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Taehyung Pov
Der Tag zählte zu einem der heißesten seit zwanzig Jahren und das war den ganzen Tag über zu spüren gewesen.
Kaum hatte man sich den Schweiß aus dem Gesicht gewischt, bildete sich auch schon neuer und wenn meine Eltern mich nicht gedrängt hätten, trotz diesen unmenschlichen Temperaturen trotzdem zum Training zu gehen, hätte ich wahrscheinlich den ganzen Tag zu Hause vor dem Heimkino verbracht und die kühle Luft der Klimaanlage genossen.
Aber selbst auf der höchsten Stufe wäre die eisig kalte Luft eben dieser Anlage nichts im vergleich gewesen zu den kalten Fängen der Angst, die mich jetzt wie ihr Kind in den Armen wiegt.
Nach dem Tage gestern und auch heute war das eigentlich das einzige was ich mir unter Entspannung vorstellen konnte. Mit einem Kater im Fahrstuhl aufzuwachen und von den Eltern in der eigenen Wohnung begrüßt zu werden ist nicht gerade das, was man sich unter einem guten Morgen vorstellt. Ich bereue es ihnen meinen Ersatzschlüssel gegeben zu haben, denn der Zustand in dem sie mich vorgefunden haben war für sie der perfekte Beweis dafür, dass ich mein Leben nicht auf die Reihe kriegen.
Sie machen sich nur Sorgen um mich, das weiß ich, aber ihre Sorge ist übertrieben und ich will sie nicht. Sie fragen mich, was mit mir los ist in letzter Zeit und ich würde es ihnen so gerne sagen, mir alles von der Seele reden, aber ich kann es nicht. Ich bin bald ein toter Mann, aber sie sollen mir nicht folgen. Wenn der Kerl heraus finden würde, dass meine Eltern Bescheid wissen, wären sie die nächsten auf seiner Liste.
Ich habe ihnen erzählt, dass ich mit Freunden feiern war, die ich in Wahrheit eigentlich gar nicht habe und sie haben sich damit zufrieden gegeben. Allerdings wollten sie, dass ich Schießübungen machen gehe, obwohl sie wissen, dass ich das schon lange nicht mehr kann. Immerhin ist das auch der eigentliche Grund für meine Stunden bei Dr. Song, aber ihnen zu liebe habe ich es trotzdem versucht.
Letztendlich hat mich der heutige Tag doch wieder an den Ort getrieben, von dem ich mir eine Auszeit gönnen wollte. Das Haus sieht so freundlich aus, während die Sonne dahinter langsam untergeht, aber als ich mich der Tür nähere, bemerke ich, dass sie einen Spaltbreit offen steht.
Das ist der erste Alarm, der in meinem Kopf los geht, allerdings ignoriere ich ihn trotz all der roten Lichter, die noch daneben zur Warnung blinken und ich wünschte ich hätte es nicht getan. Ich wünschte ich hätte auf mein Gefühl gehört und wäre nicht hinein getreten.
Der zweite Alarm geht im Flur los, als ich gegen etwas auf dem Boden liegendem trete und sofort erkenne was es ist. Statt sie liegen zu lassen, gehe ich in die Knie und hebe sie auf um sie mir genauer anzusehen. Spätestens hier wäre es richtig gewesen die Polizei zu rufen, aber stattdessen ließ ich mich erneut von meiner Neugier treiben, sowie damals als ich Dr. Song bat mir sein Geheimnis anzuvertrauen.
Es war eine Waffe aus unserer Herstellung, die ich dort auf dem Boden liegend fand. Mit ihr in der Hand ging ich weiter, bis ich durch den Flur in das offene Wohnzimmer gelangte und erschrocken nach Luft schnappte.
Ich weiß noch ganz genau, wie mir die Tränen sofort in die Augen schossen, bevor ich überhaupt realisiert hatte was da vor mir lag. Ich weiß noch genau, wie ich aus Verzweiflung schreien wollte, aber kein Ton meine Lippen verlassen hat.
In meiner Brust verspüre ich ein plötzliches ziehen, die Luft bleibt mir vollkommen weg und ich zwinkere wie verrückt in der Hoffnung das ganze ist nur ein schlechter Traum. Aber egal wie sehr ich es hoffe, egal wie viele Tränen ich vergieße, das hier ist tatsächlich passiert. Dr. Songs Befürchtungen haben sich alle bewahrheitet.
Mit großen Augen starre ich fassungslos die Waffe in meiner Hand an und lasse sie fallen, kurz bevor meine Beine unter mir nachgeben und ich unsanft auf die Knie falle.
Mein Blick ist verschwommen während ich nach etwas taste woran ich mich wieder hoch ziehen und dieser Szenerie entkommen kann, aber mein Magen macht mir einen Strich durch die Rechnung.
Der Anblick der ganzen toten und der Geruch nach Metall, das vom Blut kommt, befördert den gesamten Inhalt, alles was ich heute zu mir genommen habe mit einem rutsch raus.
Meine Augen füllen sich nun endgültig mit Tränen, die mein ganzes Gesicht befeuchten und als ich endlich nicht mehr das Gefühl habe mich übergeben zu müssen, lasse ich alles mit einem Schrei raus.
Ich vergrabe meine Hände in den Haare und schreie so laut ich kann, als könnte ich damit die Bilder verdrängen, die sich mir soeben geboten haben, aber ich weiß, dass das nicht möglich ist.
Dr. Song hat nie seinen Mund aufgemacht, weil er Angst hatte ihm und seiner Familie könnte etwas zustoßen, aber jetzt war es sein Schweigen, das ihn umgebracht hat. Er ist tot und mit ihm auch die einzige Möglichkeit diesen Kerl dran zu kriegen.
Aber nicht nur er, auch seine Kinder und seine Frau hat er getötet. Er hat unschuldige Menschen, Menschen die nichts von dem Monster wussten das er war, getötet und zum Teil bin auch ich daran schuld.
Während eine ganze weitere Familie durch die Hand dieses Kerls gestorben ist, lag ich vollkommen betrunken im Fahrstuhl.
Ich war derjenige, der sterben sollte, nicht der Doktor, nicht diese Kinder.
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