▪55▪
Taehyung Pov
Kaum habe ich die Tür meines Autos zu geknallt, steht Hobi auch schon vor mir. Normalerweise würden wir uns in die Arme fallen, weil es in letzter Zeit nicht häufig Gelegenheiten gab um sich zu treffen, aber etwas anderes lenkt meine Aufmerksamkeit auf sich, als er mit dem Zeigefinger in Richtung des Brunnens zeigt.
Er liegt zusammengekauert auf dem Boden, ich sehe nur seinen Rücken, aber ich kann mir gut vorstellen, dass er nicht aussieht wie frisch aus dem Ei gekrochen.
"Was tut er hier?", frage ich ohne meinen Blick von ihm abzuwenden. Als wir uns damals im Krankenhaus das letzte mal gesehen haben, dachte ich eigentlich es wäre das letzte mal, dass wir uns sprechen würden. Ich wollte das ganze beenden, nicht schon wieder dem gleichen Menschen in die Arme springen, der mich so verletzt hat.
Aber das Leben hat seine eigenen Pläne mit uns und dagegen kann ich mich nicht wehren. Klar, als Hoseok anrief und mir sagte, dass Jungkook hier liegen würde, hätte ich ach einfach auflegen und es ignorieren können. Er hätte es sowieso nie erfahren, Hoseok wäre am nächsten Morgen viel zu beschäftigt damit gewesen ihn von seinem Brunnen zu verscheuchen, als damit ihm zu erzählen, dass er mich angerufen und mir gesagt hat das er hier liegt.
Aber ich konnte es nicht.
Alleine als ich seinen Namen gehört habe, wollte ich sofort zu ihm. Ich habe ihm damals im Krankenhaus gesagt ich brauche ihn nicht, aber das war die größte Lüge, die ich in meinem ganzen Leben erzählt habe. Denn die Wahrheit ist, ich brauche ihn und es macht mir Angst.
Was ist, wenn ich ihm wieder vertraue, mich ihn weder vollkommen hingebe, nur damit er mich wieder fallen lässt? Ein weiteres mal könnte ich das nicht ertragen.
"Ich weiß nicht, aus welchem Grund er hier ist, aber ich kann dir sagen, was er getan hat seit er hier ist. Er hat mir meinen Platz geklaut und liegt da jetzt drauf wie eine vor sich hin sabbernde Leiche."
Bei der Vorstellung wie Jungkooks Gesicht wohl bei dieser Beschreibung von Hoseok aussehen muss, fange ich fast an zu lachen. Ich habe öfter neben ihm geschlafen. Ab und zu hat er zwar geschnarcht, aber gesabbert hat er eigentlich noch nie. Er muss wirklich verdammt neben der Spur sein.
"Danke fürs Bescheid sagen, Hoseok."
Ich gehe an ihm vorbei, zu dem weggetretenen Jungkook und hocke mich hinter ihm hin. Sanft, wie bei einem Kind, lege ich ihm eine Hand auf den Oberarm und rüttle ihn sanft daran. Wie zu erwarten rührt er sich kein Stück, so dass man fast glauben könnte er wäre tot.
Aber das ist er nicht. Ich höre ihn atmen, sehe das flattern seiner Wimpern und spüre seine Wärme durch den Stoff seines Kittels. Wärme, die ich schon so lange nicht mehr gespürt habe.
"Jungkook", sage ich und rüttle ein wenig stärker an ihm, so lange bis er sich endlich rührt und die Augen langsam öffnet.
Ich kann nicht anders als zu lächeln. Noch nie habe ich so etwas dummes und gleichzeitig süßes gesehen. Mir ist klar, dass er betrunken ist, aber wenn er in diesem Zustand jedes mal so unschuldig aussieht, wie ein neugeborenes nach seinem Mittagsschlaf, dann hätte ich nichts dagegen wenn ich ihn öfter so von der Straße aufsammeln müsste.
"Taehyung?" Er reibt sich die Augen und gähnt, bevor er mit seinen Händen nach den Kanten des Brunnen tastet und versucht sich daran hoch zu ziehen. Tatsächlich gelingt es ihm auch, aber nicht aus eigener Kraft heraus, da ist meine Hilfe nötig.
Kaum steht er auf den Beinen, droht er schon wieder hin zu fallen. Um das zu verhindern, lege ich einen seiner Arme um meine Schulter und schlinge meinen um seine Taille. Obwohl er schwerer ist als er aussieht, was wahrscheinlich an seinem Körperbau liegt, schaffe ich es den torkelnden Jungkook bis zu meinem nahe stehenden Auto zu schleppen und rein zu helfen.
Bevor ich mich selber anschnalle, helfe ich ihm seinen eigenen Gurt zu schließen, wobei mir sein Blick nicht entgeht. Von der Müdigkeit, die ihn vorhin sogar auf den Boden neben einen Brunnen getrieben hat, ist nichts mehr zu sehen. Selbst im schwachen Licht der Laternen, die von draußen hier herein dringen, ist das wache und klare glänzen in seinen Augen zu erkennen.
"Du bist es wirklich", sagt er leise und verursacht mit dem Ton in seiner Stimme eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körper. "Bitte geh nicht wieder."
Ich sehe ihn an, als er seine Hand auf meine am Lenkrad legt. Alles, was ich bis hierhin empfunden habe ist vergessen. Egal mit welcher Einstellung ich an die Sache ran gehen wollte, welches Vorhaben ich gehabt habe und wie ich das ganze beenden wollte, nichts ist mehr von diesen Plänen übrig.
Alles was ich jetzt noch will, ist auf ihn hören und nicht mehr gehen. Aber das was ich will, ist nicht das was ich brauche. Wenn ich wieder auf ihn höre, seinen netten Worten glauben schenke, dann wird es genau so enden wie das letzte mal und das will ich nicht.
"Hör zu...", fange ich an, aber ich komme gar nicht dazu meinen Satz zu beenden. Bevor ich mir die Worte, die ich soeben aussprechen wollte überhaupt in eine richtige Reihenfolge zusammen legen kann, verändert sich der Ausdruck in seinem ganzen Gesicht.
Er verzieht es komisch, kneift die Augen zusammen und setzt sich aufrecht hin, bevor er seinen ganzen Mageninhalt in meine Richtung ausspuckt.
Ich bin nicht imstande mich irgendwie zu bewegen. Mit gehobenen Armen lasse ich es über mich ergehen, während er alles raus lässt.
Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob mir in diesem Moment eher nach lachen oder nach weinen zumute ist. Vielleicht hätte ich am liebsten gleich hinterher gekotzt und der einzige Grund, warum ich das nicht getan habe ist der, dass ich einfach nicht hingeguckt habe, bevor ich den Motor gestartet und uns Richtung Hotel gefahren habe.
×××××
I'm sorry das zwei Tage nichts kam, die waren ganz schön busy 😅
Aber jetzt bin ich wieder eine ganz lange Zeit täglich da und habe hier sogar ein (für mich positives, da ich bemerkt habe, dass egal was ich mache, nur das böse darin gesehen wird 😂😂😂😂😂😂) Kapitel im Gepäck, dieses mal sogar ohne miesen Cut (oder?) 😄❤❤❤
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen4U.Com