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Taehyung Pov

Ich weiß nicht, wie lange ich bereits bei dieser Hitze durch die Gegend laufe, aber mein Kopf schmerzt, was ich zum Teil wahrscheinlich auch der starken Sonneneinstrahlung zu verdanken habe, der ich ausgesetzt war.

Mittlerweile ist die Sonne unter gegangen, es ist stockdunkel hier draußen, aber die Bilder von vorhin sind immer noch präsent. Ich bin abgehauen, habe bei einer Telefonzelle halt gemacht und anonym die Polizei angerufen, aber trotz all der Stunden, die ich jetzt schon unterwegs bin, komme ich nicht zur Ruhe.

Meine Hände zittern, als hätte ich die im Flur gefundene Waffe tatsächlich benutzt, als wäre ich derjenige gewesen der diese Menschen umgebracht hat und auf eine gewisse Weise bin ich das sogar vielleicht.

Dr. Song wollte nicht zur Polizei gehen, weil er wusste was passieren würde. Der Kerl hat ihm oft genug damit gedroht gehabt ihn und seine gesamte Familie zu töten sollte er auch nur Andeutungen gegenüber jemand anderem machen.

Dass er es mir erzählt hat muss für ihn bereits schlimm genug gewesen sein, aber er hat mich als eine weitere Figur in dem Spiel gesehen, das er da spielt. Er wollte mich bezahlen lassen, dafür das ich mich eingemischt habe, aber wegen meinem Gang zur Polizei sind diese Menschen jetzt vielleicht gestorben.

Ich habe ihn Feige genannt, ihm sogar einmal vor lauter Wut vorgeworfen er sei ebenso ein Mörder, aber ich verstehe ihn jetzt. Ich verstehe warum er niemandem davon erzählen, warum er der Polizei niemals davon berichten wollte.

All die Menschen, die bereits gestorben sind, waren für ihn wahrscheinlich leichter zu ertragen als seine Familie durch seine Schuld auch noch sterben zu lassen.

Er hat ihn sicher zusehen lassen. In einem der Briefe, in denen er Dr. Song einmal drohte stand, dass er ihn bei einem Fehltritt zusehen lassen würde, wie er seine Familie umbringt um ihn dann letztlich auch zu töten. Außerdem ist das sein typisches Vorgehen. Er tötet immer zuerst das jüngste Mitglied einer Familie und arbeitet sich dann zum ältesten durch.

Er hat das Mädchen getötet, die kleine süße Tochter von Dr. Song, die mir immer Kekse angeboten hat, wenn ich gerade dabei war zu gehen und danach wohl die zweite Tochter, der ich nur ein einziges mal begegnet bin. Dieses Monster hat sie alle umgebracht, meinetwegen. Weil ich den Helden spielen wollte.

Ich stütze mich mit der Hand an der nächsten Wand ab und lasse den Tränen erneut freien lauf. In meinem Magen wird das ganze Essen der letzten Tage durcheinander gewirbelt bei der Erinnerung an all die Leichen.

Sie wurden alle durch einen Schuss mitten ins Herz getötet, sie hatten nicht einmal Zeit sich voneinander und der Welt zu verabschieden und als wäre das nicht schlimm genug hat er ihnen auch noch mit einem Messer diese Wunde am Rücken zugefügt.

Das Blut, das überall auf dem Boden lag und die toten, blassen Gesichter werde ich nie vergessen. Niemals könnte ich die leeren Augen der kleinen vergessen, die mir direkt in meine gesehen haben als wüssten sie wer Schuld an ihrer Lage ist und niemals den Gestank des Todes.

Ich stoße mich von der Wand ab und laufe hinter das Gebäude zu den Containern wo ich auf die Knie sinke und mich zwischen den Müllsäcken übergebe. Normalerweise habe ich keinen schwachen Magen, ich ertrage viel, aber normalerweise sehe ich auch keine Leichen.

Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt, es ist als würde mein Körper auf das reagieren, was ich empfinde. Kann man an Schuldgefühlen sterben? An einem schlechten Gewissen, das so sehr an dir nagt, dass du dir wünschst du könntest es? Denn wenn Ja, dann bin ich wahrscheinlich gerade dabei.

"Sieh mal einer an."

Ich zucke vor Schreck zusammen und drehe mich sofort um als die Stimme erklingt. Kaum zu fassen das es möglich ist, aber das schlechte Gewissen von dem ich eben noch dachte ich könnte mich nie mehr davon erholen, ist plötzlich zweit rangig.

Das erste was ich im Schein des schwachen Mondlichtes sehe ist das seltsame glänzen der Waffe trotz des matten schwarzes. Sie befindet sich vor meinen Gesicht, ich kann direkt in die Mündung sehen.

"Wieso bist du so überrascht? Ich habe es dir doch in einer Nachricht mitgeteilt", sagt er und entsichert die Waffe. "Du bist der nächste, der stirbt."

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