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Taehyung Pov

Ich öffne langsam und vorsichtig die Augen. Meine Lider fühlen sich an als hätte man sie mit Blei versehen, genau wie meine Arme und Beine, die ich nicht bewegen kann. Ein unerträglicher Gestank steigt mir in die Nase und auch ohne es zu sehen weiß ich, dass es Blut ist.

Die Kälte des Winters umspielt meinen Körper, streift über meine Haut und frisst sich durch den Stoff meiner Kleidung bis in meine Knochen, aber da ist eine Sache, die mir Wärme spendet. Ich sitze in etwas warmem, in einer Pfütze und als ich den Kopf nach vorne fallen lasse um mir anzusehen was es ist, beginne ich fast zu weinen.

Wenn ich das Gefühl beschreiben müsste, das ich empfinde als mir klar wird wo ich bin, dann könnte ich es nicht. Das hier ist eine Gasse und ich liege mit unerträglichen Schmerzen in meinem ganzen Körper auf dem harten Boden zwischen Müllsäcken.

Ich fühle mich leer und zerschlagen, nutzlos wie etwa Staub in der Luft. Ich weiß nicht, wie ich in dieses Schlamassel geraten bin, ich weiß nicht einmal wer ich bin, aber ich liege trotzdem hier und ich sterbe. Ich sterbe ohne wirklich gelebt zu haben

Es tut weh. Da ist etwas in meiner Brust, was sich anfühlt wie ein Loch und ich glaube, dass das Blut aus dem sich die Pfütze unter mir bildet aus eben diesem Loch fließt. Das und die Kälte, sie tun mir weh.

Stärker als der Schmerz ist allerdings die Trauer. Manche Menschen sagen sterben wäre einfach. Das man nichts weiter tun müsse als die Augen zu schließen und sich gehen zu lassen, aber das stimmt nicht. Sterben ist schwer, denn während du stirbst, fallen dir all die Dinge ein, die du falsch gemacht hast, all die Fehler die du begangen und nicht mehr rückgängig machen kannst. 

Dir fällt auf wie alleine du bist, wie alleine du dein gesamtes Leben vielleicht warst und das du jetzt genauso alleine sterben würdest. 

"Taehyung", höre ich eine Stimme leise meinen Namen flüstern und laute Schritte von den Wänden dieses gottverlassenen Ortes wieder hallen. Ich bilde mir ein kurz Licht zu sehen, wie das eines Engels als sich jemand vor mich hockt und erschrocken nach Luft schnappt.

Ich sehe hinauf um sie besser sehen zu können, betrachte ihr langes blondes Haar, das schöne Gesicht und die glänzenden Augen als sich bei meinem Anblick Tränen darin bilden. Der Mond scheint von hinten, taucht sie in ein warmes schönes Licht und lässt sie aussehen wie ein Engel.

Ist sie das vielleicht sogar? Ich weiß nicht, was für ein Mensch ich war, aber vielleicht war ich ein guter. Vielleicht schickt Gott mir diesen Engel um mich in den Himmel zu begleiten. Vielleicht sterbe ich doch nicht so alleine.

"Alles wird gut, Taehyung. Ich habe jemanden gerufen, ich habe ihm geschrieben und er wird kommen, das weiß ich. Er wird kommen und dich retten."

Ich versuche meine Hand zu heben, ihr über das Gesicht zu streichen, aber mein Körper ist zu schwer. Wieso weint der Engel? Trauern selbst die Wesen Gottes über sterbende Menschen wie mich? Und wieso ist dieser Engel verletzt? Ich sehe an ihr herunter und starre den Arm an, der gebrochen dein muss, denn er steckt in einem Gips.

"Bist du ein Engel?", frage ich mit schwacher und kratziger Stimme, fürchte sogar schon beinahe das ich die frage gar nicht wirklich ausgesprochen habe, aber an ihrem sanften Lächeln merke ich, dass sie es gehört hat.

