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Taehyung Pov
Immer wieder fallen mir die Augen zu, aber die lauten Geräusche im Krankenhaus halten mich vom einschlafen ab. Mein Körper reagiert bereits mit Kopfschmerzen und Übelkeit auf den Schlafentzug, aber selbst wenn er anfangen würde zu zerfallen, würde ich der Müdikeit nicht nach geben. Nicht bis ich Jungkook gesehen habe.
Ich war nicht lange Bewusstlos. Als die Polizei eintraf war ich wieder bei Bewusstsein und bekam gerade noch so mit wie sie Jungkook in aller Eile in den Krankenwagen transportierten. Mich haben sie nicht mit fahren lassen, da ich in keinster Weise mit ihm Verwandt bin und als ich aufgewühlt selber ins Krankenhaus gefahren bin, wollten sie mir nicht einmal von seinem Zustand berichten, bis Jimin ihnen sagte es würde in Ordnung gehen.
Es ist bereits 52 Stunden her seit man mir sagte, ich solle im Wartebereich Platz nehmen und auf mehr Information warten. Seitdem ist das einzige was ich erfahren durfte, dass er die Operation überstanden hat und jetzt seine Ruhe bräuchte weswegen ich immer noch nicht zu ihm darf. Drei von diesen zweiundfünzig Stunden war mir Schlaf vergönnt, aber große Erholung hat das nicht für mich bedeutet.
Ich wäre fast vor Erleichterung aufgesprungen als ich Jimin mit einem beruhigenden Lächeln auf mich zukommen sehe, aber um ehrlich zu sein fehlt mir die Kraft dafür. Außerdem hängt das, was ich gesehen habe immer noch zu tief in meinem Gedächtnis fest, auch wenn es mehr als zwei Tage her ist.
"Es wird langsam Zeit schlafen zu gehen, Taehyung", sagt er und vergräbt seine Hände in den Taschen seines Kittels als er direkt vor mir stehen bleibt. Besorgnis schmückt sein Gesicht. Er sieht aus wie eine Mutter, die versucht ihrem Kind zu sagen, dass es genug Spiele für heute gespielt hat. Nur dass das hier leider kein Spiel ist.
"Ich habe es den anderen Ärzten und den Schwestern bereits gesagt, aber ich wiederhole es für dich: Ich gehe nicht, bis ich ihn selber gesehen habe. Bis ich mich mit meinen Augen vergewissert habe, dass es ihm gut geht." Ein wenig komme ich mir vor wie ein Stures Kind, dass weiß das es Unrecht hat, es sich aber nicht selber eingestehen will. Ich möchte ihn so sehr sehen, nicht weil ich denke die Ärzte lügen mich an, sondern weil ich dieses Bild von ihm in seinem eigenen Blut wieder aus dem Kopf kriegen muss.
"Es geht ihm gut, du kannst mir glauben."
"Aber für wie lange?" Ich sehe ihn an, den Tränen nahe als alles wieder auf mich einbricht. Er hätte tot sein können und er wäre es auch fast gewesen, nur wegen mir. Weil ich Sachen weiß, die ich nicht wissen sollte. Weil meine Neugier größer war als das Menschliche Bedürfnis sich aus gefährlichen Dingen raus zu halten. "Ich habe die Polizei um Schutz gebeten, aber sie sagten dafür bestünde kein Grund. Er ist ein unglaublicher Schütze, sogar viel besser als ich, aber er hat sein Ziel nicht getroffen."
Obwohl es mitten am Tag ist und der Betrieb gerade in vollem lauf, habe ich Angst. Jimin würde sagen, dass hier niemand durch kommt um erneut einen Mordversuch zu starten, aber ich traue diesem Kerl alles zu. Selbst einen Mord vor den Augen von dutzenden Menschen.
"Du musst unendlich Müde sein, du weißt nicht mal mehr wovon du redest."
Als ich erneut den Blick hebe und ihm in die Augen sehe, ist da nicht mehr nur Sorge um mich, sondern Mitleid, Mitleid in einer Art die ich bereits so oft gesehen habe seit ich mein Gedächtnis verloren habe. Er hält mich für verrückt und das Mitleid rührt daher, dass er glaubt ich hätte meinen Verstand nun vollkommen verloren.
"Du nimmst mich nicht ernst", sage ich und sehe ihn vollkommen ernst an.
"Taehyung-"
"Er hat seine Opfer jedes Mal mit einem Schuss ins Herz getötet, er hat sein Ziel nie verfehlt. Wenn er Jungkook hätte töten wollen, dann wäre dieser auch Tot. Er hätte eine Konfrontation mit ihm niemals überlebt, wenn er es nicht gewollt hätte. Aber nehmen wir mal an, irgendetwas hat dafür gesorgt, dass er ihm statt mitten ins Herz in die andere Brust schießt, nahe der Schulter, gibt es da eine andere Sache, die nicht ganz passt."
Obwohl er mich nach wie vor skeptisch ansieht, verschränkt er die Arme vor der Brust und nickt als Zeichen dafür das ich fortfahren kann. Es scheint also durchaus sein Interesse geweckt zu haben und nicht nur das, er könnte mir sogar glauben.
"Bei all seinen Opfern, den überwiegend Kindern, Dr. Song und Jiyu, hat er stets sein Zeichen hinterlassen, damit jeder wusste wer dahinter steckte. Aber bei Jungkook hat er es nicht ganz durch gezogen." Ich bin mir sicher, dass meine Vermutung stimmt, auch wenn in nicht verstehe wieso ich dann am Leben bin, immerhin trage ich das Zeichen auch auf dem Rücken.
"Glaubst du, es war Absicht?", fragt er und ich nicke.
"Natürlich war es Absicht. Genau wie der Schuss an einer Stelle, von der er wusste sie würde ihn nicht töten. Es ist eine Warnung, ein Spiel, dass er mit mir spielt."
Der Schrecken steht Jimin ins Gesicht geschrieben. Er ist ein sehr sensibler Mensch, einer der nicht wahr haben möchte das es so viel böses in der Welt gibt und jetzt damit konfrontiert zu werden muss für ihn auch ziemlich schlimm sein, vor allem weil es seinen besten Freund betrifft und nicht irgendeinen Fremden.
"Aber ich verstehe es nicht, warum sollte er dich warnen wollen?"
Ich sehe zu ihm auf und kann jetzt selber nicht mehr verbergen wie viel Angst ich habe. "Weil ich mich wieder an alles erinnere."
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