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Jungkook Pov

Er zeigt mit einer Hand auf den Sessel gegenüber von seinem eigenen, als müsste er mir einen Platz anbieten, dabei ist das mein Büro. Seufzend setze ich mich auf meinen Sessel und schlage die Beine übereinander während ich darauf warte, dass die beiden Polizisten anfangen zu reden.

Auch wenn ich nach außen hin wirke wie die Ruhe selbst, war meine Aufregung nur selten so groß wie jetzt und ich fürchte, dass man mir meine Nervosität auch irgendwann anmerken wird. 

"So, ich denke nicht das sie sich das Video ansehen müssen, oder?", fragt der größere von ihnen mit einem Grinsen im Gesicht und obwohl die beiden mir vorhin ihre Namen genannt haben, kann ich sie mir nicht merken.

Die beiden sind einfach nicht wichtig genug für mich, als das ich mir die Mühe machen würde den Platz in meinem Gehirn dafür zu verschwenden. 

"Und wieso glauben Sie das?", frage ich auf meine gespielt überhebliche Art.

"Sie haben den Patienten gesehen, oder haben sie etwa schon vergessen wie er aussieht?"

Der kleinere und dickere von ihnen lacht während er seine Hand an die Waffe in seinem Gürtel führt und sich mit der Zunge über die Lippen fährt. Ich kann die beiden echt nicht leiden. Für mich sind sie schlimmer als alle nörgelnden Patienten die ich jemals hatte zusammen. 

"Ich weiß noch wie er aussieht, aber es ist schön, dass Sie sich Sorgen um mein Gedächtnis machen, Danke Officer." Das letzte Wort spreche ich absichtlich lächerlich aus und genieße es zu sehen, wie sich die Blicke in den beiden Gesichtern Augenblicklich verfinstern.  

"Nun, wie auch immer. Wir sind hier, weil wir sie über den aktuellen Ermittlungsstand informieren sollen."

"Sie sollen mich darüber informieren? Wieso? Es geht mich doch gar nichts an."

Sie können doch nicht über Taehyung und mich Bescheid wissen. Das kann nicht sein, denn ich bezweifle das Tae trotz allem was passiert ist zur Polizei gegangen ist und ausgepackt hat, wo er doch derjenige war der aus Panik, ohne überhaupt zu wissen warum, weggelaufen ist. 

"Nun, ich bin auch nicht der Meinung das es Sie etwas angeht, aber meine Vorgesetzten denken, Sie sollten es wissen."

Ich lehne mich zurück und hebe interessiert die Augenbrauen. "Dann bin ich gespannt."

Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung was mich erwarten könnte. Warum sollte die Polizei den Stand ihrer Ermittlungen mit mir teilen wollen? Normalerweise wollen sie doch immer mit so wenig Informationen an die Öffentlichkeit, deswegen verstehe ich nicht so ganz was das ganze soll. 

"Der Name ihres Patienten ist Kim Taehyung, kein unbekannter Name in Südkorea. Er ist 23 Jahre Alt und wird seit seiner Einlieferung in dieses Krankenhaus von der Polizei gesucht."

Es waren nicht viele Informationen über seine Person, trotzdem ist es als würde ich eine neue Person kennenlernen. Kim ist also sein Nachname. Das ist zwar der am häufigsten vorkommende Nachname in Korea, aber trotzdem erfüllt mich diese Information mit Freude.

Kim Taehyung. Der Name passt zu ihm.

Was mich aber fast noch glücklicher macht ist die Tatsache, dass er jünger ist als ich. Ich habe also richtig geraten. Vielleicht wusste ich doch mehr als Anfangs gedacht.

"Gibt es noch mehr Informationen über ihn?", frage ich und sehe die beiden mit gerunzelter Stirn an. 

Sie wechseln verwirrte Blicke aus und der dickere von ihnen schüttelt den Kopf, als wolle er seinem Partner sagen ich bin verrückt. "Warum wollen Sie Informationen über ihn?"

Mist. Ich war gerade so in meiner eigenen Welt, in der ich glaubte endlich mehr über Tae erfahren zu dürfen, dass ich gar nicht darüber nachgedacht habe wie komisch das für die beiden sein muss. Aber sowie es eben typisch für mich ist, zucke ich einfach mit meinen Schultern und sehe die beiden vollkommen desinteressiert an. 