"Ich bin wohl ganz weit weg von einem Engel, dafür trage ich viel zu viele Sünden mit mir herum. Aber ich bin auf deiner Seite, ich lasse nicht zu das er hiermit durch kommt."

Obwohl ich nicht ganz verstehe was genau sie damit meint nicke ich und schließe wieder die Augen. "Kannst du mir noch mal sagen wie mein Name ist?", frage ich und warte darauf das sie mir mit ihrer sanften Stimme antwortet.

Der Wind streicht mir durch die Haare, weht sie mir aus dem Gesicht und für einen Moment habe ich das Gefühl tatsächlich im Himmel zu sein. Ich befinde mich nicht länger zwischen Müllsäcken, sondern auf wolken, umgeben von dem Duft der Blumen statt dem Gestank von Abfall und meinem eigenen Blut.

Warme Finger wandern meinen Rücken entlang als mir mein Pullover hochgezogen wird. Es ist komisch, denn obwohl mir kalt sein sollte, wo es doch Winter ist, ist mir warm als jemand mir sanft über den Hinterkopf streicht. 

"Weißt du nicht mehr wer du bist?", fragt die leise Stimme des Mädchens und ich öffne wieder die Augen nur um ihr in das traurige Gesicht zu sehen. Der Arm muss ihr schrecklich weh tun, was mag ihr zugestoßen sein, wer tut ihr sowas an?

Ich würde sie das gerne fragen, ihr helfen und den Schmerz nehmen sowie sie es gerade tut, aber ich kann nicht. Alles was ich tun kann, alles wozu ich überhaupt noch die nötige Kraft besitze ist ein leichtes schütteln mit dem Kopf.

"Woran erinnerst du dich?", fragt sie erneut und unter ihre Trauer mischt sich nun auch Besorgnis.

Woran ich mich erinnere? Das ist eine gute Frage, über die ich selber nachdenken muss bevor ich schwach antworte. "An gar nichts. Ich weiß nicht wer ich bin, wo ich bin und warum ich hier bin. Alles was ich weiß ist das ich sterbe."

"Du darfst nicht sterben", sagt sie sofort und legt ihre Hand auf mein Gesicht als würde sie mich damit wach halten wollen. Ich lächle, denn ich bin tatsächlich glücklich obwohl ich sterbe, denn ich tue es wenigstens nicht alleine und dieser Gedanke reicht aus um meine Augen zu schließen und mich zu entspannen.

"Es tut mir leid." 

Obwohl der Ton in ihrer Stimme und auch die Lautstärke gleich bleiben, ändert sich etwas ganz entscheidendes: sie weint nicht mehr nur, sie kämpft auch mit sich selber.

Wenn ich in diesem Moment genug Kraft besessen hätte um zu schreien, dann hätte ich das getan, aber meine Kehle ist vollkommen ausgetrocknet, alles was ich zustande bringe ist ein Wimmern als ich spüre wie mir jemand etwas scharfes oben in die linke Schulter bohrt und meinen gesamten Rücken nach unten Rechts zu meiner Hüfte zieht. 

"Verzeih mir", sagt die Stimme erneut, aber der sanfte Klang vermischt sich mit dem verzweifelten Wimmern von mir und lässt die Worte wie einen Witz klingen.

"Ich hoffe du kannst mir irgendwann verzeihen, aber ich muss das tun. Sie werden dich für den Mörder halten wenn sie dich so finden, aber hiermit werden sie denken du warst nur ein weiteres seiner Opfer."

Sie kramt in meinen Taschen herum, bis sie auf der Suche nach etwas scheinbar fündig wird und es in meine Hand legt.

Plötzlich verschwindet die Wärme und die Stimme, die eben noch mein Begleiter war. Ich öffne langsam meine Augen, dem Tod bereits näher als dem Leben und sehe nur noch wie sie etwas an der gegenüber liegendem Wand tut und dann verschwindet. Das letzte was ich höre sind die hastigen Schritte als ich die Augen schließe.











×××××
Das war die letzte Rückblände 😄

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