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Jungkook Pov

Der Name des Mädchens ist Go Seulgi, wie ich ihrer Akte entnehmen kann. Dafür, dass sie erst vor knapp einer Woche hier war, geht es ihrem Arm bereits besser, sie hat den Rat ihn zu schonen also tatsächlich beherzigt.

Allerdings scheint ihr der Rest ihres Körpers vollkommen gleichgültig gewesen zu sein.

Heute wurde sie von ihrer besorgten Mutter hierher gebracht, die die schmerzen ihrer Tochter und die Blutergüsse bemerkt hat. Außerdem merkte sie an, dass Seulgi kaum Luft bekäme und das ihr das vor allem nachts aufgefallen ist.

Es ist dem Mädchen sichtlich unangenehm ihr Oberteil hoch zu ziehen und sich von mir betasten lassen zu müssen, aber es ist ihre eigene Schuld. Sie hätte auch nach einem weiblichen Arzt fragen können, aber aus irgendeinem Grund hat sie mich gewählt.

"Was ist passiert?", frage ich während ich Druck auf den Rippen Bereich ausübe und auf irgendeine Reaktion warte.

"Ich bin im Bad ausgerutscht."

Als meine Hände weiter oben knapp unter dem Bügel ihres BHs zudrücken, zuckt sie dann endlich zusammen und liefert mir damit die Antwort auf die Vermutung, die ich hatte.

Ich ziehe die Augenbrauen hoch und mache ihr damit klar, dass sie gar nicht erst zu versuchen braucht mir diese Lüge aufzutischen. Ihre Mutter mag ihr das vielleicht glauben, aber ich merke, dass das hier nicht das Werk eines Waschbecken war.

"Ein direktes Trauma", murmel ich und ziehe ihre Bluse wieder runter damit sie sich nicht mehr so unwohl fühlt. "Wie würdest du den Schmerz beschreiben?", frage ich und setze den Stift zum schreiben an.

"Keine Ahnung... Wie soll ich das denn beschreiben?"

Ich hebe den Blick und starre sie eine ganze Weile nur an. Sie ist wirklich hübsch, kaum geschminkt, dezent gekleidet und doch hübsch, aber sie ist ziemlich lustlos und nicht wirklich gesprächig, vor allem mir gegenüber wie ich befürchte.

"Bist du hier um meine Zeit zu verschwenden?", frage ich, packe den Stift und die Unterlagen zur Seite und verschränke die Arme vor der Brust.

Sie wirbelt zu mir herum und zischt vor Schmerz als ihre Rippen sich dafür rächen.

"Nein!"

"Findest du das witzig?"

"Wie kommen Sie darauf?", fragt sie schockiert.

"Weil ich mir sonst nicht erklären kann warum du von mir verlangst dich zu untersuchen und dich dann weigerst mir antworten auf die simpelsten Fragen zu geben."

Ich merke schnell, dass ich bei ihr nicht weiterkommen werde. Wenn sie nicht ständig hierher geschleppt werden würde, dann würde sie sich niemals von selbst die Mühe machen sich untersuchen zu lassen, sie würde lieber sterben als diese lästigen Fragen über sich ergehen zu lassen und wenn das so ist, dann versuche ich es gar nicht erst.

Wenn Menschen sich nicht helfen lassen wollen, dann kann ich sie nicht dazu zwingen, mal abgesehen davon habe ich weder den Nerv, noch die Zeit dafür.

"Ich denke, es handelt sich um einen Bruch der ersten und zweiten Rippe, vielleicht auch die dritte. Ich möchte ja nicht sagen, dass deine Geschichte mit dem Waschbecken eine Lüge ist, aber eigentlich möchte ich genau das sagen. Die erste bis dritte Rippe werden durch den Schultergürtel und den Weichteilen geschützt, dass sie bei dir gebrochen sind deutet auf Gewalteinwirkung hin, das kann ein Waschbecken nicht fabriziert haben."

Ich werfe einen kurzen Blick auf sie und fühle mich in meinem Verdacht bestätigt. Sie lügt, sie hat auch bereits das letzte mal gelogen und sie wird die Wahrheit nicht ausspucken, egal wie sehr ich es versuche, also spiele ich weiter den Arzt.

"Außerdem ist dein Brustkorb instabil, wahrscheinlich eine Verletzung der Brustkorbwand."

Ich notiere alles was ich in diesen wenigen Minuten herausgefunden habe und sehe sie dann an.

"Ich werde ein CT und eine Ultraschalluntersuchung durchführen lassen. So leid es mir auch tut, du wirst wohl mehr als nur ein paar Stunden in diesem Krankenhaus verbringen müssen. Warte hier, ich hole eine Schwester die dich begleitet und denk gar nicht erst daran abzuhauen, denn das nächste mal kannst du dir deinen Arzt nicht aussuchen."

Als Arzt ist es natürlich meine Pflicht jeden Patienten zu behandeln ohne persönliches einfließen zu lassen. Es zählt nicht wie Sympathisch mir ein Mensch ist oder ob er mir irgendwann etwas schlechtes getan hat, alles was zählt ist, das er meine Hilfe braucht und das ich sie ihm geben kann.

Es ist nicht so, dass dieses Mädchen mir irgendwie unsympathisch ist, aber sie ist verdächtig, verdächtig auf eine Weise die ich nicht beschreiben kann.

Die offensichtlichen Lügen die sie mir auftischt und die Verletzungen mit denen sie droht hier Stammgast zu werden, das alles ist mir nicht so ganz geheuer.

"Wie lange werde ich hier bleiben müssen?", ertönt ihre leise Stimme hinter mir, gerade als ich im Begriff bin das Zimmer zu verlassen.

Ich drehe mich langsam zu ihr und betrachte sie. Das Mädchen tut mir leid. Was auch immer es ist das sie belastet, sie möchte entweder nicht darüber reden oder sie hat solche Angst, dass sie es lieber über sich ergehen lässt, als es irgendjemandem zu erzählen.

"Das kann ich dir erst nach den Untersuchungen beantworten. Aber eines kann ich dir sagen, wenn du kooperierst und tust was ich dir sage, dann bist du hier schneller draußen."

Sie nickt leicht und als ich die Tür hinter mir schließe, bilde ich mir sogar sie ein leises, kaum hörbares "Dankeschön" murmeln zu hören.

×××××××××

Ich mache mir gar nicht erst die Mühe den Kittel, den auch heute das Blut von einem Patienten beschmutzt hat, auszuziehen.

Da ich selber nicht weiß wie man Blut aus weißen Klamotten raus bekommt, gebe ich sie jedes mal in die Reinigung, weil sie danach alle wie neu aussehen ohne das ich mir dafür Mühe machen müsste.

So oft kommt es auch gar nicht vor, es ist sogar ziemlich selten, weil es meistens die OP Kleidung ist die das ganze Blut abbekommt und die muss ich ja nicht selber waschen, das übernimmt das Krankenhaus.

Als ich an der roten Ampel halte, werfe ich einen kurzen Blick aus dem Fenster und betrachtet die Menschenmenge die aus dem Einkaufszentrum stürmt.

Heute ist Samstag, deswegen wundert es mich nicht das hier solch ein Andrang herrscht.

Gerade als ich meinen Blick wieder nach vorne auf die Straße richten will, hebt die Gestalt die nur in eine Decke gehüllt vor dem Brunnen kauert den Kopf und lässt die Zeit für einen kurzen Moment still stehen.

Obwohl ich sein Gesicht damals nicht wirklich erkannt habe, hatte ich im OP genug Zeit es zu betrachten und es besteht kein Zweifel daran.

Da sitzt Taehyung.

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