit Fremden", sage ich und hoffe sie hört auf zu reden.
"Warst du nicht auch mal ein Fremder?"
"Jiyu, was soll das?"
Sie lässt den Kochlöffel los als ich aufstehe und auf sie zugehe, aber ich bleibe auf der anderen Seite der Kücheninsel stehen, statt direkt zu ihr zu gehen.
"Was soll dieses Interesse an Taehyung?" Ich lehne mich noch weiter vor und stütze mit mit dem Ellbogen auf dem Tresen ab, ohne meinen Blick auch nur eine Sekunde von ihr zu lösen.
In der letzten Zeit ist nichts passiert. Nach der ganzen Sache mit Taehyung in der Gasse und den Nachrichten ist nichts mehr vorgefallen und eigentlich wäre das ein Grund um sich zu entspannen, aber die Drohung geht mir nicht aus dem Kopf.
Als nächstes bist du dran.
Es ist wahrscheinlich ziemlich dumm und man könnte mich dafür auch durchaus als Paranoid bezeichnen, aber ich werde das Gefühl nicht los, als hätte Jiyu irgendetwas mit der ganzen Sache zu tun.
Ich weiß nicht was für ein Motiv sie haben sollte, aber es ist alles so merkwürdig. Warum taucht sie ausgerechnet jetzt, nach all den Jahren wieder auf und warum stellt sie Fragen über Taehyung?
"Entschuldige", murmelt sie leicht verletzt von dem Misstrauen in meinem Ton. "Ich... Es ist nur so lange her seit wir uns das letzte mal gesehen haben und... und da wollte ich nun mal wissen wie es dir in der letzten Zeit ergangen ist..."
Sie wischt sich eine Träne weg, die sie nun nicht länger zurückhalten kann. Ich erinnere mich noch sehr gut an früher. Wenn Jiyu anfing zu weinen, waren Sungho und ich immer sofort da um sie zu trösten. Aber gerade ist das nicht so, gerade begräbt mich eine ganze Lavine an Gefühlen und das meiste davon ist Wut und Verständnislosigkeit.
"Wessens Schuld ist es denn überhaupt, dass wir uns so lange nicht gesehen haben?", frage ich bitter und werfe ihr einen letzten, vorwurfsvollen Blick zu bevor ich sie einfach stehen lasse und in meinem Zimmer verschwindet.
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