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Jungkook Pov

Er ist eingehüllt in eine Daunenjacke, die ihm viel zu groß ist, so groß das er nicht mal die Hände aus den Ärmeln schieben kann um den Becher in seiner Hand zu halten.

Der Kragen schützt seinen Mund und hauptsächlich seine Nase vor der eisigen Kälte die der Winter erbarmungslos mit sich bringt. Es tut mir leid ihn nur auf nasser Pappe im Schnee sitzen zu sehen.

Nachdem ich das Auto parke und hinter mir abschließe, entschließe ich mich trotz aller bedenken zu ihm zu gehen.

Die Stadt ist heute besonders belebt, es ist Samstag und man findet kaum Platz um die Arme auszustrecken, aber der Brunnen an den Taehyung gelehnt ist, der ist frei.

Die Menschen gehen an ihm vorbei, starren auf ihre Handys oder sehen ihn an, aber keiner macht sich die Mühe ihn genau zu betrachten und die Hose unter der Jacke zu erkennen, die eindeutig dem Krankenhaus gehört.

Keiner schenkt dem Mann, der seine Füße nur mit Socken bedeckt, irgendwelche Beachtung.

"Ist was?", ertönt plötzlich eine tiefe Stimme, die mich aus meinen Gedanken reißt.

Verwirrt schaue ich mich zwischen dem ganzen Haufen an Menschen nach jemandem um der mit mir gesprochen haben könnte, aber da ist niemand der mich ansieht oder mir überhaupt seine Aufmerksamkeit schenkt.

"Hier", sagt die gleiche Stimme noch mal, aber dieses mal werde ich auch von der Person am Ärmel gezogen. "Du starrst zu viel, noch nie einen Obdachlosen gesehen?"

Erst jetzt, wo ich sein Gesicht so klar im Tageslicht sehe, wird mir klar wie wunderschön er ist. Damals waren seine Lippen blau und seine Augen Rot umrandet, weil er Unterkühlt war, aber auch wenn ihm mit ziemlicher Sicherheit auch jetzt kalt ist, sieht er viel besser aus, viel lebendiger.

Seine Lippen und die Spitze seiner Nase sind gerötet und am liebsten würde ich dir Decke enger um ihn schlingen und ihn damit wärmen.

Ich weiß nicht warum, aber obwohl es erst unser erstes richtiges treffen ist, das letzte zählt nicht, er war Bewusstlos, fühlt es sich an als wären wir uns bereits seit Ewigkeiten bekannt.

"Du starrst schon wieder", sagt er und verdreht genervt die Augen, als ich keine Anstalten mache damit aufzuhören. Wie kann man das auch von mir erwarten? Jeder würde starren, wenn er wüsste wer sich unter dieser unschmeichelhaften Jacke verbirgt.

"Was tust du hier?", bringe ich nach einer Ewigkeit mit kratziger Stimme zustande und vergrabe meine Hände in den Jackentaschen.

Ich darf mich auf keinen Fall von diesen Augen oder diesen wunderschönen Lippen ablenken lassen, ich muss daran denken, warum ich ihn überhaupt kenne und für welche Fragen ich antworten brauche.

"Ich lebe hier."

"Auf der Straße?"

"Wo denn sonst?"

Seine Antworten sind schnippisch und ich merke, dass er eigentlich keine große Lust auf mich hat, aber das lässt sich nicht ändern, denn auch ich hätte besseres zu tun als ihm hinterher zu laufen, nachdem ich ihm das Leben gerettet habe.

"Wie Alt bist du?", frage ich und mustere ihn ein weiteres Mal von oben bis unten.

Er sieht recht jung aus, Anfang zwanzig vielleicht, was sucht ein so junger und scheinbar gesunder Mann auf der Straße?

"Was interessiert dich das? Bist du ein Bulle oder so?"

Er lacht verächtlich, aber der Ausdruck in seinem Gesicht spricht eine andere Sprache. Es war eine ernst gemeinte Frage, die er als Witz verpackt hat.

"Beruhige dich, ich bin nicht von der Polizei. Zurück zu meiner Frage: Wie alt bist du?"

Mit jeder Frage wird deutlicher wie genervt er ist und wahrscheinlich bereut er gerade sich, trotz der Möglichkeit aufgrund der riesigen Menge hier genug Geld für essen zu Sammeln, hierher gesetzt zu haben.

Aber so sehr er auch in Ruhe gelassen werden möchte, ich mache ihm mit meinem Blick klar, dass er mich nicht mehr los wird. Nicht so lange ich noch keine Antworten habe und die Fragen verdichten sich immer weiter.