"Weil ich etwas über den Mann erfahren will, der auf meinem OP-Tisch lag und nur wenige Stunden später getürmt ist." 

Eine Lüge und eine riesige noch dazu. Ich möchte etwas über den Mann erfahren, den ich Liebe. Der mir zum ersten mal gezeigt hat, was dieses Gefühl überhaupt bedeutet.

"Alles was wir Ihnen sagen können ist auch das, was der Öffentlichkeit bekannt ist. Kim Taehyung ist der Sohn eines Unternehmers, um genauer zu sein der eines Waffenherstellers, dem größten in ganz Südkorea. Es wundert mich nicht, dass sie nicht davon wussten, immerhin sind Unternehmer keine Promis. Aber es wundert mich sehr wohl, dass Sie nicht von der Sache erfahren haben, die an dem Tag passiert ist als Sie Kim Taehyung gefunden haben."

Von der Sache, die passiert ist als ich Taehyung gefunden habe? Wurde etwa in den Nachrichten darüber berichtet, wie er angeschossen und mit einer Schlitzwunde im Rücken blutend in der Gasse zurückgelassen wurde?

"Ich gucke kaum Nachrichten, dafür habe ich keine Zeit", sage ich und zucke entschuldigend mit den Schultern. Das ist Ausnahmsweise sogar die Wahrheit, denn wenn man nach einer Schicht als Arzt nachhause kommt, ist das erste woran man nun mal denkt nicht gerade der Fernseher. 

"Das sollten Sie aber." Die Stimme des kleinen Dicken, die ich gerade glaube ich zum aller ersten Mal höre, ist deutlich angenehmer als die des großen dürren, aber ich würde sie mir trotzdem nicht freiwillig anhören wollen.

"Nun gut, da kann man nichts machen." Er beugt sich nach vorne und stützt seine Ellbogen in seinem Schoß ab bevor er sein Gesicht in seine Hände legt. "Ist ihnen der Name Song Jonghyun noch bekannt, oder soll ich ihrem Gedächtnis da wieder auf die Sprünge helfen?"

Wenn ich jetzt kein Arzt gewesen wäre und die beiden keine Polizisten, die mich direkt abführen könnten, dann hätte ich tatsächlich länger als nur eine Sekunde darüber nachgedacht, ob ich den beiden eine reinhauen soll. 

Aber meine Gedanken bestimmt gerade der Name, der genannt wurde. Natürlich kenne ich diesen Namen, ich könnte ihn niemals vergessen, selbst wenn ich wollte, weil er der einzige Grund ist warum ich überhaupt hier sitze. 

"Ihrem Gesichtsausdruck nach zu Urteilen wissen Sie von wem ich spreche." Er schnalzt zufrieden mit der Zunge bevor er sich wieder zurücklehnt und seine Arme auf die Armlehnen legt. "Dr. Song wurde vor vier Monaten ermordet in seiner Wohnung aufgefunden, am selben Abend, an dem auch Kim Taehyung verletzt in der Gasse von ihnen entdeckt wurde."

"Moment!", werfe ich laut rein um sie zu unterbrechen, weil ich nicht wirklich hinterher komme. "Dr. Song ist tot?"

Der Mann, bei dem ich vor einige Monaten noch rein und raus ging, sollte jetzt tot sein? Und er soll nicht irgendwie gestorben, sondern ermordet worden sein? Ich habe ihn gemocht, er war eine Art Ersatz-Vater für mich, auch wenn ich ihn seit einer Weile nicht mehr gesehen habe. 

"Er wurde zusammen mit seiner gesamten Familie in seinem eigenen Haus umgebracht. Die Todesursache ist bei allen gleich, ein Schuss mitten ins Herz. Das bringt uns auch wieder zu dem Grund unseres Besuches hier." Er lächelt und wirkt schon fast glücklich als er mit seinen Fingern auf seinem Bein herum klopft. 

"Der Patient, den Sie behandelt haben, Kim Taehyung, er ist der Hauptverdächtige in diesem Fall."

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