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Taehyung Pov

Obwohl die Sonne bereits untergegangen und der Wind stärker geworden ist, spüre ich keine kälte. Es sind um die 19 Grad, eine angenehme Temperatur für die Nacht und nichts worüber man sich beschweren könnte, aber denoch zittere ich.

An diesen ort zurück zu kehren, den ich eigentlich nur von Erinnerungen kenne, die mir viel mehr vor kommen wie Bilder aus einem schlechten Film, macht mich nervös und um ehrlich zu sein spüre ich auch die Angst bis in die Knochen.

Ein schlechtes Gefühl hat mich die ganze Fahrt hierher begleitet, eines das ich mit Worten alleine nicht beschreiben kann. Ich fürchte nicht den Tod, denn der wird jeden von uns irgendwann ereilen. Ich fürchte nur den Tod vor dem Leben.

Was ich meine ist, dass ich nicht sterben will ohne überhaupt richtig gelebt und vor allem nicht ohne das hier geklärt zu haben. Ich kann nicht sterben ohne diesen Mistkerl hinter Gitter und Jungkook damit in Sicherheit gebracht zu haben.

Ich stütze mich an den seltsam kalten Steinwänden des Gebäudes ab während ich langsam drum herum gehe, zu genau der Stelle hinter dem Kiosk an der ich lag, als ich vom Tatort in Dr. Songs Haus geflüchtet bin. Die Stelle, an der ich nur knapp dem Tod entkommen bin.

Mir wird schlecht, genau sowie damals, aber der große Unterschied ist, dass ich jetzt nicht hier bin weil ich vor irgendetwas weg laufe, ganz im Gegenteil. Ich bin hier um etwas zu beenden, was schon lange hätte ein Ende finden sollen. Das hier wird nicht so ausgehen wie das letzte mal.

Ich drehe mich langsam um, wende den Blick von eben jener Stelle ab, auf der ich mir einbilde noch mein Blut zu sehen und mein Wimmern von den Wänden wieder hallen zu hören. Die Erinnerungen sind so präsent, als wäre es erst Stunden her das ich tatsächlich dort gelegen habe, aber es ist schon fast ein Jahr seitdem vergangen. Eine viel zu lange Zeit.

Mein Blick bleibt an der gegenüberliegenden Wand hängen, ich bewege mich nicht. Damals waren meine Augen halb geschlossen, ich dem Tod näher als dem Leben und doch bin ich mir sicher, dass es keine Einbildung war. Sie war an der Wand dran und sie hat etwas darin deponiert.

Ich reiße mich zusammen und trete die Müllsäcke beiseite um bis zur Wand durch zu kommen. Es muss komisch aussehen, wenn man jemanden wie mich sieht, der sich die Wand entlang tastet auf der Suche nach diesem einen Mauernziegel.

Die Wände sind immer noch kalt und teilweise nass vom Regen, der erst aufgehört hat kurz bevor ich das Krankenhaus verlassen habe. Der Gestank von Müll in der Luft ist unerträglich, aber denoch mache ich writer. Ich lag in meiner eigenen Kotze und meinem Blut zwischen diesen Müllsäcken und ich habe das überlebt, also wird das hier wohl ein Kinderspiel sein.

Ich schreie fast schon erleichtert auf, als ich endlich den losen Stein finde und ihn heraus ziehe. Damals bei Seulgi sah es so leicht aus, aber obwohl er nicht fest in der Wand sitzt, muss ich ihn trotzdem mit viel Geschick da heraus bekommen.

Er landet auf dem Boden zwischen den Müllsäcken, denn im Gegensatz zu Seulgi brauche ich ihn nicht mehr, ich brauche nur das was sich dahinter befindet. Im Dunkeln kann ich nichts erkennen, also nehme ich all meinen Mut zusammen und stecke meine Hand ist das Loch.

Ich brauche nicht einmal lange suchen, der Gegenstand, nach dem ich gesucht habe und den Seulgi damals genau hier versteckt hat, sichtbar für mich damit ich ihn irgendwann finden kann, befindet sich nicht zu tief drin.

Meine Hände zittern nach wie vor als ich sie hervor ziehe, das mittlerweile sehr mitgenommene, aber trotzdem brauchbare Notizbuch in der Hand. Der Umschlag ist schwarz und unbeschriftet, das Papier darin nicht länger weiß, sondern viel mehr gelb.

Meine Freude über den Fund währt allerdings nicht lange. Mein leises Lachen, das ich mir wegen der Erleichterung nicht verkneifen kann wird unterbrochen von dem Geräusch einer Pistole, die direkt hinter mir entsichert wird.

Sofort hören meine Hände auf zu zittern, mein Herz zu schlagen, meine Lunge Luft aufzunehmen. Mein ganzer Körper gibt die Arbeit auf, allerdings nur für einen kurzen Augenblick, denn im nächsten spüre ich auch schon wieder das Adrenalin in meinem Blut und die unerträgliche Angst, die mich auch damals beherrscht hat.

"Wie schön, dass das ganze so gut mit dir funktioniert", sagt jemand hinter mir. Nach dem Verlust meiner Erinnerungen habe ich kein einziges mal persönlich mit ihm geredet, aber ich weiß, dass er es ist. Seine Stimme, mit der er mir damals sagte ich würde sterben, werde ich nie vergessen.

Langsam drehe ich mich um und auch ohne Spiegel direkt vor mir ist mir der Hass in meinen Augen durchaus bewusst. Mein Kiefer ist angespannt, meine Hände so fest zu Fäusten geballt das meine Fingernägel sich so tief in meine Haut bohren, dass ich mich selber damit verletze.

"Sag nicht, du hast den Streifenwagen direkt vor dem Krankenhaus nicht bemerkt?" Er sieht mich gespielt unschuldig an. "Ich würde ja sagen aus Fehlern lernt man, das nächste mal solltest du darauf achten das du nicht verfolgt wirst, aber es wird kein nächstes mal geben."

Er tritt einen weiteren Schritt auf mich zu, nur noch etwas mehr als zwei Meter trennen uns und obwohl er weiter von mir weg steht als damals, fühle ich mich in der Zeit zurück versetzt.

"Wirf das Buch auf den Boden. Direkt vor mich."

Er zeigt mit dem Finger zwischen seine Beine und sieht mich mit einem Ausdruck an, der mir ganz klar sagt das ich keine andere Wahl habe. Er will das Buch, wenn ich es ihm nicht gebe, erschießt er mich und entreißt es meinen toten Fingern und wenn ich es tue, wird er mich auch töten. Also so oder so heißt es ich werde sterben.

Wütend werfe ich das Buch direkt vor seine Füße und schlage mit der Faust mit voller Wucht gegen die Wand hinter mich. Ich weiß, dass das nicht hilft, aber in so einer Situation gibt es keine Hilfe. Er hat eine Waffe und ich habe nichts.

Ich schließe die Augen und hebe meinen Kopf gen Himmel, sodass ich die Sonnenstrahlen auf meiner Haut genießen kann, mit dem Gedanken das es nicht nur die letzten an diesem Tag sind sondern für mich auch die letzten in meinem Leben.

"Keine Sorge", sagt er mit Vorfreude in der Stimme. "Dieses mal ist es ein Abschied für immer."

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