"Keine Ahnung", sagt er nur und klemmt sich die vor Kälte ganz rissigen und fast lila verfärbten Hände unter die Achseln, was ihn aussehen lässt wie ein beleidigtes Kleinkind.

Ein Anblick der mich fast zum Lachen bringt, seine Antwort allerdings nicht.

"Keine Ahnung also, na schön. Dann sag mir wenigstens ob es Familie oder Freunde gibt die ich für dich kontaktieren kann."

Obwohl ich nichts lieber will als mich mit ihm unterhalten um meine Neugier so schnell wie möglich zu stillen, ertrage ich es nicht länger ihn aufgrund der Kälte so leiden zu sehen.

Ich weiß gar nicht wie lange er hier draußen sitzt, wahrscheinlich seit ein paar Tagen, als er aus dem Krankenhaus verschwunden ist. Für mich sind es nur ein paar Minuten und ich würde jetzt schon alles für mein warmes Bett geben.

"Ich habe keine Ahnung warum dich das so brennend interessiert, aber wenn ich von irgendwelchen Familienmitgliedern oder Freunden wüsste, dann würde ich sicher nicht hier sitzen und mich mit dir unterhalten."

"Wenn du von ihnen wüsstest?"

Eine vage Vermutung beschleicht mich.

Als ich ihn gefunden habe, war da nur diese eine Schussverletzung an seinem Körper. Ich habe ihn auf weitere abgesucht, aber er war vollkommen unverletzt, auch sein Kopf. Trotzdem scheint meine Vermutung naheliegend.

"Wie heißt du?", frage ich und gehe jetzt sogar vor ihm in die hocke damit er mir in dir Augen sehen kann ohne das er den Kopf in den Nacken legen muss. "Verrätst du mir deinen vollen Namen?"

"Wieso sollte ich?"

"Ich verrate dir meinen im Gegenzug."

"Wieso sollte mich dein Name interessieren?"

Er wendet sich genervt ab und versucht meine Anwesenheit zu ignorieren. Selbst als er wieder in meine Richtung guckt, ist es als wäre ich nicht da, er blendet mich komplett aus.

Aber wenn er das Spiel spielen will, dann tue ich es eben auch.

Ich setze mich auf die kleine Fläche Pappe die neben ihm noch frei ist und vergrabe meine Hände in den Jackentaschen in der Hoffnung, die Wärme würde das Gefühl der Taubheit bald verschwinden lassen.

Er schnalzt mit der Zunge, aber ignoriert mich anfangs noch und lässt seinen Blick lieber über die Straßen und die Menge schweifen als mir irgendwelche Beachtung zu schenken.

Minuten vergehen ohne das wir miteinander redet und aus diesen Minuten wird eine halbe Stunde. Mein Hintern ist eingefroren und ich glaube, dass ich nie wieder irgendetwas an dieser Stelle fühlen werde, aber gerade als ich im Begriff bin aufzugeben und zu verschwinden, räuspert er sich.

"Wenn ich dir meinen Namen verrate, verschwindest du dann?"

Im Gegensatz zu vorher, wirkt er jetzt nicht mehr genervt, sondern viel mehr müde und erschöpft. Er möchte seine Ruhe und obwohl ich ihm diese am liebsten geben würde, vergesse ich nicht, dass auch ich aus einem bestimmten Grund hier bin.

Ich nicke und drehe mich zu ihm um um in seine Augen sehen zu können wenn er mir antwortet, aber er starrt stattdessen auf seine nassen Socken.

"Ich heiße Shinwoo."

"Lügner", kommt es von mir wie aus der Pistole geschossen. 

Fast hätte ich laut gelacht, denn genau damit habe ich gerechnet. Dieser Mann kann mir seinen Namen gar nicht sagen, wenn meine Vermutung stimmt und er belügt mich lieber statt mir zu sagen, dass etwas bei ihm nicht stimmt.

"Was redest du da? Du wolltest meinen Namen und da hast du ihn, du kannst jetzt gehen."

Ich nehme seine rechte Hand in meine und hebe sie hoch, sodass er die innenfläche sehen kann. Auch wenn er versucht sie mir zu entreißen, ich bin kräftiger als er.

"Dein Name ist nicht Shinwoo", sage ich und zeige auf die Stelle wo vor einigen Tagen noch etwas geschrieben stand. "Dein Name ist Taehyung."

Ich lasse seine Hand fallen und nicke in Richtung seiner anderen Hand. "Und mein Name ist Jungkook."













Entschuldigt bitte das schlecht Kapitel, aber sowas kommt nun mal raus wenn man seit über 40 Stunden kein Auge zugemacht hat 😅
Ich hoffe ihr verzeiht mir das

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